Jean Claude Bregy, CEO Poenina, im Interview

Jean-Claude Bregy
Poenina-CEO Jean Claude Bregy. (Foto: Poenina)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Bregy, gebaut wird in der Schweiz weiterhin viel. Wie sieht es mit dem Erneuerungsbedarf aus?

Jean Claude Bregy: Der Bedarf ist ungebrochen, sowohl bei den Sanierungen als auch bei den Erneuerungen. Insbesondere die energetische Sanierung hat an Bedeutung gewonnen. Das Volumen ist gross, die Aussichten sind sehr positiv.

Umsatzmässig liegt bei Poenina der Kanton Zürich mit 97,7 Millionen Franken, klar vor dem Kanton Wallis mit 59,2 Millionen und dem Kanton Graubünden mit CHF 57,6 Millionen. Wird Zürich weiter überproportional wachsen?

In Zürich sind wir schon sehr gut abgedeckt, daher liegt diese Region nicht im Fokus. Wir verfolgen eine gesunde Wachstumsstrategie, handeln opportunistisch und akquirieren dann, wenn alle Parameter stimmen.

«Das Volumen ist gross, die Aussichten sind sehr positiv.»
Jean Claude Bregy, CEO Poenina

Im boomenden Kanton Zug macht Poenina lediglich zwei Millionen Umsatz. Ist da das Terrain von Platzhirschen besetzt?

Wir wollen mit starken Partnern zusammenarbeiten; dabei stehen weder Umsatz noch Region im Mittelpunkt. Wie gesagt sind wir da sehr opportunistisch unterwegs und halten Ausschau nach qualitativ guten Unternehmen in allen Regionen der Schweiz.

Geografisch gibt es aber immer noch weisse Flecken für Poenina. Bis wann wollen Sie diese schliessen?

Die Westschweiz wird interessant für uns, wenn wir einen Partner finden, der eine gewisse Grösse hat; wegen 30 Angestellten machen wir den Sprachsprung nicht. Es muss wirklich etwas breit Abgestütztes sein. Wir sind ständig in Gesprächen, aber nicht unter Druck, um jeden Preis etwas zu kaufen. Wir möchten wirklich gute, starke Unternehmen mit einer DNA, die zu uns passt.

«Die Westschweiz wird interessant für uns, wenn wir einen Partner finden, der eine gewisse Grösse hat; wegen 30 Angestellten machen wir den Sprachsprung nicht.»

Nach 2019 zahlen Sie auch für 2020 zwei Franken Dividende aus. Das liegt aber über der Ausschüttungsquote von zwei Dritteln…

Das stimmt. Wir wollten trotz der Kapitalerhöhung im Jahr 2020 an der im Vorjahr ausbezahlten Dividende von CHF 2 pro Aktie festhalten, was dank der guten Aussichten und dem starken Geldfluss aus Betriebstätigkeit möglich war. Nächstes Jahr fliessen die Zahlen von Caleira erstmals ganz in den Abschluss hinein, und wir werden zur Ausschüttungsquote von zwei Dritteln zurückkehren.

Durch Zusammenschluss mit der Caleira Gruppe und der daraus folgenden Präsenz in steuergünstigeren Kantonen der Zentral- und Ostschweiz fiel der latente Steuersatz von 17,6 auf 16,1 Prozent. Tiefer dürfte es wohl kaum mehr gehen?

Das ist richtig. Die Steuerquote ist bei unserer Verteilung sehr schwierig vorauszusagen. Wir haben zum Beispiel eine Gesellschaft in Luzern neu dazubekommen, Luzern ist relativ tief bei der Unternehmensbesteuerung, wobei das kantonal sehr unterschiedlich ist.

Im 2020 gab es einen leichten Nachfragerückgang im Bereich der bewohnten Umbauten und der Servicearbeiten. Nichts Beunruhigendes nehme ich an?

Der Nachfragerückgang in diesen Bereichen ist auf den Lockdown und die darauffolgende Unsicherheit der Privaten zurückzuführen: Niemand wollte Handwerker im Haus haben, viele Aufträge wurden verschoben. Inzwischen hat sich die Situation stabilisiert, die Leute haben sich an die Massnahmen gewöhnt.

Wie haben Sie von der Kostenseite her die verschiedenen Coronawellen erlebt?

Vieles hat sich durch Corona verändert, von der Baustellenzufahrt, den Hygienemassnahmen, der Maskentragpflicht, über die Tatsache, dass nicht zu viele Leute am gleichen Ort arbeiten dürfen, bis hin zu Lieferengpässen, unterbrochenen Lieferketten, längeren Lieferfristen, längeren Wartezeiten und so weiter – das drückte alles auf die Marge. Auf der anderen Seite bin ich stolz sagen zu können, dass unsere Mitarbeitenden hervorragend reagiert haben. Sie haben sich sehr schnell umgestellt und zusammengehalten. Darum haben wir unsere Margen ziemlich gut halten können.

Höhere Personalkosten wurden in der Vergangenheit häufig mit niedrigeren Materialkosten ausgeglichen. Merken Sie jetzt eine Versteifung auf den Rohstoffmärkten?

Unsere Projekte sind sowohl von der personellen als auch von der materiellen Intensität her sehr unterschiedlich. Es gibt keinen Kausalzusammenhang zwischen Personal- und Materialkosten: Wenn ein Mitarbeiter gut ist, kostet er zwar mehr, hat aber auch die bessere Performance auf dem Projekt. Bisher merken wir keine Versteifung auf den Rohstoffmärkten, wobei sich das in den nächsten Monaten zeigen wird. Mit einer Teuerung würden wir auch die Preise anheben müssen.

«Man kann in nächster Zeit nicht mit weiteren so grossen Akquisitionen rechnen.»

Die Fusion mit Caleira hat Poenina in eine neue Umsatzklasse gehoben. Allein das Anlagevermögen stieg um zwei Drittel. Ist jetzt erst einmal Pause?

Wir sind weiterhin opportunistisch unterwegs und führen ständig Gespräche. Man kann allerdings in nächster Zeit nicht mit weiteren so grossen Akquisitionen rechnen. Das Feld ist offen, wir versuchen uns geografisch weiterzuentwickeln.

Über zwei Dutzend vollkommen unabhängige Gruppengesellschaften machen die Poenina aus. Gibt es eine Obergrenze, um diese zu managen oder zu überwachen?

Eine Obergrenze gibt es nicht. Unsere Gesellschaften geniessen einen hohen Grad an Autonomie. Zentral sind wir sehr schlank aufgestellt und können Unternehmen dementsprechend rasch integrieren.

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