Hans-Rudolf Schurter, CEO und VRP Schurter Gruppe

Hans-Rudolf Schurter

Hans-Rudolf Schurter, CEO und VRP Schurter Gruppe. (Foto: Schurter)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Schurter, drei Viertel Ihres Umsatzes machen Sie in Europa. Dieses ist zerstritten und kommt nicht recht vom Fleck. Was bedeutet das für Ihre Langfristplanung?

Hans-Rudolf Schurter: Im Komponentengeschäft ist der Umsatz in Europa tatsächlich rückläufig. Grosse Sorgen bereiten uns zur Zeit die südeuropäischen Märkte. Dort sind die Umsätze total zusammengebrochen. Unsere neuen Produkte, die auch designmässig ansprechend gestaltet sind, werden aber insbesondere in Europa wieder für Umsatzwachstum sorgen. Im Weiteren bauen wir das Systemgeschäft aus, welches praktisch ausschliesslich in Europa für einen Wachstumsschub sorgen wird.

Die Schurter Gruppe produziert eher kleine bis mittlere Stückzahlen, was bei rund 90’000 Industriekunden sehr hohe Anforderungen an die Logistik stellt. Mit Hilfe welchen IT-Lösungen steuern Sie diese Prozesse?

Wir haben für unsere rund 90‘000 Industriekunden die Supply Chain optimiert. Heute arbeiten wir sehr stark und erfolgreich mit den globalen Distributoren zusammen. In der IT benützen wir praktisch gruppenweit SAP. Dies gibt uns eine gute Transparenz über alle Geschäftsprozesse.

«Sorgen bereiten uns zur Zeit die südeuropäischen Märkte. Dort sind die Umsätze total zusammengebrochen.»
Hans-Rudolf Schurter, CEO und VRP Schurter Gruppe

Wie hoch sind diesbezüglich die Kosten und wie halten Sie diese unter Kontrolle?

Die Kosten pro IT-Arbeitsplatz innerhalb der Schurter Gruppe betragen knapp 7000 Franken und erhöhten sich im Vorjahresvergleich wegen einer kompletten Clienterneuerung um gut 15 Prozent. Wir verfolgen die Kosten monatlich und haben sie deshalb gut unter Kontrolle.

Zuverlässigkeit ist für einen Komponentenhersteller das wichtigste Verkaufsargument. Auf welche der vielen QM-Auszeichnungen der letzten Jahre sind Sie am meisten stolz?

Am meisten freuen uns die Zulassungen durch unsere anspruchsvollsten Kunden wie ESA (European Space Agency) oder CAST (Chinese Academy of Space Technology) im Weltraum-, Borg Warner im Automobil- und Stryker im Medizinalbereich. ISO-Zertifizierungen sind in unserer Branche eine Selbstverständlichkeit.

Wo liegt bei Ihrem Risikomanagement der grösste Schwerpunkt? Bei Sicherungen und Drosseln?

Die grössten technischen Risiken liegen tatsächlich im Bereich der Sicherungen, weil es sich um sicherheitsrelevante Bauteile handelt. Diese Risiken glauben wir aber unter Kontrolle zu haben.

Mit fast 10 Prozent sind Ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung beachtlich. Wo geht da zur Zeit der grösste Brocken hin? In die Raumfahrt?

Die Raumfahrt ist zwar sehr wichtig und prestigeträchtig für uns. Der Schwerpunkt unserer Entwicklungstätigkeit liegt aber im Bereich des Geräteschutzes oder der Gerätestecker.

Robuste Sicherheitslösungen sind im Moment ein starker Trend, da Vandalenakte weltweit zunehmen. Um wieviel sind solche Produkte im Schnitt teurer als herkömmliche?

Ein vandalensicherer Schalter in Edelstahlausführung kann im Vergleich mit einem herkömmlichen Kippschalter aus Kunststoff bis zu 20 Mal teurer sein.

«In Italien spüren wir eine leichte Erholung, in Spanien und Portugal dagegen ist die Lage nach wie vor desaströs.»

2012 war ein schwieriges Jahr. Der Umsatz fiel um 8,7 Prozent auf 173,8 Millionen Franken, selbst in Asien. Ich denke 2013 wird doch deutlich besser, oder?

Nein, wir kämpfen immer noch gegen den Umsatzrückgang. Die Dynamik im Markt fehlt. Und auch vielen unserer Kunden fehlt derzeit der Mut zu bahnbrechenden Neuentwicklungen.

Was erwarten Sie von den Krisenländern Spanien und Italien?

In Italien spüren wir eine leichte Erholung, in Spanien und Portugal dagegen ist die Lage nach wie vor desaströs.

Obwohl sich die Mitarbeiterzahl letztes Jahr um 12 Prozent weltweit verminderte, blieb sie am Schurter-Hauptsitz in Luzern konstant.  Ihr Heimatkanton ist bekannt für seine unternehmensfreundliche Steuerpolitik. In wie weit macht Ihnen der Druck der EU auf die Unternehmensbesteuerung in der Schweiz Kopfzerbrechen?

Wenn die Holdingsteuern in Zukunft EU-kompatibel ausgestaltet werden müssten, hätte dies wohl in erster Linie eine Steuersenkung für die inländischen Unternehmen zur Folge. Dies bedeutet dann nicht anderes, als dass eine solche Steuersenkung anderweitig kompensiert werden müsste. Im Endergebnis bleibt das ein Nullsummenspiel, ein Hornbergerschiessen oder „viel Lärm um nichts“. Dies sollten die Politiker – wenn immer möglich – zu vermeiden versuchen.

«Wenn die Holdingsteuern in Zukunft EU-kompatibel ausgestaltet werden müssten, hätte dies wohl in erster Linie eine Steuersenkung für die inländischen Unternehmen zur Folge.»

Schurter ist deutlich casflow-positiv und solide finanziert. Ergibt sich nicht gerade  im jetzigen Umfeld ein günstiges Fenster für ein going public?

Ein Going Public ist für uns kein Thema. Wir sind eine Familiengesellschaft und wollen dies auch bleiben.

Sie waren bis Ende 2012 auch Präsident des Schweizerischen Ruderverbands. Um es bildhaft auszudrücken: Schurter war in den letzten Jahren mit konstanter Schlagkraft unterwegs. Was könnte denn ein Treiber in den nächsten Jahren sein, welcher das Tempo deutlich erhöht?  

Für mich stehen folgende Treiber im Vordergrund: 1. Der Ausbau des Systemgeschäfts, 2. stark steigende Umsätze in der Raumfahrt- und Automobilindustrie, 3. stark steigende Umsätze in den BRIC-Staaten.

Da Sie ein Mann sind, darf ich auf Ihr Alter zu sprechen kommen: Sie werden immer wieder nach der Nachfolgeregelung gefragt. Gibt es da Neuigkeiten?

Ende 2014 werde ich 65 Jahre alt sein. Deshalb werde ich die operative Geschäftsleitung der Schurter Gruppe spätestens am 31.12.2014 in neue Hände geben. Im Vordergrund steht eine firmeninterne Lösung. Unser VR befasst sich zur Zeit intensiv mit dieser Frage und wird zu gegebener Zeit sicher transparent und klar informieren.

Zur Person:
Der 1949 in Luzern geborene Hans-Rudolf Schurter ging dort auch zur Schule, ehe er in Bern Jura studierte. Danach wirkte er rund zehn Jahre als Anwalt bevor er als Assisten der Geschäftsleitung bei Schurter Deutschland einstieg.Von 1988 bis 1992 führte er Schurter Luzern und seit 1992 ist er Präsident und Delegierter des Verwaltungsrates der Schurter Holding AG, Luzern, sowie Vorsitzender der Gruppenleitung der gesamten Schurter-Gruppe. Zusätzlich ist Hans-Rudolf Schurter Präsident des Verwaltungsrates der Hochdorf Holding, der Wüest Nebikon Holding, der Wüest & Cie. AG, der MCCS AG,  der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees, und der Zentronica AG.

Zum Unternehmen:
Schurter ist ein spezialisierter Innovator und Produzent von Sicherungen, Gerätesteckern, Geräteschutzschaltern, Eingabesystemen und EMV-Produkten sowie Dienstleister für die Elektronikindustrie mit weltweiter Präsenz. Das Unternehmen wurde 1933 als Kommanditgesellschaft von Heinrich Schurter gegründet. 1949 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Seit 1990 sind sämtliche industriellen Aktivitäten unter dem Dach der Schurter Holding AG mit Sitz in Luzern (Schweiz) zusammengefasst. Heute zählt Schurter über 1600 Mitarbeitende und wird durch Familienmitglieder der dritten Generation geführt. 

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