Beat Merkli, Country Manager Switzerland Western Union Business Solutions, im Interview

Beat Merkli, Country Manager Switzerland Western Union Business Solutions, im Interview
Beat Merkli, Country Manager Switzerland Western Union Business Solutions

Von Helmuth Fuchs

Moneycab: Herr Merkli, die Globalisierung und die weltweite digitale Vernetzung von lokalen Wirtschaftsräumen hat in den letzten Jahrzehnten enorme Veränderungen gebracht. Wie haben diese die Themen Währungen, Währungsrisiken und das Zahlungsverhalten beeinflusst?

Beat Merkli: Die Zahlungsindustrie wird sich weiter wandeln. Der Trend hin zu Echtzeitzahlungen ist ein Beispiel dafür und trägt zu einer Modernisierung des Payment-Umfelds bei. Die Crux an der Sache: Lösungen und Vorhaben im Zahlungsumfeld werden zumeist unter einem lokalen beziehungsweise nationalen Gesichtspunkt betrieben und forciert. Doch das Bedürfnis für nahtlos funktionierende und effiziente grenzüberschreitende Lösungen ist und bleibt vorhanden.

„KMU in der Schweiz müssen sich davor schützen, dass sich externe Faktoren wie zum Beispiel Währungsrisiken oder Kursschwankungen negativ auf ihre Profitabilität auswirken.“
Beat Merkli, Country Manager Switzerland Western Union Business Solutions

Nehmen wir zum Beispiel den Faktor Zeit. Muss ein Schweizer KMU eine Banküberweisung ins Ausland tätigen, und dies beispielsweise in exotischen Währungen, dann dauert das schnell bis zu zwei Wochen. Je nach Sektor, Auftrag und Unternehmensgrösse, kann eine solche Verzögerung schnell zu einem Geschäftsrisiko werden. Wir sind in der Lage, eine solche Zahlung in einem Tag abzuwickeln.

Der Euro hat viele lokale Währungen ersetzt, Onlinegeschäfte werden vermehrt in US-Dollars abgewickelt. Was bedeutet das für das Geschäft von Western Union, die ja vor allem im Bereich der unterschiedlichen Währungen Lösungen anbietet?

Der eben erwähnte Faktor Zeit ist sicherlich einer unserer wichtigsten USPs. Was uns zudem auszeichnet ist, dass wir um die Wichtigkeit der Dienstleistungserbringung wissen. Ungeachtet, ob es sich um eine Retail- oder B2B-Transaktion handelt – unser Kunde und seine individuellen Bedürfnisse stehen stets an erster Stelle. Wie können wir ihm helfen? Wie seine Zahlungen bestmöglich abwickeln? Wie das Geld global an denjenigen Ort verschieben, wo es benötigt wird? Hat er eine Fremdwährungs-Strategie und wie können wir diese unterstützen? Dies sind die für uns zentralen Fragen.

Dafür bauen wir unser Angebot kontinuierlich aus. So erreichen wir ein möglichst breites Publikum und können unsere Kunden noch besser unterstützen. Global betreuen wir über 50’000 Geschäftskunden – ihnen bieten wir Zugang zu über 130 Währungen und wickeln für sie Banküberweisungen in 170 Ländern und Regionen ab. In diesem Jahr werden wir voraussichtlich sieben neue Länder erschliessen und neue Lösungen an den Markt bringen – sowohl im Retail- als auch dem B2B-Geschäft.

Sie haben anfangs Mai eine spezielle Lösung für die Absicherung von Währungsrisiken für KMU lanciert. Was bietet diese Lösung im Vergleich zu Banken-Angeboten, welche schon in diesem Bereich tätig sind?

KMU in der Schweiz müssen sich davor schützen, dass sich externe Faktoren wie zum Beispiel Währungsrisiken oder Kursschwankungen negativ auf ihre Profitabilität auswirken. Gerade bei hiesigen Unternehmen können Schwierigkeiten bei der genauen Vorhersage des Cash-Bedarfs die Geschäftsmargen beeinträchtigen. Wir geben KMU eine gute Plattform, sich zu günstigen Konditionen gegen nachteilige Marktbewegungen abzusichern und gleichzeitig von günstigen Marktentwicklungen zu profitieren. Dies tun wir, indem wir einerseits verschiedene Hedging-Produkte wie Devisentermingeschäfte und Währungsoptionen anbieten und sie andererseits gleichzeitig im Risikomanagement beratend unterstützen. Wir bieten kleineren Unternehmen unsere beste Expertise im Devisenmarkt, die sie bei Banken zu den gleichen Konditionen wahrscheinlich nicht bekommen.

Gibt es verlässliche Angaben, wie gross der Verlust von Schweizer Unternehmen im Währungsbereich ist durch Schwankungen oder Ausfälle und welchen Teil davon können Sie mit der neuen Lösung potenziell verhindern?

Nehmen wir NGOs als Beispiel. Ihre Projekte finden oft in Schwellenländern statt, die aufgrund ihrer volatilen Währung schnell ein finanzielles Risiko darstellen. Ein NGO kann es sich nicht leisten, sich einem solchem Risiko auszusetzen; dafür steht zu viel auf dem Spiel. Wir dürfen über 60% der NGOs in der Schweiz zu unseren Kunden zählen, darunter bekannte und grosse Organisationen wie Swissaid, Terre des hommes und Aiducation International. Diesen Organisationen helfen wir mit einfachen aber effektiven Risikomanagementstrategien, um sich gegen Währungsschwankungen abzusichern.

Gerade der Schutz in exotischen Währungen ist ein Markt, der von den grossen Banken vernachlässigt wird.

Gerade der Schutz in exotischen Währungen ist ein Markt, der von den grossen Banken vernachlässigt wird. Wir helfen Unternehmen, Schwankungsrisiken in lokalen Währungen zu minimieren, die nicht an den US-Dollar gebunden sind. Wir bieten ihnen die Möglichkeit, Terminkäufe oder -verkäufe sowie Swaps für 12 bis 18 Monate zu tätigen. Zudem bieten wir Absicherungsprodukte mit einer Schutzoption für den Fall, dass sich der Wechselkurs zu Gunsten des Unternehmens ändern sollte.

Mit Ihrer neuen Lösung bieten Sie KMU auch Termingeschäfte und Devisenoptionen an. Wie viel Kenntnis und Erfahrung setzen Sie voraus, damit KMU bei solchen Geschäften nicht unnötige Risiken eingehen und somit eigentlich genau das Gegenteil dessen eintrifft, was mit der Lösung beabsichtigt wird?

Die Nutzung einer Option hängt vom jeweiligen Risikoprofil ab. In mehreren persönlichen Gesprächen mit dem Kunden wird eine Suitability Matrix und ein Kundenprofil erstellt um sicherzustellen, dass der Kunde die Komplexität solcher Produkte sowie deren Mechanismen versteht, um so bei Bedarf diese Flexibilität nutzen und richtig einsetzten zu können.

Wir raten aber immer, sich vor jedem Kauf eines Hedging-Produkts von uns beraten zu lassen. Wir bringen so die individuellen Finanzziele in Erfahrung und berücksichtigen die derzeitige finanzielle Situation, um festzustellen, ob und welches Produkt am besten geeignet wäre für die jeweilige Situation und Absicherungsziele eines KMU.

Da Western Union keine Banklizenz hat, ist sie auch nicht den gleich strengen Vorschriften wie die Banken unterworfen. Was unternehmen Sie, damit die Überweisungen nicht zur Finanzierung von unerwünschten Geschäften (Terrorismus, Waffen, Drogen etc.) eingesetzt werden?

Wir sind in der Schweiz VQF-reguliert und unsere Prozesse basieren auf der österreichischen Banklizenz der Western Union International Bank (WUIB). Sicherheit und Vertrauen sind in unserem Geschäft zentrale Werte. Entsprechend werden pro Jahr ungefähr 200 Millionen USD in die Stärkung und den Ausbau unserer Compliance Operations investiert. Insgesamt kümmern sich bei uns weltweit um die 2’500 Experten um das Thema Compliance.

„Wir sehen Compliance als Wettbewerbsvorteil und so hat die Einhaltung aller Vorschriften zur Bekämpfung illegaler Aktivitäten für uns oberste Priorität.“

Wir sehen Compliance als Wettbewerbsvorteil und so hat die Einhaltung aller Vorschriften zur Bekämpfung illegaler Aktivitäten für uns oberste Priorität. Wir machen uns intelligente Technologien wie Big Data und künstliche Intelligenz zunutze und verknüpfen dies mit Analysen zu Konsumentenverhalten, um Transkationen in Echtzeit zu prüfen und Anomalien aufzuspüren. So können wir verdächtige Transaktionen simultan stoppen und mit unseren Kunden unmittelbar den persönlichen Kontakt suchen, um die Transaktionen auf ihre Korrektheit zu prüfen.

Die Digitalisierung hat auch im Bereich der direkten Zahlungen zwischen zwei Marktteilnehmern zahlreiche Startups hervorgebracht, welche kostengünstige Transfers in zahllosen Währungen zulassen (TransferWise, PayPal, oder neu Facebook). Wie positioniert sich Western Union gegenüber diesen Anbietern?

Die Digitalisierung verändert Kundenerwartungen grundlegend – auch im Payment-Bereich. Schnelle und nahtlose Bezahlvorgänge sind gefragt. Während sich diese Erwartungshaltung zuerst bei den Endkonsumenten festgesetzt hat, schwappt sie langsam aber sicher auf die Unternehmenswelt über. Es gilt, Zahlungen schnell und reibungslos abzuwickeln. Man könnte gar behaupten, dass Payment zu einem Gebrauchsgut geworden ist, und dass das eigentliche Unterscheidungsmerkmal in der Dienstleistungserbringung liegt.

Wir sind Experten und bieten unseren Kunden umfassende Beratung, zum Beispiel in der Handhabung der komplexesten Regulierungs- und Compliance-Anforderungen. Firmen suchen nach Möglichkeiten, Geld grenzüberschreitend zu transferieren – schnell, effizient und unkompliziert. Wir machen dies möglich.

Eine Möglichkeit, Währungsschwankungen unterschiedlicher Devisen grundsätzlich zu umgehen, wäre der Einsatz von Kryptowährungen, wie zum Beispiel Bitcoin. Welche Rolle spielen Kryptowährungen in den Überlegungen von Western Union, wie beurteilen Sie deren Zukunftspotential?

Das Umfeld der Kryptowährungen sowie das der zugrundeliegenden Blockchain-Technologie entwickelt sich sehr schnell. Wir verfolgen die Themen seit Jahren intensiv und betreiben unsere eigene Forschung dazu.

So wird die Nutzung von Kryptowährungen innerhalb unsers Ökosystems derzeit evaluiert. Gleichzeitig testen wir Blockchain-bezogene Technologien über unterschiedliche Anwendungsfelder hinweg – beispielswiese in der Transaktionsverarbeitung, der Abwicklung oder in Bezug auf die digitale Identität. Die Skalierbarkeit und Effizienz unserer Plattform sind auf höchstem Niveau – wir prüfen nun, ob diese Technologien potenziell Kosten weiter senken und/oder das Kundenerlebnis verbessern könnten.

Das Smartphone ist mittlerweile die bevorzugte Bankplattform und das Zahlungsterminal, was Anbieter wie Apple, Google oder Samsung mit eigenen Bezahllösungen auftreten lässt. Sind diese Anbieter für Sie eher Verbündete oder zukünftige Gegner?

Kontinuierliche Weiterentwicklung und Innovation sind zwei der Gründe, warum Western Union seit über 160 Jahren erfolgreich am Markt agiert. So stellen wir sicher, dass wir den Marktbedürfnissen immer einen Schritt voraus sind. Nehmen wir unsere neue Partnerschaft mit Amazon zum Beispiel. E-Commerce hat dem Unternehmen zwar erleichtert, Geschäfte mit Kunden in anderen Ländern abzuwickeln. Die Schwierigkeiten, die beim Empfang von grenzüberschreitenden Zahlungen entstehen, wurden damit aber nicht gelöst.

„Die White-Label-Plattform, von Amazon als «PayCode» bezeichnet, ermöglicht es Kunden in bisher 13 Ländern, ihre Online-Einkäufe bar zu bezahlen.“

Es kann teilweise Wochen dauern, bis ein Unternehmen die Zahlung eines Käufers erhält. Deshalb hat Western Union gemeinsam mit Amazon eine Plattform entwickelt, welche die Komplexität der Verarbeitung und Abwicklung grenzüberschreitender E-Commerce-Transaktionen beseitigt. Die White-Label-Plattform, von Amazon als «PayCode» bezeichnet, ermöglicht es Kunden in bisher 13 Ländern, ihre Online-Einkäufe bar zu bezahlen. Beim Abschluss des Einkaufs können sie die Bezahloption «PayCode» wählen. Sie erhalten daraufhin einen QR-Code, mit dem sie innerhalb von vier Tagen ab Bestellung die Zahlung beim nächsten Western Union Vertreter tätigen können. Western Union übernimmt dabei die Backend-Abwicklung sowie die Währungsumrechnung. Für Kunden ist es wichtig, dass Zahlungen schnell und einfach abgewickelt werden können. Mit kontinuierlicher Innovation und gezielten Partnerschaften wie jener mit Amazon machen wir dies möglich.

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Western Union
Western Union war Vorreiter der Idee, Geld rund um den Globus zu transferieren, und verbindet global Menschen schon seit über 164 Jahren. Western Union Business Solutions ist einer der weltweit führenden Anbieter von grenzüberschreitenden Unternehmenszahlungen. Mit Hilfe eines der grössten und vielfältigsten Zahlungsnetzwerke der Welt unterstützen wir Unternehmen bei ihrer Expansion.

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