Hans Baumgartner, VRP Private Equity Holding, im Interview

Hans Baumgartner
Hans Baumgartner, VRP Private Equity Holding. (Foto: PEH)

von Robert Jakob

Moneycab.com: Herr Baumgartner, gegenüber 2014 hat sich das Overcommitment auf rund 40 Prozent fast verdoppelt. Wieso?

Hans Baumgartner: Die Private Equity Holding (PEH) verfolgt seit einigen Jahren eine Strategie mit Investitionen in das Portfolio für zukünftiges Wachstum, selektiven Aktienrückkäufen im Rahmen des Market Making und Ausschüttungen an die Aktionäre in steuereffizienter Form . Seit 2010 hat die PEH fast EUR 100 Mio. an die Aktionäre in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden ausgeschüttet – während wir nur sehr selektiv investiert haben. Starke Rückflüsse aus dem Portfolio und auch die Überzeugung, stärker in das zukünftige Wachstum der Gesellschaft investieren zu müssen, haben aber nun dazu geführt, dass wir wieder mehr investiert haben und das Overcommitment auf ein nach wie vor konservatives Niveau von 35 Prozent per Ende Juni 2016 gebracht haben.

Indirekt ist Ihre Gesellschaft ja in über 1000 Portfolio-Gesellschaften investiert. Wo werden die geographischen Schwerpunkte liegen?

Das Portfolio der PEH ist seit einigen Jahren weitgehend zwischen den USA und Westeuropa aufgeteilt, zu ähnlichen Teilen. Nur ein kleiner Teil ist im „Rest of the World“ investiert. An dieser grundsätzlichen Ausrichtung wird sich nichts ändern – kurzfristige Schwankungen sind hauptsächlich währungsbedingt und dem über einige Jahre erfolgenden Investitionsprofil der Private Equity Fonds geschuldet.

Die Hedgefondsbranche hat im laufenden Jahrzehnt ziemlich mau performed. Für die Private Equity-Branche sah es hingegen sehr gut aus. Wieso dieser riesige Unterschied?

Sie sprechen zwei grundlegend unterschiedliche Geschäftsmodelle an, die auf die Wirtschaftslage nicht kongruent reagieren müssen. Das positivere Ergebnis der Private Equity-Branche reflektiert die Stärke und das Gewinnwachstum der Industrie, während die Hedgefonds viel mehr den Schwankungen des Finanzmarktes ausgesetzt sind. Hinzu kommt, dass die institutionelle Private Equity Industrie von anderen Mechanismen geprägt ist als die Hedgefondsindustrie – Schlagworte sind hier Langfristigkeit, die Gleichschaltung von Interessen zwischen Anlegern, Fonds-Managern und Management der Zielgesellschaft sowie die Einbindung in das operative Geschäft.

«Das positivere Ergebnis der Private Equity-Branche reflektiert die Stärke und das Gewinnwachstum der Industrie, während die Hedgefonds viel mehr den Schwankungen des Finanzmarktes ausgesetzt sind.»
Hans Baumgartner, VRP Private Equity Holding

Von 2004 bis 2016 hat PEHN einen internen Zinsfuss von 12,85 Prozent errechnet. Wie machen Sie das?

Das Ergebnis ist das Resultat einer sehr langfristig ausgerichteten Investitionstätigkeit, die darauf abzielt, mit den besten Fondsmanagern zusammenzuarbeiten und Partnerschaften zu formen. Wir passen unsere Strategie nur punktuell an und investieren kontinuierlich in Manager mit einem ausgezeichneten Track Record – so zählen zu den Kernbeziehungen der PEH ABRY Partners in den USA und Investindustrial in Europa, wo wir in einer Mehrzahl von Vehikeln investiert sind. Beide zählen zu den führenden Private Equity Fonds in ihren jeweiligen Segmenten.

Im letzten Jahr hatten sie 7 Millionen an Kosten, fast eine halbe Million weniger als im Geschäftsjahr zuvor. Wie tief lässt sich diese Zahl senken?

Unsere Kosten sind zu grossen Teilen voraussehbar, da sie primär auf vertraglichen Abmachungen basieren – dem Portfolio Management-Vertrag mit der Alpha Associates Gruppe. Um die Aktionärsinteressen zu reflektieren beinhaltet die Berechnung auch die Marktkapitalisierung als Komponente neben dem inneren Wert des Portfolios. Die PEH selbst verfügt über keine Angestellten und eine grundsätzlich sehr schlanke Organisation.

Auf der GV wurde die Vernichtung von 250’000 Namenaktien zu 6 CHF beschlossen. Wären Sie zufrieden wenn der Abschlag vom Börsenkurs zum NAV auf nur noch 10 Prozent sinkt?

Weder der Manager noch der Verwaltungsrat bestimmen diesen Abschlag. Wir nehmen zur Kenntnis, was der Markt zu wissen glaubt. Wenn der Diskont grösser wird, sind für uns Käufe eigener Aktien attraktiv, wenn er kleiner wird, verstärken wir unseren Investitionsrhythmus. In diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass die Aktienvernichtung auch nicht unter dieser Logik vorgeschlagen wurde, sondern die Konsequenz der strategischen Pfeiler ist.

«Grundsätzlich kann man sicherlich sagen, dass gute Bedingungen auf dem Private Equity Markt vorherrschen.»

Im letzten Geschäftsjahr tätigten Sie fünf neue Investments, darunter ein Co-Investment in Jamberry. Die Gesellschaft stellt abziehbaren Fingernägelschmuck her. Sind solche Modeinvestments nicht gefährlich, weil schnelllebigem Wandel unterworfen?

In der heutigen Zeit ist für fast jede Gesellschaft schnelllebiger Wandel anzunehmen, Jamberry ist da keine Ausnahme. Wir sind allerdings überzeugt, dass dies auch weiterhin eine Wachstumsgeschichte sein wird, aus drei Gründen: einem klaren Produkt, auf das die Konsumentinnen setzen, einer starken Marktposition aufgrund von aussergewöhnlichen Vertriebskanälen und einem sehr starken Partner als Lead-Investor, der die Gründer bei der Internationalisierung und weiteren Skalierung der Gesellschaft unterstützen wird. Überzeugt das Produkt auch weiterhin, wird es sich zweifelsohne im Markt halten.

Das zweitgrösste Investment war in Wasserstein IV. War das nur, weil Wasserstein III geschlossen hatte?

Die Frage stellt sich nur bedingt, da man zu einem gegebenen Zeitpunkt jeweils nur in den zu diesem Zeitpunkt aktuellen, offenen Fonds des jeweiligen Fondsmanagers investieren beziehungsweise eine Kapitalzusage für die kommenden Jahre machen kann. Wasserstein & Co ist ein grosser und sehr erfahrener US mid-market buyout fund manager und wir schätzen uns glücklich, auch beim neusten Buyout Fund wieder dabei zu sein – unser vorheriges Investment in Fonds III hat uns von den Fähigkeiten des Managers überzeugt.

«Wir beobachten die Lage in der Türkei sehr genau. Unser Engagement in der Türkei ist aber sehr gering.»

Über Private Equity-Fonds Ihres Advisors Alpha Associates sind Sie auch in der Türkei engagiert. Droht dort nicht für die nächsten Jahre ein wirtschaftlicher Absturz?

Wir beobachten die Lage in der Türkei sehr genau. Unser Engagement in der Türkei ist aber sehr gering. Die indirekten Anlagen in der Türkei (konkret insbesondere eine Beteiligung an einer Spitalkette) gehören zu den 3% des Portfolios, die im „Rest of the Wold“ investiert sind, neben vielen anderen Ländern.

Bei den direkten Anlagen haben Sie gerade noch einmal 0,8 Millionen Euro in Aston Martin investiert. Wie sind Sie damit zufrieden?

Wir sind mit der Entwicklung von Aston Martin sehr zufrieden und befinden uns nun an einem für die Gesellschaft wichtigen Punkt: der Markteinführung des komplett neuen DB11. Das Fahrzeug ist unter Regie der gegenwärtigen Eigentümer entwickelt worden und stellt einen grossen technologischen Schritt nach vorne dar – die Käufer werden einen zeitgemässen Sportwagen mit dem technologischen Standard von 2016 in Kombination mit dem von Aston Martin bekannten Design geniessen können. Die Fachpresse hat das Fahrzeug in den höchsten Tönen gelobt. Einmal mehr hat sich bisher gezeigt, dass es bei solchen Investitionen auf einen starken Partner ankommt; Investindustrial macht auch hier einen ausgezeichneten Job. Um die Frage vorwegzunehmen: bzgl. des Brexit erwarten wir keine negativen Auswirkungen – ein klassisch britisches Produkt ist durch die Währungsentwicklung für internationale Käuferkreise deutlich günstiger geworden.

Im letzten Jahr zahlten Ihre Fonds knapp 60 Millionen Euro aus. Liegen wir in einem optimalen Zyklus für Buyout-Funds?

Grundsätzlich kann man sicherlich sagen, dass gute Bedingungen auf dem Private Equity Markt vorherrschen: die M&A Aktivität ist nach wie vor hoch, Fremdkapital für neue Transaktionen steht zur Verfügung, und die Unternehmen verzeichnen positive Gewinnentwicklungen. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass es unmöglich ist, optimale Zeitpunkte abzupassen – der einzige Weg zum Erfolg in dieser Industrie ist konstantes Investieren. Die Laufzeit eines Fonds mit einer Investitionsphase von 3 bis 5 Jahren und anschliessender Realisationsphase führt zu einer Gesamtdauer des Engagements von 10 bis 12 Jahren; in dieser Zeit kann viel passieren. Wichtig ist, dass man auf verlässliche Partner setzt, mit denen man sich auch für mögliche nicht so gute Zeiten gewappnet fühlt.

Zur Person:
Dr. Hans Baumgartner, geboren 1954, ist Rechtsanwalt in Zürich. Er ist im Verwaltungsrat mehrerer Schweizer und ausländischer Gesellschaften tätig einschliesslich miniswys SA, Biel und Multina AG, Zürich. Dr. Hans Baumgartner schloss 1978 sein Rechtsstudium an der Universität Zürich ab. 1990 erwarb er einen Doktortitel und 1998 am Europa Institut der Universität Zürich einen LL.M. in Banken- und Versicherungsrecht. Ab 1981 war er in Zürich als Bezirksanwalt tätig, ab 1986 als Spezialist für Wirtschaftsdelikte. 1992 wurde er Richter am Bezirksgericht in Zürich. Seit 1994 arbeitet Dr. Hans Baumgartner als selbständiger Rechtsanwalt in Zürich. Er ist Senior Partner und VR der Kanzlei Baumgartner Mächler AG. Von 1988 bis 2004 war er zudem Richter am Militärappellationsgericht.

Das Unternehmen:
Die Private Equity Holding ist eine börsenkotierte Anlagegesellschaft (SIX: PEHN) und bietet Investoren die Möglichkeit, sich einfach und steuerlich optimal an einem breit gefächerten und professionell geführten Private-Equity-Portfolio, also einem ganzen Bündel von nicht-kotierten Unternehmen, zu beteiligen. Das Portfolio der Private Equity Holding wird von Alpha Associates verwaltet.

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