André Rüegg, CEO Bellevue Group und Bellevue Asset Management

André Rüegg
Bellevue Group-CEO André Rüegg. (Foto: Bellevue)

André Rüegg, CEO Bellevue Group und Bellevue Asset Management. (Foto: Bellevue)

Interview von Robert Jakob

Moneycab: Herr Ruegg, nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung besitzt Bellevue jetzt ein Eigenkapital von rund 160 Millionen Franken. Betrachten Sie die Bellevue-Gruppe jetzt als „wetterfest“?

André Rüegg: Die Bellevue Group hat sich über die letzten 12-18 Monate positiv weiterentwickelt. Heute ist die Gruppe solider aufgestellt als vor Jahresfrist, sowohl ertragsmässig als auch finanziell.

Die Kapitalerhöhung war ja zur Finanzierung der StarCapital AG aus dem deutschen  Oberursel. StarCapital setzt die Schwerpunkte unter anderem bei gemischten Anlagen und festverzinslicher Strategien. Gibt es denn im Negativzinsumfeld noch gute Festzinsanlagen?

Dank der Akquisiton von StarCapital konnten wir die Anlagekompetenz der Bellevue Group gezielt erweitern und somit die Ertragslage breiter abstützen. Das Angebot von StarCapital fällt dabei zu rund je 1/3 auf Aktienstrategien, werterhaltende/gemischte Anlagen und festverzinsliche Strategien.

Im heutigen Negativzinsumfeld ist es mit herkömmlichen Festzinsanlagen in der Tat beinahe unmöglich, eine sinnvolle Rendite zu erzielen. StarCapital agiert primär mit einem opportunistischen und antizyklischen Ansatz. So setzt man unter anderem auf sogenannte „Fallen Angels“, also Unternehmen, deren Anleihen zuletzt überdurchschnittlich abgewertet wurden. Dadurch ist nicht nur eine Verzinsung, sondern auch ein Kapitalgewinn möglich.

Eine Boutique-Bank Ihrer Grösse muss zwingend ein Nischenplayer sein. Welche neuen Nischen gilt es für Sie jetzt aufzutun?

Unser Augenmerk im Asset Management gilt momentan der Konsolidierung und Weiterentwicklung des Bestehenden. Mit den Akquisitionen von Adamant haben wir unsere Healthcare-Kompetenz 2014 verbreitet. Die zusätzliche Anlagekompetenz von StarCaptial bei gemischten und festverzinslichen Anlagen komplettiert die Aktienexpertise von Bellevue optimal. Die daraus entstehenden Möglichkeiten und Ertragssynergien gilt es nun in einer nächsten Phase konsequent zu entfalten.

«In den vergangenen Jahren erzielten Länder insbesondere in Nord- und Subsahara-Afrika wichtige Reformschritte.»
André Rüegg, CEO Bellevue Group und Bellevue Asset Management

Mit seinen Afrika-Fonds besetzt Ihre Bellevue Asset Management ein grosses Alleinstellungsmerkmal. Was lässt Sie so optimistisch für den Sorgenkontinent sein? Bei der gestrauchelten African Bank beispielsweise haben auch viele Schweizer Asset Manager viel Geld verlocht…

Wir sehen in Afrika immer noch viel Potential, wenngleich dies ein herausfordernder Kontinent bleibt. Bei Anlegern ist somit Weitsicht gefragt, denn langfristig bieten sich gute Perspektiven. Phasen von Stagnation oder gar temporären Rückschlägen liegen aber in der Natur von aufstrebenden Schwellenländern. In den vergangenen Jahren erzielten Länder insbesondere in Nord- und Subsahara-Afrika wichtige Reformschritte. Unser Team ist bestens verankert und verfügt über langjährige Investment-Erfahrungen in Afrika. Dabei verfolgt es eine eher defensive, sehr breit abgestützte, Benchmark-unabhängige Anlagestrategie. Dadurch sind wir in der Lage, die Opportunitäten in Afrika für unsere Anleger zu nutzen.

Ihr Anlage-Flaggschiff BB Biotech hat den Abschlag zum inneren Wert aufgeholt. Der Aktienkurs liegt jetzt beim Buchwert. Ist das auch eine unmittelbare Folge des 5 zu 1 – Splits?

So schwierig es war, einen wesentlichen Abschlag zu erklären, so wenig schlüssig lässt sich begründen, weshalb BB Biotech jüngst gar eine Prämie aufwies. Letztlich dürften verschiedene Massnahmen und Faktoren zu dieser sehr erfreulichen Entwicklung beigetragen haben. Die Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahren auf verschiedenen Ebenen kontinuierlich positiv weiterentwickelt. So gelang es BB Biotech über die Zeit viele neue Aktionäre zu gewinnen. Die Aktionärsbasis ist heute klar verbreitet und gut diversifiziert – segmentbezogen, aber auch regional. Das hat sich auch in der verbesserten Marktliquidität der Aktie gezeigt. Die hohe Kontinuität einer attraktiven Ausschüttungspolitik und nun auch der angesprochene Aktiensplit waren mitunter zielführende Massnahmen. Grundlage für die erfolgreiche Entwicklung von BB Biotech bleibt aber eine überdurchschnittliche Anlageperformance, die wir dank einer exzellenten Teamleistung seit Jahren unter Beweis stellen können.

Macht das Aktienrückkaufprogramm bei BB Biotech jetzt noch Sinn?

Die Festlegung der Dividendenpolitik und möglicher Rückkaufprogramme obliegt dem unabhängigen Verwaltungsrat von BB Biotech. Am erklärten langfristigen Ziel, eine Dividendenrendite von 5% auszuschütten und Aktien im Umfang von maximal 10% über 3 Jahre zurück kaufen zu können, wird festgehalten. Ob und wann wir diese Flexibilität tatsächlich nutzen, orientiert sich alleine am Aktionärsnutzen. Demzufolge macht ein Aktienrückkauf nur dann ökonomisch Sinn, wenn ein Abschlag zum inneren Wert besteht und so eine Gewinnverdichtung erzielt wird. Andernfalls ist es vorteilhafter das zur Verfügung gestellte Kapital in die Anlagestrategie zu investieren.

«Absicherungsgeschäfte entsprechen grundsätzlich nicht unserem Anlageverständnis.»

Die Schwankungen in der Biotech-Welt sind ja extrem. Das gleiche gilt für im Gegensatz zu Festzinsanlagen für KMU-Aktien. Wären Absicherungsgeschäfte über Derivate für Ihre Anlagevehikel ein Thema?

Nein, Absicherungsgeschäfte entsprechen grundsätzlich nicht unserem Anlageverständnis. Insbesondere bei direktionalen Sektor- und regionalen Strategien erwarten unsere Investoren, dass wir das Kapital entsprechend investieren. Es liegt dann vorwiegend in Verantwortung des Investors selbst, in der gesamten Asset Allocation Absicherungen individuell vorzunehmen. Anders verhält es sich bei werterhaltenden umfassenden Anlagekonzepten, etwa via unserem BB Global Macro. Hier ist die Anlageabsicherung Teil des Anlagekonzepts und -ziels.

Die wiederkehrenden, vermögensabhängigen Erträge machen mit über 50 Millionen Franken den Bellevue Ertragspfeiler aus. Wie stark sind Sie von institutionellen Grossmandaten abhängig?

Es trifft zu, dass wir uns strategisch langfristig auf die weitere Steigerung der wiederkehrenden Erträge konzentrieren. Teil dieser Strategie waren mitunter die erfolgreiche Akquisition von Adamant und der jüngste Zusammenschluss mit StarCapital. Eine Abhängigkeit von einem institutionellen Grosskunden besteht derweil nicht. Dies, sofern BB Biotech nicht als institutionelles Grossmandat betrachtet wird. Und selbst dann, würde ich es als Luxusproblem betrachten. Es ist äusserst erfreulich, ein solches Mandat ausführen zu können.

Welches ist die finale Zielgrösse ihres im Vergleich zu früheren Jahren bereits deutlich gesunkenen Cost/Income Ratios?

Wir geben zu solchen Kennzahlen grundsätzliche keine Guidance. Es ist allerdings aus unserer historischen Berichterstattung klar ersichtlich, dass wir unsere Cost/Income über die letzten Jahre kontinuierlich senken konnten. Ich persönlich erachte eine Cost-/Income-Ratio einer Finanzboutique bei unter 70% als kompetitiv, bei unter 60% als äusserst attraktiv und bei unter 50% als gefährlich. Letztliches hat zur Folge, dass man nachträglich feststellen musste, dass man zu wenig in die Zukunft investiert hat.

So betrachtet wiederspiegelt die Entwicklung unserer Cost-/Income-Ratio, dass wir bisher kontinuierlich sinnvoll in unsere Geschäftsaktivitäten investiert haben.

«Die frei verfügbaren regulatorischen Eigenmittel sind nach unserer erfolgreichen Kapitalerhöhung genügend, aber nicht übermässig.»

Sie haben freie Eigenmittel im zweistelligen Millionenbereich. Wohin gehen Sie damit?

Die Freiheitsgrade sind nicht so gross, wie allgemein angenommen. Die frei verfügbaren regulatorischen Eigenmittel sind nach unserer erfolgreichen Kapitalerhöhung genügend, aber nicht übermässig. Ein wesentlicher Teil wird für die Akquisition von StarCapital absorbiert. Der Rest soll uns dazu dienen, unsere unternehmerische Flexibilität für weitere zeitnahe Schritte zu bewahren.

Grundsätzlich ist es natürlich notwendig, das uns zur Verfügung gestellte Kapital angemessen zu verzinsen. Gelingt es uns nicht, überschüssiges Kapital mit einer sinnvollen Rendite auszustatten, müssen wir es unseren Aktionären zurückführen.

Wie weit sind Sie mit dem Aufbau des Bellevue Wealth Managements als dritte Division?

Wir setzen dieses Projekt sehr aktiv und mit hoher Priorität um, und wir sind zuversichtlich, im zweiten Halbjahr wesentliche Fortschritte vermelden zu können.

Zur Person:
André Rüegg lic. oec. der Universität Zürich istseit 2009 bei der Bellevue Group, zuerst als Head Sales & Marketing, seit 1. Januar 2012 als CEO der Bellevue Asset Management AG und  seit 1. Januar 2016 zusätzlich als CEO der gesamten Bellevue Group AG. Vor seiner Zeit bei der Gruppe war er von 1995–2009 bei der Julius Bär Mitglied der Geschäftsleitung Asset Management und von 1993–1995 bei Arthur Andersen & Co. Rüegg ist auch Präsident des Verwaltungsrates der RBR Capital Ltd.

Zum Unternehmen:
Die Bellevue Group ist eine unabhängige Schweizer Finanzboutique, die an der SIX Swiss Exchange kotiert ist. Gegründet 1993, spezialisiert sich das Unternehmen mit seinen rund 90 Mitarbeitenden auf die Geschäftsfelder Brokerage, Corporate Finance und Asset Management. Zur Bellevue Group gehören die beiden Gesellschaften Bank am Bellevue und Bellevue Asset Management. Die Bank verfügt über erstklassige Kenntnisse des Schweizer Aktien- und Kapitalmarktes und bietet unabhängige Research-Empfehlungen sowie tragfähige Lösungen für Kapitalmarkttransaktionen an. Das Asset Management fokussiert sich auf ausgewählte aktive Aktienanlagestrategien in Wachstumsmärkten, im Bereich Gesundheit sowie in weiteren Spezialthemen wie eigentümergeführte Unternehmen.

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