Hans Baumgartner, VR-Präsident Private Equity Holding

Hans Baumgartner

Hans Baumgartner, Chairman and Delegate of the Board of Directors Private Equity Holding. (Foto: PEH)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Baumgartner, neben dem Ferrari-Freizeitpark hat Ihre Gesellschaft jetzt auch in Aston Martin, die berühmte Automarke, investiert. Frönt Ihr Anlageteam jetzt seinem Hobby für schnelle Autos?

Hans Baumgartner: Entsprechende Hinweise fehlen, noch fährt keiner einen solchen Wagen. Der Lead Investor hatte mit Ducati einen sehr guten Job gemacht, das war wohl ausschlaggebend.

Sie selbst begegnen dem Aston Martin-Engagement eher zurückhaltend…

Ich hatte Zweifel, ob eine britisch-deutsche Zusammenarbeit – die Autos sollen mit AMG-Motoren bestückt werden – bei den Kunden ankommt, aber der asiatische Markt wird das ganz anders sehen.

Welchem Ihrer vier neuen Investments des letzten Geschäftsjahres trauen Sie am meisten zu?

Die vier Investments im Geschäftsjahr 2013/14 besitzen vollkommen unterschiedliche Profile – es handelt sich um zwei Direktbeteiligungen und zwei Fonds-Investments. Neben der bereits erwähnten Beteiligung an Aston Martin hat die Gesellschaft in Acino, ein Schweizer Pharmaunternehmen, investiert. Bei den beiden Fonds-Investments handelt es sich um einen Buyout-Fonds mit Fokus auf Nordamerika und einen Venture Fonds in Europa. Entsprechend dieser Unterschiede sind auch die Erwartungen an die einzelnen Investitionen sehr unterschiedlich. Ziel bleibt, eine überdurchschnittliche Rendite mit Privatmarktanlagen zu erzielen – und dabei breit diversifiziert zu sein.

«Persönlich gebe ich Afrika die grössten Wachstumschancen, aber der Zeitpunkt für ein Engagement für eine Gesellschaft wie PEH wäre verfrüht.» 
Hans Baumgartner, Chairman and Delegate of the Board of Directors Private Equity Holding

Auf Ihrer Generalversammlung wurde die Investitionsbeschränkung auf Europa gestrichen. Auf welchem Kontinent geht jetzt die Post ab? Oder sollte ich, um bei Aston Martin zu bleiben, sagen: Wo wird durchgestartet?

Persönlich gebe ich Afrika die grössten Wachstumschancen, aber der Zeitpunkt für ein Engagement für eine Gesellschaft wie PEH wäre verfrüht. Die Branche muss sich dort erst etablieren, bevor für uns ein Investment in Frage kommen kann.

Ihr Overcommitment ist zwar etwas gestiegen, mit 16 Prozent aber noch vergleichsweisse zahm. Misstrauen Sie dem Marktzyklus?

Die Preise sind bereits stark gestiegen, was gut für die Exits ist, aber bei Investitionen ist Vorsicht geboten. Wir sehen aber Opportunitäten in Regionen, wo sich speziell die Banken zurückgezogen haben.

Welcher Ihrer unfunded commitments wird denn im nächsten Geschäftsjahr den grössten Zustupf bekommen?

Dies lässt sich nicht abschliessend beantworten. Die kürzlich abgeschlossenen Commitments werden sicherlich aktiv investieren; zum Teil konnten wir aber in diesen Fällen auch davon profitieren, dass die PEH sich in ein bestehendes Portfolio einkaufen konnte und nur noch einen kleineren Teil an offenen Zahlungszusagen bedienen muss.

Der Discount zum NAV liegt noch immer bei rund einem Viertel. Bleibt Einstelligkeit ein Wunschtraum?

Wir sehen heute den Discount weniger als Problem denn als Chance und zusätzlichen Sicherheitsfaktor für unsere insgesamt breit diversifizierten Anlagen. Wir betreiben, was viele Investoren nicht einzusehen vermögen, ein sehr konservatives Anlagemodell.

Ähnlich wie HBM halten Sie eine substanzielle Beteiligung im Pharmaunternehmen Enanta. Haben Sie sich da etwa abgesprochen?

Selbstverständlich nicht, aber es liegt in der Natur der Sache, dass es über Beteiligungen in denselben Investmentgefässen Berührungspunkte gibt. Den eigenen Erfolg schmälert das nicht, und dem anderen Unternehmen mögen wir ihn ebenfalls gönnen.

An welchen grösseren Co-Investments arbeiten Sie, wenn ich fragen darf?

Schweigen gehört hier zum Geschäftsprinzip.

Über von Ihnen gehaltene Fonds ist PEH stark in Russland engagiert. Hat sich die Ukrainekrise negativ bemerkbar gemacht?

Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung ist unser Russland-Exposure gering. Wir hatten dort einen sehr guten Lauf, der wohl jetzt etwas gebremst werden dürfte. Sollte Russland sich wieder vermehrt ökonomischen Zielen zuwenden, wovon ich ausgehe, wird das Potential dieses grossen und nach wie vor unterentwickelten Marktes wieder positiv auf die Performance auswirken.

«Wir sehen keinen Anlass, von der bisherigen Drei-Säulen-Strategie abzuweichen.»

Ihr Investment Advisor Alpha Associates strebt eine konstante Dividende/Nennwertrückzahlung von 4 Prozent an. Was passiert, wenn der Aktienkurs so weiter steigt, wie in den letzten fünf Jahren?

Wir sehen keinen Anlass, von der bisherigen Drei-Säulen-Strategie abzuweichen. Wir investieren fortlaufend, wir kaufen bei Gelegenheit eigene Aktien zurück, und wir erstatten eine jährliche, vorläufig für Privatpersonen weiterhin steuerbegünstigte Dividende.

Auf der GV haben Sie sich 9 Millionen „genehmigtes Kapital“ absegnen lassen. Darf man auf eine Wandelanleihe spekulieren?

Es gibt keine konkreten Pläne, aber das Aktionariat hat der Gesellschaft die Freiheit gegeben, solche Mittel verfügbar zu machen.

Der Gesprächspartner:
Dr. Hans Baumgartner, geboren 1954, ist Rechtsanwalt in Zürich. Er ist im Verwaltungsrat mehrerer Schweizer und ausländischer Gesellschaften tätig einschliesslich miniswys SA, Biel und Multina AG, Zürich.. Dr. Hans Baumgartner schloss 1978 sein Rechtsstudium an der Universität Zürich ab. 1990 erwarb er einen Doktortitel und 1998 am Europa Institut der Universität Zürich einen LL.M. in Banken- und Versicherungsrecht. Ab 1981 war er in Zürich als Bezirksanwalt tätig, ab 1986 als Spezialist für Wirtschaftsdelikte. 1992 wurde er Richter am Bezirksgericht in Zürich. Seit 1994 arbeitet Dr. Hans Baumgartner als selbständiger Rechtsanwalt in Zürich. Er ist Senior Partner und VR der Kanzlei Baumgartner Mächler AG. Von 1988 bis 2004 war er zudem Richter am Militärappellationsgericht.

Das Unternehmen:
Die Private Equity Holding ist eine börsenkotierte Anlagegesellschaft (SIX: PEHN) und bietet Investoren die Möglichkeit, sich einfach und steuerlich optimal an einem breit gefächerten und professionell geführten Private-Equity-Portfolio, also einem ganzen Bündel von nicht-kotierten Unternehmen, zu beteiligen. Das Portfolio der Private Equity Holding wird von Alpha Associates verwaltet.

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