Daniel Bieri, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bad Schinznach AG, im Interview

Daniel Bieri
Daniel Bieri, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bad Schinznach AG. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Bieri, neben der Privat-Klinik Im Park im Bad Schinznach, besitzt Ihre AG auch die reine Frauenklinik am Meissenberg in Zug. Wie ist dort gerade die Auslastung?

Daniel Bieri: Die Belegung in der Klinik ist gut und sehr stabil. Wir liegen kumuliert bei einer Auslastung von rund 88%. Das ist leicht tiefer als im Vorjahr. Aufgrund der Corona-Krise mussten wir die Belegung leicht reduzieren.

Die Klinik am Meissenberg ist spezialisiert auf Psychiatrie, Psychosomatik, und Schwerpunkt Psychotherapie. Haben Depression und Burnout in letzter Zeit zugenommen?

Im Moment nein. Aber wir gehen davon aus, dass diese Krankheitsbilder anhand der heutigen COVID-Situation in den nächsten Monaten ansteigen werden.

«Wir gehen davon aus, dass Depression und Burnout anhand der heutigen COVID-Situation in den nächsten Monaten ansteigen werden.»
Daniel Bieri, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bad Schinznach AG

Sind Begleitpersonen dort im Meissenberg auch zugelassen?

Grundsätzlich gibt es in der Klinik kein Angebot für Begleitpersonen. Selbstverständlich können aber Patientinnen mit angemeldeten Besuchern in der Cafeteria etwas Trinken oder auf dem Areal spazieren. Wir haben kein Besuchsverbot.

Wie viel Belegung geht in den Kliniken der Bad Schinznach AG auf Begleitpersonen zurück?

In diesem Jahr sind in der Privat-Klinik Im Park im Bad Schinznach weniger als zehn Prozent der Zimmernächte auf Begleitpersonen zurückzuführen.

Aktuell sind beide Kliniken von Personalengpässen betroffen, denn Krankheitsfälle und die Quarantänebestimmungen fordern ihren Tribut. Läuft die Personalplanung auch über Ihr neu installiertes ERP-System?

In beiden Kliniken sind wir organisatorisch gut aufgestellt und verzeichnen im Moment keine personellen Engpässe. Die Einsatzplanung und Leistungserfassung wird mit Polypoint PEP- und RAP-System erfasst, welche dann teilweise via Schnittstelle ins ERP-System hineinfliessen.

Beim Pflegepersonal mussten Sie im letzten Jahr auf Temporärkräfte zurückgreifen. Zeichnet sich jetzt eine Entspannung ab?

Ja, vor allem in der Klinik Meissenberg mussten wir stark auf temporäre Mitarbeitende zurückgreifen. In den letzten Wochen hat sich die Situation aber wieder verbessert.

«Seit der Baufertigstellung in Zug haben wir keine Leerstände gehabt.»

Die Bad Schinznach AG generiert auch Mieterlöse. Ich nehme an, die drei Mehrfamilienhäuser in der Gesamtüberbauung Meisenpark am Zuger Stadtrand sind bestens und voll vermietet?

Da liegen Sie richtig, seit der Baufertigstellung haben wir keine Leerstände gehabt. Die Nachfrage nach dieser einzigartigen Lage oberhalb des Zugersees ist sehr gross.

Eine weitere Ertragsperle ist die zu Ihnen gehörende Schwob AG in Burgdorf, welche Textilien herstellt und Wäschereinigung betreibt. Allerdings ist der Dividendenertrag für die Bad Schinznach AG mit 80’000 CHF pro Jahr noch klein. Was sieht da die langfristige Strategie vor?

Das ist relativ, man muss immer den investierten Betrag betrachten. Im Moment hat natürlich diese Branche ebenfalls mit der COVID-Situation stark zu kämpfen, und wir werden als weitsichtiger Aktionär in den nächsten zwei Jahren auf weitere Dividendenzahlungen verzichten. Wir halten aber langfristig an diesem Engagement fest und glauben an eine – wie vor der Coronazeit – gute und wachstumsstarke Zukunft.

«Geplanter Neubaubeginn fürs Hotel in Bad Schinznach ist 2023. Allerdings hängt das auch vom weiteren Verlauf der Pandemie und deren Einfluss auf unsere Geschäftsergebnisse ab.»

Wann wird der Neubau des Hotels in Bad Schinznach, der mit 20 Mio. CHF budgetiert ist, angegangen?

Im Bad Schinznach haben wir in den letzten Jahren stetig in den Ausbau von Gebäuden und Angeboten in stilvoller Symbiose zwischen Historie und Moderne investiert. Die Privat-Klinik Im Park, das Kurhotel Im Park, die Thermalbäder, Wohnen mit Service im Haus Habsburg und der Kurz-Golfplatz Pitch & Putt bieten heute ein einzigartiges Angebot. Der historische Gebäudekomplex, bestehend aus Bauten verschiedener Epochen, liegt eingebettet in einer idyllischen Parklandschaft.

In den nächsten Jahren soll das Angebot im Bad Schinznach mit einem Hotelneubau erweitert werden. Geplanter Baubeginn ist 2023. Allerdings hängt dies auch vom weiteren Verlauf der Pandemie und deren Einfluss auf unsere Geschäftsergebnisse ab. Das Siegerprojekt des Hotelbaus ist vom Architekturbüro Walker aus Brugg im Rahmen eines Architekturwettbewerbs erarbeitet worden. Es erfüllt einerseits unsere ästhetischen Ambitionen und wird andererseits den zeitgemässen Ansprüchen für ein gastorientiertes und qualitativ hochwertiges Erlebnis gerecht. Zudem fügt sich das Projekt optisch ideal in die bestehenden Bauten und die Parklandschaft ein. Die Herausforderung bei diesem Projekt ist die Verbindung von unterschiedlichen Bereichen und Bedürfnissen sowie das Vereinen von alltagstauglicher Funktion mit nutzergerechtem Ambiente.

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis der Bad Schinznach – Aktie ist fast auf eins zurückgekommen. Spiegelt das überhaupt noch den Wert Ihrer Unternehmung wieder?

Die Frage nach dem Wert eines Unternehmens erfordert die nähere Betrachtung des Blickwinkels. Für die Gäste, Mitarbeitenden, Geschäftsleitenden und Inhaber wie den Familien-Mehrheitsaktionär ist der emotionale Wert trotz herausforderndem Jahr unverändert hoch. Aktionäre und Investoren betrachten das Geschäftsjahr 2020 anhand des Geschäftsberichts. Der Aktienwert sagt wenig über die Geschäftstätigkeit aus, sondern zeigt vielmehr, wie sensibel der Aktienhandel auf Unsicherheiten reagiert. Die Betrachtung des Branchenumfeldes zeigt, dass die Entwicklung des Kurses nicht untypisch ist.

 
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