Dieter Schlosser, CEO SoftwareONE AG, im Interview

Dieter Schlosser
Dieter Schlosser, CEO SoftwareOne AG. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Schlosser, das Geschäftsjahr verlief recht brav. Die Analysten haben wohl mehr erwartet und deshalb Ihre Aktie zuert Mal um über 15% in den Keller geschickt…

Dieter Schlosser: Wir haben gemäss unserer Guidance geliefert, aber halt etwas anders, als wir im letzten Jahr definiert hatten. Wir haben einen anderen Mix zwischen Software&Cloud und Solution&Services. Aber für ein Covid-Jahr haben wir die Umsatzqualität in die richtige Richtung gelenkt. Das Ergebnis ist solide, da Solution&Services äusserst erfreulich gewachsen ist.

Wie sehen denn die ersten Monate des neuen Jahres aus?

Unser Geschäftsmodell ist robust. Januar und Februar gehen in die richtige Richtung.

Die Zahl der Vollzeitstellen hat um 2200 zugenommen. Wieviel davon entfiel auf die Übernahmen?

Mehrheitlich war InterGrupo mit 1450 dafür verantwortlich. 50 gingen auf kleinere Übernahmen zurück und rund 700 Mitarbeitende kamen durch organisches Wachstum hinzu. Für uns war es wichtig, auch in der Phase der COVID-19 Pandemie weiter zu investieren, weil wir wussten, dass unsere Kunden einen riesigen Backlog an Service-Bedürfnissen angestaut haben.

«Für uns war es wichtig, auch in der Phase der COVID-19 Pandemie weiter zu investieren, weil wir wissen, dass unsere Kunden einen riesigen Backlog angestaut haben.»
Dieter Schlosser, CEO SoftwareOne AG

Die EBITDA-Marge konnte um einen Tick, nämlich 0,5%, auf 30,6%, gesteigert werden. Soll die so bleiben?

Wir haben die Guidance ein bisschen geändert. Wir reden jetzt nicht mehr von der direkten EBITDA-Marge, sondern vom Verhältnis EBITDA-Wachstum zu Nettoerlöswachstum. Wir wollen beim EBITDA immer stärker wachsen als beim Umsatz.

Die Rückstellungen für uneinbringbare Kundenzahlungen haben Sie nur von 0,9 auf 1% erhöht. Sind sie da so optimistisch? Gerade im Hinblick auf die 3. Corona-Welle könnten doch einige Ihrer KMU-Kunden leiden?

Wir sind sehr diszipliniert beim Einfordern von ausstehenden Rechnungen. Ausserdem arbeiten wir häufig mit Meilensteinzahlungen. Das begrenzt natürlich das Verlustrisiko. Zudem sind fast 70% unserer ausstehenden Forderungen versichert oder bestehen gegenüber Kunden mit ausgezeichnetem Credit Rating. Klopf auf Holz: Wir hatten durch Covid eigentlich keine nennenswerten Ausfälle. Das hätten wir anfangs so nicht erwartet.

Die heutigen immer umfangreicheren Datensätze werden vermehrt in der Cloud verwaltet, was Ihr Hauptgeschäftsmodell ist. Wie wird verhindert, dass sie sich buchstäblich in Luft auflösen?

Wir haben natürlich viele Standorte, die alle untereinander über die verschiedensten Geographien verlinkt sind. Wenn jeder von uns nach best practice arbeitet, ist so viel Redundanz vorhanden, dass keine Daten verloren gehen können, selbst wenn ein Rechenzentrum niederbrennt.

«Wenn jeder von uns nach best practice arbeitet, ist so viel Redundanz vorhanden, dass keine Daten verloren gehen können, selbst wenn ein Rechenzentrum niederbrennt.»

Das Kerngeschäft von SoftwareOne ist Beratung. Wie unterscheiden Sie sich von einer Firma wie Accenture? Alle Big Four haben starke IT-Berater.

Im Solution&Services-Bereich unterscheidet man zwischen Beratung und Projektarbeit. Und das dritte sind die Managed Services, wo der Kunde einen Drei- oder Fünfjahresvertrag unterschreibt und dafür rund um die Uhr einen Service bekommt. Wir können im Prinzip die komplette Software und die digitalen Assets eines Kunden nicht nur transparent darstellen, sondern auch optimieren. In diesem Bereich sind wir führend. Das kann eine Accenture oder ein anderer Global Systems Integrator wie T-Systems, nicht.

In den 20 Jahren seiner Geschichte ist SoftwareOne vor allem durch Übernahmen gewachsen. Welche Rolle spielen im jetzigen Umfeld Ihre ISV (Independent Software Vendors)?

Wir sind mit der PyraCloud sehr aktiv, unserer eigenentwickelten digitalen Plattform, die Kunden datenbasierte Informationen zur Verfügung stellt. Man könnte meinen, dass wir in direkter Konkurrenz zu Softwareherstellern stehen. Das ist jedoch nicht wirklich der Fall, da wir global aufgestellt sind und den Vorteil unserer digitalen Plattform nützen können Wir arbeiten mit über 7500 ISV zusammen und vermarkten deren Produkte in 90 Ländern.

Ist SoftwareOne eher ein amerikanisches als ein Schweizer Unternehmen?

Wir sind sehr verwurzelt in der Schweiz und vereinen mit Standorten in 90 Ländern sehr viele verschiedene Kulturen, was seit jeher ein Vorteil ist für uns und ein wichtiger Grund für unseren Erfolg. Unsere Zusammenarbeit baut auf sieben Grundwerten auf: Kundenzufriedenheit, Leidenschaft, Geschwindigkeit, Mitarbeiterzufriedenheit, Disziplin, Integrität und Bescheidenheit. Die gelten seit Anbeginn für alle unsere Mitarbeiter.

Nennen Sie einfach mal die drei Wichtigsten für Sie.

Wir sind schlank, agil und vermeiden jegliche Art von Hierachiedenken. Dadurch sind wir noch immer wie ein Start-up unterwegs.

Managed Services oder Unified Communications, das alles gibt es doch schon seit Jahrzehnten. Was hat sich seither geändert?

Es hat sich natürlich alles sehr stark weiterentwickelt. Früher war Unified Communications nur Telephonie, Voice over IP. Mittlerweile ist Unified Services interaktive Kommunikation. Es geht darum, Teams auf der ganzen Welt zusammenarbeiten zu lassen. Die gesamte Arbeitsweise ändert sich dadurch. Kollaboration ist die Hauptsache – alles wird immer geteilt und muss überall verfügbar sein, auch im Managed Service – Bereich.

Die Bedeutung der Datensicherheit ist über die Jahre exponentiell gestiegen, vor allem wegen rechtlicher Anforderungen, Reputationsschäden und teurer Strafen. Was ist da die USP von SoftwareOne?

Wir haben fürs Thema Datensicherheit ein eigenes Security Operation Center, genannt SOC. Das sind 24×7-Security-Experten, die für Kunden das Umfeld rund um die Uhr überwachen. Angriffe lassen sich ja mittlerweile nicht mehr vermeiden, es geht vielmehr darum, sie zu erkennen und ihnen vorzubeugen. Datensicherheit und Datensouveränität sind wichtig. Als Globaler Provider haben wir die Möglichkeit, die Datenlokalität im Sinne unserer Kunden festzulegen.

Sie verkaufen die Software aller grossen IT-Firmen der Branche, allen voran Microsoft. Damit müssen Sie naturgemäss etwas gegen Open Source-Lösungen haben, oder?

Absolut nicht.

Das müssen Sie jetzt sagen.

Nein. Sehen Sie, Open Source – Lösungen sind ja nicht unbedingt frei. Wenn Sie sie benutzen, gehen Sie auch gewisse Verpflichtungen ein. Wenn Sie Maintenance brauchen, müssen Sie auch bezahlen. Wir arbeiten gerne mit Open Source – Providern zusammen. Open Source benutzt auch Cloud und neue Technologien, und da kommen wir dann ins Spiel.

«Wir sind zufrieden mit dem Börsengang und denken, dass wir unser Ziel erreicht haben. Doch wir sind immer noch eher zurückhaltend, wenn es um Eigenwerbung geht.»

SoftwareOne-Kunden sind Grosskonzerne und KMU. Wie viel Prozent sparen diese Kunden, wenn sie statt Einzelkämpfer zu spielen die Software-Lizenz über Sie nehmen?

Es ist meistens über zehn Prozent, und die Spannweite liegt bei etwa 10% bis 30%.

Ihr IPO Ende 2019 sollte unter anderem den Bekanntheitsgrad Ihrer Firma, die immerhin auf über 7700 Mitarbeitende kommt, erhöhen. Glauben Sie, dieses Ziel erreicht zu haben?

Die Absicht war einerseits durch die Liquidität des Titels die Möglichkeiten für unsere Mitarbeiter zu erhöhen, welche im Besitz von Aktien waren, und andererseits hat es unser Profil im Markt gestärkt. So konnten wir jene Talente anziehen, welche mit Vorliebe für ein kotiertes Unternehmen arbeiten wollen. Zudem ist die Transparenz gegenüber unseren Kunden gestiegen. Wir sind zufrieden mit dem Börsengang und denken, dass wir unser Ziel erreicht haben. Doch wir sind immer noch eher zurückhaltend, wenn es um Eigenwerbung geht.

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