Andreas Waespi, CEO Bank Coop

Andreas Waespi

Andreas Waespi, CEO Bank Coop

Von Helmuth Fuchs

Moneycab: Herr Waespi, Mitten in der Diskussion um die Energie-Zukunft der Schweiz setzen Sie mit der Bank Coop ein Zeichen, indem Sie der ADEV Solarstrom AG das Dach ihres Hauptsitzes in Basel für den Betrieb einer Fotovoltaik-Anlage zur Verfügung stellen. Wer trägt die Kosten für das Projekt?

Andreas Waespi: Wir haben bereits 2007 den Bau einer Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach unseres Geschäftssitzes in Basel geprüft. Wir sind damals zum Schluss gekommen, anderen Massnahmen im Rahmen unseres Energiekonzepts Priorität einzuräumen und das Projekt einer Fotovoltaik-Anlage zurückzustellen. Der Grund dafür ist, dass die nutzbare Dachfläche zwar für eine solche Anlage optimal auf die Sonne ausgerichtet, jedoch mit einer Fläche von rund 250m² verhältnismässig klein ist. Die Investitionssumme war zum damaligen Zeitpunkt im Verhältnis zum zu erwarteten Stromertrag relativ hoch. Heute liegen die Investitionskosten für Fotovoltaik-Anlagen allerdings um mindestens ein Drittel tiefer, da sich die Preise der Anlagen stark reduziert haben.

«Seit Beginn der Datenerhebung für unser Umweltmanagement 2004 haben wir den Energieverbrauch um rund einen Viertel senken können.» Andreas Waespi, CEO Bank Coop

Die nun in Betrieb genommene Fotovoltaik-Anlage der Bank Coop ist ein Gemeinschaftswerk verschiedener Partner: Der Basler Verein sun21 appelliert an Liegenschaftseigentümer insbesondere von Gewerbe- und Verwaltungsgebäuden, geeignete Dachflächen für Solaranlagen zur Verfügung zu stellen. Die Bank Coop hat diese Initiative aufgegriffen und mit ADEV Solarstrom AG in Liestal als Eigentümerin der Anlage einen Dachnutzungsvertrag auf 20 Jahre abgeschlossen. Die Kosten für die Installation und den Betrieb der Anlage werden vollumfänglich von ADEV getragen.

Wie funktioniert das Solar-Contracting, welche Aufgaben muss die Bank Coop übernehmen und gibt es Pläne, dieses Modell innerhalb der Bank Coop weiter zu verbreiten?

Die ADEV baut, betreibt und unterhält die Fotovoltaik-Anlage und speist den erzeugten Strom ins öffentliche Netz der Industrielle Werke Basel (IWB). Dafür erhält ADEV im Rahmen der Solarstrombörse Basel eine kostendeckende Einspeisevergütung. Die Bank Coop kauft den Solarstrom, der auf ihrem Gebäude produziert wird, vollumfänglich von der IWB zurück und nutzt ihn für ihren Basler Geschäftssitz.

Wir prüfen nun, ob dieses Modell bei anderen Geschäftsgebäuden, die im Besitz der Bank Coop sind, zur Anwendung kommen kann. Dafür ist vor allem die Eignung der Dachfläche massgebend.

Welche Leistung wird die Fotovoltaik-Anlage erbringen und welchen Anteil des Gesamtenergieverbrauches Ihres Hauptsitzes stellt dies dar?

Die Anlage produziert jährlich rund 12’000 kWh Strom, was dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von drei Haushalten entspricht. Die Bank Coop braucht natürlich mehr Strom als drei Haushalte. Allein für das Gebäude, auf dem sich die Anlage befindet, sind dies rund 450’000 kWh pro Jahr. Unser primäres Ziel ist und war jedoch nicht, allen Strom selber zu produzieren, sondern aufzuzeigen, dass geeignete Dachflächen auch mitten in der Stadt für die Produktion von Solarstrom genutzt werden können. In diesem Sinne ist die Anlage eine Demonstrationsanlage, mit der wir anderen Liegenschaftseigentümern ein Beispiel geben wollen.

Nachhaltigkeit ist bei der Bank Coop ein zentrales Thema. Wo zeigt sich dies auch ausserhalb der Gewinnung und des sorgsamen Umganges mit der Energie?

Die Bank Coop setzt sich in ihrem Nachhaltigkeitsengagement für einen schonungsvollen, betrieblichen Ressourceneinsatz ein. Mit ihrem umfassenden Umweltmanagementsystem will sie sicherstellen, dass bei allen umweltrelevanten Aspekten wie Energiebedarf, Papier- und Wasserverbrauch oder Abfallaufkommen Umwelt und Klima so wenig wie möglich belastet werden. Dabei soll die Leistung durch technische und operative Massnahmen kontinuierlich verbessert und dauerhafte Optimierungseffekte erzielt werden.

Der Papierverbrauch ist für die Bank Coop ein zentraler Parameter im Umweltmanagement: Der Bankbetrieb erfordert einen relativ hohen Papierbedarf. Die Papierherstellung ist jedoch mit einem grossen Ressourcenverbrauch und mit Umweltbelastungen verbunden. Die Bank Coop setzt deshalb wo immer technisch möglich Recyclingpapier ein. Der Anteil am Gesamtpapierverbrauch liegt nun bei 94 %, was zumindest im Bereich der Banken Schweizer Rekord sein dürfte. Zudem legt die Bank Coop grossen Wert darauf, das Bewusstsein für eine nachhaltige Entwicklung bei ihren Mitarbeitenden zu fördern. Deshalb führt sie regelmässig Veranstaltungen und Aktionen zu verschiedenen, nachhaltigkeitsrelevanten Themen durch.

Wie motivieren Sie Ihre Kunden, Sie bei den Massnahmen bezüglich Papierverbrauch aktiv zu unterstützen?

Dazu kann ich Ihnen gerade ein ganz aktuelles Beispiel nennen. Seit Anfang April ergänzt die Bank Coop ihr elektronisches Produkte- und Dienstleistungsangebot mit der Dienstleistung „E-Dokumente“. Diese Dienstleistung ermöglicht Kunden – mit Ausnahme des Kontoabschlusses und Steuerauszugs – auf die Zustellung physischer Anzeigen zu verzichten. Wählt der Kunde „E-Dokumente“, werden seine Anzeigen und Bankbelege nicht mehr gedruckt und per Post zugestellt, sondern direkt als pdf-Dokumente ins E-Banking gestellt und können dort abgerufen, gespeichert oder gedruckt werden. Damit schont der Kunde die Umwelt und zugleich sein Portemonnaie, denn er spart sich die Portokosten.

«Wir müssen uns bereits heute auf den Weg machen. Denn je länger wir warten, umso aufwendiger und teurer wird der Umbau der Energiewirtschaft für nachfolgende Generationen.»

Welche Gesamtstrategie bezüglich Umgang mit Energie hat die Bank Coop?

Das Energie-Konzept der Bank Coop steht auf zwei Säulen: Steigerung der Energieeffizienz und Substitution herkömmlicher Energieträger durch Energieträger, die mit dem Label „naturemade Star“ ausgezeichnet sind. Dies ist ein anerkanntes Qualitätszeichen für besonders umweltschonend produzierte Energie aus 100% erneuerbaren Energiequellen und bürgt für die Einhaltung zusätzlicher strenger und umfassender ökologischer Auflagen.

Seit Beginn der Datenerhebung für unser Umweltmanagement 2004 haben wir den Energieverbrauch um rund einen Viertel senken können. Dies vor allem durch Betriebsoptimierungen und Sanierungen im Bereich der Haustechnik. Wir wollen jedoch auch, dass unsere Mitarbeitenden bewusst mit Energie umgehen und haben deshalb umfassende Energiesparwochen durchgeführt. Am Hauptsitz in Basel heizen wir unsere Gebäude mit dem Produkt IWB’Wärme Klima, das als klimaneutral gilt. Der Strom in Basel kommt aus 100% erneuerbaren Stromquellen und neu beziehen wir nun auch IWB’Solarstrom. In den Regionensitzen Zürich, Bern, Lausanne und Lugano haben wir ebenfalls auf „naturemade star“ ausgezeichnete Energieprodukte gesetzt.

Wir haben beschlossen, die Rückerstattung der CO2-Abgabe auf Brennstoffe zweckbestimmt und gezielt für ökologisch sinnvolle Energieträger, zur Erhöhung der Energieeffizienz und für den Klimaschutz einzusetzen. Aus der Rückerstattung finanzieren wir die anfallenden Mehrkosten.

Gibt es auch Produkte bei der Bank Coop, von denen Kunden profitieren, die sich speziell um das Thema Nachhaltigkeit kümmern?

Nachhaltige Bankprodukte haben für die Bank Coop auch über den Energie-Aspekt hinaus einen hohen Stellenwert. Eine Palette von Produkten, die spezifisch auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind, eröffnet unseren Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, gesellschaftliche und ökologische Aspekte zu gewichten.

Mit der Nachhaltigkeitshypothek übertragen wir unsere betriebliche Energie- und Klimaschutzstrategie in den Produktebereich: eine substanzielle Zinsvergünstigung von 0.5 Prozent schafft Anreize, energieeffizient zu bauen und zu sanieren. So vergünstigen wir die Finanzierung von Liegenschaften, die beispielsweise nach Minergie zertifiziert sind oder über einen Gebäudeenergieausweise der Klasse A verfügen. Auch für die Sanierung von Heizanlagen oder die Investition in Solaranlagen gewähren wir eine Zinsvergünstigung von 0.5 Prozent. Und selbstverständlich bieten wir attraktive nachhaltige Anlagemöglichkeiten mit Investments in Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie an.

Falls die Schweiz unabhängiger werden soll von Atomenergie, welche Energieformen haben das Potential, den wachsenden Energiebedarf abzudecken und welche speziellen Projekte werden von der Bank Coop unterstützt?

Wir sind überzeugt, dass der verstärkte Einsatz der Solartechnologie grosses Potenzial hat. Die Sonne liefert uns kostenlos umweltfreundliche und sichere Energie. Würden alle geeigneten Dächer der Schweiz zur Gewinnung von Sonnenenergie genutzt, könnte bis zu einem Drittel des gegenwärtigen Elektrizitätsverbrauchs umweltfreundlich erzeugt werden. Zu diesem Ergebnis kommen Experten des Bundesamtes für Energie. Ebenso werden erneuerbare Energien wie Wasserkraft und Wind an Bedeutung gewinnen. Wir müssen uns bereits heute auf den Weg machen. Denn je länger wir warten, umso aufwendiger und teurer wird der Umbau der Energiewirtschaft für nachfolgende Generationen. Darüber hinaus kommt der Steigerung der Energieeffizienz eine grosse Bedeutung zu.

Eine der grossen Schwierigkeiten bei der Erschliessung alternativer Energiequellen in der Schweiz waren bis anhin die Einsprachen von privater Seite und verschiedener Verbände. Was muss sich politisch ändern, damit die Schweiz schneller und zu einem grösserem Teil von alternativen Energien profitieren kann?

Lösungen müssen in einem gesellschaftlichen und politischen Diskurs gefunden werden. Wir können nur für uns als Bank Coop sprechen und sind der Überzeugung, dass es das Wichtigste ist, mit gutem Beispiel voranzugehen. Wenn wir mit unserem Modell des Solar-Contractings andere Liegenschaftseigentümer motivieren können, gemeinsam mit kompetenten Partnern auf ihren Dächern ebenfalls Sonnenenergie zu gewinnen, dann würde uns dies freuen.

Zum Schluss des Gespräches haben Sie noch zwei Wünsche frei. Wie sehen diese aus?

Eine noch stärkere Bewusstseinsbildung der Bevölkerung für das Thema Nachhaltigkeit und darüber hinaus, dass sich alle darum bemühen, sowohl im geschäftlichen als auch im privaten Umfeld verantwortungsvoll zu handeln. Dies gilt insbesondere auch für den Umgang mit Energie.

Und natürlich: Dass wir als Unternehmen möglichst viele Nachahmer finden, die unserem Modell folgen.

Zum Unternehmen
Die Bank Coop AG ist eine gesamtschweizerisch tätige Bank. Sie offeriert alle wesentlichen Bankprodukte und Dienstleistungen für Privatkunden und KMU. Als kundennahe Bank legt die Bank Coop Wert auf faire Konditionen. Sie differenziert sich durch ein umfassendes Angebot an nachhaltigen Bankprodukten und Engagements. Mit der Dienstleistung “eva” bietet die Bank Coop zudem ein spezielles Angebot für Frauen. Seit 2000 hält die Basler Kantonalbank eine Mehrheitsbeteiligung an der Bank Coop. Die Bank Coop hat 33 Geschäftsstellen in der Schweiz und beschäftigt rund 730 Mitarbeitende. Der Hauptsitz befindet sich in Basel. Als Aktiengesellschaft ist die Bank Coop an der SIX Swiss Exchange kotiert.

Zur Person
Andreas Waespi (Jg. 1961) ist seit 2005 CEO der Bank Coop. Zuvor war er Mitglied der Geschäftsleitung der Basler Kantonalbank und leitete dort das Privatkundengeschäft. Zudem übt er zahlreiche Verwaltungsratsmandate im Finanzdienstleistungsbereich aus. Er ist eidg. dipl. Bankfachmann, Absolvent der Swiss Banking School und hat diverse internationale Management Ausbildungen abgeschlossen.


Symbolbild KF für CEO Interviews

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