Daniel Bardini, COO Sungard Ambit Private Banking

Daniel Bardini, COO Sungard Ambit Private Banking

Daniel Bardini, COO Sungard Ambit Private Banking (Foto: Sungard).

Von Helmuth Fuchs

Moneycab: Herr Bardini, Sie sind 1997 von DEC zu SunGard gekommen und haben seither das Wachstum der Sungard Bankenlösungen weltweit mitgestaltet. Was waren aus Ihrer Sicht die bedeutendsten Entwicklung in diesen 15 Jahren im Finanzsektor?

Daniel Bardini: Gerade im Private Banking haben wir seit 1997 verschiedene Zyklen durchgemacht. Obwohl bis jetzt keine «Revolution» stattgefunden hat, waren immer wieder Innovation, Selbstkritik und gesunder Menschenverstand gefordert, um das Private Banking weiterzuentwickeln und für neue Herausforderungen fit zu machen. Ich bin stolz darauf, SunGard’s Private Banking Team über diese vielen Jahre hinweg geführt zu haben. Gemeinsam haben wir der Branche immer wieder innovative, sowohl lokal wie auch international entwickelte Lösungen und Dienstleistungen gebracht, wodurch wir unsere Kundenbasis erweitern konnten.

«Wir müssen uns mehr denn je auf unsere Grundwerte zurückbesinnen, um für Privatbanken die richtigen Entscheidungen zu treffen.» Daniel Bardini, COO Sungard Ambit Private Banking

Nun stehen wir zum ersten Mal vor einer radikalen Veränderung, bedingt durch neue Regulierungen und politische Entscheide. Wenn wir die Veränderungen erfolgreich meistern und als Gewinner aus der gegenwärtigen Situation hervorgehen wollen, müssen wir uns mehr denn je auf unsere Grundwerte zurückbesinnen, um für Privatbanken die richtigen Entscheidungen zu treffen. Meiner Meinung nach ist die jetzige Situation die kritischste aber auch die spannendste – es finden zurzeit wichtige Veränderungen auf dem Markt aber auch beim Verhalten statt. Dies ist eine grosse Chance für unser Geschäft. Innovation, gesunder Menschenverstand, Mut und Ehrgeiz sind die entscheidenden Faktoren, um richtige Entscheidungen zu treffen und künftiges Wachstum und Marktführerschaft zu sichern.

Vor allem die Entwicklungen im mobilen Bereich und bei den Sozialen Medien verändern auch die Erwartungen von Bankkunden. Viele Banken tun sich schwer damit, die Entwicklung von den Finanz-Transaktionen hin zu Kundeninteraktionen zu vollziehen. Was müssen die Banken in nächster Zukunft unternehmen, um die Kunden besser an sich zu binden?

Die Loyalität der Kunden ist nicht an Finanztransaktionen oder Kundeninteraktion gebunden. Nehmen Sie Asien als Beispiel: HNWI (High Net Worth Individuals) interagieren fast täglich mit ihrer Bank und ihren Relationship Managers, gleichzeitig gelten Sie als diejenigen Kunden mit der geringsten Loyalität gegenüber ihrer Bank. Ich glaube, dass Privatbanken sich den neuen Anforderungen stellen müssen, etwa in den Bereichen Mobile Banking und Social Networks. Diese sind allerdings nur komplementär zu bereits bestehenden Kanälen. Die Loyalität der Kunden wird auch weiterhin von der Qualität der Dienstleistungen abhängen. Mobile Banking oder die Interaktion mit Kunden via Soziale Netzwerke öffnet neue Austauschmöglichkeiten, bietet dem Kunden jedoch keinen Zusatzwert, der die Loyalität erhöhen würde. Die neuen Kanäle sind ähnlich wie Email oder Telefon – sie sind nützlich, eignen sich jedoch nicht als Differenzierungsmerkmal, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Verzichtet eine Bank allerdings auf diese Kanäle kann dies möglicherweise zum Verlust von Kunden führen oder ein Hindernis bei der Akquisition neuer Kunden sein.

«Striktere Regulierungen bedeuten auch mehr Kontrolle, was wiederum mehr Transparenz bei kundenbezogenen Prozessen, Datenzugang und der Gesamtsituation der Bank bedeutet.»

Die Finanzkrise hat unter anderem dazu geführt, dass die Regulierungen im Finanzsektor in Zukunft zunehmen werden. Welchen Einfluss hat das auf Ihre Bankenlösung, wie schnell können Sie auf die wechselnden Anforderungen reagieren, wo können Sie die Banken gezielt unterstützen?

Da wir schon viele Jahre in diesem Geschäft tätig sind, ist unser Unternehmen auf die neuen Regulierungen und rechtlichen Veränderungen vorbereitet. Dies erlaubt es Kunden von Ambit Private Banking, neuen Situationen gelassener entgegenzugehen, da SunGard sich um diese Dinge kümmert und die Kunden in die Entwicklung der richtigen Antworten mit einbezieht. Dank unserer grossen Kundenbasis erhält jede einzelne Bank die neuen Module rechtzeitig, um stets den neuesten Verpflichtungen nachzukommen und gleichzeitig im profitablen Bereich zu bleiben. Die neusten Regulierungen, die 2013 in Kraft treten, sind diesbezüglich keine Ausnahme, und wir haben Sie grösstenteils bereits vorhergesehen – zur Zufriedenheit unserer Kunden. Striktere Regulierungen bedeuten auch mehr Kontrolle, was wiederum mehr Transparenz bei kundenbezogenen Prozessen, Datenzugang und der Gesamtsituation der Bank bedeutet. Ambit Riks & Performance gibt Banken eine detaillierte Übersicht über die Risiken, die Liquidität und die Profitabilität innerhalb des Unternehmens. Und Ambit Client Information Management stellt sicher, dass Banken über die richtigen Prozesse verfügen, wenn es um Kundenbeziehungen geht.

Die Schweiz hat einen Ruf als Hochpreis- und Hochlohnland. Zudem ist es schwer, an gut ausgebildete Informatiker zu kommen. Wie viel der Entwicklung Ihres Bankensystems Ambit wird noch in der Schweiz vorgenommen und welche weiteren Länder dienen als Entwicklungsstandorte?

SunGard’s in der Schweiz entwickelte Lösungen werden grösstenteils lokal produziert. SunGard verfügt über Forschungs- und Entwicklungs-Standorte in Genf, Zürich, Lugano und Winterthur. Bei gewissen Aufgaben und Entwicklungen wird das Schweizer Team von Mitarbeitern in Tunesien unterstützt. Der Grund, weshalb wir einen Teil der Entwicklung dorthin verschoben haben, hat nichts mit den Kosten zu tun – wir konnten hier schlicht nicht genug qualifiziertes Personal finden. So haben wir auf SunGard’s weltweites F&E-Netzwerk mit fast unbegrenzter Manpower zurückgegriffen, um die Skalierbarkeit unserer lokalen Teams zu garantieren.

«Insgesamt ist die Auslagerung an weit entfernte F&E-Zentren meiner Meinung kein Weg, um die Kosten zu senken, sondern dient einzig der Skalierbarkeit.»

Unsere Wahl fiel aus mehreren Gründen auf Tunesien: die gemeinsame Sprache; das Tunesische Schulsystem, das demjenigen in Frankreich entspricht und daher hohe Kompetenz bei geringen kulturellen Differenzen garantiert; und schliesslich die geringe Flugdistanz von nur 1,5 Stunden ohne Zeitverschiebung, was den Austausch zwischen den Schweizer Teams und Tunesien massiv erleichtert. Das ganze Arrangement funktioniert ausgezeichnet, selbst die politischen Veränderungen der vergangenen Monate haben uns nicht tangiert. Insgesamt ist die Auslagerung an weit entfernte F&E-Zentren meiner Meinung kein Weg, um die Kosten zu senken, sondern dient einzig der Skalierbarkeit. Dafür spricht auch, dass Mitarbeiter an externen Standorten stets mit dem richtigen Know-how versorgt werden müssen, um effiziente, qualitativ hochwertige  Leistungen zu erbringen.

Auf der einen Seite hat sich die Finanzindustrie umfassend globalisiert, auf der anderen Seite sind für die Kunden die lokalen Rahmenbedingungen immer wichtiger (Steuern, Datenschutz). Wie sollen die Banken diesen Spagat hinbekommen und welchen Einfluss hat das auf die Entwicklung Ihres Bankensystems.

Ich bin überzeugt, dass die Schweiz aus bestimmten Gründen – tiefe Steuern, guter Datenschutz, säkulare Private Banking Erfahrung, stabile politische Verhältnisse und Währung, und andere – auch weiterhin ein attraktiver Finanzplatz für internationale HNWIs bleiben wird. Mit den neuen Regulierungen kommen allerdings grosse Herausforderungen auf die Banken zu: Sie müssen einerseits den Schutz der Privatsphäre der Kunden gewährleisten, andererseits aber auch den verschiedenen Bestimmungen nachkommen. Wir nennen dies «gesetzeskonforme Vertraulichkeit». Damit die Banken diesen Anforderungen nachkommen können, brauchen Sie ein Kernbankensystem, das ihnen erlaubt, die geforderten Daten an Behörden zu übermitteln, ohne die Privatsphäre der Kunden zu kompromittieren. Die Herausforderung für Hersteller von Kernbankensoftware liegt also darin, Lösungen zu entwickeln, die es erlauben, steuerrelevante und operative Daten aus dem System zu ziehen, ohne dabei die Identität des Kunden preiszugeben. SunGard’s Ambit Private Banking Lösungen ermöglichen genau dies – sie trennen strikt zwischen operativen Informationen und vertraulichen Kundendaten.

«Meiner Meinung nach liegt die Zukunft der Banken-IT im Outsourcing – die Bank kann so Kosten reduzieren und sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren.»

Um Kosten zu sparen, wählen immer mehr Banken den Betrieb einer Softwarelösung im Outsourcing-Modus (Application Service Provider, Software as a Service, Cloud Computing). Welche Modelle bieten Sie hier Ihren Kunden und welches Potential sehen Sie für diesen Ansatz in der Schweiz?

SunGard bietet das ganze Spektrum an Dienstleistungen, von in-house Kernbankenlösung bis hin zur kompletten Auslagerung der IT-Infrastruktur mit den entsprechenden Dienstleistungen. Mit unserem On-demand-Modell, basierend auf der ASP Private Cloud Technologie, ermöglichen wir unseren Kunden, ihre IT-Kosten zu senken: Die Banken zahlen nur jene Leistungen, die tatsächlich erbracht wurden – dadurch sparen sie etwa Investitionen für Neuanschaffungen. Meiner Meinung nach liegt die Zukunft der Banken-IT im Outsourcing – die Bank kann so Kosten reduzieren und sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren.

Eine wichtige Entwicklung ist der zunehmende Gebrauch von mobilen Geräten auch in der Finanzwelt. Das führt bei vielen Unternehmen zum Wunsch, alle Daten jederzeit auch mobil verfügbar und auswertbar zu machen. Welche Strategie empfehlen Sie hier Unternehmen?

Mobile Endgeräte sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Auch die Bankenindustrie wird sich früher oder später mit diesem Trend auseinandersetzen müssen: Kunden wollen von überall her ihren Kontostand überprüfen und gegebenenfalls Zahlungsaufträge vornehmen können. Wir empfehlen Banken daher, in diese neuen Kanäle zu investieren und sich die Beliebtheit mobiler Endgeräte bei den Kunden zunutze zu machen. Die avisierte Mobile-Lösung sollte auf die spezifischen Bedürfnisse der verschiedenen Kundenprofile abgestimmt sein, welche die Bank mit der Lösung ansprechen möchte. Dadurch hebt sich die Lösung von der Masse der Standart-eBanking- und Mobile-Banking-Lösungen ab, die derzeit vermehrt angeboten werden. Im Vordergrund sollte auf jeden Fall die Nutzerfreundlichkeit stehen, ohne jedoch die Datensicherheit zu gefährden – dies ist gerade in der Finanzindustrie ein sehr heikles Thema. Es gibt aber bereits Möglichkeiten, die Daten mobil verfügbar zu machen, ohne diese zu gefährden.

IT-Anbieter sehen für die Schweiz eine interessante Zukunftsperspektive als Ort für eine sichere Datenhaltung (Datenschutz, Energieversorgung, Infrastruktur). Wie beurteilen Sie diese Entwicklung und was könnte das für Sie als Anbieter von Bankenlösungen bedeuten?

Die Lage der Schweiz im Herzen Europas zusammen mit der finanziellen und politischen Stabilität des Landes haben massgeblich dazu beigetragen, dass sich in der Schweiz in den vergangenen dreihundert Jahren eine erfolgreiche Finanzindustrie entwickelt hat. Wenn es uns gelingt, diese Verhältnisse zu bewahren, wird die Schweiz – auch aufgrund ihres hochkarätigen Ausbildungssystems – in Zukunft genauso erfolgreich sein, und dies auch in anderen Geschäftsfeldern. Wir bei SunGard werden auf jeden Fall auch künftig einen beachtlichen Teil unserer Einkünfte in die Entwicklung neuer Lösungen investieren.

«Mobile Endgeräte sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Auch die Bankenindustrie wird sich früher oder später mit diesem Trend auseinandersetzen müssen.»

Zum Schluss des Gespräches haben Sie noch zwei Wünsche frei. Wie sehen diese aus?

Mein erster Wunsch ist, dass ich unseren Kunden weiterhin mit Innovativen Lösungen dabei helfen kann, gegenwärtige und künftige Herausforderungen zu meistern, damit die Industrie florieren und sich weiterentwickeln kann. Zweitens wünsche ich mir, dass die Schweizer Privatbankenindustrie rascher auf die gegenwärtige Situation reagiert, und sich vorausschauend damit auseinandersetzt, wie das Geschäft in den kommenden Jahren aussehen wird. Ich bin überzeugt, dass unser Finanzplatz nach wie vor vital ist, und dass wir Vorteile sowie die nötige Erfahrung besitzen, um unsere Value Proposition zu erneuern. Wir können auch weiterhin international eine führende Rolle spielen.

Der Gesprächspartner: Daniel Bardini, CEO Sungard Ambit Private Banking
Daniel Bardini is president of SunGard’s Ambit Private Banking business unit. Based in Geneva, Switzerland, Mr. Bardini is responsible for helping SunGard’s customers in private banking and wealth management achieve their business objectives. Daniel Bardini joined SunGard in 1997 as deputy managing director of SunGard’s Apsys (Advanced Private Banking Solution) business, based in Geneva, Switzerland. He contributed to the development of the Apsys business in Switzerland with the set-up of new offices in Zurich, Luxembourg and, more recently, in the UK and the Middle East. In 2003, Mr. Bardini was appointed president of the Apsys business, which is now part of the Ambit solution suite for private banking. Mr. Bardini commenced his financial IT career in 1987 in Switzerland working for Digital Equipment Corporation (DEC), as sales manager for partnership development with independent software houses. In 1991, he became sales manager for the financial market segment before taking on the role of European marketing director for ISV solution programs in 1995. He is a recognized expert in technology solutions for private banking and wealth management.

Das Unternehmen: Sungard Financial Systems
SunGard Financial Systems provides mission-critical software and IT services to institutions in virtually every segment of the financial services industry. The primary purpose of these systems is to automate the many detailed processes associated with trading, managing investment portfolios and accounting for investment assets. These solutions address the processing requirements of a broad range of users within financial services, including asset managers, traders, custodians, compliance officers, treasurers, insurers, risk managers, hedge fund managers, plan administrators and clearing agents. In addition, we also provide professional services that focus on application implementation and integration of these solutions and on custom software development.

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