Carl Elsener, CEO Victorinox AG

Carl Elsener

Carl Elsener, CEO Victorinox AG. (Foto: Victorinox)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Elsener, amerikanische GIs haben die Schweizermesser von Victorinox in die Welt hinausgetragen. Welches sind gerade jetzt Ihre wichtigsten Markenbotschafter?

Carl Elsener: Für uns sind die zufriedenen Kunden rund um den Globus die wichtigsten Markenbotschafter. Die täglich eintreffenden Briefe und E-Mails  zeigen uns, dass wir mit unseren Produkten, aber auch mit unserer Haltung gegenüber unseren Kunden auf viel Sympathie stossen. Bereits der Firmengründer hat vor fast 125 Jahren in sein Credo gesetzt: unseren Mitmenschen mit praktischen und funktionstüchtigen Erzeugnissen zu dienen. In diesem Sinne haben wir uns über Generationen diesem Leitgedanken verpflichtet.

Das Multifunktionsmesser Champion war 1973 der grosse Wurf. Victorinox-Messer werden oft kopiert und nie erreicht. Wie gehen Sie gegen Markenpiraterie vor?

Wir betreiben einen grossen Aufwand, um Produktpiraterie und Markenmissbrauch zu bekämpfen. So arbeiten wir eng mit Zoll- und Polizeibehörden zusammen. Wir bekommen auch Rückmeldungen von Botschaften und haben ein eigenes Team um unsere Markenrechte durchzusetzen. Ferner arbeiten wir bei internationalen Messen mit professionellen Ermittlern, die Fehlbare offiziell anzeigen.

Feinstanzen und Polieren sind die Grundtechnologien Ihrer Messerschmiede. Inwieweit profitieren auch Schweizer Maschinenbauer von Victorinox` Produktentwicklungen?

Die Mehrheit der eingesetzten Maschinen beim Feinstanzen und Polieren sind Standardprodukte, die wir auf dem Markt einkaufen. Die benötigten Werkzeuge stellen wir jedoch selber her.

Haben Sie oft Spezialwünsche an die Maschinenbauer?

Ja, wir erwarten höchste Qualität und Serviceleistungen.

Bei Messern – vor allem im Metzgermetier, gibt es länderspezifisch grosse Unterschiede. Wie gelingt es Ihnen bei all diesen Sonderwünschen die Produktion zu rationalisieren?

Bei den Metzgermessern haben wir tatsächlich eine Situation der grossen Vielfalt. Zahlreiche Modelle müssen wir mit verschiedenen Grifffarben und unterschiedlichen Klingenlängen anbieten und dann kommen noch die von Ihnen erwähnten, länderspezifischen Klingenformen dazu. Dies bricht die Stückzahlen pro Modell herunter. Mit den modernen Maschinen können wir jedoch die Umrüstzeiten optimieren und relativ kurz halten.

«Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not. Entsprechend diesem Leitsatz haben wir in guten Zeiten immer Reserven gebildet und in einer wirtschaftlich schwierigen Periode antizyklisch investiert.»
Carl Elsener, CEO Victorinox

Durch die Attentate vom 11. September 2001 kam es zu einem Umsatzeinbruch von über 30 Prozent, da Messer plötzlich nicht mehr im Handgepäck transportiert werden durften. Haben Sie ein Szenariomanagement für solche einschneidenden Ereignisse?

Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not. Entsprechend diesem Leitsatz haben wir in guten Zeiten immer Reserven gebildet und in einer wirtschaftlich schwierigen Periode antizyklisch investiert. Da die Taschenmesser nicht viel Lagerplatz benötigen, nicht verderblich sind und weniger den Modeströmungen unterworfen sind, können wir konjunkturelle Schwankungen zu einem gewissen Teil auch bereits über das Lager ausgleichen. Die Folgen des Anschlages vom 11. September 2001 haben uns schmerzlich gezeigt, wie gefährlich eine einseitige Abhängigkeit sein kann. Über die Ausweitung unserer Marke in andere Produktkategorien, wie Uhren, Bekleidung und Reisegepäck haben wir diese Abhängigkeit reduziert.

In der Vergangenheit hatte Ihr Unternehmen ein glückliches Händchen bei antizyklischen Investitionen. Verraten Sie uns etwas über Projekte, die in Ihrer Schublade liegen?

Neue Produkte sind wichtige Bausteine für den Erfolg von morgen. Durch Nähe zum Markt versuchen wir immer wieder, neue Kundenwünsche frühzeitig zu erkennen und diese innovativ in nützliche Produkte umzusetzen. Die Victorinox Flash mit USB-Datenspeicher sind schöne Beispiele für Entwicklungen, die Tradition und moderne Technologie innovativ miteinander verbinden.

Wieviel vom Umsatz investieren Sie in Neuentwicklungen?

Abhängig von der jeweiligen Produkt-Kategorie zwischen 5 – 8 %. Wir sind auch immer neugierig und offen für Neues. Unsere Kunden sind für uns grosser Ansporn und Motivation, den Markt immer wieder mit neuen einzigartigen Produkten zu überraschen. Neben unserem technischen Büro, das dauernd an Neuentwicklungen und Verbesserungen arbeitet, kommen gute Ideen auch aus anderen Abteilungen sowie von unseren Vertretungen und Partnern. Das Swiss Army Knife inspiriert aber auch viele treue Kunden und Konsumenten in der ganzen Welt, uns ganz spontan ihre Ideen und Anregungen mitzuteilen.

Ihr Vater hatte im zweiten Weltkrieg einmal erfolgreich gegen die hohe Kriegsgewinnsteuer interveniert. Welche Rolle spielt die Steuerpolitik heute für Ihr Unternehmen?

Wie früher so sind auch heute Steuern betriebswirtschaftlich betrachtet ein Kostenfaktor. Als Unternehmen und Mitarbeitende leisten wir aber gerne einen Beitrag an die öffentliche Hand und das Gemeinwesen. Wenn wir feststellen, dass mit den Steuern haushälterisch umgegangen wird, ist dies ein besonderer Motivationsfaktor dem Staat zu geben, was dem Staat gehört.

Inwieweit erreichen Sie als bedeutendster Arbeitgeber am Kantonshauptort Schwyz besondere Bedingungen für Ihr Unternehmen?

Trotz unserer wirtschaftlichen Bedeutung haben wir mit der öffentlichen Hand keine speziellen Vereinbarungen oder Steuerabkommen. Wir bezahlen unsere Steuern als juristische bzw. natürliche Personen, wie jedes KMU-Unternehmen und profitieren wie diese von den guten Bedingungen im Kanton Schwyz. Wir bemühen uns auch um eine faire Partnerschaft mit dem Gemeinwesen und der Öffentlichkeit.

«Pro Jahr eröffnen wir weltweit ungefähr 10 Stores.»

Wie viele andere Markenunternehmen setzt Victorinox auf sogenannte Flagship-Stores. In welchen Grossstädten sind die nächsten geplant?

Flagship-Stores und Brand Stores sind das Aushängeschild einer Firma und dienen der Imageförderung und Markenbildung. Pro Jahr eröffnen wir weltweit ungefähr 10 Stores. Im März 2013 haben wir im Flughafen Zürich einen Brandstore eröffnet und im September ist der nächste in Köln geplant.

Welche besonderen Marketingmassnahmen haben denn in den letzten Jahren bei Victorinox zu den grössten Umsatzsprüngen geführt?

Wir setzen auf ein nachhaltiges, kontinuierliches Wachstum. Im Zentrum unseres Marketings stehen die Produkte, die sich durch hohe Qualität und Funktionalität auszeichnen und unseren  Kunden stets einen hohen Nutzen bieten. Unser Markenversprechen basiert auf den Grundwerten des legendären Swiss Army Knife. Dies sind hohe Qualität, Funktionalität, Innovation und das eigenständige Design.

«Die neuen Produkt-Kategorien spielen eine entscheidende Rolle in unserer Markenstrategie.»

Aber Victorinox verkauft doch auch Parfum, Uhren oder Gepäck. Welche Line Extensions dürfen wir in den nächsten Jahren erwarten?

Wir sehen die Weiterentwicklung unseres Unternehmens als immerwährenden Prozess. Die kontinuierliche Pflege und Entwicklung der Marke Victorinox ist für uns eine entscheidende Basis für nachhaltigen Erfolg und die Sicherung der Unternehmenszukunft. Die neuen Produkt-Kategorien spielen eine entscheidende Rolle in unserer Markenstrategie. Wir wollen die Marke aber nicht überstrapazieren. Die bestehenden Produkt-Kategorien müssen zuerst auf einer gesunden und nachhaltigen Basis stehen, bevor wir neue Geschäftsfelder öffnen. In den kommenden Jahren wollen wir unsere Markenpräsenz durch gezielte Investitionen am Verkaufspunkt und in Brand Stores weltweit weiter verstärken.

Zur Person:
Carl Elsener wurde am 4. Juli 1958 in Ibach-Schwyz geboren und ist der Urenkel von Karl Elsener, dem Gründer von Victorinox. Er ist verheiratet und Vater von 3 Kindern. Nach der Matura ist er l978 in den Familienbetrieb eingetreten und hat sich von der Pike auf das Führungs-Handwerk im Schwyzer Traditionsbetrieb erarbeitet. l985 arbeitete er beim Vertriebspartner in den USA, wo er auch zahlreiche Weiterbildungen in den Bereichen Management und Unternehmensführung absolvierte. Seit 1991 ist er im Verwaltungsrat der Victorinox AG und leitet heute das Familienunternehmen in der vierten Generation.

Zum Unternehmen:
Der Name Victorinox ist eng verknüpft mit dem legendären «Original Swiss Army Knife», das seinen Ursprung im Schweizer «Offiziers- und Sportmesser» aus dem Jahr 1897 hat. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Ibach, Schwyz, im Herzen der Schweiz. Hier gründete Karl Elsener im Jahre 1884 seine Messerschmiede und leitete damit eine beispiellose Erfolgsgeschichte ein. Millionen von Menschen rund um den Globus verbinden mit Victorinox typisch schweizerische Werte wie Erfindergeist, Zuverlässigkeit, Funktionalität und Qualität. Heute produziert und vertreibt Victorinox weltweit eine Reihe von wertvollen Qualitätsprodukten mit praktischem Nutzen in verschiedenen Lebensbereichen: Taschenmesser, Haushalt- und Berufsmesser, Uhren, Reisegepäck, Bekleidung und Parfum. 

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