Christian Schmid, Präsident der Geschäftsleitung der St.Galler Kantonalbank, im Interview
von Patrick Gunti
Moneycab.com: Herr Schmid, die SGKB hat im vergangenen Jahr den Konzerngewinn um 5,5 Prozent auf 227 Mio. Franken gesteigert. Alle Ertragspfeiler waren im Plus. Wie sieht Ihre Bilanz aus?
Christian Schmid: Ich bin sehr zufrieden. Das gute Resultat basiert auf einem ausgezeichneten Wachstum all unserer Geschäftsfelder sowie einer überzeugenden Performance unserer Anlageprodukte.
Geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und wirtschaftliche Unsicherheiten prägen das internationale Umfeld. Welche besondere Rolle kommt der SGKB in solchen Zeiten für regionale Unternehmen und die Bevölkerung zu?
Im Anlagebereich ist es wichtig, dass unsere Kundinnen und Kunden all diese Ereignisse möglichst gut einordnen und die für sie richtigen Entscheide treffen können. Wir vermitteln das notwendige Wissen sowohl in der direkten Beratung als auch durch diverse Publikationen.
Im Kreditgeschäft sind wir langjährige Partner unserer Firmen und Gewerbebetriebe. In ausserordentlichen Situationen ist es besonders wichtig, im permanenten Austausch zu stehen und die Unternehmen eng zu begleiten.
Sie sprechen von einer «widerstandsfähigen» Ostschweizer Wirtschaft. Allerdings entwickeln sich die Branchen unterschiedlich. Wo sehen Sie die grössten Unsicherheiten?
Die Wirtschaft des Kantons St. Gallen hat einen der höchsten Exportanteile der ganzen Schweiz. Bereits seit längerem fehlt es an Impulsen aus weiten Teilen des europäischen Absatzmarktes. In Kombination mit der erratischen Wirtschaftspolitik der USA und einem stark gesunkenen Dollarkurs ergibt sich ein generell sehr schwieriges Umfeld für unsere exportorientierten Unternehmen. Wobei: Die Unterschiede zwischen einzelnen Unternehmen sind sehr gross, je nachdem was, wo für welchen Markt produziert wird.
«Wir erkennen über alle Branchen hinweg trotz der aktuellen Unsicherheit keinen starken Einbruch: Wer die Mittel dazu hat, tätigt sowohl die Ersatz- wie auch die Zukunftsinvestitionen im gewohnten Umfang.»
Christian Schmid, Präsident der Geschäftsleitung der St.Galler Kantonalbank
Spüren Sie eine Zurückhaltung bei Investitionen?
Die aktuelle Unsicherheit durch die generell schwache Nachfrage aus dem Ausland und die amerikanische Wirtschaftspolitik hat mit Sicherheit einen dämpfenden Effekt auf die Investitionsbereitschaft in der exportorientierten Industrie. Dennoch erkennen wir über alle Branchen hinweg keinen starken Einbruch: Wer die Mittel dazu hat, tätigt sowohl die Ersatz- wie auch die Zukunftsinvestitionen im gewohnten Umfang.
Die verwalteten Vermögen haben sich per Ende 2025 um beeindruckende 11,3 Prozent auf 71.8 Mrd. Franken erhöht. Die Netto-Neugelder betrugen 4,2 Mrd. Franken. Woher stammen diese Neugelder?
Es freut mich sehr, dass wir in allen Geschäftsfeldern sehr gute Netto-Neugeldzahlen aufweisen. Also sowohl bei den Privatpersonen, bei Kundinnen und Kunden, welche über einen externen Vermögensverwalter bei der SGKB gebucht sind wie auch bei unserer institutionellen Kundschaft. Im institutionellen Geschäft haben wir unsere Dienstleistung in den letzten Jahren zudem ausgebaut und bieten uns nun auch als zentrale Depotbank für grössere Pensionskassen an (Global Custody). Dies alleine hat uns im vergangenen Jahr ein Netto-Neugeld von 1.6 Mrd. gebracht.
Gehen Sie im laufenden Jahr von einer ähnlichen Entwicklung aus?
Wir sind nun schon über mehrere Jahre hinweg mit hohen Wachstumsraten am Markt erfolgreich. Wir dürfen auf ganz viele zufriedene Kundinnen und Kunden zählen, die uns auch gerne weiterempfehlen. Wir setzen uns jeden Tag dafür ein, dass wir auch in diesem Jahr diesen Markterfolg bestätigen können.
Wie wettbewerbsintensiv ist das Global-Custody-Geschäft mit Pensionskassen?
Im Global Custody Geschäft muss eine Bank in der Lage sein, ein von verschiedenen Akteuren verwaltetes Vermögen zu konsolidieren, auf dem gesamten Portfolio die Administration sicherzustellen und ein professionelles Reporting anzubieten. Mit der Credit Suisse ist einer der grössten Anbieterinnen vom Markt verschwunden. In diese Lücke konnten wir mit unserem Angebot vorstossen.
«Mit der Credit Suisse ist einer der grössten Anbieterinnen im Global-Custody-Geschäft vom Markt verschwunden. In diese Lücke konnten wir mit unserem Angebot vorstossen.»
Zum guten Ergebnis trug auch das Zinsengeschäft bei, das trotz gesunkener Leitzinsen einen 7,9 Prozent höheren Netto-Zinserfolg verzeichnete. Aussagen sind in der aktuellen Situation zwar schwer. Dennoch: Wie lange wird die Nullzinsphase aus Ihrer Sicht anhalten – oder drohen doch noch Negativzinsen?
Das konjunkturelle Umfeld bleibt herausfordernd, für das Jahr 2026 erwartet die SNB ein leicht unterdurchschnittliches Wachstum von 1%. Die Teuerung dürfte sich gemäss den Prognosen der SNB jedoch auch mittelfristig weiterhin in ihrem Zielbands bewegen. Eine Veränderung des Leitzinses ist deshalb vorderhand nicht zu erwarten.
Das Kreditwachstum kommt stark aus Hypotheken. Wie beurteilen Sie die aktuellen Immobilienpreise in der Ostschweiz?
Die tiefen Zinsen haben die Nachfrage nach Wohneigentum ansteigen lassen. Diese Nachfrage übersteigt weiterhin das Angebot, auch wenn im Kanton St. Gallen die Baubewilligungen bei Eigentumswohnungen gegenüber dem Vorjahr etwas gestiegen sind. Wir rechnen daher mit weiter steigenden Preisen, wenn auch im Ausmass etwas nachlassend.
Sehr ähnlich sieht die Situation im Mietwohnungsbau aus: Die Nachfrage nach Wohnraum ist aufgrund der Bevölkerungsentwicklung ungebrochen. Dank der tiefen Zinsen sind Investitionen in Wohnrenditeobjekte gerade auch für Institutionelle Investoren wie Pensionskassen weiterhin sehr attraktiv. Die Bautätigkeit beginnt aber auch in diesem Segment wieder zunehmend auf die anhaltend hohe Nachfrage zu reagieren.
«Wir rechnen bei den Immobilien mit weiter steigenden Preisen, wenn auch im Ausmass etwas nachlassend.»
Nicht nur der Geschäftserfolg ist gestiegen. Der Geschäftsaufwand erhöhte sich um 6.5 Prozent, unter anderem beschäftigte die SGKB Ende 2025 36 Mitarbeitende mehr als vor Jahresfrist. In welchen Bereichen investieren Sie am stärksten?
Dank unsere Ertragsstärke sind wir in der glücklichen Lage, weiterhin konsequent in unsere Zukunft investieren zu können. Die bedeutendsten Investitionen fliessen aktuell in den weiteren Ausbau unseres Vertriebes, in die Sicherung einer modernen IT-Landschaft sowie in die Stärkung unseres Risikomanagements.
Sie streben für 2026 ein Ergebnis auf Vorjahresniveau an. Was müsste eintreten, damit die SGKB dieses Ziel verfehlt – und was würde Sie positiv überraschen?
Ein optimistisches Szenario wäre, dass sich die wirtschaftliche Lage sowohl weltweit wie auch in unserer Region unerwartet schnell aufhellt und die Märkte darauf reagieren. Das heisst, die Zinslandschaft bewegt sich wieder weg von der Null-Linie und die Börsen bilden diese Aufhellung in ihren positiven Kursentwicklungen ab.