Ewald Burgener, CEO Valiant, im Interview

Ewald Burgener
Valiant-CEO Ewald Burgener. (Foto: Valiant)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Burgener, der Fussballtrainer Otto Rehagel würde sagen “kontrollierte Offensive“. Das beschreibt die Expansionsstrategie von Valiant. Hat sich das jetzt durch Corona geändert?

Ewald Burgener: Nein, überhaupt nicht. Während der Coronakrise haben wir das Tempo unseres Wachstums vorübergehend etwas gedrosselt. Seit Juli haben wir wieder voll Fahrt aufgenommen und sind auf Kurs. Am 16. November eröffnen wir die Geschäftsstelle in Rapperswil. Wir sind mit unserer Expansionsstrategie erfolgreich unterwegs. 38 Prozent unseres Ausleihungswachstums, das wir seit Ende 2017 verzeichnen, sind auf unsere neuen Standorte zurückzuführen. Unsere Kosten steigen weniger stark als unsere Erträge. Das heisst, dass unser Wachstum profitabel ist und sich die kontrollierte Offensive auszahlt. Unser starkes operatives Ergebnis per Mitte Jahr belegt, dass unsere Strategie erfolgreich umgesetzt wird.

Im Sommer 2021 werden die Filialen Liestal und Oerlikon eröffnet. Was sind die Unterschiede bei Valiant zwischen einer Filiale auf dem Land und einer in der Stadt?

Die Filialen in der Stadt und auf dem Land unterscheiden sich nicht. Wir suchen Standorte in Wachstumszentren und an frequentierter Lage. Dabei setzen wir auf unser innovatives Geschäftsstellenkonzept. Wir empfangen unsere Kundinnen und Kunden per Video und beraten sie persönlich und digital. In der Coronakrise hat sich das Konzept bewährt. So mussten wir unsere Geschäftsstellen nicht schliessen und konnten sämtliche unserer Dienstleistungen wie gewohnt anbieten.

„Unsere Kosten steigen weniger stark als unsere Erträge. Das heisst, dass unser Wachstum profitabel ist und sich die kontrollierte Offensive auszahlt.“
Ewald Burgener, CEO Valiant

Sie hatten Ihren Mietern während der Covid-19-Krise mehrere Monatsmieten komplett erlassen. Was hat Sie das unter dem Strich gekostet?

Es war uns ein wichtiges Anliegen, unsere Mieter rasch und unkompliziert finanziell zu unterstützen und ein klares Zeichen zu setzen. Wir haben uns aus Überzeugung am Hilfsprogramm des Bundes beteiligt. Auch unterstützen wir unsere KMU mit individuellen Massnahmen. Dazu gehört beispielsweise die Sistierung von Amortisationen. Wie viel uns diese Massnahmen im Einzelnen kosten, kommunizieren wir nicht. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass wir aus der Coronakrise keinen Gewinn erzielen wollen.

Die Belehnungsquote Ihrer Ausleihungen liegt seit vielen Jahren stabil bei tiefen 63 Prozent, Ihre Kapitalausstattung im Zielbereich von 15-17%. Etwas erhöhte Kreditausfallrisiken dürften daher wohl kein Problem sein?

Valiant ist sehr solide kapitalisiert und übertrifft die regulatorischen Anforderungen deutlich. Das Geschäftsmodell von Valiant hat sich insbesondere in der Krise als äusserst stabil und robust erwiesen. Die vorsichtige Risikopolitik ist ein Grundpfeiler unserer Strategie, womit wir auch für aussergewöhnliche Herausforderungen gerüstet sind.

Aber was passiert, wenn eine Entlassungswelle die Schweizer Wirtschaft erschüttern sollte?

Wir haben Wertberichtigungen aufgrund von Kreditausfallrisiken in Höhe von 7.8 Millionen Franken gebildet. Die Auswirkungen der Coronakrise lassen sich jedoch schwer abschätzen. Aktuell sind wir zuversichtlich, weil sich die Schweizer Wirtschaft sehr gut erholt. Die Banken leisten ihren Beitrag dazu und stützen die Wirtschaft. Ich bin sehr zufrieden, wie Valiant die Coronakrise bisher gemeistert hat.

„Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg ist die Emission unserer Covered Bonds.“

Sie haben bereits bei früheren Interviews gesagt, dass Valiant sehr gut mit dem Negativzinsumfeld umgehen kann. Das zeigt auch Ihr solides Zinsdifferenzgeschäft. Gilt das noch immer, jetzt wo weitere drei Tiefstzinsjahre vor uns liegen?

Das tiefe Zinsniveau stellt alle Finanzdienstleister vor Herausforderungen. Das Umfeld können wir aber nicht beeinflussen. Unsere Aufgabe ist es, so gut wie möglich darauf zu reagieren. Die letzten Jahre haben bewiesen, dass Valiant sich sehr gut aufgestellt hat und folgedessen den Zinsaufwand signifikant senken konnte. Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg ist die Emission unserer Covered Bonds.

Sie konnten bereits zum siebten Mal eine mit Hypotheken abgesicherte Anleihe platzieren. Und zwar zu null Prozent. Wer kauft denn so etwas? Institutionelle Anleger, die unbedingt kurz- bis mittelfristig Geld parken müssen?

Unsere Covered Bonds, also mit Hypotheken abgesicherte Anleihen, sind für institutionelle Anleger auf Grund der Negativzinsen sehr attraktiv. Ausschlaggebend ist, dass unsere Anleihen von Moody’s mit einem AAA, also der höchstmöglichen Bonitätseinstufung, versehen werden. In diesem aktuell unsicheren wirtschaftlichen Umfeld stellen sie eine hervorragende Anlagemöglichkeit für die Investoren dar.

Wie sind Sie mit Ihrer neuen offenen und sehr gut skalierbaren Banking-Software von Crealogix zufrieden?

Die Software von Crealogix kann die Banken unterstützen, innovative Zusatz-Anwendungen für Finanzdienstleister zu entwickeln, beispielsweise das Multi-Banking. Unternehmen können im E-Banking von Valiant ihre Konten von Drittbanken verknüpfen und Transaktionen tätigen. Sie haben jederzeit den Überblick über ihre Liquidität.

Wie wird es mit der Econis Service-Plattform «Skype for Business» weitergehen?

Die Zusammenarbeit mit digitalen Hilfsmitteln hat in der Coronakrise an Bedeutung gewonnen. Wir haben es allen Mitarbeitenden innerhalb von wenigen Stunden ermöglicht, dass sie zuhause arbeiten können. Dabei hat uns Skype for Business sehr gut unterstützt. Microsoft hat angekündigt, Skype for Business abzulösen. Es ist uns auch zukünftig wichtig, unseren Mitarbeitenden die modernsten Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen, damit wir unsere Kunden jederzeit bestmöglich bedienen können.

„Es hat für unsere Bank höchste Priorität, dass wir einerseits die persönliche Beratung vor Ort weiter ausbauen, aber andererseits die digitalen Kanäle bedürfnisorientiert weiterentwickeln.“

Was wird man denn in nächster Zukunft noch alles digitalisiert werden und wie?

Die Kundinnen und Kunden wählen, über welchen Kanal sie mit uns in Verbindung treten. Es hat für unsere Bank höchste Priorität, dass wir einerseits die persönliche Beratung vor Ort weiter ausbauen, aber andererseits die digitalen Kanäle bedürfnisorientiert weiterentwickeln. So tätigen wir zum Beispiel hohe Investitionen in unserer Mobile Banking App, um zusätzliche Funktionen anbieten zu können. Unter andrem ist geplant, eine Chat-Funktion in die App zu integrieren. Ebenfalls sind wir dabei, unsere Internetplattform zu aktualisieren und zu modernisieren. Unser Ziel ist es, unseren Kunden das Finanzleben zu vereinfachen.

Im langweiligen Rot/Blau/Schwarz der Bankenfarben hebt sich das Lavendel der Valiant angenehm ab. Wer hatte eigentlich vor Jahren diese Idee?

Bei der Gründung der heutigen Valiant im Jahr 1997 hatte die Bank die einmalige Möglichkeit, ihr Erscheinungsbild zu definieren. Die Bezeichnung Valiant bedeutet tapfer und mutig. Somit galt es auch, sich in der Farbgebung mutig abzugrenzen beziehungsweise zu differenzieren. Die Idee auf Lila zu setzen ist anlässlich eines internen Workshops entstanden. Seither sind wir stolz darauf, dass Lila unsere Farbe ist.

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