Jan Jenisch, CEO Sika

Jan Jenisch
Jan Jenisch, ehemaliger Sika-CEO. (Foto: Sika)

Jan Jenisch, CEO Sika. (Foto: Sika)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Jenisch, von einer Margensteigerung können im jetzigen Umfeld die meisten Unternehmen nur träumen. Sika aber konnte die Bruttomarge im laufenden um 1,8 Prozent auf 52,6 Prozent erhöhen. Werden es bald 54% sein, wie 2010?

Jan Jenisch: Die nachhaltige Bruttomarge für Sika sollte zwischen 52 und 53% liegen. Je nach Entwicklung der Rohmaterialpreise kann diese mal etwas höher oder tiefer zu liegen kommen. Sollten wir den Korridor verlassen, rücken für uns natürlich die Margen in den Fokus. Aber auch in Zukunft verfolgt Sika eine Wachstumsstrategie.

Qualität lässt halt Pricing Power zu. Dennoch, wo orten Sie selbstkritisch  Verbesserungspotenzial, wo läuft es am besten?

Wir versuchen uns natürlich kontinuierlich zu verbessern. Wir schauen genau auf die Entwicklung der Märkte, versuchen unsere Supply Chains zu verbessern und kontinuierlich neue, bessere Produkte einzuführen. Höchst zufrieden sind wir mit den Entwicklungen in Lateinamerika und Nordamerika. Vor allem in Lateinamerika hat sich gezeigt, dass wir mit höherem Marktanteil auch höhere Margen erzielen können.

«In China ist Sika gut aufgestellt und seit Sommer ziehen die Aufträge wieder deutlich an.»
Jan Jenisch, CEO Sika

Südostasien läuft im Moment besser als China. Warum stellt das Reich der Mitte im Moment so viele Infrastrukturprojekte auf Eis?

Tatsächlich läuft Südostasien auf hohem Niveau. In China sahen wir eine Abkühlung seit Sommer 2011, dies auf Grund der Regierungsmassnahmen zur Dämmung der Inflation. Insbesondere wurden grössere Infrastrukturprojekte überprüft. In China ist Sika allerdings gut aufgestellt und seit Sommer ziehen die Aufträge wieder deutlich an.

Als langjähriger Leiter des Asiengeschäfts kennen Sie die Verhältnisse vor Ort ja bestens. Gibt es in China die Gefahr eines Immobiliencrashs?

Gefahren gibt es immer. Wir schätzen allerdings die Gefahr einer Immobilienblase als gering ein und gehen von einem fortgesetzten Wirtschaftswachstum in China aus.

Könnte es auch im augenblicklich gut laufenden US-Geschäft zu Bremsspuren kommen wie in China? Nach den Wahlen wird ja meistens erst einmal gespart.

In den USA sehen wir eine weitere Erholung der Baukonjunktur. Der Renovationsbedarf ist sehr hoch. So muss beispielsweise jede vierte Brücke in den USA saniert werden.

Im Sommer haben Sie mit zwei Unternehmensanleihen 300 Millionen Franken zu günstigem Zins aufgenommen. Standard&Poor’s gibt Ihnen ein A—Rating, was sehr gut für ein Industrieunternehmen ist. Wollen Sie nicht die Gunst der Stunde für weitere Kapitalinvestitionen nutzen?

Sika investiert im Jahr 2012 vor allem in den Aufbau der Schwellenländer. So bauen wir im wichtigen Wachstumsmarkt Brasilien bereits unsere dritte Fabrik. Ausserdem realisieren wir in Kolumbien unsere vierte Fabrik, in Indien die dritte und in Indonesien und Vietnam unsere zweite Fabrik. Ausserdem gelangen uns im Jahr 2012 bereits zwei Zukäufe von Firmen in Korea und Deutschland, die uns in Zukunft Marktzugang und wichtige Technologien liefern.

Sikas Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme liegt bei soliden knapp 50 Prozent. Was treibt einige Baufirmen dazu, im niederen zweistelligen Bereich zu operieren?

Unser globaler Footprint, unsere Innovationsstärke sowie unser Sika Wachstumsmodell sorgen für einen kontinuierlichen Cash-Flow und eine hohe Eigenkapitalbasis. Unsere solide Bilanz garantiert uns den unternehmerischen Handlungsspielraum.

Wie streng betreiben Sie Risikomanagement bei der Auswahl Ihrer Geschäftspartner?

Sika ist sehr lokal aufgestellt. Die einzelnen General Manager der verschiedenen Länder tragen einen hohen Grad an Verantwortung. Sie sind nahe am Kunden und können daher gut entscheiden, wie sie mit ihm zusammenarbeiten.

Sika macht ein Drittel seines Umsatzes mit  Produkten, die jünger als 5 Jahre sind. Sika gibt aber „nur“1,7% des Umsatzes für Forschung & Entwicklung aus. Wie passt das zusammen?

Bei dieser Zahl handelt es sich um die zentral finanzierte Forschung und Entwicklung, unsere Konzernforschung. Die regionalen F&W-Zentren und die verkaufsnahen lokalen Labormitarbeiter sind da nicht miteingerechnet. Nähmen wir diese hinzu, läge der Wert rund doppelt so hoch.

«Wir erwarten, dass in  acht bis zehn Jahren rund die Hälfte des Konzernumsatzes aus den Schwellenländern kommt.»

In diesem Jahr eröffnete Sika zahlreiche neue Fabriken in Schwellenländern wie Brasilien, Indien, Indonesien. Bereits jetzt kommen 36 Prozent Ihres Umsatzes aus Emerging Markets. Beim Gewinn ist der Anteil noch höher. Kommt eines Tages die Hälfte des Umsatzes aus diesen Ländern?

Unsere Strategie mit dem beschleunigten Aufbau der Schwellenländer ermöglicht uns eine kontinuierliche Steigerung dieses Anteils. Auch in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres sind wir wieder über 10% in den Schwellenländern gewachsen. Wir erwarten, dass in  acht bis zehn Jahren rund die Hälfte des Konzernumsatzes aus den Schwellenländern kommt.

Sie sind seit Jahresbeginn als CEO  im Amt. Was war für Sie Ihr grösster kurzfristiger Erfolg.

Sika war in kurzer Zeit in der Lage, die Margen wieder in die Zielkorridore zurückzuführen. Dies ist uns mit einem Bündel von Massnahmen gelungen wie beispielsweise der Einführung neuer Produkte, der Erhöhung der Preise und Effizienzsteigerungen in der Wertschöpfungskette.

Zur Person:
Der Deutsche Jan Jenisch (geb. 1966) machte neben seinem Lizenziat in Politikwissenschaften auch einen MBA an der Universität Fribourg, bevor er sich an der HSG und am IMD weiterbildete. Ab 1996 gestaltete er seine gesamte Karriere bei Sika, zunächst als Market Development Manager der Industry Division in Baar, später in Führungspositionen bei Sika in Japan und Belgien und Deutschland. Seit 1998 zurück in der Schweiz stieg er über Head Automotive Europe, Head der  Industry Division und Regional Manager Asia/Pacific bis zum CEO auf. Seit 2004 gehört er dem Management der Sika-Gruppe an.

Zum Unternehmen:
Vor über 100 Jahren legte Kaspar Winkler in Zürich den Grundstein zur heutigen Sika-Gruppe. Er hatte erstmals ein chemisches Verfahren zur Beschleunigung des Abbindens und Erhärtens von Zement, Mörtel und Beton entwickelt. Sein erstes Produkt Sika-1, ein wasserdichtender Mörtelzusatz, wird auch heute noch rege verwendet. Sika’s Kernkompetenzen Dichten, Kleben, Dämpfen, Verstärken und Schützen von Tragstrukturen sowohl im Bau wie auch in der Industrie finden vor Ort in 76 Ländern breite Einsatzmöglichkeiten, auch bei Autos, Nutzfahrzeugen, Schiffen und Maschinen aller Art.

Im Produktsortiment führt Sika Betonzusatzmittel, Spezialmörtel, Dicht- und Klebstoffe, Dämpf- und Verstärkungsmaterialien, Systeme für die strukturelle Verstärkung, Industrieböden und Abdichtungsfolien. Über 15000 Mitarbeiter führen weit über 15000 registrierte Sika-Marken in 160 Ländern der Erde.

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