Hanspeter Rhyner, CEO Glarner Kantonalbank, im Interview

Hanspeter Rhyner
Hanspeter Rhyner, CEO Glarner Kantonalbank. (Foto: GLKB)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Rhyner, wieviele Banken haben mittlerweile Ihre Online-Hypotheken-Software lizenziert?

Hanspeter Rhyner: Unseren «Hypomaten» haben wir bis jetzt an drei Banken lizenziert, nämlich an die Fribourger Kantonalbank, an die Tessiner Kantonalbank sowie an die Bank BSU. Aktuell fokussieren wir unsere Anstrengungen im B2B-Bereich auf den Ausbau unserer Kreditfabrik, in welcher wir die Verarbeitung und Verwaltung von Hypotheken für Dritte anbieten. Zudem entwickeln wir zusammen mit Finnova die digitale Kreditberatungslösung «Loan Advisory». Mit dem B2B-Standbein wollen wir uns langfristig von der Abhängigkeit des Zinsdifferenzgeschäfts abnabeln.

Ist das Hypothekargeschäft nicht mittlerweile die Blase der Nation?

Der Erwerb von Wohneigentum ist dank tiefen Zinsen, einem günstigen Wirtschaftsumfeld und einem stabilen Arbeitsmarkt nach wie vor sehr attraktiv. Von einer Blase zu sprechen, ist nicht angezeigt. Dank konservativer Tragbarkeitsberechnungen der Banken und gewisser Verschärfungen in den letzten Jahren – zum Beispiel bei den selbst eingebrachten Mitteln oder bei Mehrfamilienhäusern mit der Reduktion der maximalen Belehnungshöhe – sind Puffer eingerechnet, die bei einem allfälligen Zinsanstieg greifen sollten. Es kommt hinzu, dass aktuell der Grossteil der Kunden die tiefen Zinsen mit festen Laufzeiten auf Jahre hinaus absichert, womit die Effekte eines Zinsanstiegs über mehrere Jahre verteilt abgefedert würden.

„In Glarus befinden sich die Angebotspreise für Einfamilienhäuser im Verhältnis zu anderen Regionen in einem gesunden Rahmen.“
Hanspeter Rhyner, CEO GLKB

Aber allein in Glarus stiegen die EFH-Preise um 9,6 Prozent in 12 Monaten…

Der Hauptgrund im Kanton Glarus ist die hohe Nachfrage nach dieser Wohnform und das verhältnismässig geringe Angebot an entsprechenden Objekten. Dennoch befinden sich die Angebotspreise im Verhältnis zu anderen Regionen in einem gesunden Rahmen.

Hat sich das Preisgefälle zwischen Glarus Nord und Glarus Süd akzentuiert?

Nicht unbedingt, obwohl es natürlich Preisunterschiede zwischen Glarus Nord und Glarus Süd gibt. Während Glarus Nord durch seine Nähe zur Agglomeration Zürich und die gute Verkehrsanbindung punktet, werden in Glarus Süd Eigenheimbesitzer fündig, die günstigeren Wohnraum suchen und die ländliche Ruhe schätzen. In Glarus Süd kostet ein Eigenheim rund ein Viertel weniger als in Glarus Nord, wobei auch die EFH-Preise in Glarus Süd im letzten Jahr einen Anstieg erfahren haben.

Im Gegensatz zum erfolgreichen Hypomat hatten sie mit Ihrem Roboadvisor Investomat weniger Glück. Er wurde gerade aufgegeben. Ihre „lesson learned“ in zwei Sätzen?

Es gehört zum guten Unternehmertum, zu innovieren. Da kann es auch einmal passieren, dass etwas nicht den erhofften Erfolg bringt. Dann gilt es die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Energie auf andere Dinge zu lenken.

Die Glarner Wirtschaft ist industriell geprägt. 40 Prozent der 18000 Arbeitsplätze entfallen auf diesen Sektor. Kann das im Falle eines weltweiten Wirtschaftsabschwungs zum Problem werden?

Der Kanton Glarus ist seit jeher im Sekundärsektor mit vielen exportorientierten Unternehmen zu Hause. Wobei zunehmend auch Dienstleistungsunternehmen im Kanton Fuss fassen. Ein starker Abschwung würde die Glarner Wirtschaft – wie auch alle anderen Regionen – treffen. Die Glarner Unternehmer haben sich aber schon immer als sehr innovativ und krisenresistent erwiesen.

„Es gehört zum guten Unternehmertum, zu innovieren. Da kann es auch einmal passieren, dass etwas nicht den erhofften Erfolg bringt.“

Sie sind der bedeutendste Finanzpartner für KMU im Kanton. Was war in den letzten Jahren die beste Innovation der GLKB zu deren Unterstützung?

Mit dem Glarner KMU Set haben wir das Basisangebot für Unternehmen in einem transparenten Paket gebündelt. Und gerade kürzlich haben wir die Schnittstelle in unser e-Banking für KLARA geöffnet. KLARA ist ein digitaler Assistent für KMU, welcher bei Buchhaltungs- und Versicherungsfragen Unterstützung und Vereinfachung bietet.

Wie wird sich ihr digitaler Kreditberatungsprozess „Loan Advisory“ auf das Firmenkundengeschäft auswirken?

Die Loan Advisory wirkt sich insbesondere auf die Effizienz und die Durchgängigkeit der internen Prozesse aus. Von der einheitlichen prozessgeführten Beratung und dem damit einhergehenden Beratungserlebnis profitieren Kundenberater und Kunden gleichermassen.

Regelmässig im Herbst präsentiert die Glarner Kantonalbank gute Zahlen. Im Zinsdifferenzgeschäft stehen Sie trotz widrigen Zeiten erstaunlich gut da. Was waren die Treiber im Detail?

Es ist uns gelungen, den Zinsertrag trotz enormem Margendruck stabil zu halten. Dies ist einerseits unserer sehr guten Verkaufsleistung über die verschiedenen Vertriebskanäle und dem daraus resultierenden gesunden Mix an Finanzierungsgeschäften zu verdanken. Andererseits konnte durch günstigere Absicherungsgeschäfte der Zinsaufwand nochmals reduziert werden.

Sie gehören auch zu den neun Banken die Negativzinsen auf Spar- und Privatkonten eingeführt haben. Allerdings nur –0.75% für Beträge ab zwei Millionen Franken. Ich nehme an, das hat eher symbolischen Charakter, weil es niemanden betrifft?

Selbstverständlich sind Kunden betroffen. Der anhaltende Druck auf dem Zinsengeschäft und die Negativzinszahlungen an die Schweizerische Nationalbank haben uns zu dieser Massnahme veranlasst.

Wie fühlt man sich als Bankier, wenn man 100 Millionen auf 10 Jahre zu 0 % Zins aufnehmen kann?

Es sind tatsächlich verrückte Zeiten. Was anfänglich noch als kurzfristige Massnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft angenommen wurde, hat sich mittlerweile zur neuen Normalität entwickelt. Heute ist von einer noch lange andauernden Negativ- oder Tiefzinsphase auszugehen. Somit drängt es sich mehr und mehr auf, die bestehenden Geschäftsmodelle zu hinterfragen und den neuen Gegebenheiten anzupassen.

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