Daniel Fust, CEO Graubündner Kantonalbank, im Interview

Daniel Fust
Daniel Fust, CEO Graubündner Kantonalbank. (Foto: GKB)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Fust, der Wohnbau im Kanton Graubünden verzeichnet eine nachlassende Dynamik. Wo bekommen Sie das am meisten zu spüren?

Daniel Fust: Die Entwicklung im Baugewerbe wird eher verhalten eingeschätzt, sowohl von den Prognostikern als auch von den Unternehmen im Rahmen der Konjunkturumfragen selbst. Es muss für die gesamte Bauwirtschaft sowohl 2019 als auch im begonnenen Jahr mit einem Rückgang der Branchenwertschöpfung zwischen einem und zwei Prozent gerechnet werden. Die rückläufige Entwicklung im Wohnungsbau spüren wir einerseits über die Bauunternehmen. Einen wesentlich grösseren Einfluss sehen wir andererseits beim gedämpften Wachstum unseres Hypothekarportfolios.

Im Moment kommt Ihr grösstes Wachstum aus Immobilienfonds-Refinanzierungen. Die Leute bringen ihre Gewinne bei hohem Agio ins Trockene. Wohin fliesst das Geld?

Die Negativzinsen führen bei Pensionskassen zu einer Substitution der Obligationenanleihen durch Liegenschaftsportfolios. Wurde in der Vergangenheit nur das Geld der Destinatäre investiert, sehen wir heute einen steigenden Anteil an Fremdfinanzierungen. Die Fremdfinanzierung ist jedoch aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen im Quervergleich weiterhin sehr bescheiden.

«Trotz der starken Eigenkapitalbasis wird eine hohe Rentabilität (RoE) von 7.2% ausgewiesen und damit unser strategisches Rentabilitätsziel übertroffen.»
Daniel Fust, CEO Graubündner Kantonalbank,

Mit einer harten Kernkapitalquote von jetzt über 20% steht die Graubündner Kantonalbank betonfest da. Dennoch: Was sind Ihre Eckpfeiler im Risikomanagement?

Ein wesentlicher Eckpfeiler ist, dass wir die eingegangenen Risiken kennen und verstehen. Wir gehen bewusst kalkulierbare Risiken ein und möchten jederzeit in der Lage sein, unerwartete Entwicklungen über unsere Stossdämpfer abzufedern. Die GKB verfolgt zudem das Ziel, sich mit einer überdurchschnittlichen Eigenmittelausstattung positiv vom Markt abzuheben. Die gewichtete Kapitalquote beträgt 20.9% (CET-1-Ratio) und besteht vollständig aus hartem Kernkapital. Gegenüber der aufsichtsrechtlich geforderten Quote von 12.9% verfügt die Bank hiermit über grosse Eigenmittelreserven. Die GKB gehört damit zu einer der bestkapitalisierten Banken. Trotz der starken Eigenkapitalbasis wird eine hohe Rentabilität (RoE) von 7.2% ausgewiesen und damit unser strategisches Rentabilitätsziel übertroffen.

Von 2002 bis 2012 leiteten sie den Bereich Risk Management bei der GKB. Gab es da überhaupt etwas, das Sie ins Schwitzen brachte?

In diese Zeit fiel die Finanzkrise ausgelöst durch die Lehman-Pleite im Jahr 2008. Was anfänglich wie ein lokales Ereignis aussah, entwickelte sich zu einer Wirtschafts- und Bankenkrise. Viele Banken waren von notleidenden verbrieften Subprime-Positionen betroffen. Dadurch entwickelte sich unter den Banken ein hohes Misstrauen was dazu führte, dass der Interbankenmarkt, die Aorta des Finanzsystems, fast gänzlich zum Erliegen kam. Das war für mich eine einschneidende Zäsur.
Nicht nur als ehemaliger Verantwortlicher für das Risk Management freut es mich, dass wir uns mit unserer Risikostrategie als ein besonders sicheres Institut positionieren können. Die Ratingagentur Standard & Poor’s bestätigte diese Einschätzung 2019 mit einem ausgezeichneten Rating «AA/stabil».

Ein Sicherheitspuffer ist sicher auch die seit Jahren tiefe Kosten/Einnahmen-Quote. Sie lag auch 2019 wiederum unter 50 Prozent. Werden die Aktivitäten zum 150-Jahr-Jubiläum daran etwas ändern?

Nein, das Jubiläum ist nicht mit einer aussergewöhnlichen Belastung der Erfolgsrechnung verbunden, da wir es mit einer gewissen Bescheidenheit tun und vor allem nicht uns selber feiern. Unser 150-Jähriges Bestehen steht unter dem Motto „Nachhaltig Zeichen setzen für die Zukunft“. Das soll über das Jahr 2020 hinaus wirken, indem wir verschiedenste Projekte angehen, die auch künftigen Generationen nützen. Im Zentrum unserer Aktivitäten stehen die Themen Wasser, Natur und Nachhaltigkeit sowie unser verstärktes Engagement im Bereich Kultur und Wirtschaft.

«Das 150-Jahre-Jubiläum ist nicht mit einer aussergewöhnlichen Belastung der Erfolgsrechnung verbunden, da wir es mit einer gewissen Bescheidenheit tun.»

Aktionäre können sich jetzt auf sechs Franken zusätzliche Sonderdividende im Jubeljahr freuen, und das steuerfrei. Wird davon ungeachtet das Payout-Ratio in den nächsten Jahren konstant gehalten?

Gemäss den Eignerzielen des Kantons Graubünden gegenüber der Graubündner Kantonalbank gilt eine Bandbreite bezüglich Payout-Ratio von 50-60 Prozent. Der Bankrat berücksichtigt bei der konkreten Festlegung der Dividende – neben dem anvisierten Zielband – auch die Kontinuität. Die Bandbreite kann damit zwischenzeitlich über- oder unterschritten werden. Mit Blick auf das Jahr 2020 gehen wir von einem leicht tieferen Gewinn je PS aus. Entwickelt sich die Bank im Rahmen der Erwartung drängt sich bei unveränderter Ausschüttungspolitik für das Ergebnis 2020 keine Änderung auf.

Im Jubiläumsjahr können die Partizipationsscheine der GKB über die Bank selbst kommissionsfrei gehandelt werden. Merken Sie einen spürbaren Anstieg im Handelsvolumen?

Wir konnten einen Anstieg im Handelsvolumen beobachten. Ob dies allerdings darauf zurückzuführen ist, dass die Partizipationsscheine bei der GKB kommissionsfrei gehandelt werden können, kann so nicht beurteilt werden.

Mittlerweile machen sie ein Drittel der Erträge im Kommissionsgeschäft. Dazu hat natürlich die Vollkonsolidierung des etablierten Vermögensverwalter Albin Kistler beigetragen. Ich nehme an, sie erwarten von dieser Beteiligung überdurchschnittliches Wachstum?

Die strategische Weiterentwicklung der GKB zu einer relevanten Anlagebank spiegelt sich im Jahresergebnis 2019: Die Bank übertraf 2019 das strategische Ziel, 30% des Ertrages im Kommissionsgeschäft zu generieren. Diese Quote stieg im Berichtsjahr auf 32.7% (Vorjahr: 27.7%).
Die erstmalige Vollkonsolidierung eines Rekordergebnisses von Albin Kistler über ein ganzes Jahr erklärt primär diese erfreuliche Ertragsentwicklung. Aber auch im Stammhaus zeigen die strategischen Ausbauschritte im Anlagegeschäft positive Wirkung. Mit Blick nach vorne ist Albin Kistler AG im Markt sehr gut positioniert und besitzt eine sehr gute Ausgangslage für weiteres Wachstum.

«Die Bandbreite beim Payout kann damit zwischenzeitlich über- oder unterschritten werden. Mit Blick auf das Jahr 2020 gehen wir von einem leicht tieferen Gewinn je PS aus.»

Bei der von der GKB mitgetragenen Stiftung Innozet zur Förderung und Unterstützung von Startups soll es grosse Neuigkeiten geben. Verraten Sie uns schon welche?

Die Förderung von Startups ist Teil der Jubiläumsprojekte #gkb2020. Die Stiftung Innozet positioniert sich als Förderer von Bündner Start-ups, die die erste Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen haben und deren Produkte in fortgeschrittenem Stadium sind (verkaufsfähige Produkte oder ausgereifte Prototypen). Für diese Phase ist dann nebst einer weiteren Finanzierungsrunde spezifisches Know-how gefragt. Da kann die Stiftung dank des bestehenden breiten Netzwerks Zugang zu Spezialisten und Experten und somit einen grossen Mehrwert bieten.

Ist der Streit mit den italienischen Behörden beigelegt?

Die Anfrage aus Italien konnte beantwortet und der Fall erfolgreich abgeschlossen werden. Das Resultat der Verhandlungen hatte keinerlei Einfluss auf das Geschäftsergebnis 2019.

Dem Beitragsfonds für nichtkommerzielle Projekte aus den Bereichen Kultur, Gemeinnütziges, Sport, Wirtschaft und Tourismus sowie Gesellschaftliches fliessen wiederum CHF 3.2 Mio. zu. Als regional breit verankerte Bank stärkt das Ihren Ruf und damit die Kundenbindung. Gibt es in Ihrem Marketing Daten zu letzterer?

Mit unserem breiten Engagement übernehmen wir Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und zeigen unsere Verbundenheit mit Graubünden. Dies soll sich auch positiv auf die Kundenbindung auswirken. Im Sinne der Markenführung misst die GKB regelmässig, wie sie in Bezug auf Verbundenheit und Kompetenz im Markt wahrgenommen wird. In der vom LINK-Institut 2018 im Auftrag des Verbands der Schweizer Kantonalbanken durchgeführten Studie «VSKB Imagemessung 2018» belegt die GKB in allen Ergebnissen den Spitzenplatz, teilweise mit deutlichem Vorsprung. Die Studie umfasst Fragen rund um die Themen Verbundenheit und Kompetenz, das zeitgemässe Angebot, das Engagement im Kanton und die Kompetenz im Anlagegeschäft.

60% der Privatpersonen und 66% der Bündner Unternehmen sind unsere Kunden. Damit – und auch beim Anteil Hauptbankkunden – ist die GKB klare Marktführerin. Dazu kommen noch Spitzenwerte in der Kundenzufriedenheit. Die Ergebnisse sind für uns Ausdruck unserer Kompetenz und ausgeprägten Verbundenheit.

Graubündner Kantonalbank

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