Heinz Loosli, CEO Feintool

Heinz Loosli

Heinz Loosli, CEO Feintool. (Foto: Feintool)

von Patrick Gunti

Moneycab: Herr Loosli, Feintool hat 2013 deutlich zugelegt, beim Umsatz, beim Betriebsergebnis und beim Reingewinn, aber auch beim Auftragseingang. Ihr Fazit dürfte entsprechend positiv ausfallen?

Heinz Loosli: Ja, wir sind mit den erreichten Resultaten zufrieden. Aufgrund der bereits erhaltenen Nominationen erwarten wir für die nächsten Jahre eine weitere Umsatzsteigerung, einhergehend mit einer nochmaligen Ergebnisverbesserung.

Sie haben 2009 entschieden, den Fokus auf das Feinschneiden für die Automobilindustrie zu legen. Es war ein harter Einschnitt notwendig, aber die Fokussierung hat sich gelohnt. Wo steht Feintool heute im vierten Jahr der auf fünf Jahre ausgelegten Strategie?

Die 2009 neu formulierte Strategie wurde mit sehr konkreten Umsetzungsprojekten hinterlegt. Die einzelnen Projekte wurden dabei in Bezug auf Wachstum- und Ertragsbeitrag bewertet. So sind wir auf eine Umsatzzielsetzung von 550 Mio CHF in 2015 gekommen. Zum Zeitpunkt der Strategiefindung lagen wir bei 386 Mio CHF. Würden wir unserem im letzten Jahr erzielten Umsatz die Währungsrelationen von Ende 2009 zu Grunde legen, so hätten wir diesen Wert bereits zwei Jahre früher erreicht. Mit anderen Worten, die Umsetzung ist insgesamt im Rahmen unserer Zielsetzungen.

Was sind die wesentlichen Pfeiler dieser Strategie?

Einerseits die Fokussierung aufs Feinschneiden und angrenzende Technologien: Die einzige verbliebene Gesellschaft ausserhalb unseres Kerngeschäftes, die IMA Automation Amberg, trägt weniger als 10% zum Umsatz bei. Wir nennen diesen Teil auch gerne „unsere Perle ausserhalb der Strategie“. Ein weiterer Pfeiler ist innerhalb der Teilefertigung eine Fokussierung auf das Thema Automobilantrieb und Sitzverstellmechanismen. Hierfür haben wir in den letzten 5 Jahren gegen 100 Mio CHF investiert. Dadurch besitzt Feintool in allen wichtigen Märkten der Automobilindustrie modernste für diese Anwendungsfelder ausgerüstete Fabrikationsstätten.

Ausserdem haben wir uns für eine Beschränkung der Fertigungsaktivitäten auf die vier grössten und für die Entwicklung der Automobilindustrie wichtigsten Märkte – Deutschland, USA, Japan und China – entschieden. Während Feintool bereits vor der Krise in den drei erstgenannten präsent war, besitzen wir heute mit dem Aufbau der Teilefertigung in Taicang (Region Shanghai) ein Standbein auch im wichtigen chinesischen Markt.

Zu guter letzt haben wir unsere Tätigkeit in Europa im Bereich des Kaltumformens für Anwendungen in unserem strategischen Anwendungsgebiet des Automobilantriebs ausgebaut: Durch die  Akquisition von  Herzing + Schroth in Deutschland wurde auch dieser strategische Punkt erfolgreich umgesetzt.  Sie ergänzt unsere bereits bestehenden Aktivitäten auf diesem Gebiet in USA. Mittelfristig ist geplant, diese Technologie des Kaltumformens auch in den chinesischen Markt zu bringen.

«Für das laufende Geschäftsjahr haben wir uns das Umsatzziel von CHF 520 Mio. gesetzt. (…) Mittelfristig wollen wir auf CHF 600 Mio. wachsen.»
Heinz Loosli, CEO Feintool

Der Umsatz erhöhte sich um satte 12 Prozent auf 477,5 Mio Franken. Welches Umsatzpotenzial sehen Sie in Anbetracht der positiven Entwicklung für die kommenden Jahre?

Für das laufende Geschäftsjahr haben wir uns das Umsatzziel von CHF 520 Mio. gesetzt. Eine Steigerung um 9 % zum Vorjahr. Mittelfristig wollen wir auf CHF 600 Mio. wachsen. Das weitere Wachstum abzuschätzen ist im heutigen Zeitpunkt schwierig. Der globale Automobilmarkt wächst gemäss unabhängigen Quellen jährlich rund 3.5%. Es gibt keinen Grund, weshalb Feintool nicht auch nach Erreichen der Mittelfristziele zumindest mit dem Markt wachsen wird.

So sehr die Krise der Automobilindustrie das Unternehmen ab 2008 getroffen hat, so sehr profitiert Feintool heute vom Aufschwung. Wie haben sich die einzelnen geographischen Märkte im vergangenen Jahr entwickelt?

2008/09 war sicherlich eine Ausnahmesituation unter dem Aspekt, dass im Krisenjahr alle Märkte stark einbrachen. Am schnellsten erholte sich Asien, getrieben vom chinesischen Markt. Mit etwelcher Verzögerung hat sich auch der amerikanische Markt erholt. Heute werden in den USA ähnlich viele Fahrzeuge gebaut wie vor der Krise. Europa zeigt ein wesentlich uneinheitlicheres Bild. Während die deutschen Automobilhersteller sehr erfreuliche Zahlen melden, haben die Hersteller aus dem lateinischen Europa mit – zum Teil erheblichen – Rückgängen zu kämpfen. Hoffentlich halten die Silberstreifen am Horizont, welche wir zur Zeit wahrnehmen können auch für die nächsten Monate an.

Rechtlich liefern wir gut 50% unseres Umsatzes zu europäischen Kunden. Ein signifikanter Teil dieser Teile dürfte aber – verbaut in ganze Fahrzeuge – in andere Regionen exportiert werden. Entsprechend vermuten wir, dass unsere Teile etwa gleichmässig auf europäischen, amerikanischen und asiatischen Strassen rollen.

«…entsprechend vermuten wir, dass unsere Teile etwa gleichmässig auf europäischen, amerikanischen und asiatischen Strassen rollen.»

China ist der am schnellsten wachsende Automobilmarkt. Wie hat Feintool darauf reagiert, wie ist das Unternehmen in China präsent?

In China haben wir in den letzten Jahren intensiv investiert. 2012 wurde das Werk in Taicang eröffnet, eine 100 %-ige Tochter der Feintool Gruppe. Im Oktober 2013 wurde das neue Technologiecenter in Shanghai-Songjiang eröffnet, um das asiatische Vertriebs- und Servicegeschäft zu stärken. Es macht die Feinschneidtechnologie als kosteneffektives Produktionsverfahren bekannt und unterstützt Kunden direkt vor Ort. Wir versprechen uns davon, dass in Zukunft die Feinschneid und Umformtechnologie noch häufiger angewandt wird.

In welchem Herstellersegment haben Sie die grössten Abnehmer?

Feintool verfügt über ein sehr ausgeglichenes Kundenprofil. Zur Zeit machen wir mit keinem Kunden mehr als 8 Prozent Umsatz. Dieser Umsatz verteilt sich letztlich weiter auf verschiedene Automobilhersteller bzw. verschiedene Plattformen und Modelle. Zur Zeit ist die CO2- bzw. Kraftstoffverbrauchreduktion ein grosser Treiber der Innovation im Automobilsektor. Besonders der Antriebsstrang trägt ganz wesentlich zur Erreichung der von Regulatoren vorgegebenen Zielwerten bei. Unsere Herstellprozesse sind ideal geeignet, um die dafür benötigten komplexen und leichten Komponenten herzustellen. In diesem Segment werden wir das grösste Wachstum verzeichnen.

Seit 2009 investiert Feintool jährlich 35 Mio Franken in neue Fertigungskapazitäten. Werden diese Investitionen in diesem Masse anhalten? Ein Ende der Wachstumsphase ist ja derzeit nicht abzusehen.

Für die nächsten ein bis zwei Jahre werden wir diesen Kurs weiterhin halten. Danach muss sich zeigen, wie sich der Markt als Ganzes verhält. Ankündigungen seitens der Behörden, den Flottenverbrauch weiter einschränken zu wollen, verlangt nach weiteren Innovationsschritten. Es kann durchaus sein, dass sich dadurch weitere Wachstumsmöglichkeiten ergeben. Als Beispiel sei hier nur der Trend zu Motoren mit geringerer Zylinderanzahl erwähnt, welche zur Erreichung der Laufruhe zusätzliche anspruchsvolle Komponenten benötigen.

Über 90 Prozent der Einnahmen stammen aus der Automobilindustrie. Ist das «Klumpenrisiko» nicht zu gross?

Nein, nicht wenn man geographisch und bezüglich Kunden breit diversifiziert ist. Die Automobilbranche wächst jährlich um 3-4 % und ist sehr innovativ. Das Bedürfnis nach Mobilität wird auch in Zukunft eher zu- als abnehmen und in vielen sehr grossen Märkten ist der öffentliche Verkehr nicht in der Lage dieses Bedürfnis abzudecken.

«Der entscheidende Punkt beim Feinschneiden ist die Wirtschaftlichkeit.»

Worin liegen eigentlich die Vorteile des Feinschneidverfahrens gegenüber alternativen Verfahren, welches sind die entscheidenden Merkmale?

Mit Feinschneiden und Kaltumformen lassen sich Teile – die grundsätzlich auch mit anderen Verfahren wie Normalstanzen oder spanabhebender Verarbeitung hergestellt werden können – kostengünstiger herstellen. Der entscheidende Punkt beim Feinschneiden ist entsprechend die Wirtschaftlichkeit. Ein feingeschnittenes Teil weist dank zusätzlichen Kräften einen hohen Glattschnittanteil sowie eine bessere Ebenheit und Präzision auf. Dadurch können Nachbearbeitungsschritte entfallen, was per se wirtschaftlicher ist. Hinzu kommt aber noch, dass dadurch die Möglichkeit besteht, Feinschneid- und Umformvorgänge in mehrstufigen Werkzeugen zu kombinieren und so in einer Presse komplexe dreidimensionale Teile einbaufertig herzustellen. Somit ist Feinschneiden ab einer gewissen Absatzmenge die ökonomischste Lösung.

Sie haben mehrfach die Innovation angesprochen. Wie stellen Sie diese sicher?

Innovation ist für Feintool überlebenswichtig. Wir haben deshalb in unserer Strategie festgelegt, dass wir alle 2 Jahre mit einer bedeutenden Innovation, welche die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens weiter steigert, auf den Markt zu kommen. Mit den entsprechenden Rahmenbedingungen fördern wir die dazu erforderliche Innovationskultur.

Im Gegensatz zum Serienteilegeschäft mussten die Bereiche Fineblanking und Automatisierungstechnik Einbussen in Kauf nehmen. Wo lagen die Gründe?

Zum Segment der Automation ist zu sagen, dass 2012 ein Ausnahmejahr war, gekennzeichnet durch mehrere identische Anlagen. Das wir dies 2013 nicht wiederholen werden war klar. 2013 wurde im Rahmen unserer Planung erfolgreich abgeschlossen. Für 2014 sind die Auftragsbücher bereits zu Beginn des Jahres gefüllt.

Der Rückgang im Bereich Fineblanking Technology ist durch weniger interne Aufträge zu erklären. Die geringe Investitionsneigung in wichtigen europäischen Märkten wie Spanien, Italien und Frankreich konnte durch Mehrverkäufe in Asien ausgeglichen werden. In der Regel sind jedoch die asiatischen Maschinen weniger üppig ausgestattet, was sich in einem etwas geringeren Umsatz pro Presse niederschlägt.

Welche Erwartungen haben Sie für das laufende Geschäftsjahr?

Die ersten beiden Monate sind zu unserer vollen Zufriedenheit ausgefallen und die Auftragsbücher sind gut gefüllt, sodass ich dem gesetzten Umsatzziel von CHF 520 Mio. positiv entgegenblicke.

Letzte Frage: Die Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative sorgt national wie international für viele Schlagzeilen. Obwohl mit globaler Präsenz und weltweiten Produktionsstandorten – welche Konsequenzen könnte das Votum für Feintool haben?

Wie Sie bereits erwähnten besitzt Feintool an vielen Orten – auch im Ausland – Fabrikationsstandorte. Daher sehe ich für Feintool keinen wesentlichen Einfluss. Zudem bilden wir einen grossen Teil unserer Fachleute selber aus. Momentan sind es rund 100 junge Leute in verschiedenen Berufen.

Herr Loosli, besten Dank für das Interview.

Zur Person:
CEO der Feintool-Gruppe sowie Leiter des Segments Feintool System Parts

Ausbildung:
Dipl. El.-Ing. HTL, eidg. dipl. Verkaufsleiter und Stanford Executive Program (SEP).

Beruflicher Hintergrund:
1978–1994 H. A. Schlatter AG: Verkaufsleiter (1978–1984) Länderverantwortlicher für China (1985–1988) Leiter des Profitcenters «Automation» (1988–1994)

1994–1996 Ascom Autelca AG: Leiter der Division «Ticketing»
Seit 1996 bei der Feintool-Gruppe, zunächst als Leiter des Bereiches Pressen und Anlagen der Feintool AG Lyss und später des Bereiches Feintool System Parts. Seit 1. Oktober 2009 CEO der Feintool-Gruppe.

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