Daniel Bieri, Vorsitzender der Geschäftsleitung Bad Schinznach AG

Daniel Bieri
Daniel Bieri, Vorsitzender der Geschäftsleitung Bad Schinznach AG. (Foto: zvg)

Daniel Bieri, Vorsitzender der Geschäftsleitung Bad Schinznach AG. (Foto: zvg)

Interview von Robert Jakob

Moneycab: Herr Bieri, die Auslastungen Ihrer Kliniken ist erfreulich. Da die meisten Patienten aus der Schweiz kommen, wird die Frankenaufwertung wohl recht wenig ausmachen?  

Daniel Bieri: Wir haben drei Hauptgeschäftsbereiche, Kliniken, Thermalbäder und Hotel, in der Bad Schinznach AG und überall zeichnet sich ein recht ähnliches Bild ab. Unsere Hauptzielgruppen sind sehr regional orientiert, da haben Sie völlig Recht. Im Bereich der Kliniken kommen unsere Patientinnen und Patienten zu 99,5 Prozent aus der deutschen Schweiz. Die Hauptkantone sind Zürich und Aargau, gefolgt von Luzern, Zug, Solothurn und Bern.

Vor allem die Meisenberg-Klinik in Zug dürfte sich doch weiter prächtig entwickeln?

Ja, der Turnaround ist mit dem neuen Führungsteam hervorragend gemeistert worden. Wir haben ebenfalls operative Anpassungen in Bezug auf die Behandlungskonzepte gemacht und können dadurch die Patientinnen schneller und qualitativ auch besser behandeln.

Das war nicht immer so…

Bis Ende 2013 war die Bettenauslastung eher ungenügend. Aufgrund der Verbesserung des Angebots, der Dienstleistungen und der Behandlungskonzepte, erfolgreicher Marketingaktivitäten sowie der verstärkten Zusammenarbeit mit den Zuweisern wie auch intensiver Vernetzungen mit anderen Kliniken, sind die Belegungszahlen in den erwarteten Bereich gewachsen. Unsere Spezialklinik nur für Frauen wird heute durchwegs sehr positiv wahrgenommen.

Dividenden werden nicht durch Reserven ausbezahlt, sondern durch vorhandenes Bargeld.
Daniel Bieri, Vorsitzender der Geschäftsleitung Bad Schinznach AG

Der hochpreisige Mietwohnungsmarkt hat auch in Zug eine Abkühlung erhalten. Spüren Sie das bereits  bei der Vermietung Ihrer neu gebauten Luxuswohnungen?

Sicherlich ist der Quadratmeterpreis der Mietwohnungen unter Druck geraten. Jedoch bin ich der Meinung, dass wir das mit der exklusiven Lage im Meisenberg kompensieren können. Ruhige und unverbaubare Seesicht und innert fünf Minuten mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln im Zentrum von Zug. Architektonisch tolle Gebäude mit grosszügigen Grundrissen. Ich kenne kein Mietobjekt, welches mit solchen USPs auf dem Markt ist und Sie?

Gibt es für den Rest des über 60’000 Quadrameter grossen Areals über dem Zugersee bereits neue Pläne?

Ja, wir sind aktiv in guten Gesprächen mit der Stadt Zug und deren Behörden.

Könnten Sie in Zukunft von Umzonungen profitieren?

Das glaube ich weniger, aber ein gleichwertiger Abtausch von bestehenden Zonen und Nutzungen gemäss heutigem, gültigem Bebauungsplan ist durchaus denkbar.

In Bad Schinznach stehen jetzt für die in die Jahre gekommene Aquarena Auffrischungsarbeiten an.  Dafür werden vier  Millionen investiert. Wird es einen grösseren Fun-Bereich geben?

Nein, dieser Funbereich wurde bereits mit dem Umbau vom Thermibereich im 2011 erweitert. Jetzt werden wir dem Aquarena ein sogenanntes neues Look&Feel verpassen. Wir werden alle Böden, Wände und Decken erneuern und mit einem attraktiven Farb- und Lichtkonzept versehen. Betroffen ist der ganze Bereich vom Aquarena mit Garderoben, Dusch-, Innen- und Aussenbereich vom Bad inklusive  Fassadensanierung.

Wie viel Geld werden Sie jährlich in Spa, Bad, Klinik und Hotel durch die Umstellung auf Fernwärme und Geothermie sparen?

Wir rechnen mit einem tiefen sechsstelligen Frankenbetrag. Ich hoffe, dass Ihnen das genügt.

Der Umbau von sieben Hotelzimmern in sieben Klinikzimmer war aufgrund der stärkeren Auslastung der Klinik im Park ein kluger Schachzug. Aber eigentlich könnten Sie ja schon bei der  momentanen Zimmerauslastung von 70 Prozent für das Kurhotel im Park sehr zufrieden sein. Haben Sie keine Angst, dass es auch einmal zu Engpässen kommt?

Wir haben, Stand heute, eine Auslastung von über 73 Prozent. Aber um auf Ihre Frage zu antworten:  ja sicher. Meine Devise ist – im positiven Sinne gesehen – dass immer noch 27 bis auf 100 Prozent Vollauslastung fehlen.

Wir wären schlechte Unternehmer, wenn wir nicht schon eine weitere strategische Überlegung gemacht hätten. Natürlich sind wir auch bereits in der Planung für eine weitere Vergrösserung der Klinik zulasten des jetzigen Hotels und eines Hotelneubaues auf einem bestehenden Baufeld der Bad Schinznach AG. Der grosse Vorteil wäre, dass wir bessere Betriebsabläufe sowie eine noch optimalere Klinikgrösse hätten. Sie sehen, wir werden in den nächsten Jahren noch einiges in Angriff nehmen.

„Sie sehen wir bieten viele Dienstleistungen an und haben einen grossen Kundenmix. Wenn ich das alles einem Marketingfachmann erzähle, dann glaubt er mir das fast nicht.“

Passt die Beteiligung an der Schwob AG in Burgdorf, die ja Hotelleriewäsche herstellt, immer noch ins Portfolio?

Das war eine strategisch positive Entscheidung des Mehrheitsaktionärs. Früher hatten wir – wie Sie sicherlich wissen – eigene Wäschereien. Wir haben diese verkauft und eine 40% Aktienbeteiligung der Firma Schwob AG erhalten. Wir sind nicht operativ tätig sondern strategisch und stellen zwei Verwaltungsräte. Aus heutiger Sicht darf ich sagen, dass sich dieses Geschäft sehr gut entwickelt.

Die Gewinnreserven der Bad Schinznach AG machen allein fast die Hälfte der Marktkapitalisierung aus. Haben Sie da nicht Verständnis für manche Kleinaktionäre, die nach einer üppigeren Dividende rufen?

Dividenden werden nicht durch Reserven ausbezahlt, sondern durch vorhandenes Bargeld! Die grossen Gewinnreserven sind durch den Landverkauf in Zug entstanden – dieses Geld wurde direkt wieder in den Wohnungsbau investiert. Sie sehen wir wollen in erster Linie die Unternehmung stärken. Sicherlich (und ich bin selbst auch ein kleiner Aktionär) wollen wir auch eine ansprechende Dividende ausbezahlen. Ich darf sagen, dass diese in den letzten Jahren immer leicht erhöht wurde. Übrigens verteilen wir auch jedem anwesenden Aktionär an der GV vier Gratis-Badegutscheine. Sie sehen, auch im Naturalbereich machen wir etwas und dies erst noch steuerfrei.

Zum Angebot in Schinznach-Bad gehört auch eine 9-Loch Golfanlage. Sind dort die meisten Kunden Hotelgäste oder kommen sie von ausserhalb?

Wir müssen unterscheiden zwischen dem offiziellen Golfclub Schinznach-Bad bei welchem sie Mitglied oder als Gast Platzreife ausweisen müssen um spielberechtigt zu sein und

Oder unseren 9-Loch Pitch&Putt Golfanlage für jedermann. Diese Gäste kommen ganz klar von ausserhalb. Es wird auch viel als Teamevent von Firmen gebucht. Sie können dort ohne Vorkenntnisse Golf spielen. Die Ausrüstung wird Ihnen ebenfalls zur Verfügung gestellt.

Kinderfreundlichkeit und Ruhesuche sind so manches Mal in Badanlagen schwer zu vereinbaren. Wie löst  die Bad Schinznach AG diesen Zielkonflikt?

Sehen Sie, wir sind ein sehr vielfältiger Dienstleistungsbetrieb auf einem Areal mit 53ha Land.  Übrigens ist das  ein Viertel des Gemeindegebietes von Schinznach-Bad, welches wir komplett selbst und finanziell eigenständig bewirtschaften.

Wir haben Kunden die vom Alter her über 90 sind und Babys die Schwimmunterricht im Bäderbereich haben…..

Wir haben Kunden die Ruhe suchen und jene die in unserer Trendbar „Magma“ Party machen…..

Wir haben Kunden, die reich sind und für CHF 400.- pro Nacht während 60 Tagen im Hotel übernachten, oder jene, die eine Portion Pommes Frites im Selbstbedienungsrestaurant Aquarena für sieben Franken essen…..

Sie sehen wir bieten viele Dienstleistungen an und haben einen grossen Kundenmix. Wenn ich das alles einem Marketingfachmann erzähle, dann glaubt er mir das fast nicht …

Zurück zur Frage…

Um noch genauer auf Ihre Frage zu antworten: wir haben dies speziell im Bäderbereich sehr einfach gelöst. Wir haben den Bereich vom Thermi spa, speziell für Ruhesuchende oder Pärchen mit einem Flair für architektonische Belange und Exklusivität  mit Eintrittsalter erst ab 16 Jahren sowie das Aquarena fun, wie der Name schon sagt für Spass, Erlebnis und Familien.

Zum Unternehmen
Rund um die schwefelhaltigste Quelle der Schweiz hat sich über Jahrhunderte eine Wellness- und Kur-Oase entwickelt. In Schinznach-Bad, am rechten Aare-Ufer, liegt eine Privat-Klinik, ein Kurhotel und eine Freizeitlandschaft mit Thermen/Schwimmbädern und Golfanlage– alles eingebettet in eine der grössten und schönsten Parkanlagen der Schweiz mit uraltem Baumbestand auf einem Areal von rund 530.000 Quadratmetern, welche von rund einer halben Million Gästen im Jahr besucht werden. Die Betreiberin, Bad Schinznach AG, kann ausserbörslich (otc) gehandelt werden.

Zur Person
Daniel Bieri, geboren am 23. Oktober 1964 in Schangnau/BE ist Schweizer, verheiratet und Vater eines Sohnes. Der ausgebildete Hotelier hat sich an der Universität St. Gallen in Betriebswirtschaft, General Management sowie Dienstleistungsmarketing weitergebildet. Als Direktor war er zunächst im Waldhotel National in Arosa und dann im TERTIANUM St. Jakob-Park Basel tätig. Bei Tertianum stieg er auch in die Geschäftsleitung und in die Direktion auf, ehe er im September 2007 Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bad Schinznach AG wurde. Daniel Bieri ist auch Verwaltungsrat der Psychiatrischen Frauenklinik Meissenberg.

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