Alexander Gapp, CEO Plaston AG, im Interview

Alexander Gapp
Plaston-CEO Alexander Gapp. (Foto: Plaston)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Gapp, der weltweite Stress in der Logistikkette reicht sogar bis zum Plastik. Spüren Sie davon etwas?

Alexander Gapp: Wir haben uns sehr früh, und zwar bereits im Dezember 2020, mit der Thematik Versorgung von Rohmaterial beschäftigt. Zum damaligen Zeitpunkt war die Verfügbarkeit noch gesichert, aber gewisse dunkle Wolken waren am Horizont bereits sichtbar. Aus diesem Grund haben wir Sicherheitsbestände aufgebaut und uns um Alternativmaterialien gekümmert. Unsere Beschaffungsabteilung hat somit sehr weitsichtig und höchst professionell agiert. Hilfreich war zudem, dass wir mit unserem grössten Koffer-Kunden ein Recycling-Projekt gestartet haben und die teilweise Umsetzung auf Recyclingmaterial einen positiven Effekt auf unsere Verfügbarkeit hatte. Mit Ausnahme von Exoten-Materialien hat wir keine Lieferengpässe und konnten unsere Kunden stets beliefern.

Woher beziehen Sie das thermoplastische Granulat, von dem Plaston 40 Tonnen pro Jahr zum Kofferbau und für technische Kunststoffteile braucht?

Wir haben für unsere Hauptmaterialien, für das ABS (Acrylonitrilbutadienstyren) als auch das PP (Polypropylen), jeweils einen Lieferanten. Mit beiden arbeiten wir bereits seit Jahren sehr eng und partnerschaftlich zusammen. Für uns ist sowohl auf der Verkaufs- als auch der Supply-Seite eine vertrauensvolle Kooperation wichtig. Vor allem in schwierigen Zeiten ist es einfacher, Lösungen zu finden, wenn man sich gut kennt und sich aufeinander verlassen kann.

«Es ist in dieser schwierigen Zeit entscheidend, dass wir mit den Rohmaterial-Lieferanten seit Jahrzehnten partnerschaftlich zusammenarbeiten und auch in den letzten Monaten mit hoher Priorität beliefert wurden und werden.»
Alexander Gapp, CEO Plaston AG

Die höchsten Wachstumsraten erzielen Sie vor zwei Jahren in der Elektromobilität und in der Sanitärindustrie. Haben diese beiden Branchen noch einen Zacken zugelegt?

Die Elektromobilität zeigt weiterhin eine hohe Wachstumsrate. Wir konnten in diesem Bereich in den ersten sechs Monaten des neuen Finanzjahres (April bis Oktober 2021) ein Wachstum von über 80 Prozent erzielen.

Ein Teil davon ist doch sicher durch den verminderten Bedarf im April und im Mai 2020, aufgrund von Corona, zu erklären.

Aber ich bin überzeugt, dass wir auch ohne diesen negativen Effekt um die Hälfte gewachsen wären. Der Bedarf bestehender Komponenten steigt kontinuierlich; zudem konnten wir mit unserem strategischen Partner weitere, spannende Projekte gewinnen, die sich im Umsatz in den nächsten Wochen und Monaten deutlich bemerkbar machen werden.

Wieviel trägt dazu die Elektromobilität bei?

Ich gehe bei der Elektromobilität weiterhin von einem Wachstum von 50 bis zu 70 Prozent pro Jahr aus. Ein wichtiger Schritt für den weiteren Erfolg ist, dass wir uns gemäss dem Automobil-Standard IATF 16949 zertifizieren konnten, welcher weit über die Anforderungen von ISO 9001 hinausgeht. Bei einigen Neuprojekten ist dieses Zertifikat eine Grundvoraussetzung. Der Bereich Sanitär macht uns ebenfalls weiterhin viel Freude. Wir wachsen weiterhin zweistellig und sehen auch in der nahen Zukunft ein überproportionales Wachstum.

«Wir konnten mit unserem strategischen Partner weitere, spannende Projekte gewinnen, die sich im Umsatz in den nächsten Wochen und Monaten deutlich bemerkbar machen werden.»

Sie konnten 2020 die neue Generation der Metabo-Koffer für sich entscheiden und liefern diesen neuen Koffer, die metaBOX, seit dem Herbst 2020 aus. Was bringt Ihnen dieses Geschäft?

Dieses Produkt wird in unserem Standort in Sluknov hergestellt. Unser Werk in Tschechien hat im ersten Halbjahr des laufenden Finanzjahres mit 98.1% gegenüber dem Vorjahr das stärkste Wachstum innerhalb der Gruppe erzielt. Ein wichtiger Beitrag zu diesem Wachstum ist die neue Koffergeneration für Metabo, eben die metaBOX. Sie ist ein voller Erfolg für Metabo und wird vom Markt als hochwertige Verpackung und somit Imageträger auf- und wahrgenommen. Da wir uns immer noch in der Einführungsphase befinden, ist das Potential noch bei Weitem nicht ausgeschöpft. Wir arbeiten an zusätzlichen Grössen. Auch der Bereich Zubehör wird kontinuierlich ausgebaut.

Rechnen Sie auch hier mit zweistelligem Wachstum?

Es ist auch für das nächste Finanzjahr, mit einem zweistelligen Wachstum mit Metabo zu rechnen. Zudem können wir die metaBOX, in Abstimmung mit Metabo, auch anderen OEMs in deren Farben und mit deren Logos anbieten. Es konnten bereits zwanzig weitere Kunden überzeugt werden und mit vielen weiteren sind wir in ernsthaften Gesprächen. Wir haben in den letzten Monaten bereits in sechs zusätzliche Spritzgussmaschinen investiert und denken ernsthaft über eine Erweiterung des tschechischen Werkes nach, um Platz für weitere Maschinen zu machen.

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das beim Thema Plastik breitgetreten wird. Wie gehen Sie damit um?

Nachhaltigkeit war für Plaston immer schon von sehr hoher Bedeutung. Wir waren einer der ersten Kunststoffspritzbetriebe in der Schweiz, der eine ISO 14001-Zertifizierung vorweisen konnte. Obwohl wir die Nachhaltigkeit schon immer ernst genommen haben, haben wir uns im Sommer 2020 entschieden, zusätzlich einen Global Sustainability Officer zu etablieren. Er rapportiert direkt an mich. Mit ihm wollen wir bezüglich des Themas ein Zeichen setzen sowohl nach innen als auch nach aussen. Im Herbst 2020 haben drei Teams begonnen, sich jeweils mit einem unserer drei strategischen Nachhaltigkeitsthemen zu befassen. Es gibt dabei einen klaren Massnahmenplan mit vielen kleineren Projekten, aber auch grösseren, wie Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern unserer Produktionswerke, dem Einsatz von Recyclingmaterial und vieles mehr.

«Plaston wurde bei einer grösseren KMU-Umfrage in der Schweiz zum Thema Nachhaltigkeit als eines der besten drei Unternehmen prämiert.»

In Ihrem Halbjahresbericht sprechen Sie von «natürlichem Hedging». Was versteht Plaston darunter?

Wir haben vor allem seit 2015 versucht, unsere Kosten so gut wie möglich in EUR oder anderen europäischen Währungen zu haben. Dies führt dazu, dass wir als grossen Posten praktisch nur noch die Löhne in der Schweiz haben. Zudem hat sich das Verhältnis der Umsätze überproportional zu Gunsten unserer beiden Aussenwerke entwickelt, und sowohl in China als auch in Tschechien haben wir kein Währungsproblem.

Ihre beiden ausländischen Standorte verzeichneten eine Umsatzsteigerung von 53.3% für China und gar wie bereits erwähnt 98.1% für Tschechien. Spüren Sie etwas von dem Chaos im Bauwesen im Reich der Mitte?

Nein, weil wir das Bauwesen in China weder direkt, aber auch nicht indirekt beliefern und es somit keine Rolle für uns Geschäft in Jiaxing spielt. Alle unsere Kunden im Bereich Power Tools exportieren ihre Geräte hauptsächlich nach USA und Europa. Der lokale, chinesische Markt spielt eine stark untergeordnete Rolle und selbst der asiatische Markt als Ganzes ist nicht entscheidend. Sollte sich die Evergrande-Krise jedoch auf den Wohlstand in China auswirken, könnte dies selbstverständlich einen Einfluss auf den Automobilmarkt und somit auf unsere Elektromobilitäts- und unsere Motorrad-Projekte haben.

Auch unter der Regierung Biden arbeiten die USA mit Strafzöllen. Ist das nicht enttäuschend?

Da haben Sie vollkommen recht. Wir sind davon ausgegangen, dass mit der Biden-Regierung wieder Normalität eintritt. Wir gehen aber nach wie vor davon aus, dass die Zölle für unsere Produkte ab 2022 fallen werden. Die Signale und auch die Aktivitäten der amerikanischen Regierung gehen klar in diese Richtung.


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