Andrew Walo, CEO CKW

Andrew Walo
Axpo-CEO Andrew Walo.

Andrew Walo, CEO CKW

von Patrick Gunti

Moneycab: Herr Walo, Umweltministerin Doris Leuthard hat die Pläne des Bundesrates zur sogenannten Energiewende präsentiert. Für wie realistisch halten Sie diesen Energieumbau?

Andrew Walo: Grundsätzlich stelle ich mit Befriedigung fest, dass die vom Bundesrat beschlossene Konkretisierung nun in Bezug auf die Ausbaupotenziale bei erneuerbaren Energien realitätsnäher ist. Zuzustimmen ist auch seiner Aussage, dass das grösste Potenzial zur Senkung des Gesamtenergieverbrauchs bei den Gebäuden liegt. Nachbesserungsbedarf sehe ich vor allem bei den Rahmenbedingungen für die erforderlichen Investitionen in Kraftwerke und Netze von bis zu 50 Milliarden Franken. Unter den heutigen gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen ist kein rational handelnder Investor bereit, diese Investitionen zu tätigen.  Damit ist die Versorgungssicherheit gefährdet.

Der Ausstieg aus der Kernenergie zwingt auch die Centralschweizerische Kraftwerke AG CKW zu einem grundlegenden Umbau der Stromversorgung. Wie viele Prozent des Stroms für die über 200’000 Kunden im Versorgungsgebiet in der Zentralschweiz stammen aktuell aus der Kernenergie?

Richtig, CKW ist überproportional betroffen. Denn der Anteil liegt bei knapp 70%. Das bedeutet, dass  wir bis 2050 für 16 Stunden eines jeden Tages eine Alternative zur Kernenergie finden müssen, die sowohl eine sichere Stromversorgung ermöglicht, als auch preislich wettbewerbsfähig ist.

Nun will die CKW im Rahmen einer neuen Unternehmensstrategie bis ins Jahr 2050 3 Mrd Franken in einen neuen Produktionsmix investieren. Was beinhaltet die neue Strategie?

Mit der neuen Strategie baut CKW die Stromversorgung in ihrem Versorgungsgebiet grundlegend um. Um auch nach dem Ausstieg aus der Kernenergie die sichere Stromversorgung zu gewährleisten, will CKW im Zuge der neuen Unternehmensstrategie bis ins Jahr 2050 drei Milliarden Franken in ihren neuen Produktionsmix investieren – 80 Prozent davon in erneuerbare Energien. Eine Milliarde investieren wir bereits bis ins Jahr 2017. Unsere Kompetenz im breiten Aufgabengebiet von der Turbine bis zur Steckdose wollen wir dazu einsetzen, unsere Kunden beim Aufbau eigener Produktionsanlagen und beim Umsetzen von Energieeffizienzmassnahmen aktiv zu unterstützen und die neue Energieproduktion und deren Einsatz optimal zu steuern.

«Das bedeutet, dass  wir bis 2050 für 16 Stunden eines jeden Tages eine Alternative zur Kernenergie finden müssen.»
Andrew Walo, CEO CKW

Wo werden in der Zeitspanne bis 2017 die Schwerpunkte gesetzt?

Unser Fokus liegt bei neuen Wasserkraftwerken in der Zentralschweiz sowie bei Onshore-Windkraftanlagen in Europa.

Bei Windkraft ist von grossen Investitionen im Ausland auszugehen. Wie gross werden im Rahmen der neuen Strategie die Investitionen im Inland sein?

Wir gehen davon aus, bis 2050 rund 45% der Investitionen im Inland zu tätigen. Der Anteil der Windkraft im Inland wird minim bleiben, da die Schweiz und auch der Kanton Luzern leider wenig geeignete Standorte haben, die eine wirtschaftliche Produktion aus der Windkraft ermöglichen.

«80% der 3 Milliarden Franken wollen wir in den Ausbau der erneuerbaren Energien investieren. Dabei rechnen wir ab 2030 auch mit der Geothermie.»

Wie wird sich der Produktionsmix dereinst präsentieren?

Wir gehen davon aus, dass 2050 die CKW keine Kernenergie und einen möglichst hohen Anteil an erneuerbaren Energien im Strommix haben wird. 80% der 3 Milliarden Franken wollen wir in den Ausbau der erneuerbaren Energien investieren. Dabei rechnen wir ab 2030 auch mit der Geothermie. Ob und in welchem Umfang dies dann auch so eintrifft, hängt vom technischen Fortschritt ab.  Daher weiss heute auch niemand genau, wie gross die nicht von den erneuerbaren Energien gedeckte Versorgungslücke ist und ob diese mit Gaskombikraftwerken oder Importen gedeckt wird.

Der vom Bundesrat für eine Übergangsperiode angedachte Bau von Gaskraftwerken ist umstritten. Braucht es diese Ihrer Ansicht nach tatsächlich und sieht die neue Strategie hier auch Beteiligungen vor?

Da nicht immer der Wind weht und die Sonne scheint, braucht es trotz aller Effizienzanstrengungen für eine zuverlässige Stromversorgung zusätzlich zu den erneuerbaren Energien flexible Erzeugungskapazitäten. Um die Lücke zu füllen, bleiben Pumpspeicherkraftwerke, Gaskombikraftwerke oder Importe. Politische Rahmenbedingungen werden hier den gangbaren Weg aufzeigen. Wir haben kein konkretes Gaskombiprojekt auf der Agenda. Wenn Gaskombikraftwerke nötig würden, sieht die CKW-Strategie ausschliesslich Beteiligungen vor.

Der Energieumbau fordert von der Strombranche Investitionen in bisher nicht dagewesenen Dimensionen. Wie will die CKW diese stemmen?

CKW muss ihre Ertragskraft erhalten oder  steigern, um auch in Zukunft als gesundes Unternehmen Fremdkapital aufnehmen zu können. Denn wir werden für 50-70% der Investitionen Fremdkapital aufnehmen müssen. Den Weg beschreiten wir, indem wir im Kerngeschäft effizienter werden und neue Wachstumschancen ergreifen.

Was steht beim Ausbau und der Anpassung des Stromnetzes im Vordergrund?

Das Netz muss auf die steigende dezentrale Produktion angepasst werden. Wir schätzen einen Investitionsbedarf von 300 Millionen Franken für diesen Umbau. Zusätzlich rechnen wir mit jährlichen Investitionen von rund 60 Millionen Franken für Erneuerung unserer Netzinfrastruktur.

«Von der Politik erwarten wir investitionsfreundliche, marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen.»

Sie sehen durch die völlig veränderte Ausgangslage für die Energieversorger grossen Handlungsbedarf bei den gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Was erwarten Sie im Zusammenhang mit der Energiewende von der Politik und den Umweltverbänden?

Von der Politik erwarten wir investitionsfreundliche, marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen. Das beinhaltet  einen vollständig geöffneten und europakompatiblen Strommarkt, keine überregulierte und subventionierte Planwirtschaft und keine zusätzlichen Abgaben und Steuern. Bewilligungsverfahren müssen verkürzt werden.  Von den Umweltverbänden erwarte ich ebenfalls einen konstruktiven Beitrag für das Gelingen der Energiewende. Verzögerungen und Verhinderungen bei Kraftwerks- und Netzinfrastrukturprojekten führen nicht ans Ziel.

Und von der Bevölkerung?

Jede und Jeder kann und muss mit eigenen Verhaltensänderungen zum Gelingen des Umbaus beitragen. Wir unterstützen die Bevölkerung mit verschiedenen Massnahmen dabei, Energie und Strom effizienter einzusetzen. Zum Nulltarif ist die Energiewende jedoch nicht zu haben.  Der Bundesrat geht bekanntlich von einer Verdoppelung des Strompreises aus. Ich bin also gespannt, ob wer A sagt, dann auch B akzeptiert.

Fukushima hat die Ausgangslage für die Energiekonzerne von einem Tag auf den anderen vollkommen verändert. Sehen Sie den Energieumbau für Ihr Unternehmen als Belastung  oder eher als Chance?

Veränderungen muss man als Chance begreifen. CKW ist gut aufgestellt und ich bin zuversichtlich, dass eine Energiewende in der Schweiz möglich ist.

Herr Walo, besten Dank für das Interview.

Zur Person:

*1963, CH und GB – Dr. oec. publ.

Chief Executive Officer (CEO) und Vorsitzender der Geschäftsleitung seit 2004,
Mitglied der Konzernleitung Axpo Holding AG seit 2004

Werdegang
Forschungsassistent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Zürich (1991 – 1994) 
Projekt- und Profitcenterleiter sowie General Manager im internationalen Gas- und Kombikraftwerkgeschäft des ABB Konzerns (1994 – 1999) 
Divisionsleiter im internationalen Gasturbinengeschäft des Alstom Konzerns (1999 – 2001) 
Geschäftsführer der SN Energie AG und der Kraftwerke Zervreila AG (2001 – 2004)  
 
Mitglied des Verwaltungsrats:
CKW Fiber Services AG (Präsident)
EGL AG (Mitglied) 
Elektrizitätswerk Altdorf AG (Präsident) 
Elektrizitätswerk Schwyz AG (Mitglied) 
CKW Conex AG (Präsident) 
Kraftwerk Göschenen AG (Mitglied) 
 
sowie im Vorstand:
swisselectric (Organisation der schweizerischen Stromverbundunternehmen) (Mitglied) 
Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (Mitglied) 
Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz 
Schweizerischer Arbeitgeberverband
 
und im Stiftungsrat:
Fürsorgestiftung CKW (Mitglied)

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