Andreas Knöpfli, Gründer und CEO Peakteq GmbH und Swico-Präsident, im Interview

Andreas Knöpfli
Andreas Knöpfli, Gründer und CEO Peakteq GmbH und Swico-Präsident. (Foto: zvg)

von Sandra Willmeroth

Moneycab.com: Herr Knöpfli, Sie feiern in diesem Jahr das zehnjährige Bestehen Ihrer Firma Peakteq GmbH. Was hat sich in diesen zehn Jahren für ihre Firma und generell in der ICT-Branche verändert?

Andreas Knöpfli: Die Geschwindigkeit hat weiter zugenommen unter dem Motto „Heute bestellt, gestern geliefert!“ In den Führungsgremien der Kunden ist die ICT als Schlüsselthema angekommen, wobei dabei primär die Prozessoptimierung und der Mehrwert der Softwareapplikationen gemeint ist. Welcher Prozessor in welchem Server von welchem Hersteller genutzt wird, ist kein Thema mehr auf VR-Ebene.

Ihre Firma ist in den zehn Jahren kontinuierlich gewachsen. Wie schwierig ist es, gute Mitarbeitende am Standort Schaffhausen zu gewinnen?

Wir arbeiten ortsungebunden und kommunizieren mit Videoconferenzen. Remote Management und Homeoffice ist für mich seit den 90er Jahren eine grosse Optimierungshilfe. Dennoch ist es nicht immer einfach, gute Leute mit den gewünschten Qualifikationen zu finden.

„Gerade jetzt, mit den Verwerfungen aufgrund der Corona-Krise, sieht man, wie viele Firmen am Anschlag sind, weil sie keinen Online-Service für die Kunden anbieten oder das Homeoffice für die Mitarbeitenden bisher nicht ermöglichten.“
Andreas Knöpfli, Gründer und CEO Peakteq GmbH und Swico-Präsident

Sie beraten Unternehmen und helfen bei der Implementierung. Was sind die häufigsten Bedürfnisse auf Kundenseite?

Das ist je nach Kunde sehr unterschiedlich. Oft bin ich involviert bei der Beurteilung und Verfeinerung der „Go-to-Market- Strategie“ von Anbietern sowie der Identifikation und Rekrutierung von ausgezeichneten Führungskräften und erfolgreichen Key Account Managers.

Wo haben Unternehmen häufig Schwierigkeiten oder geraten an ihre Grenzen?

Wenige Firmen fangen auf der grünen Wiese an. Den bestehenden Betrieb aufrechtzuerhalten und gleichzeitig neue Lösungen oder sogar exponentielle Technologien einzusetzen ist eine Herausforderung, kulturell und technisch. Tendenziell wird zu viel für „Run the Business“ investiert anstatt für „Change the Business“. Gerade jetzt, mit den Verwerfungen aufgrund der Corona-Krise, sieht man, wie viele Firmen am Anschlag sind, weil sie keinen Online-Service für die Kunden anbieten oder das Homeoffice für die Mitarbeitenden bisher nicht ermöglichten.

Wie würden Sie den Stand der Digitalisierung in der Schweiz generell beurteilen?

Das ist sehr unterschiedlich. Wenn man beispielsweise hört, dass das Bundesamt für Gesundheit (BAG) keine verlässlichen Statistiken erstellen kann, weil die Daten per Fax übermittelt werden müssen, kann man sich schon fragen, ob beim Bund die richtigen Prioritäten gesetzt werden. Das hat nicht immer nur technische Gründe, sondern liegt oft auch an veralteten rechtlichen Grundlagen.

Und im Unternehmenssektor?

Insgesamt ist der Stand der Digitalisierung für wichtige Kernprozesse meines Erachtens auf einem guten Level. Vor allem haben wir eine deutlich bessere Gesamtintegration von Systemen als das in anderen Ländern der Fall ist. Vielerorts werden zwar coole neue Systeme realisiert, welche punktuelle Lösungen bieten, aber diese Systeme sind dann sehr schlecht in die gesamte Systemwelt integriert.

„Möglicherweise wird die aktuelle Krise einen grossen Digitalisierungsschub herbeiführen, vor allem bei staatlichen Funktionen.“

Krisen bieten auch Chancen, heisst es immer. Was wird die aktuelle Corona-Krise verändern?

Möglicherweise wird die aktuelle Krise einen grossen Digitalisierungsschub herbeiführen, vor allem bei staatlichen Funktionen. In Zeiten wie diesen sind die Vorteile der Digitalisierung für unsere Gesellschaft besonders erkennbar.

Was beschäftigt Sie derzeit besonders in ihrer Rolle als Präsident von Swico?

Für unsere Branche ist die Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes sehr wichtig, da das heutige Gesetz der gelebten Realität nicht mehr entspricht. Die Revision des Datenschutzgesetzes (ohne Swiss Finish) ist von grosser Bedeutung, um die EU-Äquivalenz sicherzustellen. Hervorzuheben ist die besondere Rolle von Swico beim Recycling von Digitalgeräten. Hier ist der Verband Vorreiter in Bezug auf Eigenverantwortung und Kreislaufwirtschaft. Dass der Staat ein seit 25 Jahren erfolgreiches System regulieren oder sogar verstaatlichen will, bereitet uns grosse Sorgen. Und last but not least setzen wir uns – nebst vielen anderen Themen – dafür ein, dass die elektronische Identifizierung (E-ID) endlich den Durchbruch schafft.

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