Daniel Lawniczak, CEO Sanovation AG

Daniel Lawniczak

Daniel Lawniczak, CEO Sanovation AG. (Foto: de Vigier Stiftung)

von Patrick Gunti

Moneycab: Herr Lawniczak, die Sanovation AG hat von der de Vigier-Stiftung den am höchsten dotierten Förderpreis für Schweizer Jungunternehmen erhalten. Was bedeutet der Preis für Sie persönlich und das Unternehmen?

Daniel Lawniczak: Die Auszeichnung hat uns alle enorm gefreut und wir sind sehr stolz darauf. Dank dem Preisgeld konnten wir einen weiteren Mitarbeiter anstellen und damit unser Entwicklungstempo erhöhen. Neben diesem monetären Wert verhilft uns der Preis auch zu mehr Glaubwürdigkeit und Publicity.

Für mich persönlich stellt der Gewinn des Preises den Höhepunkt meiner bisherigen Entrepreneurship-Achterbahnfahrt dar. Vor dreieinhalb Jahren lag ich selber als Patient in einer Schmerzklinik, als mir die Idee zu CatchMyPain kam. Heute sind wir ein achtköpfiges Team und Herr Moritz Suter, einer der grössten Unternehmer in der Schweizer Geschichte, hat mir die Hand geschüttelt und mit äusserst wohlwollenden Worten zum Preis gratuliert. Dies macht mich sehr stolz und gibt mir die nötige Kraft für die weitere Fahrt auf der Achterbahn – es gibt nämlich noch einiges zu tun!

Ausgezeichnet wurde die Sanovation AG für „CatchMyPain“, eine Web-Plattform, mit der Patienten mit chronischen Schmerzen anonym ihr persönliches Online-Tagebuch führen können. Welche Angaben können die Schmerzpatienten machen?

Chronische Schmerzen sind sehr komplex und dauern deshalb meistens mehrere Jahre an. Patienten gehen auf der Suche nach einer Lösung oftmals von einem Arzt zum nächsten und probieren die verschiedensten Behandlungen aus. Die Krankengeschichte wird dabei immer länger und liegt zerstückelt bei den einzelnen Kliniken, Ärzten und Therapeuten. Eine zusammenhängende Übersicht des Schmerzproblems und der versuchten Interventionen fehlt.

Auf CatchMyPain kann die ganze Schmerzgeschichte eines Patienten inkl. Symptome und Behandlungen zentral und systematisch an einem Ort geführt werden. Das Schmerztagebuch soll dem Patienten und seinem Arzt oder Therapeuten alle Informationen bieten, die für eine effektive Behandlung nötig sind.

Schmerz lässt sich vielfach nur sehr schwer erklären oder der Ort des Schmerzes nur schwer lokalisieren. Welche Möglichkeiten bietet hier „CatchMyPain“?

Bilder sagen mehr als tausend Worte. Deshalb bietet CatchMyPain den Betroffenen die Möglichkeit, den Ort ihrer Schmerzen direkt auf einem Bild eines menschlichen Körpers einzuzeichnen. Dabei können verschiedene Farben verwendet werden, um die Schmerzstärke wiederzugeben.

«Langfristig soll aber eine Analyse der anonymen Schmerztagebücher dazu führen, neue Erkenntnisse in der Schmerzmedizin zu gewinnen.»
Daniel Lawniczak, CEO Sanovation AG

Was passiert letztlich mit den Angaben aus dem Online-Tagebuch? Was mehr ermöglichen sie dem Patienten als eine Übersicht über den Schmerzverlauf?

Es ist sehr schwierig, ein allenfalls mehrjähriges Schmerzproblem innerhalb von wenigen Minuten und nur in Worten zu beschreiben. Dank CatchMyPain erhalten Betroffene und ihre Ärzte und Therapeuten ein aussagekräftiges Kommunikationswerkzeug. Langfristig soll aber eine Analyse der anonymen Schmerztagebücher dazu führen, neue Erkenntnisse in der Schmerzmedizin zu gewinnen.

Und welche neuen Erkenntnisse könnten für die Schmerzmedizin gewonnen werden?

Das Wissen über chronische Schmerzen ist momentan auf etliche Papierarchive bei Ärzten und Therapeuten zerstreut. Dies macht es praktisch unmöglich, Schmerzfälle systematisch zu vergleichen und zu analysieren. Mit CatchMyPain ändert sich das. Unser Ziel ist es, für jedes einzelne Schmerzproblem genau sagen zu können, welche Diagnosen am wahrscheinlichsten und welche Therapien die vielversprechendsten sind. Damit soll die langjährige Odyssee von Schmerzpatienten endlich beendet werden.

Versuchen Sie bereits heute, Ärzte und vor allem Schmerztherapeuten in das Projekt einzubinden?

Ja, wir haben bereits sehr früh mit dem Einbezug von Schmerzspezialisten (Ärzten, Therapeuten, Psychologen usw.) begonnen. Heute arbeiten wir sehr eng mit den Kliniken Valens zusammen und werden im September 2012 eine wissenschaftliche Studie mit Rückenschmerzpatienten durchführen. Im Gründungsteam selbst haben wir mit Christian und Lilian Gröbli zwei erfahrene Physiotherapeuten, die auf chronische Schmerzen spezialisiert sind. In naher Zukunft möchten wir mit weiteren Kliniken und Schmerzspezialisten zusammenarbeiten. Interessierte Leistungserbringer können sich gerne bei uns melden…

Eine Registrierung ist bereits heute möglich, wann wird das Online-Tagebuch starten?

Ungefähr im Oktober oder November 2012 werden wir das Tagebuch für einen geschlossenen Nutzerkreis freischalten. Wer sich bereits jetzt auf www.CatchMyPain.com registriert, sichert sich einen Platz unter den ersten Benutzern. Wenige Monate später werden wir das Online-Tagebuch für die breite Öffentlichkeit freischalten.

Mit welchen Partnern arbeiten Sie bei der Erfassung und der Auswertung zusammen?

Im Rahmen eines offiziellen KTI-Projekts (Forschungsprojekt der Kommission für Technologie und Innovation des Bundes) arbeiten wir neben den Kliniken Valens auch mit dem Institut für Informatik der Universität Zürich zusammen. Während die Ärzte aus Valens das nötige medizinische Know-How beitragen, hilft uns Herr Prof. Harald Gall mit seinem Team im Bereich der Software Architektur und den Algorithmen für die Analyse der Schmerzprobleme. Zusätzlich werden wir von Christian Brand, einem Coach von CTI Start-up beraten.

«Nach Möglichkeit möchten wir Versicherungen für unser Projekt gewinnen, da wir hoffentlich zur Senkung der Gesundheitskosten beitragen werden.»

Wie finanziert sich Sanovation heute und wie sieht das Finanzierungsmodell der Zukunft aus?

Das genannte Forschungsprojekt wird durch die KTI mitfinanziert. Zusätzlich unterstützt uns die Hasler Stiftung mit einem grosszügigen Beitrag. Die dritte wichtige Säule ist das Aktienkapital unseres Start-ups, welches wir mit der Hilfe von Freunden und Familie gesammelt haben. Mit diesem Setting sind wir bis Mitte nächstes Jahr finanziert. Danach sind wir bis zum break even auf weitere Gelder von Investoren und/oder Stiftungen angewiesen. Nach Möglichkeit möchten wir Versicherungen für unser Projekt gewinnen, da wir hoffentlich zur Senkung der Gesundheitskosten beitragen werden. Unser finales Geschäftsmodell können wir zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht verraten…

Wie sind Sie auf die Idee von „CatchMyPain“ gekommen?

Ich leide selber seit ungefähr fünf Jahren an chronischen Schmerzen im Schulter- und Armbereich und habe die typische Odyssee von Arztbesuchen und Therapien absolviert. Zuvor dachte ich immer, dass es in der Medizin keine grossen Rätsel mehr gibt und dass es für fast alles eine Lösung gibt. Leider ist dem nicht so: obwohl chronische Schmerzen für den Patienten so deutlich spürbar und zermürbend sind, ist das Finden der Ursache und einer geeigneten Lösung oftmals schwierig. Nachdem die ersten Arztbesuche erfolglos und ernüchternd waren, habe ich begonnen im Internet zu recherchieren. Ein googeln nach „Armschmerzen“ liefert zwar eine Unmenge von Resultaten, aber diese grobe Beschreibung in Worten trifft schlussendlich auf hunderte von verschiedenen Schmerzausprägungen zu. Nach dem fünfzehnten Arztbesuch bin ich schlussendlich in einer Schmerzklinik gelandet, wo ich meine Schmerzen auf der Abbildung eines menschlichen Körpers einzeichnen musste. Da hat es Klick gemacht: so müssen Schmerzen beschrieben werden! Bilder sagen mehr als tausend Worte.

Mit den anonymen Daten will die Sanovation AG letztlich die Erforschung von chronischen Schmerzen vorantreiben. Welche Schritte sind hin zum grossen Ziel einer globalen Schmerzdatenbank geplant?

Jetzt im September starten wir mit der wissenschaftlichen Studie in den Kliniken Valens und kurz darauf werden wir eine erste Version des Tagebuchs für Tablets und für den normalen Desktop-Browser veröffentlichen. Danach ist die Analyse der anonymen Daten angesagt. Je mehr Patienten unser Schmerztagebuch verwenden werden, desto schneller werden wir neue Erkenntnisse in der Schmerzmedizin gewinnen können. Gegen Ende 2013 möchten wir gemeinsam mit Schmerzspezialisten erste Lösungen für Patienten anbieten können.

Herr Lawniczak, besten Dank für das Interview.

Zur Person:
Daniel Lawniczak ist 30 Jahre alt und hat an der Universität Zürich Wirtschaftsinformatik studiert (MSc). Der Nachname stammt von seinen Eltern, welche kurz vor seiner Geburt aus Polen in die Schweiz eingewandert sind. Während dem Studium wurde er selber zum Schmerzpatienten: seit ungefähr fünf Jahren leidet er an chronischen Schmerzen im Bereich der Schultern und Arme. Direkt nach dem Abschluss des Studiums – im Oktober 2010 – hat er sich Vollzeit dem Aufbau des Start-ups gewidmet. Im Laufe der Zeit könnte er die weiteren Teammitglieder begeistern und gemeinsam die Finanzierung sichern. Die Sanovation AG wurde im November 2011 gegründet.

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