Jacques Boschung, Managing Director EMC Schweiz

Jacques Boschung, Managing Director EMC Schweiz

Jacques Boschung, Managing Director EMC Schweiz.

Von Helmuth Fuchs

Moneycab: Herr Boschung, die EMC schrieb letztes Jahr mit einem Wachstum von 18% ihr Rekordergebnis. Die Schweiz setzte noch einen drauf und steigerte den Umsatz um 24%. Was macht die Schweiz so attraktiv und was macht die EMC Schweiz besonders gut?

Jacques Boschung: Die hohe Dichte an internationalen Firmensitzen einerseits und die Innovationsbereitschaft und –kraft der Schweizer Unternehmen andererseits machen dieses Land für uns sehr attraktiv. Herausstreichen möchte ich im Besonderen die Tatsache, dass die Schweizer Unternehmen verstanden haben, dass Cloud nicht die Verkörperung von Belzebub ist sondern das gesegnete Mittel darstellt für den Fortschritt der Schweizer Wirtschaft.

«Das rasante Datenwachstum und der Mangel an IT-Fachkräfte stellen unsere Grosskunden vor eine grosse Herausforderung.» Jacques Boschung, Managing Director EMC Schweiz

Was macht die EMC Schweiz besonders gut? Unser Erfolg ist geprägt von vorbildlichem Teamgeist. Die Beharrlichkeit, mit welcher wir uns über die Abteilungen hinweg an einer Gesamtstrategie ausrichten und diese mit Nachhaltigkeit umsetzen mündet in das erfreuliche Wachstum. Ebenso prägend ist unsere gelebte „Total Customer Experience“ oder die „Umfassende Kundenerfahrung und –zufriedenheit“, die ein Kunde im Zusammenhang mit EMC erleben darf. Als drittes Erfolgselement ist unser breites Lösungs- und Dienstleistungsportfolio zu erwähnen: Von Rechenzentren in a Box (VBLOCK) über modernste Backup- and Recovery Lösungen bis hin zu sicherheitsrelevanten Anwendungen (RSA) – wenn es um IT Infrastrukturprojekte geht, sind wir für unsere Kunden der One-Stop-Shop.

Vor allem der Geschäftsbereich Backup und Recovery Solutions glänzte mit 60% Wachstum. Weshalb diese Zunahme?

Einerseits ist dies auf den Umstand zurückzuführen, dass sehr viele Unternehmungen noch auf Bandlösungen – also Backup to Tape – zugreifen um ihre Daten zu sichern. Dies weist ein enormes Potenzial auf für Upgradeprojekte, bei denen modernste EMC Lösungen zum Einsatz kommen um die Datensicherung regelkonform abzubilden. Dabei wird unter anderem auch auf solide Deduplizierungstechnologien gesetzt. Andererseits ist das starke Wachstum auch auf die ganzheitliche Ausrichtung des Teams zurückzuführen, welches in seiner Ausführung eine hochwertige Güte ausweist.

Man würde annehmen, dass der Kostendruck Unternehmen weg von eigenen Investitionen in Hardware und zur Cloud hin drängen würde, was insgesamt eigentlich zu einem sinkenden Bedarf an Speichermedien führen sollte. Ihre Geschäftszahlen zeigen aber ein anderes Bild. Ist die Cloud für Sie eine Chance oder eher ein Risiko?

Wie bereits erwähnt, ist der Weg in die Cloud eine Chance für die gesamte Wirtschaft. Die Digital Universe Studie von IDC besagt, dass unser heutiges digitales Universum – also all die Daten, die in Form von Fotos, eMails, Audio- und Videodaten, Datenbanken, etc. anfallen und abgelegt werden müssen – bis im Jahr 2020 um das 50-fache wachsen wird. Ein schier unvorstellbares Datenvolumen, dass leistungsstarke Analyse-, Speicher- und Archivierungslösungen einfordert. Wir sind davon überzeugt, dass dies nur mit geeigneten Cloud- und Virtualisierungsmodellen gemeistert werden kann.

«75% des IT Budgets wird heute für die Sicherstellung des laufenden Betriebs verwendet und nur 25% für Innovationen. Dieser Umstand muss sich vollständig drehen.»

Jahrelang galt die IT der Grossunternehmen als ziemlich stabil und gemächlich. Mit dem Aufkommen grosser Rechenzentren, den vielfältigen Outsourcing, Off- und Near-Shoring und Cloud-Angeboten kam Bewegung ins Geschehen. Wo sehen Sie heute die grössten Herausforderungen für die IT Ihrer Grosskunden?

Das rasante Datenwachstum und der Mangel an IT-Fachkräfte stellen unsere Grosskunden vor eine grosse Herausforderung. Dieser kann nur noch mit modernen Cloudmodellen begegnet werden. Das Motto lautet: Virtualisierung und Automatisierung hochdrehen, Operations- und Infrastrukturkosten auf Tiefststand bringen und dabei noch sicherstellen, dass die Sicherheit der Cloud – also Trust – nicht untergeht. Nicht minder wichtig ist, wie das IT Budget und die Fachkräfte eingesetzt werden: 75% des IT Budgets wird heute für die Sicherstellung des laufenden Betriebs verwendet und nur 25% für Innovationen. Dieser Umstand muss sich vollständig drehen: Die IT soll sich zu einem innovativen und schnellen „Business Enabler“ entwickeln. Zudem wird sich die interne IT verstärkt externem Wettbewerb stellen müssen. Die Anwender haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass man IT-Leistungen auch anderswo einkaufen kann. CIOs sind sich bewusst, dass sie ihre IT umstrukturieren und attraktiver machen müssen, um im Wettbewerb um die firmeninternen Anwender und ihre höheren Bedürfnisse zu bestehen.

Welche Trends werden die kommenden Jahre die IT der Grosskunden bestimmen?

Der Mobilitätsanspruch des Arbeitnehmers wird eingefordert. Arbeitnehmer möchten nicht länger an PC und Bildschirm gebunden sein sondern wollen flexibel arbeiten und ihre mobilen Geräte verwenden dürfen. Zudem ist das Arbeitsumfeld von einem starken Wandel betroffen. Der Arbeitgeber wird gezwungen neue Formen des Arbeitsplatzes einzuführen: Unter anderem der Shared Desk oder die Freiheit als Arbeitnehmer zu bestimmen wann und wo er arbeiten möchte. Also Informationszugriff- und -verarbeitung mit anydevice, anytime, anywhere.

«Big Data ist keine Bedrohung, sondern eine Einladung, sich als Unternehmen in einem käuferdefinierten Markt neu zu erfinden.»

Big Data wird sich in nahezu Lichtgeschwindigkeit vom globalen Marketing Buzz Word zum wachstumsstarken Geschäftsfeld mausern. Die Auswertung von Big Data, welche den Daten erst einen realen Wert gibt und sich somit zur „Big Information“ wandelt – wird sich einer exponentiell ansteigenden Zuneigung erfreuen. Viele Unternehmen haben bereits jetzt schon die Macht der Informationen erkannt und werden in Zukunft vermehrt auf Auswertung der verschiedensten Datenströme kommend aus Facebook, Twitter, eBay, etc. setzen. Wer also

  • intelligent und langsam funktioniert, fliegt aus dem Business raus,
  • nicht intelligent und schnell funktioniert, der fliegt schnell aus dem Business raus,
  • intelligent und schnell funktioniert, der gewinnt

Die EMC ist bei Grosskunden fest verankert. Wie sieht Ihre Strategie für den KMU-Bereich in der Schweiz aus?

Der verstärkte Ausbau des Schweizer KMU Geschäftsfeldes erfolgt über mehrere Ebenen: Eine zentrale Drehscheibe für die Weiterführung des EMC Erfolges beruht auf der Güte unserer Partner. Bereits jetzt verfügen wir über ein solides Netzwerk an leistungsstarken System Integratoren und Distributoren, die es nun gilt in einem Gemeinschaftswerk auf das nächst höhere Niveau zu bringen. Zweitens, besitzt jetzt EMC über die richtigen Produkte (unter anderen VNXe und DataDomain), um den KMU Markt erfolgreich zu erobern. Eine weitere Erfolgsebene wird die Fähigkeit sein, unsere internen Teams daran auszurichten um gemeinsam mit dem Partnernetzwerk den grösstmöglichen Synergieeffekt erzielen zu können. Dementsprechend ist es unabdingbar, dass wir als EMC in der Lage sind, die Sprache der Schweizer KMUs zu sprechen, das heisst, was sind die Herausforderungen, die die KMUs beschäftigen und was sind die Trends, die Anlass zu Gesprächen bieten. Hier wollen wir gezielter anknüpfen und über unsere KMU-gerechten Lösungen und Dienstleistungen sprechen.

Nachhaltigkeit unter dem Stichwort „Green IT“ ist heute in aller Munde, wobei vor allem ältere Rechenzentrums-Komponenten gigantische Energiefresser sind. Wie „Green“ ist die EMC als Unternehmen und welche speziellen Angebote haben Sie für Kunden, die besonders bewusst mit den Ressourcen umgehen möchten?

EMC kann eine Vielzahl an Optimierungen in der Architektur der Lösung aufzeigen, die zur massgeblichen Verbesserung der Green IT beitragen:

  • Geräte mit optimiertem Strombedarf wie zum Beispiel hohe integrierte Schaltkreise und effizienteres Powermanagement
  • Hohe Dichte der Disk Drives und deren Kapazität, das heisst Einsatz von mehr Flash Technologie
  • Optimierter und standardisierter Strömungsverlauf, um die Kühlungsströme zu verbessern
  • Optimierte CPU, das heisst, verwenden der Idle CPU Leistung
  • Optimiertes Operating Management
  • Disk Spin Down, das heisst Disks, die nicht gebraucht werden ausgeschaltet – durch optimales Management werden die Daten dabei auf die richtigen Disks geschrieben
  • Verringern der Kapazitäten durch Datendeduplizierung für aktive und Backupdaten
  • Intelligente Datenarchivierung

Die Sozialen Medien und der vermehrte Einsatz von Video haben dazu geführt, dass die Menge der Daten und die Grösse der verwendeten Dateien explodierte. Man spricht heute von „Big Data“. Das schreit zum einen nach viel Speicherplatz und erschwert zum anderen die vernünftige Analyse und das Auffinden wertvoller Informationen im Datenchaos. Wies soll man das in der Zukunft in den Griff kriegen?

Big Data lässt sich ganz grundsätzlich in die Kategorien strukturiert, semi-strukturiert und unstrukturiert gliedern und entsprechende Quellen lassen sich somit einer dieser Gruppen zuordnen. Für alle benannten Typen gibt es Instrumente und Vorgehensweisen. Wichtig ist vor allem, dass ein Kunde eine entsprechende Informationsstrategie und auch -architektur im Umgang mit Big Data definiert:

  • Was ist für unser Geschäft relevant und warum?
  • Was können wir messbar wertmehrend nutzen?
  • Wie erhalten wir eine nutzenstiftende Konvergenz der verschiedenen Kategorien?
  • Wie können wir mit einer erhöhten Marktveränderung aktiv umgehen?
  • Wie kann eine Unternehmenstransformation aussehen?

Big Data ist keine Bedrohung, sondern eine Einladung, sich als Unternehmen in einem käuferdefinierten Markt neu zu erfinden und am Puls der Entwicklung zu positionieren. Die Herausforderung und die Chance der Unternehmen wird aus unserer Sicht in diesem Umfeld sicher in der Fähigkeit zu einem agilen Verhalten liegen.

Viele IT-Unternehmen bemängeln in der Schweiz die fehlende Anzahl gut ausgebildeter Informatiker. Wie schätzen Sie die Situation ein, wie kommen Sie an die benötigten Fachkräfte und was muss eventuell geändert werden, um die Situation zu verbessern?

Wie bereits ausgeleuchtet, wird uns der Mangel an IT-Fachkräften vor eine schwierige Aufgabe stellen. In den kommenden acht Jahren wird das Digitale Universum um das 50-fache wachsen. Im Vergleich dazu wird die Anzahl an IT-Fachkräfte nur 1.5x wachsen. Also öffnet sich hier die Schere sehr schnell und die Unternehmungen stehen vor einem der grössten Herausforderungen der vergangenen Dekaden. Kommt hinzu, dass laut einer IDC Studie der Weg in die Cloud bis 2015 weltweit über 14 Mio. neue IT Stellen schaffen wird wovon mehr als 50% im KMU Umfeld zu liegen kommt. Umso mehr scheint hier ein enormer Handlungsbedarf vorhanden zu sein. Dies bedeutet, dass sich jedes Unternehmen aus der Pflicht heraus engagiert und Aufklärung betreibt z.B. bereits in einem frühen Stadium der Berufsentwicklung junger Menschen. Also zum Zeitpunkt, an dem die Berufsweichen gestellt werden. Die IT Branche hat unglaublich viele attraktive Stellen die nur gezielt vermarktet werden wollen.

Ein weiterer Schritt ist die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit Schulen – seien dies nun Mittel- oder Hochschulen, Fachhochschulen – um die Zusammenarbeit der Fakultäten mit der Privatwirtschaft verzahnter gestalten zu können. Dies soll dann in ein breiteres IT-spezifisches Ausbildungsangebot münden. Ebenso soll über eine etablierte Zusammenarbeit mit Verbänden die Möglichkeit geschaffen werden, geeignete IT Fachkräfte zu entwickeln.

Abschliessend möchte ich noch hervorheben, dass EMC bereits jetzt schon vorsorglich neue Berufsgattungen schafft, wie zum Beispiel den Data Scientist, um die Bedürfnisse von Morgen mit ausgebildeten IT Fachkräften abdecken zu können. Somit bietet sich EMC an als attraktiver Arbeitgeber mit zukunftsgerichteten Perspektiven.

Zum Schluss des Gespräches haben Sie noch zwei Wünsche frei. Wie sehen diese aus?

Nur zwei Wünsche? Normalerweise kriegt man immer drei!

Mein erster Wunsch ist natürlich geschäftsgetrieben: Die EMC Schweiz wird seinen Umsatz in zwei Jahren verdoppeln.

Mein zweiter Wunsch ist persönlich: Als grosser DC- and Marvel-Comics Fan würde ich sehr gerne in einem der kommenden Verfilmungen als Superheld mitmachen (lacht).

Der Gesprächspartner:
Jacques Boschung, geboren 1967, ist seit Dezember 2007 Managing Director der EMC Schweiz.

Zuvor war der gebürtige Freiburger bereits während 14 Jahren in der ICTBranche tätig und brachte Erfahrung aus dem Software-, Hardware und Beratungsgeschäft mit. Nach verschiedenen Funktionen bei Compaq war Jacques Boschung Country Manager der Personal System Group von IBM Switzerland. 2001 gründete der Physiker EPFL als CEO das Beratung- und Softwareunternehmen Brightrivers, dem er seit 2004 als Verwaltungsrat vorsteht. Hauptberuflich wechselte Boschung 2004 zu Dell, wo er zuerst Sales Director Key Accounts Switzerland und Mitglied der Geschäftsleitung war und zuletzt als Sales Director das Corporate Business Switzerland & Austria verantwortete sowie Member of the EMEA Corporate Senior Management Team war. Jacques Boschung ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

Das Unternehmen:
EMC unterstützt mit seinen Technologien und Lösungen Firmen dabei, den maximalen Nutzen aus ihrem Informationsbestand zu ziehen. Dabei hilft EMC Organisationen von der Entwicklung über den Aufbau bis hin zur Verwaltung von flexiblen, skalierbaren und sicheren Informationsinfrastrukturen – die zukünftig vollständig virtualisiert sein werden. Zusammen mit Cisco und VMware treibt EMC im Rahmen der Virtual Computing Environment Coalition (VCE) die Entwicklung und Realisierung von effizienten, durchgängig virtualisierten Unternehmensinformationsinfrastrukturen voran und bietet Firmen Lösungen und Services zur Implementierung einer Private Cloud an.

Im Geschäftsjahr 2011 erzielte EMC einen Umsatz von 20 Milliarden US-Dollar. 18 Prozent mehr als 2010. EMC schloss 2011 mit dem besten Ergebnis seiner Unternehmensgeschichte ab. Im vierten Quartal 2011 erzielte das Unternehmen einen konsolidierten Gesamtumsatz in Höhe von 5,6 Milliarden US-Dollar, das entspricht einer Steigung von 14 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2010. Ausserhalb der USA erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 2,6 Milliarden US-Dollar, was einer Steigung um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dies entspricht 46 Prozent des konsolidierten Unternehmensumsatz. Die Region EMEA (Europe, Middle East, Africa) verzeichnet ein Anstieg von 26 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2010. In der Schweiz ist EMC mit dem Hauptsitz in Zürich und Geschäftsstellen in Bern und Gland/VD vertreten.

X-Days:
EMC wird als Presenting Partner bei den X-Days vom 14.-15. März in Interlaken präsent sein. Jacques Boschung wird am Podiumsgespräch teilnehmen.

Die X.DAYS sind die führende Business- und Networking-Plattform der Schweizer ICT-Branche. Während zwei Tagen treffen sich über 1’000 Business- und IT-Entscheidungsträger, um aktuelle Herausforderungen, Lösungen und Technologien zu diskutieren.

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