Jean-Claude Philipona, CEO Adval Tech

Jean-Claude Philipona

Jean-Claude Philipona, CEO Adval Tech.

von Robert Jakob

Moneycab: Herr Philipona, Adval Tech hat kürzlich Grossaufträge von VW und BMW bekommen. Die Aussichten sind seit kurzem gerade für die deutsche Automobilindustrie wieder glänzend. Wie wird sich das in den Zahlen von Adval Tech niederschlagen?

Jean-Claude Philipona: Die gute Auslastung der deutschen Automobilindustrie und die nach wie vor erfreulichen Aussichten führten bereits im ersten Semester 2010 zu einer deutlichen Umsatzsteigerung. Diese positive Entwicklung setzte sich im zweiten Semester des abgelaufenen Jahres fort. Allerdings hob die deutliche Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro einen Teil der Verbesserungen sowohl umsatz- als auch ergebnismässig wieder auf.

«Wichtigste Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen ist eine Rückkehr in die Gewinnzone.» Jean-Claude Philipona, CEO Adval Tech

Was die Grossaufträge für VW und BMW anbelangt, so werden die damit verbundenen neuen Fahrzeugplattformen erst gegen Ende dieses Jahres mit vorerst bescheidenen Umsätzen in Serie gehen. Erfahrungsgemäss steigen Volumen und Umsatz erst nach einer Anlaufphase deutlich an. Damit ist ab 2012 zu rechnen.

Die Reorganisation von Adval Tech ist abgeschlossen. Können sich die Aktionäre für die nächste Periode Hoffnung auf Wiederaufnahme der Dividendenzahlung machen?

Wichtigste Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen ist eine Rückkehr in die Gewinnzone. Dies wird, wie im August 2010 kommuniziert, im Jahresabschluss 2010 noch nicht der Fall sein.

Die Kapitalerhöhung zur Finanzierung der OMNI-Übernahme hat ja das Aktienkapital verdünnt. Zukünftige Dividendenzahlungen müssten auf mehr Aktien verteilt werden. Andererseits hat sich die Geschäftsbasis von Adval Tech verbreitert. Nach wie vielen Jahren hat sich der OMNI-Zukauf amortisiert?

Die Kapitalerhöhung hat zweifellos zu einer Kapitalverwässerung geführt. Strategisch gesehen ist Adval Tech jedoch der wichtige Schritt hin zu einer global tätigen Gruppe gelungen. Die Akquisitionserfolge der letzten Zeit – zum Beispiel BMW – wären ohne unsere globalen Produktionsplattformen gar nicht möglich gewesen. Der Rückfluss der für den Zukauf der OMNI-Gruppe aufgewendeten Mittel wird stark von der konjunkturellen Entwicklung abhängen und mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Im ersten Halbjahr 2010 konnte der Reinverlust von 13,4 auf 6,3 Millionen Franken mehr als halbiert werden. Nach 2008 und 2009 schreibt Adval Tech aber damit sehr lange rot, auch wenn operativ jetzt eine schwarze Null zu Buche steht. Wie gehen Sie mit solche langen Durststrecken um und wie schaffen Sie es, die Leute bei der Stange zu halten?

Wichtigste Voraussetzung, um auch in schwierigen Zeiten die guten Leute bei der Stange zu halten, ist ein starkes Management. Dieses zeichnet sich aus durch ein ausgeprägtes Bewusstsein für die Notwendigkeit und Dringlichkeit von Korrekturmassnahmen sowie die Bereitschaft zu Veränderungen. Diese sind dann konsequent umzusetzen und intensiv zu kommunizieren. Dabei gilt es, immer auch die Perspektiven für die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufzuzeigen.

«Die Umsetzung unseres ersten OEM-Auftrages für BMW hat für uns eine grosse Bedeutung.»

In der Rechnungslegung geht Adval Tech wieder von IFRS auf Swiss GAAP FER zurück. Wieviel bringt Ihnen das an Kostenersparnis?

Beim Wechsel des Rechnungslegungsstandards von IFRS auf Swiss GAAP FER stand nicht die Kostenersparnis im Vordergrund. Mit der Entwicklung des Rechnungslegungsstandards IFRS erhöht sich die Komplexität laufend, ohne dass dabei aus unserer Sicht zusätzliche Transparenz geschaffen wird. Das modulare Konzept der Swiss GAAP FER ist für mittelgrosse Konzerne wie die Adval Tech Gruppe mit vertretbarem Aufwand anwendbar. Unter Swiss GAAP FER ist weiterhin eine aussagekräftige Rechnungslegung sichergestellt, die ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage vermittelt.

Durch Reduktion der Personalkosten konnte Adval Tech knapp 10 Millionen Franken einsparen, auch das Nettoumlaufvermögen wurde um 10% reduziert. Allerdings stiegen im ersten Halbjahr 2010 Warenaufwand und Fremdleistungen stärker als der Nettoumsatz. Könnte Adval Tech durch die steigenden Metallpreise unter Druck kommen?

Die Metallpreisentwicklung hat für uns vorab im Automobilmarkt eine zentrale Bedeutung. Allerdings ist es hier üblich, das Vorgehen bei Rohmaterialpreisänderungen mit den Kunden vertraglich zu regeln, und dies sowohl für steigende als auch für sinkende Preise.

Wie stark können Sie Rohwarenpreissteigerungen an Ihre Kunden überwälzen?

Sobald die Preisabweichung ein gewisses Mass überschreitet, können wir die Preissteigerung in der Regel zum grössten Teil an die Kunden weitergeben.

Adval Tech hat eine revolvierende Kreditlinie von 135 Millionen Franken. Wäre jetzt nicht eine günstige Zeit, um es einmal mit einer Unternehmens- oder Wandelanleihe zu versuchen?

Diese Frage stellen wir uns immer wieder. Neben der Frage des Zeitpunkts aus Marktsicht spielen für uns noch andere Kriterien eine wichtige Rolle. So zum Beispiel das Kosten-/Nutzenverhältnis eines uns entsprechenden Emissionsvolumens. Zudem ist zu bedenken, dass wir mit unseren Kreditlinien zu einem wesentlichen Teil die kontinuierliche Finanzierung des Nettoumlaufvermögens und damit die Liquidität sicherstellen.

Adval Tech hat in der Regel sehr lange Projektvorlaufzeiten. Wie sichern Sie sich gegen allfällige Ausfälle ab?

Je nach Markt sprechen wir von Vorlaufzeiten zwischen 18 bis 36 Monaten. Dabei sind zwei Phasen zu unterscheiden: In der Entwicklungsphase sind wir häufig durch einen Entwicklungsvertrag abgesichert. Allenfalls notwendige grössere oder projektspezifische Investitionen lösen wir erst nach Vorliegen einer Nomination für ein bestimmtes Projekt aus. Damit wird deutlich, dass wir vor allem die Vorfinanzierung von Projekten sicherstellen müssen. Natürlich ist es unerfreulich, wenn wir nach einer bezahlten Entwicklung das Projekt nicht realisieren können, denn schliesslich verdienen wir unser Geld mit der Umsetzung unserer Innovationen und nicht mit bezahltem Engineering.

Welches ist der letztlich bedeutendste Auftrag an dem Adval Tech im Moment arbeitet?

Die Umsetzung unseres ersten OEM-Auftrages für BMW hat für uns eine grosse Bedeutung. Über unser Schweizer Projektmanagement realisieren wir dieses Projekt praktisch ausschliesslich mit Ressourcen der Adval Tech Gruppe. Die Werkzeuge werden in Deutschland gebaut, die Produktion wird zuerst in Ungarn und anschliessend in China anlaufen. Über den Produktlebenszyklus gesehen, ist dieser Auftrag auch der grösste, den wir je akquirieren konnten.

Zur Person:
Jean-Claude Philipona, lic. oec. publ., geboren 1953, kam 1997 als CFO zur Adval Tech Gruppe. 2001 wurde er zum CEO gewählt. Zuvor war Philipona als Unternehmensberater in leitender Position mit Schwerpunkten Strategie, Organisation und Controlling bei PricewaterhouseCoopers in Bern tätig (1982-1989). Von 1989 bis 1997 war er CFO und Geschäftsleitungsmitglied der Papierfabrik M-Real AG, Biberist.

Zum Unternehmen:
Als global tätiger Technologie- und Prozesspartner legt Adval Tech den Fokus auf die sich gegenseitig ergänzenden Technologien Stanzen und Umformen von Metall sowie Spritzgiessen von Kunststoff. In ausgewählten Märkten der Automobil-, Medizinaltechnik- und Konsumgüterindustrie gehört Adval Tech zu den führenden globalen Anbietern von Werkzeugen, Anlagen, Baugruppen, Systemen und Serienteilen. Als Zulieferer und Wertschöpfungspartner deckt Adval Tech die gesamte Wertschöpfungskette ab: vom Produktdesign und der Entwicklung von Serienteilen über die Konstruktion und den Bau der dazu notwendigen Werkzeuge und Formen bis zu ganzen Produktionssystemen und der daraus resultierenden Fertigung von Komponenten. Auf den Märkten tritt Adval Tech unter den Namen Styner+Bienz, QSCH, AWM, FOBOHA, Teuscher und Omni auf.


Symbolbild KF für CEO Interviews


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.