Heinrich Spoerry, CEO SFS Group im Interview

Heinrich Spoerry

Heinrich Spoerry, CEO SFS Group. (Foto: SFS)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Die SFS Group hat im 1. Halbjahr den Umsatz zwar gesteigert. Der Frankenschock hat aber Spuren hinterlassen. Der negative Währungseinfluss hat 5,5 Umsatzprozente gekostet und auch auf Gewinnseite wurden Rückschläge verzeichnet. Welche Bilanz ziehen Sie gut ein halbes Jahr nach der Aufhebung des Mindestkurses durch die Nationalbank?

Heinrich Spoerry: Die massive Aufwertung des Schweizer Frankens hat für die Produktionswerke in der Schweiz zu den erwarteten, negativen Auswirkungen geführt. Aufgrund des Verlaufs im ersten Halbjahr sind wir überzeugt, dass wir die richtigen Massnahmen ergriffen haben. Stärker als erwartet waren die negativen Effekte bei der Nachfrage nach unseren Handelsprodukten in der Schweiz (Segment Distribution & Logistics, SFS unimarket). Wir werden unsere Strategie konsequent weiterführen. Die Verstärkung unserer internationalen Präsenz wird die Abhängigkeit unserer Ergebnisse vom Schweizer Franken zunehmend reduzieren.

Sie haben auf das Vorgehen der SNB schnell reagiert, die Arbeitszeiten erhöht, einen Einstellungsstopp verhängt, die Vergütungen der obersten Kader reduziert. Was haben die getroffenen Massnahmen gebracht?

Die Massnahmen haben im ersten Halbjahr einen Beitrag von rund 4 Mio Franken gebracht. Im zweiten Halbjahr werden die Massnahmen aber verstärkt Wirkung entfalten. Wir sind froh, dass die Mitarbeitenden von SFS in der Schweiz diese Massnahmen mittragen und damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe in der Schweiz leisten.

„Wir wollen uns in der Schweiz verstärkt auf besonders Know-how und kapitalintensive Produkte und Prozesse konzentrieren.“
Heinrich Spoerry, CEO SFS Group  

Sie planen die Verlagerung von Arbeitsprozessen ins Ausland. In welchen Bereichen und was sind die Auswirkungen auf die Belegschaft an wichtigen Produktionsstandorten in Heerbrugg, Altstätten und Flawil?

Wir wollen uns in der Schweiz verstärkt auf besonders Know-how und kapitalintensive Produkte und Prozesse konzentrieren. Weniger Know-how intensive Leistungen wollen wir – wie wir dies auch in der Vergangenheit getan haben – an andere Standorte verlagern. Aufgrund des gesunden Wachstums sprechen wir aber von der Verlagerung von Arbeit und nicht von Arbeitsplätzen.

Wie beurteilen Sie bei unveränderter Währungssituation längerfristig die Chancen des Produktionsstandortes Schweiz für SFS und die gesamte Schweizer Industrie?

Der Produktionsstandort Schweiz wurde durch die Aufwertung des Schweizer Frankens erneut vor grosse Herausforderungen gestellt. Die Vergangenheit hat aber auch gezeigt, dass der Werkplatz Schweiz mit seinen sehr qualifizierten Arbeitskräften auch anpassungsfähig ist und seine Attraktivität halten kann, wenn er sich auf innovative und Know-how intensive Marktleistungen konzentriert.

Innovation gilt mit als wichtigstes Mittel zum Schutz der Schweizer Wettbewerbsfähigkeit. Wo will SFS hier die Schwerpunkte setzen? An welchen Innovationen arbeitet SFS aktuell?

Innovation ist die Basis für unsere Value Proposition, nämlich für die Kunden Mehrwert zu schaffen. Im Segment Engineered Components beispielsweise arbeiten wir mit unseren Kunden an Projekten im Bereich elektronischer und elektrischer Bremssysteme – wichtige Elemente zur Erhöhung der Sicherheit in PKWs. Aber auch in unserem Handelsgeschäft in der Schweiz, der SFS unimarket, differenzieren wir uns über Innovationen: Erst im Frühling haben wir mit der neuen Generation von Logistiksystemen ‚M2M‘ unsere Technologieführerschaft bestätigt. Dank dieser Lösungen können die Kunden die administrativen Aufwände reduzieren, die Lagerbestände senken und gleichzeitig die Verfügbarkeit der Komponenten erhöhen.

Mit vielen Grenzgängern und ausländischen Arbeitnehmern ist SFS auch von der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative betroffen. Wie stark ist dieser politische Entscheid dafür verantwortlich, dass SFS Arbeitsprozesse ins Ausland verlagert?

Unser Hauptsitz in Heerbrugg liegt direkt an der Grenze. Entsprechend waren und sind wir stark auf Grenzgänger angewiesen – wie alle Firmen rekrutieren auch wir unsere Mitarbeitenden nicht in einem Halbkreis… Wir hoffen sehr, dass es zu einer pragmatischen Lösung kommt und der bilaterale Weg mit der Europäischen Union nicht gefährdet wird oder aufgegeben werden muss. Die möglichen Einschränkungen in der Rekrutierung von ausländischen Spezialisten und Fachkräften haben ebenfalls dazu beigetragen, dass wir den weiteren Ausbau der SFS Group vermehrt ausserhalb der Schweiz realisieren.

„Die möglichen Einschränkungen in der Rekrutierung von ausländischen Spezialisten und Fachkräften haben ebenfalls dazu beigetragen, dass wir den weiteren Ausbau der SFS Group vermehrt ausserhalb der Schweiz realisieren.“

Welche Halbjahres-Bilanz ziehen Sie für die SFS-Unternehmenseinheiten ausserhalb der Schweiz?

Die Einheiten der SFS Group ausserhalb der Schweiz, die von der Währungsentwicklung nicht betroffen sind, erzielten insgesamt gute Ergebnisverbesserungen und haben einen bedeutenden Beitrag an das Gesamtergebnis geleistet.

Eine starke Wachstumsdynamik verzeichnete in den ersten sechs Monaten das grösste Geschäftssegment Engineered Components. Was hat das 13,5%ige Umsatzwachstum ermöglicht?

Neben einer anhaltend guten Nachfrage in der Automobil- und Elektronikindustrie hat die Realisierung von Neuprojekten, z.B. im Bereich der erwähnten Bremssysteme oder auch bei Befestigungslösungen für den Airbus A350, zur hohen Umsatzdynamik beigetragen.

Durch den Zukauf der Unisteel Technology Group in Singapur vor gut drei Jahren ist SFS zum Zulieferer von Apple geworden. Welchen Umsatzanteil generiert die Lieferung von verschiedenen metallischen Minikomponenten für das iPhone?

Aufgrund unserer Geheimhaltungsvereinbarungen dürfen wir uns hierzu nicht äussern. Generell können wir sagen, dass Anwendungen in Smartphones – wir arbeiten mit zahlreichen Kunden zusammen – umsatzmässig wichtiger sind als die übrigen Anwendungen in der Elektro- und Elektronikindustrie.

Der Bereich Elektronik dürfte auch in Zukunft mit die grössten Wachstumsimpulse liefern. In welchen Gebieten sehen Sie weiteres Wachtsumspotenzial?

Einerseits arbeiten wir intensiv an der kontinuierlichen Ausweitung unseres Leistungsumfangs bei bestehenden Kunden um die Partnerschaft zu intensivieren und Wachstum zu erzielen. Andererseits liegt der Fokus auch auf der Gewinnung von Neukunden und neuen Anwendungen, wie z.B. Smartwatches oder Adventure Cameras.

Für die zweite Jahreshälfte erwarten Sie eine Erholung der Betriebsgewinnmarge und auch beim Umsatz gehen Sie nun wieder von einem Wert auf Vorjahresniveau aus, nachdem zuvor von einem Rückgang von 2 – 4 % gerechnet wurde. Was stimmt Sie zuversichtlich?

Auf der Umsatzseite haben uns die guten Halbjahresergebnisse und die weiterhin solide Nachfrage in unseren Märkten zur Anhebung der Zielsetzung veranlasst. Die Betriebsgewinnmarge wird sich gegenüber dem ersten Semester 2015 aus drei Gründen erholen: die Profitabilität im ersten Semester wurde von Einmaleffekten stark belastet, die ergriffenen Massnahmen werden im zweiten Halbjahr ihre Wirkung verstärkt entfalten und drittens profitieren wir typischerweise von einem positiven saisonalen Effekt.

Herr Spoerry, besten Dank für das Interview.

Zur Person:
Heinrich Spoerry, Präsident des Verwaltungsrates und Chief Executive Officer seit 1999
Mitglied des Verwaltungsrates von verschiedenen SFS Gruppengesellschaften
Bei SFS von 1981 – 1986 und seit 1998
Schweizer Staatsbürger, geboren 1951

Weitere Tätigkeiten
Bucher Industries, Mitglied des Verwaltungsrats seit 2006
Frutiger AG, Mitglied des Verwaltungsrates seit 2008
Mikron Holding AG, Präsident des Verwaltungsrats seit 2010

Qualifikationen
MBA, Massachusetts Institute of Technology 1979
Lic. oec., Universität St. Gallen 1976

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