Arthur Loepfe, Präsident alliancefinance

Arthur Loepfe

INVESTORY-Interview mit Arthur Loepfe, Präsident alliancefinance.

Herr Loepfe, Sie sind der Präsident einer neu gegründeten Vereinigung namens alliancefinance. Als ehemaliger Nationalrat könnten Sie eigentlich den Ruhestand geniessen. Warum engagieren Sie sich trotzdem hier? Und können Sie uns verraten, welche Ziele alliancefinance verfolgt?

In der alliancefinance haben sich unabhängige Vermögensverwalter, Finanzdienstleister, Treuhänder, Rechtsanwälte sowie verschiedene Branchenorganisationen zusammengeschlossen. Hauptziel der unabhängigen Vereinigung ist das Engagement für einen attraktiven Finanz- und Wirtschaftsplatz Schweiz, für Rechtssicherheit und Stabilität.

Diese Zielsetzungen sind aktueller denn je, denn unser Finanz- und Bankenplatz läuft Gefahr, zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit einzubüssen: Eine Unzahl an neuen Gesetzen und Auflagen bringt für die Finanzdienstleister zusätzliche Kosten und Bürokratie. Dies ist auch darum ärgerlich, weil manche Gesetzeserlasse gar nicht nötig wären. Die Schweiz ist punkto Regulierung und Standards heute schon eine Musterschülerin. Statt dass Behörden und Politik sich um gute, attraktive Rahmenbedingungen für den Finanzplatz engagieren, treten sie den Finanzdienstleistern mit grossem Misstrauen gegenüber. Dieser Zustand muss ändern.

«Die vielen neuen Gesetze und Auflagen werfen vor allem für kleinere Finanzdienstleister existentielle Fragen auf.»
Arthur Loepfe, Präsident alliancefinance

Die vielen neuen Gesetze und Auflagen werfen vor allem für kleinere Finanzdienstleister existentielle Fragen auf. Grössere Unternehmen sind einfacher in der Lage, juristische Zusatzanforderungen zu verarbeiten. Für kleine und mittlere Betriebe aber stellen solche Auflagen immer öfter einen Zusatzaufwand dar, den sie kaum bewältigen können.

Ausserdem habe mich als Volkswirtschaftsdirektor im Kanton AI und als Nationalrat schon immer mit Wirtschafts- und Finanzpolitik befasst. Auf Grund meiner Erfahrung sind günstige Rahmen- und Standortbedingungen entscheidend für eine blühende Volkswirtschaft und deren Sektoren. Vom Finanzplatz hängen in der Schweiz viele Arbeits- und Ausbildungsplätze ab. Es lohnt sich deshalb, sich für diesen Wirtschaftsbereich mit den vielen KMUs einzusetzen.

Wir stellen fest, dass Fondsmanager zusehends ins Ausland abwandern, weil dort inzwischen attraktivere Rahmenbedingungen herrschen als in der Schweiz. Droht dieses Ungemach auch den Vermögensverwaltern? Wird die Schweiz zur Finanzwüste oder kann alliancefinance in Bern eine politische Kurskorrektur bewirken?

Eine Kurskorrektur ist dringend notwendig, denn Wirtschaft und Gewerbe sind auf einen starken, florierenden Finanzplatz angewiesen. Die Finanzbranche sichert nicht nur Tausende von Arbeitsplätzen, sondern bietet vielen Unternehmen und auch Privatpersonen die Möglichkeit, Investitionen zu tätigen. Dies ist lebenswichtig für die Innovation und den wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz. Diese Erfolgsfaktoren dürfen wir nicht leichtfertig verspielen.

«Wir müssen unseren Grundwerten Sorge tragen und die Rechtssicherheit wieder stärken.»

Dass die Rahmenbedingungen in Luxemburg oder anderen europäischen Ländern bald attraktiver sind als in der Schweiz, muss uns zu denken geben. Hier ist die Politik gefordert: Wir müssen unseren Grundwerten Sorge tragen und die Rechtssicherheit wieder stärken. Dafür werden wir uns konsequent einsetzen.

Derzeit werden in Bern zahlreiche Dossiers behandelt, welche für den Finanzbereich wichtig sind. Der Druck aus dem Ausland ist nach wie vor gross. Bei den komplexen Fragen finden oft nur die Grossbanken genügend Ressourcen, um in kurzer Frist reagieren und ihre Interessen einbringen zu können. Diese Interessen entsprechen oft nicht den Anliegen der kleineren und mittleren Finanzdienstleistern. Wie begegnet alliancefinance diesem Problem?

Die grosse Zahl neuer Gesetze und Auflagen stellt, wie erwähnt, vor allem kleinere Finanzdienstleister immer wieder vor existentielle Fragen. Grössere Unternehmen sind einfacher in der Lage, juristische und administrative Zusatzanforderungen zu verarbeiten. Heute wird man den Eindruck nicht los, dass sich die Behörden in erster Linie an den Bedürfnissen der grossen Anbieter orientieren – wenn überhaupt. Eine der zentralen Aufgaben von alliancefinance wird sein, auf Verantwortungsträger in Politik, Wirtschaft und Verwaltung Einfluss zu nehmen. Ich bin überzeugt, dass uns das deshalb erfolgreich gelingen wird, weil unsere Vorstandsmitglieder mehrheitlich aus der Branche selber kommen und wir daher über viel Fachwissen verfügen, dass wir beispielsweise bei politischen Vernehmlassungen gezielt einsetzen werden.

Die alliancefinance setzt sich vor allem für kleinere Dienstleister ein, also z.B. für Anwälte, Privatbanken, Treuhänder, Fondsmanager oder Vermögensverwalter. Welche aktuellen Themen betreffen die Vermögensverwalter direkt? Und welche Positionen vertritt alliancefinance?

Vielleicht wäre es einfacher, diejenigen Gesetze aufzuzählen, welche die kleineren Finanzdienstleister nicht betreffen… Im Moment ist eine grosse Zahl von Vorlagen und Gesetzesprojekten hängig. Dies erfüllt viele Marktteilnehmer – zu Recht – mit Sorge.

Derzeit läuft die Vernehmlassung zum Finanzmarktinfrastrukturgesetz. Dieses Gesetz will der Bundesrat neu schaffen, um internationalen Anforderungen besser gerecht werden zu können. Genau gleich verhält es sich mit den revidierten GAFI-Richtlinien der „groupe d’action financière“ oder dem Finanzdienstleistungsgesetz, welches gemäss Angaben vom Eidg. Finanzdepartement im April 2014 in die Vernehmlassung gehen wird. Überall stehen wir vor dem gleichen Problem: An sich erfüllt die Schweiz die geforderten Kriterien längstens. Wir haben schon früh strenge Regeln gegen die Geldwäscherei oder andere Straftaten erlassen, und wir haben auch eine hohe Steuerehrlichkeit. Dies im Gegensatz zu vielen anderen Staaten.

Dass Staaten, welche weit tiefere Standards haben, uns nun vorschreiben wollen, wie wir mit möglichen Problemen umgehen sollen, ist etwas absurd. Dass die Schweiz diese Forderungen aber völlig unkritisch akzeptiert und Gesetze formuliert, welche weit über das Ziel hinausschiessen, ist einfach nicht mehr zu verstehen. Die Spezialisten von alliancefinance werden sich mit ihrem fundierten Fachwissen an den Vernehmlassungen beteiligen und sich bei den Bundesparlamentariern für die Anliegen der kleinen und mittleren Finanzdienstleister einsetzen.

«Je mehr Branchenvertreter sich unserer Vereinigung anschliessen und uns unterstützen, umso stärker sind wir.»

Der Vorstand der alliancefinance setzt sich aus verschiedenen Branchenvertretern zusammen. Können Sie uns kurz noch etwas über die Entstehung der alliancefinance sagen?

Die ursprüngliche Initiative ging von unseren Genfer Kollegen aus: Das „Groupement Patronal des Gérants de Patrimoines“ hat ursprünglich die Initiative ergriffen. In den vergangenen sechs Monaten stiessen immer mehr Vorstandsmitglieder hinzu, so dass wir heute auf einen Vorstand zählen dürfen, der gesamtschweizerisch nicht nur regional breit abgestützt ist, sondern auch viel Kompetenz und Berufserfahrung in sich vereinigt.

Ihre Mission klingt vielversprechend und wird bei unseren Vermögensverwaltern für eine gewisse Erleichterung sorgen. Wie können wir als Finanzdienstleister alliancefinance unterstützen?

Wir freuen uns natürlich über tatkräftige Unterstützung aus Ihren Kreisen. Je mehr Branchenvertreter sich unserer Vereinigung anschliessen und uns unterstützen, umso stärker sind wir. Mit einer Mitgliedschaft als Privatperson oder als Unternehmen leisten Sie einen wichtigen Beitrag für unser Engagement in Bern. Eine Mitgliedschaft garantiert Ihnen aber auch, die wichtigsten Informationen aus Bundesbern zu erhalten. Im Übrigen sei an dieser Stelle erwähnt, dass Diskretion bei uns ganz wichtig ist: Die Adressen der Mitglieder werden diskret verwaltet und selbstverständlich nicht an Dritte weitergegeben.

Herr Loepfe, im Namen der Vermögensverwalter wünschen wir Ihnen und der alliancefinance gutes Gelingen und viel Erfolg. Danke für das interessante Gespräch. (INVESTORY/mc/ps)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.