Karl Kistler, CEO Edelweiss Air

Karl Kistler

Karl Kistler, CEO Edelweiss Air.

Moneycab: Herr Kistler, Sie sind seit 2002 CEO von Edelweiss Air und waren in der Gründungs- und Aufbauphase der Chefpilot. Wie oft sind Sie heute noch im Cockpit anzutreffen?

Karl Kistler: Ich versuche wenn immer möglich 1-2 Kurzstreckenflüge pro Woche und einen Langstreckenflug pro Monat zu machen.

Was bedeutet das Fliegen für Sie?

Wenn ich selber unterwegs bin, habe ich einen ausgezeichneten Einblick an die Front: Ich erlebe unsere Gäste und unsere Mitarbeitenden. In einem Dienstleistungsunternehmen ist dies ein äusserst wichtiger Aspekt. Und natürlich fliege ich leidenschaftlich gerne, Fliegen ist ein sehr interessanter und faszinierender Job!

Sie waren beim Aufbau der Edelweiss Air von Anfang an dabei. Letztes Jahr konnte Edelweiss Air das 15-jährige Bestehen feiern. Wenn Sie zurückblicken: Welches waren die wichtigsten Momente?

Viele! Aber wenn ich zurückdenke: Wir konnten nach einer harten und intensiven Vorbereitungszeit am 10. Februar 1996 pünktlich unseren Flugbetrieb aufnehmen. Als mein Vorgänger Nik Grob das Flugzeug um 07h00 abdocken liess, war dies ein sehr emotionaler und unvergesslicher Moment. Oder kürzlich durfte ich selber in Toulouse den fabrikneuen Airbus A330-300 abholen, ein Privileg, welches ich sehr schätzte.

«2010 erreichten wir bei den Passagieren zum ersten Mal die Millionengrenze, im 2011 sind wir bis jetzt erwartungsgemäss unterwegs.»
Karl Kistler, CEO Edelweiss Air

Als Partnergesellschaft der Swiss werden die Finanzzahlen im Lufthansa-Abschluss konsolidiert. Können Sie uns trotzdem Details über die Entwicklung der Passagierzahlen im vergangenen Jahr und im 1. Quartal 2011 verraten?

Eigentlich publizieren wir selber keine Zahlen, aber im 2010 erreichten wir bei den Passagieren zum ersten Mal die Millionengrenze, im 2011 sind wir bis jetzt erwartungsgemäss unterwegs.

Wie sehen die Buchungszahlen für die Sommersaison aus?

Wir sind sehr zuversichtlich. Natürlich haben uns die Ereignisse in der arabischen Welt mit den für uns sehr bedeutenden Destinationen Ägypten, Tunesien, Marokko und Libanon und die Katastrophe in Japan Einbussen gebracht. Durch unser breites Angebotsportfolio konnten wir diese Ausfälle aber weitgehend kompensieren und die Auslastungen sehen vielversprechend aus.

In Genf hat Edelweiss Air das Angebot auf diesen Sommer markant ausgebaut. Welche Destinationen werden ab Genf neu angeflogen und wie gross ist die Resonanz darauf?

Ab Mitte Mai fliegen wir ab Genf nach Griechenland (2 x Kreta, Rhodos, Kos, Mykonos, Santorini), Zypern, Mallorca und auf die Kanarischen Inseln (Gran Canaria und Teneriffa), ab Herbst 2011 auch nach Sharm-el-Sheik und Hurghada am Roten Meer. Wir sind sehr zufrieden mit der Buchungsnachfrage für die Abflüge ab Genf.

Im März hat Edelweiss Air mit dem von Ihnen angesprochenen neuen Airbus A330-300 ein zweites Langstreckenflugzeug in die Flotte integriert. Welche Auswirkungen hatte dies auf das Destinations-Portfolio?

Wir konnten unser Angebot deutlich ausbauen. So fliegen wir dreimal nach Kanada und Alaska. Zudem fliegen wir nach Japan und nach China, um japanische und chinesische Touristen in die Schweiz zu bringen. Neu ist auch der Flug nach Orlando in Florida.

Welche Neuigkeiten stehen im Winter-Flugplan 2011/2012 an?

Der Winter-Flugplan ist bereits publiziert und kann gebucht werden. Mit zwei wöchentlichen Flügen nach Kapstadt bieten wir eine besonders attraktive Verbindung nach Südafrika an. Wieder neu im Programm ist Colombo auf Sri Lanka. Die Malediven werden dreimal wöchentlich angeflogen, die erfolgreichen Neuheiten des vergangenen Winters Kilimanjaro in Tansania und Mauritius sind die einzigen Direktflüge ab Zürich. Phuket mit einem zweiten wöchentlichen Flug und die Karibik ergänzen das attraktive Flugprogramm des kommenden Winters.

Welchen Einfluss hat die Ausweitung des Angebots auf der Personalseite?

Ein zusätzliches Langstreckenflugzeug kreiert etwa 300 Arbeitsplätze, davon etwa 100 bei der Edelweiss Air.

«Der Austausch mit der SWISS erfolgt nur auf informeller Basis. Edelweiss deckt die Bedürfnisse des Leisure-Marktes ab. Durch den Codeshare zwischen der SWISS und Edelweiss Air ergeben sich attraktive Kombinationsmöglichkeiten.»

Edelweiss Air ist seit 2008 Mitglied der Lufthansa/Swiss-Gruppe. Wie sprechen Sie sich bei der Wahl neuer Destinationen mit der Swiss ab und welche Vorteile bietet die Kooperation mit der Swiss generell?

Der Austausch mit der SWISS erfolgt nur auf informeller Basis. Edelweiss deckt die Bedürfnisse des Leisure-Marktes ab. Durch den Codeshare zwischen der SWISS und Edelweiss Air ergeben sich attraktive Kombinationsmöglichkeiten. So können Flüge von Edelweiss Air nach Kapstadt mit den Flügen der SWISS nach Johannesburg, oder nach Phuket mit Bangkok oder nach Kilimanjaro mit Dar-es-Salam kombiniert werden.

Als Ferienfluggesellschaft befindet sich Edelweiss Air in einem extremen Konkurrenzkampf. Was machen Sie besser als Ihre Kontrahenten?

Unsere Mitarbeitenden haben verstanden, dass für Erfolg im Leben Durchschnittlichkeit nicht genügt. Das sicherste Rezept für eine erfolgreiche Differenzierung in einem Dienstleistungsbetrieb ist: Alles was man macht, ein bisschen besser zu tun, als es im Moment gerade notwendig erscheint.

«Es braucht etwas gesunden Menschenverstand, wir alle brauchen und wollen diese Mobilität, also müssen wir bereit sein, mit den Auswirkungen vernünftig umzugehen und zu leben.»

Weniger Flugbewegungen, Nachtflugverbot etc. Neue Forderungen aus Süddeutschland setzen den Flughafen Zürich-Kloten weiter unter Druck. Wie beurteilen Sie die Situation?

Luftverkehr hat seine Auswirkungen, positve und negative, dies müssen wir klar sehen. Die Flugzeuge werden auch immer leiser, vielleicht hört man sie eines Tages nicht mehr, aber sehen werden wir sie hoffentlich immer noch. Was ich damit sagen will: Es braucht etwas gesunden Menschenverstand, wir alle brauchen und wollen diese Mobilität, also müssen wir bereit sein, mit den Auswirkungen vernünftig umzugehen und zu leben. Dazu braucht es das Verständnis aller.

Wie schätzen Sie die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Führungsnachwuchses ein?

Die internationale Wettbewerbsfähigkeit ist vorhanden. Aber mir scheint, dass die Schweizer im Vergleich weniger flexibel sind bezüglich Wahl des Arbeitsortes.

Wie wichtig ist Diversity für Ihr Unternehmen und welche Massnahmen sind in Ihrem Unternehmen zum Thema geplant oder schon umgesetzt?

Nach 15 Jahren stellt man fest, dass Diversity-Mangement, wie es auf Neudeutsch heisst, das tägliche Brot ist. Wer in einem Dienstleistungsbetrieb Erfolg haben will, setzt sich automatisch damit auseinander, bewusst oder unbewusst.

Edelweiss Air

Zur Person
Karl Kistler, CEO Edelweiss Air AG
Nach einer Berufslehre im technischen Bereich begann er seine Karriere in der Luftfahrt als Fluglehrer. Im Zusammenhang mit diversen Tätigkeiten in unterschiedlichen Airlines als Pilot, BAZL-Experte und Funktionär war er unter anderem auch einige Jahre im Ausland stationiert (1987–1995 verantwortlich Leiter des Flugbetriebes zugunsten der UNO im Nahen Osten).
Bei der Gründung der Edelweiss Air 1995 war er als Chefpilot und stellvertretender Geschäftsführer massgeblich am Auf- und Ausbau der Firma beteiligt. Seit 2002 ist er verantwortlicher Geschäftsführer der Edelweiss Air und fliegt regelmässig als Kapitän A320 und A330 auf Kurz- und Langstrecke. Karl Kistler ist verheiratet und hat 2 erwachsene Kinder.

Firmeninformationen über Edelweiss Air bei monetas

Symbolbild KF für CEO Interviews

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