Andreas Buri, CEO Clientis AG, im Interview

Andreas Buri, CEO Clientis AG, im Interview
Andreas Buri, CEO Clientis AG. (Foto: Clientis)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Buri, zwar haben die Clientis Banken im ersten Semester 2018 wegen eines Sondereffekts weniger Gewinn als vor Jahresfrist erzielt, aber das operative Ergebnis gesteigert, das Wachstum im Kundengeschäft fortgesetzt und auch die Bilanzsumme gestärkt. Welche Bilanz ziehen Sie?

Andreas Buri: Die Clientis Banken konnten gleichzeitig den Ertrag steigern und Kosten sparen und so die operative Effizienz weiter steigern. Die Cost/Income Ratio, das Verhältnis von Aufwand und Ertrag, verbesserte sich entsprechend weiter und blieb erstmals seit zehn Jahren unter 60%. Die Entwicklung ist angesichts des hohen Drucks auf unseren Hauptertragspfeiler, das Zinsengeschäft, sowie des starken Wettbewerbs unter den Banken sehr erfreulich.

Der Geschäftsaufwand konnte um 2,1% gesenkt, die operative Effizienz also gesteigert werden. Wo konnte gespart werden?

Die grössten Einsparungen gab es bei der IT, bei der wir seit Beginn dieses Jahres mit Inventx einen neuen Provider haben. Weitere Hebel liegen in gruppenweiten Synergien wie der Standardisierung, ferner den Volumensteigerungen ohne zusätzliches Personal sowie bei Effizienzsteigerungsprogrammen der einzelnen Banken.

Inventx betreibt die IT-Infrastruktur der Clientis Banken sowie 10 weiterer Regionalbanken. Welche Zwischenbilanz können Sie zum heutigen Zeitpunkt ziehen? Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Die Bilanz zum Projektabschluss ist für alle drei Schlüsselbereiche, nämlich Termine, Qualität und Kosten, sehr positiv ausgefallen. Der Betrieb läuft seit dem Start sehr gut. Die Erwartungen werden vollumfänglich erfüllt.

«Die grössten Einsparungen gab es bei der IT, bei der wir seit Beginn dieses Jahres mit Inventx einen neuen Provider haben.»
Andreas Buri, CEO Clientis AG

Das Kerngeschäft mit den Hypotheken legte 2% zu. Die Zinsen gelten als schwer prognostizierbar, dennoch die Frage – von welcher Entwicklung gehen Sie in den nächsten Monaten aus?

Wie alle andern Retailinstitute sind auch die Clientis Banken abhängig vom allgemeinen Zinsniveau, das von der Schweizerischen Nationalbank bzw. der Europäischen Zentralbank vorgegeben wird. In den nächsten Monaten erwarten wir bei den Zinsen keine wesentliche Änderung.

Welches Verhalten stellen sie angesichts der anhaltenden Tiefzinsphase bei Ihren Kunden fest?

Besitzer von Wohneigentum sind erfreut über die tiefen Zinsen, Sparer dagegen weniger. Diese können jedoch über Anlagen ihre Ertragschancen zu erhöhen. Hier sind wir mit unseren eigenen Clientis Fonds weiterhin gut unterwegs.

Die Nationalbank wird nicht müde, die Risiken des Immobilienmarktes zu betonen und möchte die Hypothekarvergabe noch stärker regulieren. Was halten Sie davon?

Es gibt unterschiedliche Aussagen zu den Risiken. So sieht die UBS neuerdings wieder geringere Gefahren auf dem Schweizer Immobilienmarkt. Unsere Clientis Banken wenden bei Finanzierungen konservative Grundsätze an und sind nicht in den Hot-Spot-Regionen tätig. Die Risikoexposition ist entsprechend gering. Eine stärkere Regulierung würde unser Kerngeschäft treffen, was nicht in unserem Sinne sein kann.

Vor einigen Wochen wurde die App «Clientis ImmoSnap» eingeführt. Was bringt sie im Immobilienbereich für Mehrwerte?

Kunden – bestehende und potenzielle – Kunden können mit „ImmoSnap“ eine Immobilie selbst schätzen. Benötigt werden lediglich ein Bild des Objekts und wenige Detailangaben. Die App, entwickelt in Zusammenarbeit mit dem führenden Immobilien-Beratungsunternehmen IAZI, zeigt nach den Eingaben sofort den Wert eines typischen Objekts im Umkreis des betreffenden Standorts an. Wir unterstreichen damit unsere Kompetenz in unserem Kerngeschäft Immobilienfinanzierungen.

«Eine stärkere Regulierung würde unser Kerngeschäft treffen, was nicht in unserem Sinne sein kann.»

Welche weiteren Digitalisierungsprojekte werden derzeit umgesetzt?

Für die Clientis Kunden stellen wir in der zweiten Jahreshälfte neue, benutzerfreundliche Auftritte beim e-Banking und beim Internet bereit. Für ergänzende Dienstleistungen führen wir zeitgleich ein Internet-Kundenportal ein.

Im Mai Juni hat die Clientis Zürcher Regionalbank ihren Austritt aus dem Verbund per Ende 2019 bekanntgegeben, die für rund einen Viertel Fünftel der Bilanzsumme steht. Ist die ZRB für Clientis letztlich zu gross geworden?

Für eine Regionalbank hängt eine Mitgliedschaft bei der Clientis Gruppe nicht von der Grösse ab, sondern von der Überzeugung, dass die Gruppe der einzelnen Bank Vorteile bringt. Das Clientis Geschäftsmodell ermöglicht den Banken, durch Volumenbündelung ihre Kostenstruktur zu optimieren sowie gemeinsame Refinanzierungsmöglichkeiten und einen gemeinsamen Marktauftritt.

Was bedeutet der Austritt der für die Clientis Gruppe?

Die Clientis AG erbringt heute Leistungen für 28 Banken, nämlich 15 Clientis Banken und 13 weitere Banken; sie konnte in den letzten drei Jahren die Anzahl Banken, die Leistungen von ihr beziehen, um rund ein Drittel ausweiten. Sie wird nach dem Ausscheiden der ZRB mit 27 Banken weiterhin ein bedeutender Marktanbieter bleiben. Jene 24 Banken, die auch künftig die Clientis IT-Modellbank nützen, verfügen über eine starke konsolidiere Bilanzsumme von CHF 16 Mrd.

Im Mai wurde der Verband Schweizer Regionalbanken aus der Taufe gehoben, dem auch die Clientis Banken angehören. Was erhoffen Sie sich vom neuen Verband?

Wir sind überzeugt, dass der neue Verband die spezifischen Interessen der Regionalbanken besser wahrnehmen kann. Entsprechend sind alle Clientis Banken Mitglied.

Herr Buri, besten Dank für das Interview.

Zur Person:
Jahrgang 1957. Schweizer. In Lenzburg
CEO der Clientis AG: Seit 2014
Beruf/Ausbildungen: Bankkaufmann, dipl. Bankfachmann. AMP Wharton School

Werdegang:
2004 bis 2014 CEO bzw. Geschäftsleitungsmitglied verschiedener Privat- und Auslandbanken
1973 bis 2004 UBS, verschiedene Funktionen im In- und Ausland

Über Clientis
Clientis vereint eine Gruppe von 15 eigenständigen Schweizer Regionalbanken unter einem starken Dach. Kerngeschäfte sind Hypothekarfinanzierungen, die grösstenteils durch Spareinlagen finanziert werden, sowie Zahlen, Anlegen und Vorsorgen. Hauptkundengruppen sind Privatpersonen, KMU und Institutionen. Die Banken sind mit der jeweiligen Rechtsform und den Organen vor Ort selbständig. Über die Clientis AG arbeiten sie in mehreren Bereichen zusammen, u.a. in der Refinanzierung, IT, Marktbearbeitung und Compliance. Die Clientis Banken sind die Aktionäre der Clientis AG.

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