Marko Vidmar und Roman Stämpfli, Co-Founder bluu, im Interview

Marko Vidmar und Roman Stämpfli, Co-Founder bluu, im Interview
Die bluu-Gründer: Marko Vidmar (l.) und Roman Stämpfli. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Vidmar, Herr Stämpfli, mit innovativen Waschstreifen haben Sie im November 2020 eine umweltschonende Alternative zu herkömmlichen Waschmitteln auf den Markt gebracht. Wie kamen Sie als Quereinsteiger auf diese Idee?

Roman Stämpfli: Als Managing Partner einer Messe- und Event Firma habe ich mir die Auswirkungen der Coronakrise schnell ausmalen können, und gleich im ersten Lockdown versucht, ein zweites Standbein aufzubauen. E-Commerce und die Vermarktung eines FMCG (Fast Moving Consumer Good)-Brands hat mich schon immer sehr interessiert. Sehr wichtig war uns dabei auch ein möglichst grosser positiver Impact auf die Umwelt, welcher durch die enorme Grösse des Waschmittelmarktes gegeben ist.

Waren Sie nicht überrascht, dass es seit der Lancierung des ersten modernen Waschmittels vor über 110 Jahren noch niemandem gelungen ist, ein entsprechendes Produkt erfolgreich auf den Markt zu bringen?

Marko Vidmar: In der Tat haben wir in den ersten Monaten immer wieder den «Haken» hinter der Technologie gesucht, jedoch sind wir bis heute nicht fündig geworden! Wie viele andere Industrien auch, hat sich der Waschmittelmarkt in den letzten Jahren auf der Suche nach immer besseren und stärkeren Produkten weg vom Kundenbedürfnis und gesellschaftlichen Trends bewegt – Nachhaltigkeit und Convenience.

«Wie viele andere Industrien auch, hat sich der Waschmittelmarkt in den letzten Jahren auf der Suche nach immer besseren und stärkeren Produkten weg vom Kundenbedürfnis und gesellschaftlichen Trends bewegt – Nachhaltigkeit und Convenience.»

Wie lange hat die Entwicklung der Waschstreifen gedauert?

Roman Stämpfli: Die Technologie existierte bereits als solche, wir haben leichte Anpassungen an der Rezeptur und beim Duft vorgenommen, daher hat der Entwicklungsprozess lediglich einige Wochen gedauert.

Wo lag die besondere Herausforderung? In der Tatsache, dass sich die Waschstreifen für weisse, dunkle oder bunte Wäsche von 20 bis 95 Grad sowie für fast alle Textilien inklusive Wolle, Daunen und Kaschmir eignen?

Marko Vidmar: Nein, die grösste Herausforderung war für uns, einen geeigneten Lohnhersteller zu finden, den wir aber in Europa leider nicht finden konnten. Dass die Waschstreifen für alle Textilien und Temperaturen geeignet sind, hat damit zu tun, dass es sich um etwas wie ein Feinwaschmittel handelt. Dieses geht sanft mit der Wäsche um und ist somit für alle Einsätze geeignet. Dass Einfachheit gewünscht wird, haben wir sehr schnell rausgefunden. Die Kunden freuen sich, wenn zu Hause nicht mehr 3-4 verschiedene Waschmittel rumstehen.

Aus welchen Inhaltsstoffen besteht ein herkömmliches Waschmittel?

Roman Stämpfli: Herkömmliche Waschmittel bestehen aus verschiedenen Inhaltsstoffen wie Tenside, Bleichmittel, Enzyme, optische Aufheller, Duftstoffe und Konservierungsstoffen. Dabei sind Tenside sicher die wichtigsten Bestandteile des Waschmittels, sie bewirken schlussendlich das Ablösen des Schmutzes.

Und auf welche können Sie in Ihren Waschstreifen verzichten?

Marko Vidmar: Die bluu Waschstreifen sind ebenfalls Tenside basiert, enthalten jedoch weder Bleichmittel, Enzyme, optische Aufheller noch Konservierungsstoffe.

Wo liegt der grösste positive Impact des Produkts auf die Umwelt?

Roman Stämpfli: Sicher darin, dass mit unserem Waschmittel mit nur 3 g pro Waschstreifen die Umwelt pro Waschgang viel weniger belastet wird und wir auch beim Transport gegenüber herkömmlichen Waschmitteln eine bis zu 20x bessere CO2-Bilanz haben. Zudem ist ein weiterer positiver Impact, dass wir keinerlei Mikroplastik oder sonstigen Plastik in unseren Produkten haben. Übrigens auch nicht in der Verpackung, die aus recyceltem und recyclebarem Karton gefertigt ist. Das hat natürlich vor allem gegenüber herkömmlichen Plastikflaschen einen grossen Vorteil für die Umwelt.

«Der grösste Impact auf die Umwelt ist, dass mit unserem Waschmittel mit nur 3 g pro Waschstreifen die Umwelt pro Waschgang viel weniger belastet wird und wir auch beim Transport gegenüber herkömmlichen Waschmitteln eine bis zu 20x bessere CO2-Bilanz haben.»

Und die Versand-Folie ist kompostierbar… Einzig, dass das Produkt in China hergestellt wird, passt nicht zum Nachhaltigkeitsaspekt. Ist die heimische Produktion nicht möglich?

Marko Vidmar: Eine Produktion in China war anfangs nicht unser Ziel, jedoch hat sich rasch herausgestellt, dass es für eine erste Phase die einzig unternehmerisch vertretbare Lösung für uns war – ohne übermässiges Risiko einzugehen und viel Fremdkapital aufzunehmen. So können wir mit dem chinesischen Produkt den Markt testen und in der Zwischenzeit unsere eigene Produktion in Europa aufbauen. Und dann mit Market-Proof, vielen Erfahrungen und einem etablierten Brand, welcher gewisse Mengen absichert, durchstarten.

Hier möchte ich auch noch anmerken, dass wenn man die gesamte Ökobilanz genau betrachtet, ein chinesisches Produkt nicht viel schlechter dasteht, denn die allermeisten Inhaltsstoffe eines Waschmittels werden auch bei in Europa hergestellten Waschmitteln aus China bezogen. Jedoch gibt es mittlerweile sehr interessante und neue innovative Lieferanten aus Europa, welche wir für die europäische Produktion gerade am evaluieren sind.

Wann rechnen Sie mit einer Produktion in hiesigen Gefilden?

Roman Stämpfli: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, noch dieses Jahr mit der Produktion in Europa zu starten.

Über welche Kanäle lässt sich bluu erwerben?

Marko Vidmar: Unser wichtigster Kanal ist natürlich unser eigener Online Shop www.bluuwash.com, jedoch sind wir auch bei den grossen Onlinehändlern Galaxus und Brack.ch gelistet, bei beiden sind wir seit mehreren Monaten das meistverkaufte Waschmittel. Aber auch im stationären Handel und in über 60 kleineren Verkaufsstellen (hauptsächlich Zero Waste Läden, Boutiquen etc.) gibt es bluu zu kaufen. In wenigen Tagen wird bluu auch in einer grossen Drogeriekette in der Schweiz erhältlich sein.

«Wir haben die Vision, im Bereich Streifentechnologie der Innovations- und Marktführer in Europa zu werden.»

Sind Sie in Kontakt mit Grossverteilern?

Roman Stämpfli: Ja, wir sind auch in Kontakt mit Grossverteilern.

Sie haben Ihre Jobs gekündigt und setzen ganz auf bluu. Sehen Sie neben anderen Duftnoten auch andere Produkte vor – zum Beispiel bei Geschirrspülern?

Marko Vidmar: Das ist richtig, wir setzen alles auf die Karte bluu, weil wir überzeugt sind, dass das Potential riesig ist. Wir haben die Vision, im Bereich Streifentechnologie der Innovations- und Marktführer in Europa zu werden. Dabei gibt es viele mögliche Portfolio Erweiterungen, gerade im Bereich Reinigung.

Besten Dank für das Interview!

Roman Stämpfli aus Zürich hat Betriebsökonomie FH an der Kalaidos Fachhochschule studiert und 15 Jahre in der Automobilindustrie gearbeitet, zuletzt 8 Jahre beim Daimler Konzern. Er war in der Schweiz, Deutschland und China im Product und Project Management sowie als Head of Sales Mercedes-Benz und smart tätig. Nach dem Ausstieg aus dem Grosskonzern hat er während 5 Jahren als Managing Partner das erfolgreiche Messeformat «Man’s World» in Zürich, Hamburg und Mailand mit aufgebaut. Marko Vidmar aus Zürich hat eine kaufmännische Ausbildung sowie Weiterbildung als Verkaufskoordinator abgeschlossen. Er war 14 Jahre in der Medtech Branche im Sales tätig, davon 5 Jahre als Verkaufsleiter. Zudem hat er in der Vergangenheit 2 Startups in der Foodbranche aufgebaut. Während dem Corona-Jahr 2020 haben sie zusammen die Firma bluu Ventures GmbH gegründet.

bluu

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