Thomas Lohmann, CEO LURAG Luzerner Raststätten AG, im Interview

Thomas Lohmann
Thomas Lohmann, CEO Lurag AG. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Lohmann, trotz Sanierung der Ostseite konnte Ihre Autobahnraststätte Umsatz und Gewinn steigern. War das hauptsächlich, weil es möglich war, zum Tanken die Autobahnseite zu wechseln?

Thomas Lohmann: Den Hauptgrund können wir klar den hervorragenden Zahlen bis zur Schliessung per Ende Oktober 2018 und dem Rekordjahr in unserem Hotel zuschreiben. Dass unsere Raststätte die seltene Möglichkeit besitzt, den Verkehr intern auf beide Seiten zu verteilen, hat selbstverständlich auch mitgeholfen. Rund ein Drittel des Benzinabsatzes konnte so «umgeleitet» werden.

Wieso ist eigentlich auf der Ostseite BP und auf der Westseite AVIA?

Die Projektierung Anfang der achtziger Jahre lief von Anfang an entsprechend. Ob es dabei intern zu einem «Strohhalmziehen» kam, kann ich nicht zurückverfolgen. Für uns sind beide Partnerschaften gleichwertig und wir sind froh, einen lokalen und einen globalen Lieferpartner zu haben.

Sechs 350-kW-Superschnellladestationen der neusten Generation stehen jetzt auf der Ostseite bereit. Kommt es zu Stosszeiten bei Elektrofahrzeugen dennoch manchmal zu Wartezeiten?

Die Frequenzen steigen stetig, aber zu Wartezeiten vor Ladebeginn ist es bisher noch nicht gekommen. Die sehr fortschrittlichen Ladegeschwindigkeiten der neusten Fahrzeuggenerationen helfen da mit. Die durchschnittliche Ladedauer sinkt seit Juni 2018 von 30 Minuten auf 20 Minuten, während die durchschnittliche Lademenge gleichzeitig steigt.

„Die durchschnittliche Ladedauer sinkt seit Juni 2018 von 30 Minuten auf 20 Minuten, während die durchschnittliche Lademenge gleichzeitig steigt.“
Thomas Lohmann, CEO LURAG Luzerner Raststätten AG

Beeindruckend ist das neue Solardach, mit dem Sie ein Drittel des eigenen Strombedarfs decken und zusammen mit dem Wärmerückführungssystem in den Gebäuden den CO2-Fussabdruck um zwei Drittel senken können. Was kosteten denn die Pannele in der Gestehung?

Die sinkenden Gestehungskosten der Module und die gleichzeitig steigende Effizienz fördern insgesamt natürlich den Ausbau. Die Preise zwischen monokristallinen, polykristallinen oder Dünnschicht-Modulen unterscheiden sich. Wichtig ist da nicht so sehr der Gestehungspreis, der inzwischen unter einem Franken/Wp (abgegebene elektrische Leistung unter Idealbedingungen, A.d.R.) liegt, sondern das richtige Modul für den jeweiligen Einsatzort.

Wie lange braucht es, um sie zu amortisieren?

Durch den hohen Eigenverbrauch dürfte sich unsere Anlage in 6.5 – 7 Jahren amortisieren.

Die Dividende steht im Moment bei 8% des Aktienkapitals. Wird sie steigen?

Die eingeschlagene Strategie des Verwaltungsrats setzt auf Kontinuität und den langfristigen Erhalt unserer gesunden Eigenmittelquote. Die wichtigsten Erneuerungen der bestehenden Infrastruktur sind in diesem Jahr nun abgeschlossen worden. Die Mobilität insgesamt ist im Wandel, und als Raststätte an der Autobahn ist es unsere Pflicht, in diesem Wandel vorausschauend zu agieren.

„Mit unserem 2016/17 runderneuerten Holiday Inn Express erreichen wir hier in der Tourismusregion Zentralschweiz stetig Höchstleistungen.“

Das Holiday Inn Express konnte seine Betten im letzten Geschäftsjahr zu sehr guten 71 Prozent auslasten. Liegt das an der ruhigen Randlage?

Die wirklich überraschend ruhige Lage wird von unseren Gästen sehr geschätzt. Heute ausschlaggebend sind neben den langjährigen Mitarbeitern auch eine moderne, saubere und funktionierende Infrastruktur, sowie die sichtbaren Leistungsausweise auf den Bewertungsportalen. Mit unserem 2016/17 runderneuerten Holiday Inn Express erreichen wir hier in der Tourismusregion Zentralschweiz stetig Höchstleistungen, und wir erwarten 2019 ähnlich gute Auslastungszahlen.

Wer nutzt denn die Seminarräume. Leute, denen Luzern zu teuer ist?

Der Seminarraumpreis macht nicht immer den Unterschied. Wir haben zwar den See nicht vor der Tür, dafür aber Sicht auf die Berge und vor allem über 380 Gratisparkplätze.

Busfahrer und Reiseleiter konsumieren in den Marché Restaurants kostenlos. Ist das nicht Bestechung?

Hier gilt die Weisheit: kostenlos ist nicht gratis und schon gar nicht umsonst. Dass Busfahrer und Reiseleiter dem Veranstalter nicht direkt verrechnet werden, übrigens auch bei grösseren Übernachtungsgruppen die Zimmer nicht, ist langjähriger Usus, und wenn Busfahrer und Reiseleiter im gleichen Haus absteigen, stärkt dies zudem das Vertrauen der Reisenden.

Mit 280 Voll- und Teilzeitstellen ist die Neuenkircher Raststätte ein Grossbetrieb. Hat es einen eigenen Personalchef in Vollzeit?

Die Luzerner Raststätten AG mit den Shop- und Tankstellenbetrieben, dem Holiday Inn Express und seinem technischen Dienst, hat keinen Personalchef in Vollzeit. Anders sieht es natürlich bei der Marché Restaurants Schweiz AG, zu der auch die beiden Burger King Filialen gehören, und bei der Coop Pronto Filiale und der Mineralöl AG, aus. Die Zahl 280 beinhaltet auch die Mitarbeiter der externen Dienstleister, die die verschiedenen Betriebe vor Ort zunehmend unterstützen.

„Man kann eine Raststätte wirklich mit einem Dorf, oder einer grossen Ferienanlage, vergleichen.“

Man hat auf der Luzerner Raststätte das Gefühl, in einem Dorf für sich zu sein. Feiern Sie auch zusammen Weihnachten?

Man kann eine Raststätte wirklich mit einem Dorf, oder einer grossen Ferienanlage, vergleichen. Es ist ein Mikrokosmos, der jeden Tag neue Geschichten schreibt. Alle zusammen feiern wir jeweils den Anfang einer neuen Sommersaison, kurz bevor die grosse Reisewelle anrollt. Dann sind alle saisonalen Stellen besetzt, und wir wollen die Neuen in der Familie begrüssen. An Weihnachten feiern alle Betriebe Ihre eigenen kleinen und grossen Feiern.

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