Antoine Millioud, CEO Aventron, im Interview

Antoine Millioud
Aventron-CEO Antoine Millioud. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Millioud, nach dem bereits starken Wachstum der letzten Jahre hat Aventron den Umsatz 2019 um weitere 12 Prozent auf über 100 Mio Franken gesteigert. Wie konnte das weitere Wachstum realisiert werden?

Antoine Millioud: Ein wichtiger Umsatztreiber waren die im Verlauf 2018 erworbenen Windparks in Spanien (Windpark Puerto Real eingebracht durch Sacheinlage), in Deutschland und Norwegen, welche zum ersten Mal ganzjährig zum Nettoerlös beitrugen.

Auch der Gewinn konnte gesteigert werden, von 10,2 auf 13 Mio Franken, der EBIT sogar um 15 Prozent auf 32,4 Mio Franken. Lässt sich diese Ertragskraft halten?

Eine EBIT-Ratio (EBIT über Nettoerlös) um die 30% lässt sich durchaus halten. Dies entspricht der wirtschaftlichen Struktur von Investitionen in erneuerbare Energien Kraftwerke.

Wind, Wasser und Sonne interessieren sich nicht für Pandemien, dennoch – ist Aventron von der Corona-Pandemie betroffen? Welche Folgen könnte die sich abzeichnende, weltweite Rezession auf Ihr Geschäft haben?

Die Corona-Krise führt vorübergehend zu tieferen Energiepreisen. Rund 80-85% unseres heutigen Umsatzes ist jedoch durch Einspeisevergütungen abgesichert. Das heisst, dieser Teil unseres Umsatzes schwankt nur mit der Meteorologie und nicht mit den Energiepreisen. Alle unsere Kraftwerke sind dezentral und ferngesteuert. Die Kraftwerke können auch während der Phase reduzierter Mobilität (lock-downs) betrieben und gewartet werden.

„Wir möchten auch weiterhin die drei Ressourcen Wind, Sonne und Wasser in unserem Portfolio ausgewogen vertreten haben. Wir verfolgen also neue Kraftwerkprojekte in jeder dieser drei Technologien.“
Antoine Millioud, CEO Aventron

Das Aventron-Portfolio umfasste Ende letzten Jahres eine Gesamtleistung von 545 Megawatt. Über eine Kapitalerhöhung im Umfang von 65 Mio Franken soll das Portfolio erweitert werden. Welche Leistung streben Sie mittel- und langfristig an?

Wir streben bis Ende 2020 ein Portfolio von 600 MW und bis Ende 2023 ein Portfolio von 750 MW an. Das 600 MW Portfolio hat die Kapazität 1200 GWh sauberen Strom zu produzieren, genügend um 300’000 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Was steht beim Ausbau des Kraftwerkportfolios im Fokus?

Wir möchten auch weiterhin die drei Ressourcen Wind, Sonne und Wasser in unserem Portfolio ausgewogen vertreten haben. Wir verfolgen also neue Kraftwerkprojekte in jeder dieser drei Technologien. Der Länderfokus bleibt wie anhin die Schweiz, ihre Nachbarsländer Italien, Frankreich und Deutschland sowie Spanien und Norwegen.

Mit Aventron als Investorin, Mieterin der Dachfläche und Verantwortlichen für die Bereitstellung des Stroms für 2000 Haushalte ist auf dem Dach des Aldi-Verteilzentrums in Perlen (LU) seit einigen Monaten die zweitgrösste Solaranlage der Schweiz mit einer Leistung von 6,5 Megawatt in Betrieb. Ist das für die Schweiz ein Musterbeispiel, wie das Ausbaupotenzial der Solarenergie genutzt werden kann?

Ja, es ist ein wegweisendes Projekt. Ein Viertel des produzierten Stromes wird vor Ort durch das Verteilzentrum der Aldi verbraucht während drei-Viertel der Energie über einen langfristigen Stromabnahmevertrag mit einem führenden Energieversorger verkauft wird.

Eine nochmals ganz andere Dimension hat das 50-MW-Solarkraftwerk bei Toledo in Spanien. Welche Bedeutung hat das ohne staatliche Förderung realisierte Projekt für Aventron aber auch für die erneuerbare Stromproduktion in Europa überhaupt?

Das Projekt stellt einen Durchbruch für Aventron dar aus zwei verschiedenen Gründen. Zum einen waren wir als Besitzer des Projektes federführend in den Vertragsverhandlungen für die Generalunternehmer-, Finanzierungs- und Stromabnahmeverträge und haben dadurch im internationalen Kontext wertvolle Erfahrungen gesammelt und das Projekt erfolgreich abschliessend strukturiert. Zum anderen ist es das erste Solarprojekt der Aventron, welches tatsächlich ohne jegliche staatliche Förderung wirtschaftlich ist. Im Süden Europas entstehen zurzeit vermehrt solche sehr grosse, marktnahe Solarprojekte.

„Das 50-MW-Solarkraftwerk bei Toledo ist das erste Solarprojekt der Aventron, welches tatsächlich ohne jegliche staatliche Förderung wirtschaftlich ist.“

Die Diversifikation ist ein Schlüsselelement der Aventron-Investitionsstrategie. Wie verteilen sich die Investitionen in Solar-, Wind- und Wasserkraft?

Das Ziel war immer eine Diversifikation auf der Umsatzseite zu erreichen. Heute liefert die Windkraft rund 50% des Umsatzes und die Wasserkraft, sowie die Solarkraft je ein Viertel. Diese Aufteilung werden wir auch weiterhin verfolgen.

Inwieweit beeinflusst der Klimawandel über das Thema Energiewende hinaus Ihre Portfoliostrategie, im Sinne von extremeren Wetterlagen, Windsituationen, Sonnenstunden etc.?

Dies ist schwierig zu beantworten. Wir haben noch keine präzise Sicht, wie der Klimawandel die Meteorologie und unsere Produktionsprofile beeinflussen wird. Sicher ist, dass die Sonnenenergie, also unsere Photovoltaikanlagen eine grössere Rolle spielen werden.

Im Februar wurde die Dekotierung der Aventron-Aktien an der BX Swiss vollzogen. Neu werden die Titel an der OTC-X der Berner Kantonalbank gehandelt. Was waren die Gründe für diesen Schritt?

Eine Dekotierung entsprach besser dem langfristigen Infrastruktur-Charakter unserer Firma und den Anliegen unserer Hauptinvestoren. Die OTC-X Plattform wird ja von einigen weiteren grösseren Schweizer Energieversorgen ebenfalls benutzt und bietet eine gewisse Liquidität für unsere Kleinaktionäre.

„Die Gestehungskosten der drei grossen Technologien Wind/Sonne/Wasser nähern sich an und werden innerhalb eines Jahrzehnts gegenüber der konventionellen Stromerzeugung konkurrenzfähig.“

Letzte Frage: Welches sind die wichtigsten Trends der Branche im kommenden Jahrzehnt?

Wir werden EU-weit und ebenfalls in der Schweiz einen stetigen Ausbau der neuen erneuerbaren Stromproduktion sehen. Gleichzeitig wird Wind Onshore und Kleinwasserkraft weiterhin von seiten der Anwohner und Umweltverbände bekämpft, was zu einem Widerspruch in Bezug auf den Wunsch den Klimawandel aufzuhalten führt. Die Gestehungskosten der drei grossen Technologien Wind/Sonne/Wasser nähern sich an und werden innerhalb eines Jahrzehnts gegenüber der konventionellen Stromerzeugung konkurrenzfähig.

Herr Millioud, besten Dank für das Interview.

 
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