Charles Henri Sabet, CEO FlowBank, im Interview

Charles Henri Sabet, CEO FlowBank, im Interview
Charles Henri Sabet, CEO FlowBank

Von Helmuth Fuchs

Moneycab: Herr Sabet, vor gut einem Jahr sind Sie mit FlowBank gestartet, um den Kunden ein “ein einzigartiges Investmenterlebnis” zu bieten. Worin besteht die Einzigartigkeit und wie wurde das Angebot im ersten Jahr angenommen?

Charles Henri Sabet: Wir vereinen das Beste aus zwei Welten – die inno­va­tive Techno­logie, wie wir sie von Fintechs kennen, kombiniert mit den hohen Qualitäts- und Sicher­heits­standards einer Schweizer Bank. Unsere äusserst einfach zu bedienenden Handelsplattformen oder der Kundendienst, der rund um die Uhr in mehreren Sprachen kompetent Hilfe leistet, verkörpern diese Kombination aus Innovation und traditioneller Schweizer Qualität exemplarisch. Und dieses Angebot scheint den Nerv der schweizerischen Anlegerschaft getroffen zu haben – seit wir mit FlowBank an den Start gegangen sind, konnten wir jeden Monat mehrere Tausend Neukundinnen und –kunden gewinnen.

«Wir vereinen das Beste aus zwei Welten – die inno­va­tive Techno­logie, wie wir sie von Fintechs kennen, kombiniert mit den hohen Qualitäts- und Sicher­heits­standards einer Schweizer Bank.» Charles Henri Sabet, CEO FlowBank

Wer ist das Zielpublikum von FlowBank und wie gewinnen Sie Neukunden im eher gesättigten Schweizer Markt?

Dank unserer konsequenten Ausrichtung auf intuitive und innovative Technologie, edukative Inhalte und tiefe Gebühren haben wir eine einzigartige Positionierung auf dem Schweizer Markt erzielt. Die hilft uns, Anlegerinnen und Anleger zu gewinnen, die mit dem bisherigen Angebot unzufrieden waren. Dazu zählen sowohl Profis wie auch Personen mit weniger Anlageerfahrung. Aber auch institutionelle Investoren finden in uns dank unseren höchsten Qualitätsstandards und einem stetig wachsenden Produktspektrum eine attraktive Alternative. Grundsätzlich sprechen wir alle an, die zu günstigen Konditionen überall auf der Welt investieren wollen.

Wie gestalten sich die Einnahmequellen und ab wann wollen Sie mit FlowBank profitabel sein?

Unseren Umsatz erwirtschaften wir in erster Linie durch die Gebühren. Sobald das Handelsvolumen auf unseren Plattformen noch höher ist, möchten wir die Tradingfees allerdings weiter senken. Diese Aussichten gefallen auch unserer schnell wachsenden Kundschaft, dank der wir bereits in rund zwei Quartalen break-even sein werden.

Sie wollten die Preise für den Aktienhandel massiv senken. «Lindt & Sprüngli-Aktien werden zum Preis einer Tafel Schokolade gekauft werden können». Wo ordnet sich FlowBank heute bezüglich der Kosten im Trading ein?

FlowBank zählt ganz klar zu den günstigsten Trading-Anbietern auf dem Markt. Solch tiefe Gebühren können wir dank unserer schlanken Organisationsstruktur anbieten – insbesondere andere Banken können da nicht mithalten. Dort bezahlen Anlegerinnen und Anleger oftmals zehnmal höhere Gebühren. Dieses gesparte Geld können sie bei uns stattdessen investieren.

Seit Oktober haben Sie mit CoinShares International, einem Anbieter von digitalen Investmentlösungen, einen strategischen Investor und können mit der Kooperation auch einen erleichterten Zugang zu tokenisierten Assets und Kryptowährungen anbieten. Welchen Anteil am Unternehmen besitzt CoinShares und welche konkreten Projekte zur Zusammenarbeit stehen an?

CoinShares besitzt einen Anteil von 9,02% am Unternehmen. Zusammen wollen wir in erster Linie den Zugang zu neuen Anlageklassen ausweiten. Bereits heute können unsere Kundinnen und Kunden in die Krypto-ETPs von CoinShares investieren. In diesem Frühling erhalten sie aufbauend auf CoinShares’ Technologie zudem direkten Zugang zu Kryptowährungen und anderen tokenisierten Assets. Später wollen wir Anlegerinnen und Anlegern die Möglichkeit geben, in weitere neue Anlageklassen zu investieren, die aktuell nur Vermögenden offenstehen. Denn wieso sollten Normalsterbliche davon ausgeschlossen sein?

«Schon bald streben wir an, auch international zu expandieren – und zwar sowohl in Europa als auch beispielsweise im Mittleren Osten oder in Südamerika.»

Nach dem Hauptsitz in Genf sind Sie jetzt auch mit einem Büro in Zürich vertreten. Wie sehen die weiteren Expansionspläne aus und wie werden Sie das Wachstum finanzieren?

Aktuell fokussieren wir uns darauf, die physische Präsenz in der Deutschschweiz zu stärken und auszubauen. Schon bald aber streben wir an, auch international zu expandieren – und zwar sowohl in Europa als auch beispielsweise im Mittleren Osten oder in Südamerika. Diese Regionen bieten unserer Ansicht nach beträchtliches Potenzial für eine Online-Bank wie uns. Diese Expansionsbemühungen finanzieren wir durch unsere Einnahmen sowie durch Kapital unserer strategischen Investoren.

Sie haben Ende letzten Jahres die Handelsplattform MetaTrader 4 (MT4) eingeführt. Wo stehen Sie hier, welche Technologie setzen Sie ein und wie viel Eigenentwicklung steckt in der Plattform?

Wir haben MT4 vor rund zwei Monaten eingeführt. Damit wollten wir unserer Kundschaft den Zugang zur leistungsstärksten und beliebtesten Forex- und CFD-Handelsplattform ermöglichen. Da MT4 bereits sehr einfach zu bedienen ist, mussten wir abgesehen von der Integration in unsere bestehende Handelsinfrastruktur keine weiteren technologischen Anpassungen vornehmen. Dieser Prozess verlief reibungslos, und unseren Kundinnen und Kunden scheint es Spass zu machen, auf MT4 zu handeln.

Sie sind mitten in der Coronakrise mit einem neuen Unternehmen gestartet. Wie hat sich die Pandemie auf die Strategie und die Umsetzungspläne ausgewirkt?

Als Startup im Online-Banking hatten wir glücklicherweise gute Voraussetzungen, um mit dieser Herausforderung umzugehen. Einerseits sind wir dank unseren dynamischen Strukturen sehr agil und können uns schnell sich verändernden Rahmenbedingungen anpassen. Daher konnten wir grundsätzlich auch an unserem Zeitplan festhalten und mussten keine Verzögerungen in Kauf nehmen. Dazu kommt, dass Online-Banken von der Krise profitiert haben – viele Menschen haben während der Lockdowns das Anlegen für sich entdeckt.

«Wir beobachten unter Anlegerinnen und Anlegern einen starken Trend hin zu «Do it yourself». Das bedingt allerdings, dass alle das nötige Know-how und die Werkzeuge dazu haben.»

Welche Entwicklungen werden Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren den grössten Einfluss haben auf das digitale Banking?

Wir beobachten unter Anlegerinnen und Anlegern einen starken Trend hin zu «Do it yourself». Das bedingt allerdings, dass alle das nötige Know-how und die Werkzeuge dazu haben. Deshalb wird das digitale Banking der Zukunft noch einfacher zu bedienen sein und einen niederschwelligen Zugang zu Bildungsangeboten bieten. Dazu kommt, dass sich insbesondere die jüngere Kundschaft vom Investieren nicht nur Rendite, sondern auch ein spielerisches und unterhaltsames Erlebnis verspricht. Wer erfolgreich sein will, muss da mithalten.

Zum Schluss des Interviews haben Sie zwei Wünsche frei, wie sehen die aus?

Zunächst einmal wünsche ich mir, dass mehr Menschen in den Flow kommen – vor allem, wenn es ums Investieren geht. Das würde es vielen erleichtern, die Kontrolle über ihre Finanzen zu erreichen.  Die ganze Vision von FlowBank basiert auf diesem Wunsch. Und zweitens hoffe ich, dass die lästige Pandemie bald der Vergangenheit angehört und dass wir als Gesellschaft gestärkt aus dieser Erfahrung hervorgehen werden.


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