Guerrino De Luca, CEO und VRP Logitech

Guerrono De Luca

Guerrino De Luca, CEO und VRP Logitech.

Von Bob Buchheit

Moneycab: Herr De Luca, obwohl Logitech  zwei Akquisitionen getätigt hat, sitzt Ihr Unternehmen noch immer auf rund 300 Millionen Franken Cash. Darf man über Zukäufe spekulieren. Oder brauchen Sie das Geld nach der Gewinnwarnung gar für Restrukturierungen?

Guerrino De Luca:
Wir schauen uns immer um. Aber im Moment haben wir nichts anzukündigen.

Würde es nicht dennoch Sinn machen, einen Zulieferer aufzukaufen? Damit bekämen Sie ja mehr Versorgungssicherheit. Das Fukushima-Desaster mit seinen Supply Chain–Problemen war ja eine Art Warnschuss für die gesamte Elektronikbranche

Wir analysieren den Markt laufend. Bemühen uns um die effizienteste Lieferkette, die wir haben können. Aber im Augenblick gibt es keinen Grund vertikal in  diese Wertschöpfungskette einzusteigen. Wir sind mit unseren Zulieferen sehr zufrieden, so wie die Situation jetzt ist.

Logitech gibt mehr sieben Prozent vom Umsatz gerechnet für Forschung aus. Das ist immer noch sehr schlank für ein High-Tech-Unternehmen.

Im Augenblick liegen wir sogar bei fünf bis sechs Prozent. Wir haben gemerkt, dass das sehr  gut ausreicht, um technologische Durchbrüche wie die erste Lasermaus, Videoconferencing, die Dunkelfeldmaus oder das schnurlose Solarkeyboard K750 zu erschaffen oder auch so nützliche Basisverbesserungen, wie Geräte, die schlicht und ergreifend weniger Strom verbrauchen.

Als schlankes Unternehmen sind sie sicher daran interessiert, in allen Bereichen von Forschung und Entwicklung  bis hin zur Produktion so viel Arbeit wie möglich outzusourcen?

Ich bin nicht sicher, ob ich Ihre Frage richtig verstehe. Aber Forschung und Entwicklung und Produktion sind bei Logitech streng getrennt. Dafür haben wir aber eine sehr gute Balance zwischen den Dingen, die wir im eigenen Haus machen und den Dingen, die wir outsourcen.

«Es ist richtig, dass das Geschäft von Life Size für uns die erste Priorität hat.»
Guerrino De Luca, CEO und VRP Logitech

Letztes Jahr haben Sie die US-amerikanische Firma LifeSize gekauft. Sie macht Videokonferenzen. Was für eine Wachstumrate erwarten Sie auf mittlere Sicht von diesem Markt und speziell von dieser Firma, die ja im Moment mit fünfzehn  Prozent jährlich sehr erfreulich wächst?

LifeSize ist noch verhältnismässig klein. Wir wollen den Markt entwickeln. Wenn er wächst und die Skalenerträge kommen, sind wir sehr optimistisch. Aber für 2012 machen wir keine definitive Vorhersage. Es ist aber richtig, dass das Geschäft von Life Size für uns die erste Priorität hat.

Die vielen Fallstricke in der Hochtechnologie mögen nach den Gewinnwarnungen im gesamten Verlauf dieses Jahres ein Grund für die doch  sehr niedrige Börsenbewertung sein, oder?

Am  zweiten Oktober 2011 feierten wir unseren dreissigsten Geburtstag. Wir haben seit Gründung allerlei Firmen kommen und gehen gesehen. Weil wir mit Technologie umgehen können, haben wir in diesen drei Jahrzehnten allen Stürmen getrotzt. Unser Ziel ist es, weiter profitabel zu wachsen. Über den Börsenkurs entscheiden aber vorübergehend auch andere.

Hat die Tatsache, dass Logitech aus dem französischsprechenden Teil der Schweiz kommt, einen Einfluss auf Ihren Managementstil?

Logitech’s management style wird von Executives und Board Mitgliedern aus allen Teilen der Welt beeinflusst. Da ist die französische oder deutsche Schweiz auch nur ein Teil davon. Wir haben Managementmitglieder und Direktoren aus ganz Europa, Asien und den Vereinigten Staaten von Amerika. Wir müssen, ganz unabhängig von der Herkunft, einfach nur dauernd darauf schauen, was die Leute für Technologien wollen – und dann  entsprechend liefern.

Logitech hat sicherlich ausgeklügelte Strategien, um Talente anzuziehen. Gehen Sie über Headhunter? Was halten Sie speziell vom Managementnachwuchs in der Schweiz?

Wir äussern und generell nicht zu Fragen der Personaleinstellung. Ausserdem bin ich dafür der falsche Ansprechpartner.

«Wir von Logitech sehen in der Maus immer noch die effizienteste Art mit einigen Bildschirmen zu interagieren.»

Gut –  kommen wir wieder zur Technologie und deren zukünftiger Entwicklung. Viele sehen bereits das Ende der Maus.  Aber noch hat sie zweistellige Wachstumsraten. Wie lange noch? Was wären die Alternativen?

Wie auch immer es aussehen mag: Wir werden immer etwas brauchen, das den Bildschirm vor uns kontrolliert. Die Maus wird ihr Leben parallel zu Technologien wie Berührungssensorik und Stimmerkennung weiterführen. Sie wird noch spezialisierter werden und noch effizienter. Wir von Logitech sehen in ihr immer noch die effizienteste Art mit einigen Bildschirmen zu interagieren.

Sie sagen mit einigen Bildschirmen? Der Tablet-PC-Markt dürfte für Logitech zur grossen Herausforderung werden, oder?

Besser ist es, von grosssen Möglichkeiten zu sprechen, die iPAD und Co. auch für Logitech-Produkte bieten.

Was hat Logitech denn für den Tablet-PC-Markt anzubieten? Was ist da genau Ihre Strategie?

Tablets haben unsere Art, mit digitalem Inhalt umzugehen, ihn zu schaffen, zu konsumieren, bis hin zum Zugang zu ihm, dramatisch verändert. Logitech ist in diesem Umfeld perfekt positioniert, um Accessoires zu kreieren, die es den Leuten ermöglichen, Inhalte überall und in welcher Form auch immer zu gestalten und zu konsumieren. Wir sehen den Tablet-Markt nicht als Konkurrenten, sondern eindeutig als zusätzliche Gelegenheit. Wir werden dieses Geschäft langfristig sogar unterstützen. Wir haben bereits einige neue Produkte für Tablet-Computer für 2012 lanciert. Und es werden viele weitere folgen. Sie dürfen gespannt sein.

Zur Person
Nach den Startschwierigkeiten mit Google-TV musste Logitech CEO Gerald Quindlen den CEO-Sessel  für Guerrino de Luca räumen. De Luca hat grossen Anteil am langfristigen Erfolg von Logitech und amtete bereits als VR-Präsident bevor er das Doppelmandat antrat. Von 1998 bis 2008 war er VRP und CEO in Personalunion. Der 1952 im italienischen Lanciano geborene de Luca hat ein Ingenieurstudium an der Universität Rom abgeschlossen und zwei Töchter.

Zum Unternehmen
Logitech ist ein international tätiger Schweizerisch-amerikanischer Computerzubehör-Hersteller. Das Unternehmen wurde 1981 gegründet und hat seinen Sitz in Morges. Die bekanntesten Produkte sind Computermäuse und Tastaturen. Logitech vertreibt seine Produkte weltweit in über 100 Ländern und erwirtschaftet einen Umsatz von rund 2 Milliarden US-Dollar.

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