Gustav Stenbolt, CEO Valartis Group

Gustav Stenbolt
Gustav Stenbolt, VRP Valartis Group. (Foto: Valartis)

Gustav Stenbolt, CEO Valartis Group. (Foto: Valartis)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Stenbolt, mit dem Verkauf ihrer Anteile an der Eastern Property Holdings EPH hat sich Valartis von einem langjährigen Zankapfel getrennt. Sind die sich aus dem Verkauf zu erwartenden Meilensteinzahlungen gut abgesichert?

Gustav Stenbolt: Ja, das sind sie. Wir haben auf beiden Seiten eine Reihe von Zusicherungen und Gewährleistungen gemacht. Darüber hinaus gibt es einen signifikanten variablen Anteil im Kaufpreis, welcher abhängig von der weiteren erfolgreichen Entwicklung der EPH und deren Verkäufe ist. Diese Unwägbarkeiten wurden durch Cash- und Aktiengarantien gegenseitig abgesichert.

Der russische Markt kämpft ja seit einigen Monaten mit einem starken Vertrauensschwund….

Das stimmt. Der russische Markt bleibt allerdings weiterhin attraktiver bewertet als andere Emerging Markets.

Merken Sie eigentlich davon etwas in den von Ihnen weiterhin gemanagten Immobilien in Moskau und Sankt Petersburg?

Die Preise im russischen Immobilienmarkt befinden sich weiterhin im Anstieg. Allerdings sind die Renditen des kommerziellen Immobilienmarkts in Moskau und St. Petersburg rückläufig. Sie sind mit rund 7 bis10 Prozent aber immer noch attraktiv.

Welche Folgen kann der augenblickliche Liebesentzug der weltweiten Finanzgemeinde für die von Valartis gemanagte ENR Russia Invest haben?

Die Auswirkungen des schwachen russischen Finanzmarktes auf die ENR Russia Invest manifestieren sich seit deren Gründung 2007 in niedrigen Renditen. Nichtsdestotrotz ist es ENR in diesem schwierigen Wirtschaftsumfeld gelungen, 2012 einen  Nettogewinn von rund 20 Millionen Franken zu erzielen.

In Ihrem Immobilienfondsportfolio führen Sie auch einen Fonds, der in Deutsche Pflegeheime investiert. Sicher ein Megatrend, aber wie unterscheiden Sie dort die Spreu vom Weizen? In den letzten Jahren gab es im Bereich Alterspflege ja in Deutschland einige Skandale.

Ja, diese Investitionen hängen in der Tat stark von der Qualität und der Finanzkraft der Betreiber ab. Unser Immobilien-Management-Team trifft zusammen mit den lokalen Beratern eine sorgfältige Auswahl, die sich finanziell sowie qualitativ bis dato als positiv erwiesen hat.

«Wir sind zuversichtlich, dass wir die Erträge aus dem Kommissionsgeschäft analog zum weiteren Wachstum in den verwalteten Kundenvermögen werden steigern können.»
Gustav Stenbolt, CEO Valartis Group

Ähnlich wie bei der Bellevue Gruppe sind die Provisionen und allfälligen Performance Fees Ihrer Anlagevehikel ein Grundpfeiler Ihrer Einkünfte. Welches ist der minimale Basisbetrag, den Sie davon jährlich erwarten?

Das Geschäftsmodell der Valartis Gruppe basiert auf drei Ertragspfeilern: Klassisches Private Banking, innovative Nischenanlageprodukte wie institutionelle Fonds sowie spezialisierte Corporate- und Structured-Finance-Dienstleistungen. Die Kommissionserträge aus diesen Aktivitäten belaufen sich auf rund 57 Millionen Franken. Wir sind zuversichtlich, dass wir die Erträge aus dem Kommissionsgeschäft analog zum weiteren Wachstum in den verwalteten Kundenvermögen werden steigern können.

Valartis hatte sich im Zuge der Konzentration auf Kernkompetenzen vom Kreditkartengeschäft, das seinerzeit mit der Jelmoli-Card begann, vor zwei Jahren für 40 Millionen Franken getrennt. Unter dem Strich blieb da sicher ein schöner Gewinn, oder?

2009 wies die Valartis Gruppe einen Profit von rund  12 Millionen Franken in Form eines negativen Goodwills aus. 2010 resultierte aus der Verkaufstransaktion ein  Kapitalgewinn von rund 14.5 Millionen Franken.

Absolute Priorität hat für Valartis jetzt das Private Banking, wo die verwalteten Vermögen bald die 10 Milliarden-Grenze knacken werden. Wer wird dafür der Haupttreiber sein? Österreich?

Wir sind guter Dinge, dass alle drei Valartis-Banken, in der Schweiz, in Österreich und im Fürstentum Liechtenstein, zu diesem Wachstum beitragen werden. Im Augenblick zeigt Valartis Bank (Liechtenstein) AG das vielversprechendste Wachstum.

«Wir sehen uns auf dem Schweizer Markt aber auch nach möglichen Objekten in unserer Grössenordnung um.»

Die Rückkehr von Valartis in die Gewinnzone wurde an der Börse noch kaum gebührend honoriert. Die Aktie notiert noch immer um die 20 Franken. Bietet sich nicht ein Aktienrückkauf über die bestehenden knapp 9 Prozent hinaus an?

Wir haben dieses Jahr eine Dividende von einem Franken ausgeschüttet. Ein Aktienrückkaufprogramm ist derzeit nicht vorgesehen.

Bezüglich des oft beschworenen Konsolidierungsprozesses im Private Banking wollen Sie gerne irgendein Schnäppchen machen wie seinerzeit mit dem Kauf der Österreichfiliale der Anglo Irish Bank. Was wäre denn grob Ihr Wunschobjekt?

Wir sind stets auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, die betreuten Kundenvermögen in der Schweiz zu steigern. Da das Kostenniveau in der Schweiz höher liegt als dasjenige in Österreich und Liechtenstein, bedarf es bei unserer Schweizer Bankentochter eines höheren Volumens, um die Fixkosten zu decken. Dieses Wachstum in den Kundenvermögen wollen wir primär organisatorisch erreichen. Wir sehen uns auf dem Schweizer Markt aber auch nach möglichen Objekten in unserer Grössenordnung um.

Werden Sie eigentlich zum Abschied Ihres langjährigen VR-Präsidenten Erwin Heri ein Ständchen singen?

Erwin Heri hat während 10 Jahren als Präsident des Verwaltungsrates die strategische Entwicklung der Valartis-Gruppe massgeblich mitgeprägt. Für sein langjähriges Wirken haben wir ihm viel zu verdanken. Ein Ständchen haben wir ihm dennoch nicht gesungen. Wir konnten ihm unsere Gesangskünste beim besten Willen nicht zumuten.

Zur Person:
Gustav Stenbolt, Jahrgang 1957, studierte Volkswirtschaft an der Universität Fribourg. Stenbolt ist nicht nur Chief Executive Officer der Valartis Gruppe, sondern auch Mitglied des Verwaltungsrats der ENR Russia Invest S.A., Genf, der Eastern Property Holdings Ltd., BVI, sowie der Anglo Chinese Group, Hongkong. 1996 gründete Gustav Stenbolt die MCT Group.

Zum Unternehmen:
Die Valartis Gruppe ist eine international tätige Banken- und Finanzgruppe mit Privatbanken in der Schweiz, in Österreich und im Fürstentum Liechtenstein. Die Muttergesellschaft, die Valartis Group AG, ist in Baar im Kanton Zug, Schweiz, domiziliert und an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange kotiert. Die Valartis Gruppe fokussiert sich auf das Vermögensverwaltungsgeschäft mit wohlhabenden Privatkunden und institutionellen Anlegern unter der Devise „Private Banking Plus“. Neben klassischer Vermögensverwaltung und Anlageberatung entwickelt, verwaltet und vertreibt die Valartis-Gruppe Nischenanlageprodukte und erbringt spezialisierte Beratungs- und Bankdienstleistungen in den Bereichen Corporate und Structured Finance.

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