Alexandra Lüönd, Gründerin und Geschäftsführerin Beauty2Go, im Interview

Alexandra Lüönd
Alexandra Lüönd, Gründerin und Geschäftsführerin Beauty2Go. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Frau Lüönd, über die «Vergänglichkeit der Schönheit» wurden Gedichte und Bücher geschrieben, Poeten, Lyriker und Schriftsteller beschäftigen sich damit. Was bringen Sie mit der Aussage in Verbindung?

Alexandra Lüönd: Ich bin weder Dichterin oder Poetin, doch eins weiss ich: Schönheit liegt im Auge des Betrachters! Deshalb ist auch die Vergänglichkeit der Schönheit individuell. Bei Beauty2Go geht es nicht darum, unseren Patientinnen und Patienten einen bestimmten Schönheitstrend zu vermitteln, sondern auf die individuellen Wünsche der Person einzugehen, so wie sie sich selbst gerne sehen würde. Deshalb kommen unsere Patientinnen und Patienten auch aus so unterschiedlichen Altersschichten. Denn es heisst nicht: «Du bist jung und schön, deshalb behandeln wir dich erst in ein paar Jahren». Wir möchten, dass sich die Patienten ernstgenommen fühlen und sie mit einem besseren Gefühl die Praxis verlassen.

Vor knapp fünf Jahren haben Sie Beauty2Go gegründet und in Zürich eine erste Klinik eröffnet. Wie kamen Sie dazu – nach einem Wirtschaftsstudium und in einer zumindest damals noch fast reinen Männerdomäne?

Ich kam aus einem persönlichen Anliegen zu dieser Idee. Damals wollte ich mich selbst behandeln lassen und bin auf verschiedene Problematiken gestossen. Zum einen wurde ich mit meinen Wünschen nicht ernstgenommen, denn ich war jung und die Ärzte haben eine Behandlung abgelehnt. Sie meinten, ich hätte es nicht nötig, denn ich sei in ihren Augen zu jung und hübsch genug. Da wären wir dann auch wieder bei dem Thema «Schönheit liegt im Auge des Betrachters». Zum anderen waren die Preise im Raum Zürich immens hoch. Als Studentin konnte und wollte solche Preise nicht zahlen. Dank meines Wirtschaftsstudiums lag der Gedanke nah, alles mal durchzurechnen, denn mir war schnell bewusst, dass man die gleiche Qualität zu besseren Preisen anbieten kann. Ausserdem war es offensichtlich, dass ich nicht die Einzige sein würde, die solche Preise nicht zahlen möchte. Natürlich war mir bewusst, dass es vorwiegend eine Männerdomäne war, doch ich finde, es sollte keine Frau aufhalten, ihre Ziele und Träume zu verfolgen – wer es nicht versucht, hat seine Träume schon aufgegeben!

«Dank meines Wirtschaftsstudiums lag der Gedanke nah, alles mal durchzurechnen, denn mir war schnell bewusst, dass man die gleiche Qualität zu besseren Preisen anbieten kann.»
Alexandra Lüönd, Gründerin und Geschäftsführerin Beauty2Go

Mittlerweile sind Sie mit Ihrem Konzept an fünf Standorten in der Schweiz vertreten, in Zürich seit Mitte Dezember an der Bahnhofstrasse. Sind Sie vom Erfolg und dem Tempo der Expansion nicht überrascht?

Überrascht nicht wirklich, denn es war damals mein Gefühl, dass genau dieses Konzept gesucht und gefragt ist. Doch ich bin sehr glücklich darüber. Es ist immer noch oft surreal für mich, aufzustehen und zu wissen, ich kann meinen Tag selbstbestimmt organisieren. Ich bin unfassbar stolz darauf, ein tolles Team hinter mir stehen zu haben, welches zusammenhält und sich gegenseitig stützt, wie eine kleine Familie. Zudem bin ich dankbar, mit meinem Bruder Patrick dieses Unternehmen Tag für Tag zusammen voranzubringen. Ich bin also über die Expansion mehr dankbar und erfreut als überrascht. Des Weiteren muss auch bedacht werden, dass hinter jeder Expansion viel Arbeit und Herzblut steckt – Erfolg wird einem nicht in den Schoss gelegt.

«to go» impliziert ja, dass man sich schnell etwas besorgt und mitnimmt. Wie einfach geht das in Ihrem Arbeitsbereich?

Gerade zur Anfangszeit von Beauty2Go war die Idee, dass die Patientinnen und Patienten mal eben schnell vorbeischauen können, wenn sie eine Lücke im Terminplan haben. Sei es in der Mittagspause, zwischen Einkaufen und Kinder vom Kindergarten abholen, oder nach Feierabend. Zeit ist ein knappes Gut. Deswegen wollte ich ein Konzept entwickeln, bei dem man flexibel eine Behandlung machen lassen kann und keine Ewigkeiten auf einen Termin warten muss. Mittlerweile ist das «to go» nicht mehr so extrem nachgefragt wie früher. Wir haben viele Termine schon Wochen im Voraus verbucht, doch auch wenn jemand spontan reinkommt, finden wir immer einen Platz für die Behandlung, da wir sehr effizient und kundenfreundlich im 30-Minuten-Takt arbeiten.

Wie stark profitieren Sie vom Boom bei ästhetischen Behandlungen während der Corona-Pandemie?

Der Boom war natürlich schon merkbar, seit Homeoffice, Masken und Co. in den Alltag eingezogen sind. Wir haben einen Nachfragenanstieg von ca. 30 % verzeichnen können. Dafür gab es einige Erklärungen. Zum einen konnten die Menschen nicht mehr ins günstigere Ausland reisen, um sich dort in Kliniken behandeln zu lassen, so mussten sie sich hier vor Ort umschauen und konnten sehen, dass es auch hier kompetente und preiswerte Angebote bei top ausgebildeten Ärzten gibt.

Zudem wollten sie sich trotzdem noch gut und schön fühlen, gerade weil Fitnessstudios und Sportanlagen geschlossen hatten. Und alle waren ständig ihrem Spiegelbild ausgesetzt. Sei es am PC, in Online-Meetings, oder eben zu Hause im eigenen Bad/Schlaf- oder Ankleidezimmer. Seien wir mal ehrlich, zu Hause hängen mehr Spiegel als im Office (lacht). Ein weiteres Argument für den Anstieg ist wohl auch, dass man im Homeoffice die leichten Blessuren eines minimal-invasiven Eingriffs besser verstecken kann und somit die Hemmschwelle sinkt, sich behandeln zu lassen oder sogar mehrere Behandlungen durchzuführen. Über den Anstieg haben wir uns natürlich sehr gefreut.

Zum Glück konnten wir in unserer Branche mit bestimmten Corona-Auflagen und strengen Hygienevorschriften weiterarbeiten. Doch man darf nicht vergessen, viele Menschen haben ihre Jobs verloren und unter den Wirtschaftlichen Konsequenzen gelitten. Darunter auch viele unserer Patientinnen und Patienten. Für und war und ist es ein Vorteil, dass wir eben nicht zu hochpreisig sind.

«Seien wir mal ehrlich, zu Hause hängen mehr Spiegel als im Office.»

Haben sich dabei neue Trends entwickelt oder bestehende verstärkt?

Natürlich! Der Fokus hat sich auf den Augenbereich gelegt und auch auf die Kinnpartie. Gerade bei Männern rückte während der Pandemie die Jawline stark in den Vordergrund. Wenn man sich die ganze Zeit in Online-Meetings sieht, fallen einem eben auch mehr die kleinen Makel auf, die einen dann stören. Wenn man im Büro in Meetings sitzt, sieht man sich ja nicht selbst.

Wie gross ist der Anteil von Männern an Ihrer Kundschaft?

Unsere Kundschaft besteht zu 95% aus Frauen und 5 % aus Männern, wobei erwähnt werden muss, dass die Zahl der Männer langsam ansteigt. Wir merken, dass immer mehr Männer zu uns kommen und tatsächlich nicht nur für Behandlungen wie Jawline oder Kinnaufbau. Auch Botox und Filler in anderen Bereichen sind mittlerweile gefragt. Ich finde, was Frauen können und dürfen, können Männer auch und umgekehrt. Die Beauty-Branche ist sehr feminin gehalten, doch Männer haben auch ein Recht darauf, sich ästhetisch nach ihren Wünschen zu verändern. Wir hoffen, dass sie immer mehr auch dazu stehen.

Es sind aber vor allem junge Frauen, die sich Schönheitsbehandlungen unterziehen. Wie sehr ist diese Nachfrage Ihrer Meinung nach durch ein Schönheitsideal gesteuert, wie es Influencer/innen, Instagram, Facebook etc. vermitteln?

Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, Influencer/Stars und Trends hätten gar keinen Einfluss. Gerade bei den Jüngeren gibt es doch viele, die bestimmten Idealen nacheifern. Stars wie Bella & Gigi Hadid, die Kardashians und Jenners, oder Hailey Bieber sind dabei besonders einflussreich. Und ja, es kommen auch viele mit bestimmten Bildern von Stars zu uns und fragen nach genau diesen Lippen, dieser Nase etc. Bei Beauty2Go ist es sehr wichtig, die Anatomie jedes einzelnen individuell zu betrachten. Auch wenn eine süsse kleine Stupsnase, ausgeprägte Wangenknochen und volle definierte Lippen angesagt sind, so ist nicht jeder Mensch gleich zu behandeln. Der Knochenbau und das Gewebe sind bei jedem verschieden und die Ärzte erklären das unseren Kundinnen. Deshalb gibt es die Beratungsgespräche, um genau zu definieren, welches Ergebnis möglich ist und was total unrealistisch ist.

Wie schätzen Sie die Entwicklung persönlich ein?

Ich sehe das eher positiv. Natürlich gibt es Personen, die auch mit gewissen Behandlungen übertreiben. Unsere Ärzte sagen ihnen aber auch, wenn mehr Filler absolut nicht angebracht sind oder es körperliche Grenzen gibt, die man nicht überschreiten sollte. Im Grossen und Ganzen merke ich, dass die Menschen immer mehr zu ihren eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Idealen stehen. Das finde ich äusserst wichtig und schön zu sehen, denn niemand sollte sich schämen, sich minimal invasiv behandeln zu lassen. Im Endeffekt soll sich jeder Einzelne in sich selbst wohl fühlen und wenn wir dabei helfen können, dann ist dies doch etwas Gutes!

«Im Grossen und Ganzen merke ich, dass die Menschen immer mehr zu ihren eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Idealen stehen.»

Auch die ältere Zielgruppe fühlt sich von den Angeboten angesprochen. Wie unterscheiden sich sogenannte Beautification-Behandlungen von Anti Aging-Behandlungen?

Das stimmt! Wir haben eine grosse Alters-Range bei unseren Kunden. Bei Anti-Aging geht es vor allem darum, jung und frisch auszusehen und den Alterserscheinungen entgegenzuwirken. Sprich Falten minimieren, die Haut straffen und eben jung bleiben. Beautification hingegen ist auch dazu da, bestimmte Gesichtsbereiche zu verändern. Darunter fallen zum Beispiel das Aufpolstern der Wangen, Jawline-Behandlungen, Kinnaufbau oder Lippenunterspritzungen. Damit kann man die Proportionen des Gesichts verändern und somit auch das Aussehen im Allgemeinen beeinflussen. Symmetrie und Harmonie des Gesichts spielen dabei eine grosse Rolle. Natürlich kann man auch beides miteinander verbinden. Wir empfehlen zum Beispiel recht früh mit Botox anzufangen und der Haut schon früh mit Hyaluron Feuchtigkeit zuzuführen, um dem Alterungsprozess vorzubeugen. Das heisst auch bei jüngeren Patientinnen wird schon Anti-Aging angewandt, nur eher prophylaktisch.

Welche weiteren Pläne verfolgen Sie mit Beauty2Go? Wo sehen Sie das Unternehmen in fünf Jahren?

Es werden noch viele Projekte auf Beauty2Go und mich zukommen! Der Weg ist das Ziel und Stillstand kenne ich nicht (lacht). Natürlich wünsche ich mir, Beauty2Go auf die gesamte Schweiz auszuweiten. Wann dies der Fall sein wird, kann ich noch nicht sagen, doch in meinem Kopf schwirren so einige Ideen herum und aktuell fokussiere ich mich darauf, die jetzigen Standorte zu fördern und zu pushen, um die Beauty2Go-Family zu stärken.

Frau Lüönd, besten Dank für das Interview.

Beauty2Go

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