Mark Sandmeier, CEO jobs.ch

Mark Sandmeier

Mark Sandmeier, CEO jobs.ch.

Von Helmuth Fuchs

Moneycab: Herr Sandmeier, Sie sind seit dem Start von jobs.ch im Jahre 2000 dabei. Was sind die bedeutendsten Veränderungen im Online-Stellenmarkt in diesen 11 Jahren gewesen?

Mark Sandmeier: Als die jobs.ch ag vor etwas mehr als 10 Jahren gegründet wurde, war für die grosse Mehrheit der Unternehmen das Medium Print an erster Stelle bei der Rekrutierung – an zweiter Stelle kam mit der Zeit dann vielleicht die eigene Website. Das Bild hat sich inzwischen komplett verändert: Heute schreiben fast sämtliche Unternehmen zuerst im Online-Bereich aus: Primär auf einer Online-Stellenplattform – und meist auch auf der eigenen Website. Wir erwarten, dass sich diese Entwicklungen in Zukunft fortsetzen und sich „Online“ sich als primärer Kanal etablieren wird. Der gesamte Online-Werbemarkt ist in den letzten Jahren stark gewachsen – laut Media Focus von CHF 156 Mio. in 2006 auf CHF 452 Mio. in 2011 und dürfte in 2013 gemäss Einschätzung von ZenithOptimedia ein Volumen von CHF 640 Mio. erreichen.

«Als Marktführer verliert man in der Krise tendenziell weniger, ist aber gut positioniert, um nach der Krise dazu zu gewinnen.» Mark Sandmeier, CEO jobs.ch

Im Jahr 2007 übernahmen Tiger Global Investment Partners die Aktienmehrheit von 79%, 16% sind im Besitz der Scout24 Gruppe und 5% hält das Management.  Wie aktiv ist der Mehrheitsaktionär und wo können Sie konkret auch von seinen Erfahrungen oder seinem Netzwerk profitieren?

Tiger Global Investment Partners ist ein hervorragender und langfristig denkender Investor. Tiger hat durch erfolgreiche Internetinvestitionen einen sehr guten Überblick über die Entwicklungen in diesem Bereich und wir können vom Know-how, aber auch vom Beziehungsnetz unseres Investors sehr profitieren. Die Entwicklung von jobs.ch in den letzten Jahren zeigt, dass Tiger Global gut in jobs.ch investiert hat. Tiger Global überlässt das operative Geschäft vollständig uns. Die strategischen Ziele erarbeiten wir gemeinsam, das heisst in erster Linie organisches Wachstum von jobs.ch ohne Akquisitionen. Damit ist Tiger Global bislang sehr zufrieden. Für uns ist es eine schöne Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein.

Seit dem Februar 2011 sind Sie dank der Übernahme der Topjobs von der Scout24 Schweiz AG auch im Spezialbereich der Kaderjobs vertreten. Wo ergeben sich Synergien mit dem Generalisten-Portal jobs.ch und in welchem Zeitraum wollen Sie diese realisieren?

Synergien haben wir umgehend realisiert: Der neue Rekrutierungskanal erhöht die Reichweite von ausgeschriebenen Vakanzen für Fach- und Führungskräfte signifikant, denn die Stellenangebote erscheinen automatisch nicht nur auf dem führenden Online-Kadermarkt www.topjobs.ch sondern auch auf dem grössten Online-Stellenmarkt der Schweiz www.jobs.ch sowie auf www.xing.com. Mit der Kombination von Online-Stellenmärkten mit Social Media bieten wir unseren Kunden zwei Rekrutierungskanäle aus einer Hand und erreichen sowohl aktive wie auch latent interessierte Stellensuchende. XING gewinnt durch die grössere Zahl an aufgeschalteten und für die Schweiz relevanten Stellenanzeigen weiter an Attraktivität im Schweizer Markt.

Die Printmedien sind regelrechten Berg- und Talfahrten im Job-Inserate-Bereich ausgeliefert. Wie wirkt sich die stark wechselnde Auftragslage im Online-Bereich aus und wie können Sie die Ausschläge mindern?

Die beiden Bereiche – Print und Online – sind generell betrachtet in gegenläufigen Bewegungen: Die Präferenz für Printstelleninserate nimmt gemäss einer Studie der Universitäten Bamberg und Frankfurt ab – zwischen 2006 und 2010 um mehr als 21%. Im Gegenzug wächst die Präferenz für Online. Sie nahm im gleichen Zeitraum um fast gleichviel zu. Das ist der grosse Trend, auch wenn wir die Krise 2009 im Online-Stellenmarkt bei den Auftragseingängen ebenfalls deutlich gespürt haben. Wir erwarten, dass die Verlagerung von Print auf Online weitergehen wird. Der Online- Stellenmarkt bietet im Vergleich zu Print viele Vorteile. Mit einem Marktanteil von fast 50% im Schweizer Online-Stellenmarkt – wir beziehen uns hier auf die Erhebungen von Media Focus – sind wir als Marktführerin optimal aufgestellt, um vom Marktwachstum zu profitieren. Als Marktführerin konnten wir selbst in einem schrumpfenden Markt wie in 2009 unseren Marktanteil ausbauen. Der Grund ist, dass sich viele Kunden meist nur für ein oder zwei Jobportale entscheiden. jobs.ch ist bei dieser Auswahl fast immer mit dabei. Und: Als Marktführer verliert man in der Krise tendenziell weniger, ist aber gut positioniert, um nach der Krise dazu zu gewinnen. Das zeigen auch unsere Erfahrungen in der Krise zwischen 2007 und 2009. Wir waren trotz Krise immer profitabel. Unsere langjährigen Kundenbeziehungen und langfristigen Verträge helfen uns zudem, einen Abschwung zu dämpfen.

«jobs.ch ist das Thema Social Media aktiv angegangen, weil wir Social-Media-Plattformen als Chance betrachten.»

Sie arbeiten mit zahlreichen Unternehmen zusammen, um deren Jobs auf Ihrem Portal zu präsentieren. Binden Sie auf jobs.ch zur möglichst vollständigen Abdeckung auch nicht-bezahlte Inserate ein?

Im Vordergrund stehen für uns die bezahlten Inserate: Wie haben insgesamt rund 3‘000 Unternehmen, darunter rund 80% der Top 100 Arbeitgeber und der 12 grössten Personalvermittlungsagenturen in der Schweiz, welche ihre Stellen regelmässig über jobs.ch ausschreiben. Das Hauptumsatzvolumen basiert auf langfristigen Verträgen mit einer Laufzeit von drei Monaten bis zu zwei Jahren. Neben dem Generalistenstellenmarkt www.jobs.ch führen wir zudem vertikale Stellenmärkte für Verkauf, IT, Ingenieurwesen, Gesundheitswesen, Fach- und Führungskräfte sowie Finanzen und Banking. Jüngster Zugang ist mit www.topjobs.ch der führende Kaderstellenmarkt in der Schweiz. Im vergangenen Jahr waren auf unseren Online-Stellenportalen zu jedem Zeitpunkt mehr als 30.000 Stellen ausgeschrieben. In der ersten Jahreshälfte 2011 lag die Anzahl bezahlter Stelleninserate auf den Online-Stellenportalen der jobs.ch ag bei durchschnittlich über 16‘000 bezahlten Inseraten. Unsere Software durchforstet überdies bei einer via Textsuche getätigten Stellensuche Inserate von Unternehmenswebseiten. Diese fliessen am Ende einer Suche in die Suchresultate mit ein; die Ergebnisse enthalten damit bezahlte und unbezahlte Inserate, die zusammen eine grösstmögliche Abdeckung sicherstellen sollen. Das macht jobs.ch zu einem attraktiven und relevanten Partner für Arbeitgeber und Stellensuchende.

Online bietet zahlreiche interaktive Möglichkeiten wie Präsentationsvideos, Self-Assessment, Profil-Matching oder Skills-Management. Welche neue technischen Neuerungen stehen bei jobs.ch im Vordergrund und wo sehen Sie den grössten Bedarf aus Sicht der Benutzer?

Mit dieser Frage befassen wir uns intensiv. Wir leisten uns dafür eine Entwicklungsabteilung mit 14 Mitarbeitenden. Sie entwickeln unsere Software weiter, verbessern unsere Produkte und Karriereangebote. Zentral für Arbeitgeber und Stellensuchende ist ein stetig optimiertes Matching von offenen Positionen und Stellensuchenden. Hier sind wir mit unserer Ontologie – einer spezifisch auf den Schweizer Arbeitsmarkt in Deutsch, Französisch und Englisch ausgerichteten relationalen Wissensdatenbank –führend. Zudem verbessern wir diese laufend. Wir glauben, dass für Kunden und Benutzer auch die integrierte Social-Media-Recruiting-Lösung wichtig ist, weshalb wir mit XING eine Kooperation eingegangen sind. Stellensuchende können auf www.topjobs.ch sehen, welche Personen aus ihrem XING-Netzwerk in den Unternehmen angestellt sind, die eine Stelle ausgeschrieben haben. So können sie ihre Kontakte nutzen und Informationen sammeln. Das ist ein wichtiger Vorteil, wenn man bedenkt, dass gemäss einer intern durchgeführten Umfrage des Institutes Link mehr als 30% der Stellensuchenden einen neuen Job durch persönliche Kontakte finden. Für Stellensuchende haben wir ausserdem mit Job.DNA ein Tool geschaffen, mit dem Bewerber ihr Know-How, ihre Talente und Ambitionen überprüfen können (z.B. mit jobs.talent, welches Stellensuchenden die Möglichkeit gibt, an einer Online-Befragung teilzunehmen, die der Selbstbewertung ihrer Kernkompetenzen in Bezug auf ihre sozialen Fähigkeiten dient.)

«Die Präferenz für Printstelleninserate nimmt gemäss einer Studie der Universitäten Bamberg und Frankfurt ab – zwischen 2006 und 2010 um mehr als 21%. Im Gegenzug wächst die Präferenz für Online.»

Mit jobs.skills – die Beta Version liegt vor – bauen wir unsere Produktepalette gerade aus. jobs.skills ermöglicht es Stellensuchenden mittels Ausfüllen eines Online-Fragebogens ihre Kernkompetenzen in Bezug auf ihre beruflichen Fähigkeiten selbst zu bewerten. Eine automatisierte Analyse gibt ihnen Aufschluss über ihre Stärken im Vergleich zu anderen Kandidaten, die diese Selbstbewertung ebenfalls durchgeführt haben. Insgesamt ist dies ein strukturierter Prozess, der als gute Vorbereitung auf ein Bewerbungsgespräch dient. Bewerber können ihre relevanten Fähigkeiten gezielt aufzeigen. Für Unternehmen werden Produkte immer wichtiger, die ihnen die Möglichkeit geben, auf sich als Arbeitgeber aufmerksam zu machen und sich auf der Online-Stellenplattform zu profilieren – also zum Beispiel Lösungen wie jobs.video, mit denen Unternehmensvideos präsentiert werden können.

Sie haben bis anhin einen klaren Fokus auf die Schweiz. Wie gut würden sich die Plattform und das Businessmodell für eine Skalierung in anderen Ländern eignen und welche konkreten Pläne gibt es für eine mögliche Expansion ins Ausland?

Sie haben recht, jobs.ch fokussiert mit seinen Online-Stellenportalen klar auf die Schweiz. Hier sehen wir für uns weiterhin grosses Wachstumspotenzial und hier wollen wir unsere starke Marktposition weiter ausbauen. Unsere Beteiligung in Österreich an karriere.at, der Nummer 2 im Markt, sehen wir als reine Finanzbeteiligung.

Kürzlich haben Sie eine exklusive Zusammenarbeit mit XING gestartet, dem führenden deutschsprachigen sozialen Netzwerk für berufliche Kontakte. Wie sind die ersten Erfahrungen, was funktioniert und wo gibt es noch Lücken?

jobs.ch ist das Thema Social Media aktiv angegangen, weil wir Social-Media-Plattformen als Chance betrachten, die Reichweite bei Stellensuchenden weiter zu erhöhen und Arbeitgeber noch besser dabei zu unterstützen, passende Kandidaten, gerade auch unter passiven Stellensuchenden, zu finden. Aus diesem Grunde sind wir die strategische Kooperation mit XING eingegangen. Wir können unseren Kunden heute als erster Online-Stellenmarkt eine Social-Media-Recruiting-Lösung für die Platzierung von Stellenangeboten anbieten. Unser Entwicklungsteam optimiert die Verbindung aus Social-Media-Funktionalität und Online-Stellenmarkt kontinuierlich. Unsere Erfahrungen basieren auf „learning by doing“. Die Umgestaltung von www.topjobs.ch und das kombinierte Angebot mit topjobs.ch, jobs.ch und Xing wurde von unseren Kunden sehr positiv aufgenommen. Klar ist: Wir arbeiten ständig an unserem Angebot und entwickeln es weiter. So haben wir zum Beispiel erst vor wenigen Wochen die Homepage angepasst, um die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen.

«Die jobs.ch ag hat eine klare Vision: Online die beste Übereinstimmung – das beste Matching – von Kandidaten und ausgeschriebenen Stellen zu erreichen.»

Wie wichtig ist Diversity für Ihr Unternehmen und welche Massnahmen sind in Ihrem Unternehmen zu diesem Thema geplant oder schon umgesetzt?

Gerade erst haben wir unseren 100. Mitarbeiter angestellt, was mich sehr glücklich stimmt und auch stolz macht. jobs.ch beschäftigt heute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Regionen und Sprachgebieten der Schweiz. Wir wollen zum Beispiel in der französischsprachigen Schweiz auch weiter wachsen und dies direkt vor Ort in Cheseaux-sur-Lausanne. Unser Team ist eine muntere und sehr unternehmerisch denkende Truppe. Wir haben unseren Verwaltungsrat jüngst erweitert und verfügen heute über ein Gremium, das international zusammengesetzt ist und sehr viel Kompetenz aus den unterschiedlichsten und für uns wertvollen Bereichen vereint.

Welche strategischen Projekte prägen die nächsten zwei Jahre bei jobs.ch?

jobs.ch verfolgt eine klare Wachstumsstrategie, gerichtet auf eine weitere Durchdringung des Schweizer Marktes. Nachdem wir uns zu Beginn vor allem auf Personaldienstleister und mittlere Unternehmen und in den letzten Jahren auf grosse Unternehmen konzentriert haben, richten wir unseren Fokus nun auf unausgeschöpftes Potenzial insbesondere im Wachstumsmarkt Westschweiz, bei den vielen tausend KMUs und im Verkauf von Zusatzprodukten an grössere Bestandeskunden und Personalvermittler. Die jobs.ch ag hat eine klare Vision: Online die beste Übereinstimmung – das beste Matching – von Kandidaten und ausgeschriebenen Stellen zu erreichen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden wir unseren Fokus weiterhin auf die Verbesserung und Weiterentwicklung unserer Suchfunktionen und Technologien setzen. Wir wollen mit noch besseren Produkten und Dienstleistungen einen noch höheren Mehrwert für unsere Kunden schaffen.

Zum Schluss des Gespräches haben Sie noch zwei Wünsche frei. Wie sehen diese aus?

Nun, Sie fragen mich das als CEO von jobs.ch. Dann lautet die Antwort: Die Dynamik, den Teamspirit und den unternehmerischen Geist in unserem Team fortführen und Spass haben, an dem was wir gemeinsam erreicht haben und uns für die Zukunft vorgenommen haben!

Der Gesprächspartner:
Mark Sandmeier (38) ist seit Ende 2001 CEO der jobs.ch Gruppe und seitAnfang 2011 Delegierter des Verwaltungsrates. Er ist fester Bestandteil des Managements und gestaltet das starke Wachstum an Marktanteil, Umsatz und Mitarbeitenden des Unternehmens mit. Seine Karriere bei der jobs.ch Gruppe begann er 2000 in der Funktion des Marketingleiters. Vor seinem Wechsel zur jobs.ch Gruppe war Mark Sandmeier als Head of Sales beim Regionalfernsehen Tele M1, einem Medienunternehmen im Schweizerischen Mittelland, tätig. Mark Sandmeier hält einen Master der Fachhochschule St. Gallen. Er istverheiratet, Vater eines Sohnes und wohnt in Hausen.

Das Unternehmen:
jobs.ch unterstützt Unternehmen und Personalberatungen, ihre Vakanzen qualitativ gut, einfach und günstig zu besetzen. Für die Stellensuchenden isz jobs.ch ein effizienter und zuverlässiger Stellenmarkt. Das Unternehmen bietet persönliche Betreuung in allen Landesteilen und ein leistungsfähiges Partner Netzwerk. Mit Innovationskraft und Begeisterung entwickelt ein 14-köpfiges Produkt- und IT-Team die Angebote ständig weiter. Seit 2007 ist jobs.ch im Besitz der Tiger Global Investment Partners in New York. In ihrem Portfolio sind derzeit über 40 Internetunternehmen weltweit, darunter 10 lokale Marktführer des Online-Recruiting.

Symbolbild KF für CEO Interviews


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