Dieter Zümpel, CEO DER Touristik Suisse, im Interview

Dieter Zümpel
Dieter Zümpel, CEO DER Touristik Suisse. (Foto: DER Touristik)

von Sandra Willmeroth

Moneycab.com: Herr Zümpel, gerade hatte Kuoni vier Jahre nach der Übernahme durch den deutschen Rewe-Konzern den Turnaround geschafft und dann kam Corona und macht vermutlich alle Pläne zunichte. Können Sie schon abschätzen, in welchem Umfang die Pandemie den Geschäftsgang 2020 beeinflusst?

Dieter Zümpel: Natürlich beschäftigen wir uns mit verschiedenen Szenarien und deren Auswirkungen auf unser Geschäftsergebnis im laufenden Jahr. Der Schaden ist aber weiterhin nicht bezifferbar, denn wohl kaum eine Branche hat so wenig Planungssicherheit wie die Touristik.

Noch im Februar hat Kuoni am Ziel einer weiteren Ergebnisverbesserung festgehalten. Wie lauten die aktuellen Prognosen für das Gesamtjahr?

Derzeit kann ich nur sagen, dass das Ergebnis im Zeichen einer erheblichen Sonderbelastung stehen wird.

„Es wäre angesichts des Umfanges der Herausforderung nicht seriös, einen Stellenabbau auszuschliessen.“
Dieter Zümpel, CEO DER Touristik Suisse

Sie haben die Mitarbeitenden in Kurzarbeit geschickt und einen Einstellungsstopp verhängt. Wird das reichen oder ist ein Stellenabbau in der Diskussion?

All unsere Massnahmen dienen dem Ziel, die Stellen unserer Mitarbeitenden zu erhalten. Aber es wäre angesichts des Umfanges der Herausforderung nicht seriös, einen Stellenabbau auszuschliessen.

Und wenn wir schon in die Glaskugel schauen: Wagen Sie eine Prognose für den 31. Mai 2020? Bis und mit diesem Tag hat DER Touristik Schweiz gebuchte Reisen abgesagt. Werden wir danach wieder reisen können?

Für einige wenige Destinationen wie die Niederlande oder Schweden waren Reisen stets möglich, standen aber natürlich im Widerspruch zur Empfehlung des Bundesrates, zuhause zu bleiben. Vermutlich werden wir auch über den 31. Mai hinaus unsere Pauschalreisen aussetzen müssen. Als optimistischer Mensch glaube ich aber daran, dass im Sommer ein Teil unseres Angebotes zur Verfügung stehen wird – zumal auch das Reiseland Schweiz ein selbstverständlicher Bestandteil unserer Produktepalette ist.

Wie haben Ihre Kunden auf die Absage gebuchter Reisen reagiert? Gaben sich die meisten mit einem Gutschein zufrieden oder wollten sie ihr Geld sofort zurück?

Unsere Kunden bedauern einerseits natürlich, dass das Ferienerlebnis derzeit nicht möglich ist. Andrerseits schätzen sie sich glücklich, dass sie dank der Buchung einer Pauschalreise beim Reiseveranstalter oder im Reisebüro viel Arbeit und Kosten sparen. Wir unsererseits sind dankbar, dass unser Gutschein-Angebot auf breite Akzeptanz stösst. Und selbstverständlich sind wir auch zu Rückzahlungen bereit, wenn dies die Kundin beziehungsweise der Kunde wünscht.

Wie können wir uns den Restart der Reisebranche vorstellen?

In einem ersten Schritt dürften tatsächlich Schweiz-Ferien und sogenannte erdgebundene Reisen innerhalb Mitteleuropas möglich sein. Nach und nach werden Fluggesellschaften dann Verbindungen zwischen jenen Destinationen wieder aufnehmen, die schon grosse Fortschritte bei der Bekämpfung des Corona-Virus erzielt haben.

„Eine Rabattschlacht ist das letzte, was die Touristik jetzt brauchen kann.“

Wird der Unterbruch der Reiseaktivitäten einen preistreibenden Effekt auf künftig hoffentlich wieder mögliche Reisen haben?

Ich rechne mit stabilen Preisen. Eine Rabattschlacht ist das letzte, was die Touristik jetzt brauchen kann. Andererseits sind wir uns alle bewusst, dass die Rückkehr unserer Kunden faire Preis-Leistungs-Angebote voraussetzt.

In wieweit wird das Coronavirus die Tourismusbranche mittel- bis langfristig verändern?

Nicht alle touristischen Akteure werden die aktuelle Krise überstehen. Aber ich glaube fest daran, dass sich die Branche grundsätzlich mittelfristig erholen wird. Klar ist aber auch, dass nicht nur der Inlandtourismus Unterstützung bei der Überbrückung bis dahin erhalten muss, sondern auch unsere auf Auslandsreisen spezialisierte Reisebranche mit rund 8000 Arbeitsplätzen allein in der Schweiz.

„Nicht alle touristischen Akteure werden die aktuelle Krise überstehen.“

Wird der inländische Tourismus profitieren, weil mehr Menschen auf Urlaub im eigenen Land umschwenken?

In diesem Jahr schon, andererseits dürften dem Inlandstourismus die Kunden aus dem Ausland fehlen. Dennoch: Ich gönne touristischen Leistungserbringer in der Schweiz, wenn hier ein partielles Sommergeschäft stattfinden kann. Sollte dies im Ausland nicht der Fall sein, werden wir unseren Kunden ins Bewusstsein rufen, dass Schweiz-Ferien genauso gut auch bei Kuoni gebucht werden können. Tun sie es, unterstützen sie sowohl die Reisebranche als auch die heimischen Tourismusbetriebe.

Und wenn es weniger Flugreisen gibt, könnte das ja auch ganz heilsam und vorteilhaft sein. Zumindest für die Umwelt. Aber vielleicht auch für den inländischen und/ oder Öko-Tourismus?

Möglichst nachhaltige Angebote gewinnen so oder so an Bedeutung, sowohl im Inland als auch im Ausland. Ich weiss nicht, ob das Corona-Virus diese Entwicklung beschleunigt oder nicht viel mehr losgelöst von der natürlich berechtigten Frage nach dem Umweltgedanken in der Touristik betrachtet werden sollte. Und wir dürfen nicht vergessen, dass die Krise möglicherweise Fluggesellschaften in ihren Bemühungen zurückwirft, umweltgerechtere Treibstoffe zu entwickeln. Das kann nicht unser Ziel sein.

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