Dani Stüssi, CEO RealUnit Schweiz AG, im Interview
von Sandra Willmeroth
Moneycab.com: Herr Stüssi, Sie betonen regelmässig die Krisenresistenz der RealUnit-Strategie. Inwiefern hat sich diese im geopolitisch schwierigen Jahr 2025 besonders bewährt?
Daniel Stüssi: Ob eine Anlagestrategie funktioniert, erkennt man nicht am kurzfristigen Erfolg. Wir denken und handeln langfristig. Die RealUnit Strategie wurde bereits im Jahr 2001 entwickelt und feiert ihr 25-jähriges Bestehen. In dieser langen Zeit hat sich unsere Struktur während der letzten grossen Finanzkrise sowie beim Kriegsausbruch in der Ukraine im Jahr 2022 bewährt. Unsere Strategie besteht hauptsächlich aus krisenresistenten Edelmetallen und Beteiligungen an Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen, welche die Grundbedürfnisse der Menschen befriedigen. Wir verzichten hingegen bewusst auf Investition in Staatsanleihen sowie in Aktien von Banken oder Versicherungen, da diese unter einer potentiellen Finanzkrise besonders an Wert verlieren würden.
RealUnit hat den Gewinn 2025 auf CHF 8.8 Mio. vor Steuern mehr als verdoppelt. Welche Faktoren waren aus Ihrer Sicht entscheidend für dieses ausserordentlich starke Ergebnis?
Das Jahr 2025 war das erfolgreichste in der Geschichte der RealUnit Schweiz AG. Unser Ziel als Investmentgesellschaft ist der langfristige Werterhalt und eine erhöhte Krisenresistenz. Die RealUnit Strategie feiert ihr 25-jähriges Bestehen und hat sich besonders im letzten Jahr mehr als bewährt. Neben dem finanziellen Gewinn, konnten wir die Früchte aus der im Jahr 2024 gestarteten Expansion nach Deutschland ernten und über 1000 neue Aktionärinnen und Aktionäre begrüssen.
«Das Jahr 2025 war das erfolgreichste in der Geschichte der RealUnit Schweiz AG.»
Dani Stüssi, CEO RealUnit Schweiz AG
Der Gesamtaufwand ist um 41 Prozent gestiegen, insbesondere aufgrund höherer Marketingkosten in Deutschland. Wie beurteilen Sie die Wirksamkeit dieser Investitionen und rechnen Sie 2026 mit weiter steigenden Kosten?
Wir spüren in Deutschland eine Verunsicherung der Menschen aufgrund der schlechten Wirtschaftslage und Politik. Das Bedürfnis nach Vermögensschutz ausserhalb der EU ist gross. Unsere Marketinginvestitionen in diesem Markt hat sich ausbezahlt; wir gewinnen dadurch wöchentlich neue Investoren. Die stetige Nachfrage wirkt sich positiv auf unseren Aktienkurs aus. Wir haben ähnliche Marketingausgaben für das laufende Jahr budgetiert.
Der Net Asset Value pro Aktie stieg 2025 auf CHF 1.35, was einer Jahresperformance von 17.4 Prozent entspricht. Welche Entwicklungen im Portfolio haben diesen Wertzuwachs am stärksten beeinflusst?
Der grösste Beitrag zur ausserordentlich starken Performance erzielten unsere physischen Edelmetalle Gold und Silber. Diese lassen wir in verschiedenen Hochsicherheitslagern in der Schweiz sicher verwahrt und haben unabhängig von Banken direkten Zugriff darauf. Bereits per 31.12.2024 hielten wir 29 Prozent des Eigenkapitals in physischem Gold und rund 12 Prozent in physischem Silber. Dies hat sich im letzten Jahr ausbezahlt. Aber auch der Wertschriftenerfolg mit unseren Aktienpositionen hat sich gegenüber 2024 mehr als verdoppelt.
Die RealUnit-Aktie hat 2025 somit eine starke NAV-Entwicklung gezeigt. Wie hat sich der Börsenkurs im Vergleich zum inneren Wert entwickelt und wo sehen Sie Gründe für allfällige Abweichungen?
Der NAV ist der innere Wert unserer Aktie, der Börsenkurs der Preis pro Aktie. Der Börsenkurs orientiert sich am NAV, ist jedoch von Angebot und Nachfrage des Marktes gesteuert. Unser Börsenkurs liegt aktuell wenig über dem NAV. Dieses «Agio» ist der Fall, wenn die Nachfrage nach unserer Aktie gross ist. Steigt der Börsenkurs zu stark vom NAV, prüfen wir die Durchführung einer Kapitalerhöhung.
Sie haben im Februar 2026 eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Welche Ziele verfolgen Sie mit dem frischen Kapital, und wie beurteilen Sie die Resonanz der Investoren?
Die Kapitalerhöhung war ein grosser Erfolg. Die Nachfrage nach unseren neuen Aktien war viel grösser als das limitierte Angebot. Wir hatten eine Überzeichnung und mussten rund 40 Prozent der freien Zeichnung kürzen. Der RealUnit Schweiz AG wurde durch die Ausgabe von 10 Mio. neuen Aktien mit einem Ausgabepreis von je CHF 1.42 frisches Eigenkapital im Umfang von CHF 14.2 Mio. zur Verfügung gestellt. Dieses Kapital wird gemäss der Anlagestrategie der Gesellschaft investiert.
«Die Kapitalerhöhung war ein grosser Erfolg. Die Nachfrage nach unseren neuen Aktien war viel grösser als das limitierte Angebot.»
Welche Investorengruppen sprechen Sie besonders an, und wie wichtig ist der deutsche Markt für Ihr weiteres Wachstum?
Unsere Zielgruppe sind Privatpersonen, welche Sicherheit und Stabilität für Ihr Erspartes ausserhalb der EU suchen. Oft sind das Personen, welche das Vertrauen in die EU und andere Institutionen verloren haben. Der deutsche Markt ist für uns ein wichtiger Wachstumsmarkt mit einem grossen Potenzial. Mit unserer BtoC Marketingstrategie sprechen wir unsere Zielgruppe mittels Medienpartnerschaften und Sozialmedia-Aktivitäten direkt an und bauen kein teures Vertriebsnetz auf.
Der Podcast „Klartext Finanzen“ hat laut Geschäftsbericht wesentlich zur Markenbekanntheit beigetragen. Welche Rolle spielt Content-Marketing künftig in Ihrer Investor-Relations-Strategie?
Das Ziel unseres Podcast ist primär die Wissensvermittlung. Nur wer informiert ist, kann die richtigen Entscheidungen treffen. Jeden Montag um 15:00 Uhr erscheint ein neuer Podcast mit einem spannenden Interviewgast aus den Bereichen Finanzen, Wirtschaft und Geopolitik. Das enorme Interesse an unserem Podcast hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Nach 1,5 Jahren sind wir in der Schweiz bereits der grösste Finanzpodcast. In dieser Zeit wurden unsere Videos über 7 Mio. mal angesehen. Aufgrund der zahlreichen Rückmeldungen wissen wir, dass dieses innovative Format die Bekanntheit der Marke „RealUnit“ markant steigert und uns hilft Vertrauen aufzubauen.
Neben den börsenkotierten Inhaberaktien stieg auch die Nachfrage nach den tokenisierten Namensaktien. Wie entwickelt sich der Markt für tokenisierte Finanzinstrumente – und welchen Anteil erwarten Sie künftig für den Aktientoken?
Die Nachfrage nach unserem gleichwertigen Aktientoken nimmt zu. Anlässlich der erwähnten Kapitalerhöhung im Februar 2026 haben 13 Prozent der Teilnehmenden sich für den Token anstelle der klassischen Aktie entschieden. Insgesamt liegt der Anteil der Aktientoken unterdessen bei rund 10 Prozent, Tendenz steigend. Der Unterschied der zwei Aktienkategorien liegt primär in der Infrastruktur der Verwahrung. Die klassische Aktie ist in der klassischen Bankeninfrastruktur, der Aktientoken auf der Blockchain verwahrt.
Wie unterscheiden sich die Bedürfnisse zwischen klassischen Aktionären und Token-Investoren?
Die Tokeninhaber schätzen die finanzielle Souveränität. Unser Aktientoken kann wie Bitcoin im eigenen Wallet ohne Bank selber verwahrt werden. Diese Selbstverwahrung kostet einerseits nichts, andererseits kann der RealUnit Aktientoken 24/7 über unsere Webseite gehandelt werden. Wer jedoch die klassische Aktie im Bankendepot hält, hat Vertrauen in die Banken und ist bereit für den Handel und die Verwahrung Gebühren zu zahlen.
«Während viele Anlegerinnen und Anleger stark auf kurzfristige Gewinne hoffen, verfolgt RealUnit einen anderen Ansatz. Mit dem Fokus auf Sachwerte stehen Vermögensschutz in Krisenzeiten und Erhalt der Kaufkraft im Vordergrund.»
Gold und Silber waren 2025 erneut zentrale Ertragsbringer. Welche Rolle werden Edelmetalle in Ihrer Allokation 2026 und darüber hinaus spielen, insbesondere angesichts geopolitischer Spannungen und hoher Staatsverschuldung?
Gold und Silber gelten seit Jahrhunderten als Schutz vor Inflation, Finanzkrisen und Währungsabwertungen. Sie bilden unabhängig von Schlagzeilen den Kern des RealUnit Portfolios. Während viele Anlegerinnen und Anleger stark auf kurzfristige Gewinne hoffen, verfolgt RealUnit einen anderen Ansatz. Mit dem Fokus auf Sachwerte stehen Vermögensschutz in Krisenzeiten und Erhalt der Kaufkraft im Vordergrund. RealUnit ist damit weniger auf kurzfristige Rendite ausgerichtet, sondern zielt auf Stabilität und langfristigen, realen Werterhalt über Generationen hinweg. Wir sind überzeugt, dass wir in diesem Umfeld gut positioniert sind, um das Vermögen unserer Aktionärinnen und Aktionäre bestmöglich zu schützen.
Ihr Portfolio umfasst neben Edelmetallen auch Unternehmensbeteiligungen. Welche Sachwerte sehen Sie für RealUnit in den kommenden Jahren als besonders wachstums- oder stabilitätsstark. Planen Sie neue Asset-Klassen zu erschliessen?
Die Investitionen in Unternehmen mit einem krisenresistenten Geschäftsmodell, mit wenig Schulden und einer langjährigen Dividendenpolitik ist auch weiterhin ein zentraler Bestandteil unserer Sachwertstrategie. Dieser stellt die Verankerung von RealUnit in der Realwirtschaft sicher. Aufgrund unseres Wachstums haben wir in den letzten Monaten angefangen die Aktien geographisch breiter zu diversifizieren. So haben wir ausgesuchte Aktieninvestments in China, Japan und Brasilien gekauft. Von illiquiden Anlagen wie Private Equity haben wir uns 2025 bis auf drei Kerninvestitionen getrennt. Rund 94Prozent unserer Anlagen sind liquide und wir haben keine langfristigen Schulden. Dies ermöglicht uns eine rasche Anpassung der Assetallokation und ist ein Wettbewerbsvorteil gegenüber klassischen Fonds und ETFs.