Christian Lyk, CEO Kendris AG, im Interview

Christian Lyk, CEO Kendris AG, im Interview
Christian Lyk, CEO Kendris. (Bild: Kendris)

Von Sandra Willmeroth

Moneycab: Kendris ist auf die Beratung von institutionellen Kunden, Geschäftskunden und vermögenden Privatleuten fokussiert. Ab wann gilt für Kendris eine Privatperson als vermögend bzw. als UHNWI?

Christian Lyk: Wir haben eine breite Kundenbasis mit einer grossen und treuen Kundschaft im In- und Ausland. Das gilt auch für das Privatkundengeschäft, wo wir nicht nur vermögende Einzelpersonen, sondern häufig auch ganze Familien und deren Family Offices betreuen. Es gibt bei uns keine exakte Grenze in Bezug auf die Vermögensgrösse, zumal sich diese oft auch gar nicht genau bestimmen lässt. Grundsätzlich können wir bei der Administration und Strukturierung von Vermögen und Vermögenswerten, häufig mit grenzüberschreitenden, rechtlichen, steuerlichen und damit einhergehend komplexen buchhalterischen und Reporting Herausforderungen, Unterstützung bieten.

«Das gesetzliche, steuerliche und regulatorische Umfeld ändert sich rascher als in früheren Jahrzehnten»

Christian Lyk, CEO KENDRIS AG

Wie geht dieses Kundensegment mit den aktuellen geopolitischen und fiskalpolitischen Herausforderungen um? Und wie gehen Sie mit diesen Kunden um?

Es ist in der Tat so, dass sich das gesetzliche, steuerliche und regulatorische Umfeld rascher ändert als in früheren Jahrzehnten. Die gegenwärtigen Herausforderungen erfordern mit jedem Entwicklungsschritt und je nach Kundensituation entsprechenden Abstimmungs- und Handlungsbedarf. Wir versuchen hier möglichst proaktiv im Sinne der Kundinnen und Kunden zu agieren. Unser Job dabei ist unter anderem das permanente Monitoring der regulatorischen Veränderungen und die individuellen Assessments je Kunde bzw. Struktur mit der Evaluation, wo Handlungsbedarf entsteht. Das gilt nicht nur für unsere internationalen, sondern auch für unsere Schweizer Kunden.

Wo sind Ihre Kunden mehrheitlich domiziliert?

Nebst unserem Heimmarkt Schweiz liegen unsere Stärken in grenzüberschreitenden Fragestellungen und Herausforderungen. Der Wohnsitzstaat des Kunden ist daher nur zur Hälfte entscheidend. Die zweite Hälfte betrifft die Themen, wo sie investiert sind. So ergibt sich daraus eine sehr internationale Kundschaft mit aktiven Kundenbeziehungen zu ca. 80 Ländern.

Sie bieten auch die «Umsiedlung von Privatpersonen» als Service an. Wurden diese Dienste seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs verstärkt nachgefragt?

Wir sind kein exklusiver Relocation Provider, sondern unterstützen unsere Kundinnen und Kunden, wenn sie umziehen wollen oder müssen. Die Gründe hierfür sind vielfältig und können familiärer, geschäftlicher oder politischer Natur sein. Oft sind auch Ausbildungen an Schulen oder Universitäten Gründe für einen Umzug.

Wie setzt sich die Kundschaft aus den drei Bereichen Institutionelle, Geschäfts- und Privatkunden zusammen?

Der Privatkundenbereich richtet sich insbesondere an vermögende Einzelkunden und Familien, einschliesslich Family Offices, die wir komplementär in der Vermögensstrukturierung und der Administration, einschliesslich der Rechtsberatung, Steuerberatung und Thematik Automatischer Informationsaustausch sowie darüber hinaus unterstützen. Die Vermögensverwaltung ist zwecks Vermeidung von Interessenkonflikten bewusst nicht Teil unseres Dienstleistungsangebotes.

Fonds, respektive alternative Investmentfonds, können auch Teil einer Lösung der Privatkunden sein. In der letzten Zeit haben wir festgestellt, dass aus dem Privatkundensegment vermehrt die Anfrage danach aufkam und uns somit dazu bewogen hat, KENDRIS Capital zu gründen. So können wir jetzt als Alternative Investment Fund Manager das Management von Alternativen Investmentfonds via Luxembourg und Zypern anbieten. Diesen Service fassen wir unter dem Geschäftsbereich Institutionelle Kunden zusammen, welche sich sowohl an vermögende Familien wie auch an Vermögensverwalter, Fonds sowie Finanzintermediäre richtet.

Im Geschäftskundenbereich bieten wir im nationalen Markt eine umfangreiche Palette an Dienstleistungen in den Bereichen Rechnungswesen, Lohnbuchhaltung, Steuern und Beratung in komplexen Situationen, z.B. Nachfolgelösungen an. Auch in diesem Bereich haben wir eine breite Kundenbasis mit Start-up-Firmen, kleineren und grösseren KMU sowie Schweizer Tochtergesellschaften von internationalen Firmen.

Wo liegen die besonderen Stärken von Kendris?

In unserer Unabhängigkeit, der hohen Qualität unserer Dienstleistungen, den modernen digitalen Tools sowie in der attraktiven Grösse – klein und agil genug, um auf die wechselnden Kundenbedürfnisse in den verschiedenen Dienstleistungsbereichen eingehen zu können und gross genug, um eine grosse Bandbreite an Services im Haus quasi als One-Stop-Shop anbieten zu können. Auch mit der geografischen Präsenz und dem lokalen Know-how sind wir sehr gut aufgestellt.

«Digitale Assets sind vereinzelt auch ein Bedürfnis und wir befinden uns in der Entwicklung passender Lösungen.»

Sie haben in den steuerlich interessanten Ländern wie Zypern, Dubai, USA oder Luxemburg Tochtergesellschaften gegründet. Arbeiten Sie dort mit lokalen Arbeitskräften oder entsenden Sie Mitarbeitende aus der Schweiz?

Sowohl als auch. Zu einem grossen Teil bestehen unsere Teams vor Ort aus lokalen Spezialisten. Wir fördern aber auch aktiv den Austausch unter den verschiedenen Standorten. An allen von Ihnen genannten Standorten haben wir durch unsere Teams vor Ort lokales und internationales Wissen und die entsprechende Substanz, die aus regulatorischen Gründen heutzutage entscheidend ist.

Eine der beiden letzten neuen Gesellschaften, die Kendris gegründet hat, ist Kendris Capital auf Zypern mit einer Tochtergesellschaft in Luxemburg, lizenzierter Manager von Alternativen Investmentfonds. Welche Bedeutung haben Alternative Investmentfonds für ihre Anlageuniversen und welche Asset Classes zählen Sie dazu, i.e. auch Digitale Assets (Kryptowährungen, Token und NFT)?

Typischerweise kennt man die Kategorien Private Equity, Private Debt, Real Estate und Listed Equity. Die Bandbreite an Möglichkeiten ist dabei gross und wir richten uns hierzu primär nach den Bedürfnissen unserer Kundinnen und Kunden. Digitale Assets sind vereinzelt auch ein Bedürfnis und wir befinden uns in der Entwicklung passender Lösungen. Synergien ergeben sich zum Privatkundengeschäft, wenn es um die Strukturierung von Vermögenswerten geht und gegebenenfalls auch eine Erbschafts- und Nachlassplanung in Erwägung gezogen wird.

Kendris ist international aufgestellt. Wie sehen Sie die Rolle der Schweiz in Bezug auf regulatorische Veränderungen, z.B. den automatischen Informationsaustausch?

Die Schweiz hat in den letzten etwas mehr als zehn Jahren sowohl FATCA als auch den internationalen Informationsaustausch (Common Reporting Standard) übernommen und professionell umgesetzt. Heute tauscht die Schweiz mit über hundert Ländern Daten aus. Die OECD und ihre Mitgliedstaaten anerkennen die gute Arbeit der Schweiz in diesem Bereich, was viel zur politischen Entspannung in diesen Themen beigetragen hat. Es gibt natürlich viele weitere Themen in der internationalen Steuerpolitik, bei welchen noch viel Gesprächsbedarf besteht.

Wie gut ist das Schweizer Trustrecht aufgestellt im internationalen Wettbewerb um UHNWI und Unternehmensansiedlungen?

Ein Schweizer Trustrecht gibt es noch nicht. Als Gründungsmitglied der Swiss Association of Trust Companies SATC sind wir an der Förderung der Entwicklung von Trustaktivitäten in der Schweiz interessiert und engagiert. Selbst war ich Teil der Arbeitsgruppe, die sich dem Thema Schweizer Trustrecht angenommen hat. Die Vernehmlassung zum ausgearbeiteten Vorschlag ist beendet und die Eingaben werden aktuell analysiert.

«Die gesamtheitliche Betrachtung der Situation einer Unternehmerfamilie und ihres Unternehmens bedarf Expertenwissen in den Bereichen Steuern, Recht, Bewertung und Finanzen.»

Zu Ihren spezialisierten Dienstleistungen gehört auch die Beratung und Begleitung von Nachfolgelösungen. Welche neuen Trends gibt es hier?

Da kommt es auf den Kontext bzw. die Zielgruppe und deren Bedürfnisse darauf an. Im nationalen Markt verfügen unsere Kolleginnen und Kollegen sehr viel Fachwissen und Erfahrung im Bereich Nachfolgelösungen von KMUs. Die gesamtheitliche Betrachtung der Situation einer Unternehmerfamilie und ihres Unternehmens bedarf Expertenwissen in den Bereichen Steuern, Recht, Bewertung und Finanzen. Dieses Fachwissen haben wir inhouse.

Im Internationalen Segment bei Privatkunden, Familien und deren Unternehmen sind die Fragestellungen grundsätzlich dieselben, allerdings erweitert um die internationale bzw. grenzüberschreitende Komponente. Häufig kommen bei solchen Konstellationen auch Strukturen mit Gesellschaften, Funds, Trusts und Stiftungen zum Einsatz. Insbesondere Alternative Investment Funds sind eine noch wenig bekannte, aber interessante Alternative, oftmals in Kombination mit anderen Strukturelementen.

«Wir beobachten schon seit längerem den Trend weg von Offshore-Strukturen hin zur Onshorisierung.»

Welche globalen Entwicklungen zeigen sich in Bezug auf die Arbeit von Family Offices und Vermögensstrukturierung?

Wir beobachten schon seit längerem den Trend weg von Offshore-Strukturen hin zur Onshorisierung. Die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, dass sich ändernde Gesetze sowie der zunehmende Druck von OECD, G20, FATF und der EU zum regulatorischen oder auch Reputationsrisiko werden kann. Der Bedarf nach Transparenz und damit nach Lösungen in den Bereichen Reporting, Compliance und Governance steigt und dabei entstehen wiederum neue Herausforderungen und Bedürfnisse in den Bereichen Steuern und Recht sowie dem automatischen Informationsaustausch und Reporting. KENDRIS ist ein starker Partner von Family Offices, um diese Herausforderungen zu meistern.

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