Markus Brütsch, CEO und CFO Precious Woods, im Interview

Markus Brütsch
Markus Brütsch, CEO und CFO Precious Woods. (Foto: zvg)

Markus Brütsch, CEO und CFO Precious Woods. (Foto: zvg)

von Robert Jakob

Moneycab.com: Herr Brütsch, Precious Woods testet  zurzeit unbekannte neue Holzarten für den Markt. Welche sind das?

Markus Brütsch: Im Amazonas ernten wir jährlich über 40 verschiedene Holzarten, damit wir die Vielfalt und die Biodiversität des Waldes schützen. Darunter befinden sich immer für den Europäischen Markt weniger bekannte Arten. Die Zusammensetzung der Holzarten wechselt jährlich, da nicht  alle Gebiete über denselben erntefähigen Baumbestand verfügen. Für unseren Verkauf ist es wichtig, die Holzarten entsprechend den Anwendungen und Eigenschaften kategorisieren und anbieten zu können. Wir verfügen über grosses Know-how im Einsatz der verschiedenen Holzarten und auch der entsprechenden Datengrundlagen. In Gabun verfügen wir über eine dominierende Holzart (Okumé), die circa  70 Prozent unserer Ernte ausmacht. Darüber hinaus ernten wir weitere 10-15 andere Holzarten, die wir entsprechend der Marktnachfrage jährlich auswählen und anbieten.

Aber von Acapu bis Andiroba gibt es allein unter dem Anfangsbuchstaben A ein Dutzend verschiedene Tropenholzarten. Sind die Konsumenten da nicht hoffnungslos überfordert?

Oft hat der Kunde eine klare Vorstellung, welche Holzarten er oder sein Endkunde wünscht. Je nach Anwendungsgebiet dominieren ästhetische Faktoren oder auch technische Anforderungen. Verfügen wir über zu geringe Quantitäten oder sehen wir eine vernünftige Alternative greifen wir auf die weniger bekannten oder. nicht so gängigen Holzarten zurück und beraten entsprechend. Die Beratung spielt in unserem Geschäft eine wichtige Rolle, da wir nicht voraussetzen können, dass unsere Kunden alle tropischen Holzarten und deren optimalen Verwendungszweck kennen. Oft werden wir auch nur mit der Anwendung konfrontiert (z.B. Innen-/Aussenanwendung) und können dann entsprechend anbieten. Unser kleines Verkaufsteam ist entsprechend geschult und leistet hier hervorragende Arbeit.

«In der tropischen Holzindustrie gibt es leider nur sehr wenige Firmen, die über die FSC-Zertifizierung verfügen, welche garantiert, dass das Holz aus nachhaltig bewirtschaftetem Tropenwald stammt.» Markus Brütsch, CEO und CFO Precious Woods

Nach bewegten Jahren ist Ihre Firma jetzt nur noch im B2B-Geschäft tätig. Wie viele grosse Kunden bedienen Sie zurzeit?

Das B2B-Geschäft wird aus Gabun bereits seit Jahren betrieben. Die erwähnte Umstellung erfolgte 2014 in Brasilien, nachdem unsere Wiederverkaufsgesellschaft in Holland stillgelegt wurde, die bis dahin praktisch alle Schnitthölzer aus dem Amazonas über unser zentrales Lager verkaufte. Mit dieser Massnahme hat Precious Woods vor allem die hohen Fixkosten des Wiederverkaufes (Lagerhaltung, Bearbeitung, Vertrieb) reduzieren können und sich auf grössere industrielle Kunden und Importeure aber auch auf aussereuropäische Märkte konzentriert. Der aktive Kundenstamm liegt heute bei insgesamt circa 400 Kunden.

Im Holzgeschäft ist die Konkurrenz ja gross. Wie halten Sie Ihre Grosskunden bei der Stange? 

In der tropischen Holzindustrie gibt es leider nur sehr wenige Firmen, die über die FSC-Zertifizierung verfügen, welche garantiert, dass das Holz aus nachhaltig bewirtschaftetem Tropenwald stammt. Der grösste Teil der Produzenten verfügt über keine oder nur eine eingeschränkte Zertifizierung. Unsere Hauptkonkurrenz besteht demnach nicht aus den ebenfalls FSC-zertifizierten Betrieben, sondern aus illegalen oder nicht zertifizierten Betrieben.

Für unsere Kunden ist es wichtig, auf eine nachweislich nicht nur legale sondern auch nachhaltige Quelle zurückgreifen zu können – dies kann Precious Woods garantieren. Nicht zuletzt spielt natürlich auch die Zuverlässigkeit und die Qualität der Produkte eine wichtige Rolle.

Neue Absatzmärkte in Asien wie auch im Nahen Osten sollen den Rückgang auf dem europäischen Markt kompensieren. Welche Schlagzahl haben sie dort im Moment? 

Der Umsatzanteil in Europa lag 2014 noch bei rund 75 Prozent und derjenige in Asien//Naher Osten betrug rund 10 Prozent. Bei in etwa gleichbleibenden Umsätzen 2015 wird der Anteil in Asien/Naher Osten grösser 20 Prozent und derjenige in Europa >60 Prozent sein. Die Nachfrage in Asien nach FSC-zertifizierten Hölzern hat stark zugenommen, weil in Asien verarbeitete Hölzer zu einem bedeutenden Teil nach Europa exportiert werden und die europäischen Anforderungen an Legalität und Zertifizierung erfüllen müssen. Dies bietet uns entsprechende Möglichkeiten und Chancen.

«Bilanzskandale wie bei Sino-Forest und China Forestry können nicht nur in der Forstwirtschaft, sondern in allen Industrien vorkommen.»

Sie sind CEO und CFO in Personalunion. Vor allem in China kam es um Sino-Forest und China Forestry zu gewaltigen Bilanzskandalen. Was sagt ein Finanzfachmann wie Sie dazu?

Ich habe Kenntnisse über diese Vorfälle soweit sie im Netz bekannt sind. Solche Bilanzskandale können nicht nur in der Forstwirtschaft, sondern in allen Industrien vorkommen. Grundsätzlich kann man feststellen, dass solche Skandale zur Verschärfung der Regulatorien beitragen, was zu begrüssen ist. Unterstellt sich eine Firma internationaler Rechnungslegungen, unterhält zertifizierte Abläufe und pflegt eine gute Corporate Governance, besteht auch für die Investoren eine grössere Sicherheit.

Wer misst bei Precious Woods denn die Bäume?

Um in einem vorher definierten Bereich der Tropenwaldgebiete ernten zu können, muss ein Ernteplan eingereicht und von den lokalen Behörden genehmigt werden. Zu diesem Zweck wird ein Inventar erstellt und kartographiert. Diese Karten enthalten alle erntefähigen Bäume mit Bezeichnung der Holzart und geschätzter Kubatur. Diese Bestandesaufnahmen werden in Brasilien durch externe, in Gabun durch interne Personen erstellt. Nach erfolgter Ernte (etwa 50-60 Prozent des inventarisierten Bestandes) wird das Rundholz in einem Zwischenlager effektiv vermessen. Direkt nach dem Fällen eines Baumes erhält dieser eine vom Inventar unterschiedliche aber eindeutig identifizierbare Nummer, die den weiteren Weg des Holzes bis zum Endprodukt begleitet. Jeder gefällte Baum wird den Behörden unmittelbar unter Angabe der Inventar- und Endnummer gemeldet, damit eine lückenlose Rückverfolgung möglich ist.

Was bedeutet die dramatische Abwertung des Reals jetzt für Ihre Holz-Produktion in Brasilien?

Die Produktionskosten in Brasilien fallen zu rund 85 Prozent in der lokalen Währung an. Die Inflationsrate der letzten beiden Jahre betrug circa 10 Prozent. Die Importkosten für Ersatzteile und Verbrauchsmaterial schlagen sich entsprechend in unserer Rechnung nieder. Wir sind ohnehin gefordert, permanente Produktivitäts- und Rentabilitätssteigerungsprogramme zu etablieren, da wir nicht immer in der Lage sind, die höheren Kosten an unsere Kunden zu überwälzen. Die Verkäufe erfolgen mehrheitlich zu Marktpreisen in EUR oder USD.

In Ihrem anderen Produktionsland, Gabun, konnte im ersten Halbjahr wegen eines 6-wöchigen Wartungsunterbruchs im Furnierwerk nur 8 912 m3  statt  14 425 m3 Holz verarbeitet werden. Muss man solch unglaublich lange Wartungsunterbrüche in Afrika einfach akzeptieren?

Die Wartungsarbeiten betrafen vor allem die Trocknungsanlage für  grossformatige Furniere mit einem geplanten Unterbruch von 5 Wochen. Die zusätzliche Woche wurde benötigt, weil kurzfristig noch weitere Ersatzteile aus Europa importiert werden mussten. Die Arbeiten wurden vom europäischen Hersteller der Anlage geplant und durchgeführt. Die Totalrevision war notwendig geworden, weil in den vergangenen Jahren nur das Notwendigste erledigt werden konnte. Grundsätzlich planen wir jährliche Wartungsunterbrüche von etwa 4 Wochen sowohl für die Sägewerke, wie auch das Furnierwerk.

«Jeder gefällte Baum wird den Behörden unmittelbar unter Angabe der Inventar- und Endnummer gemeldet, damit eine lückenlose Rückverfolgung möglich ist.»

Precious Woods bewirtschaftet von FSC-zertifizierten tropischen Waldflächen rund 6 Prozent der Gesamtfläche. Das ist ein stolzer Marktanteil. Welche Marketingstrategie wird sich am meisten auszahlen? Erhöhung der relativen Quote am Forest Stewardship Certifiziertem Holzmarkt oder weitere Sensibilisierung der Endkunden auf FSC-Holz?

Diese Zahl muss man relativieren, da nur circa 7 Prozent der tropischen Waldflächen FSC-zertifiziert sind. Insofern ist der Marktanteil im Verhältnis zur gesamten Fläche relativ gering. Unser Ziel ist es jedoch, uns markant zu vergrössern und entsprechend auch den Anteil der FSC-zertifizierten Tropenwälder zu erhöhen. Unser Geschäftsmodell beweist, dass der Schutz des Regenwaldes unter gleichzeitiger Nutzung nicht nur möglich sondern auch in ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht sinnvoll ist. Wir verfügen über das entsprechende Know-how hier weiter auszubauen und wollen unseren Beitrag zu Gunsten der Umwelt leisten.

Wir sind überzeugt, dass die Nachfrage nach zertifizierten Hölzern wachsen wird, da die Vorschriften in vielen Ländern angepasst wurden beziehungsweise noch angepasst werden. Auf jeden Fall müssen wir weitere Aufklärungsarbeit leisten und die Unterschiede der verschiedenen Bewirtschaftungsmethoden und deren Auswirkung für Mensch, Natur und Klima aufzeigen. Ein Zertifikat, das lediglich die Legalität bescheinigt, darf als Kaufkriterium in Zukunft nicht mehr ausreichen.

Das Eigenkapital beträgt rund 15 Prozent der Bilanzsumme. Wo liegt Ihre mittelfristige Zielgrösse?

Um unser Geschäft nachhaltig profitabel zu gestalten, ist es wichtig, die zu hohe Fremdverschuldung zu reduzieren. Wir sehen unsere Chancen einerseits im organischen Wachstum, in dem wir zusätzliche Konzessionen bei den bestehenden Gesellschaften lösen; es bestehen aber auch gute Möglichkeiten akquisitorisch zu wachsen. Um diese Möglichkeiten wahrnehmen zu können, benötigen wir eine Eigenkapitalquote zwischen 35 und 40 Prozenten der Bilanzsumme.

Wie stark hängen Sie denn vom CO2-Zertifikatepreis ab?

Die CO2-Zertifikate, die wir dank des Biomasse-Kraftwerks in Brasilien erhalten, werden exklusiv über myclimate gehandelt. Hierbei handelt es sich um einen Rahmenvertrag, der die gesamte Abnahme der Zertifikate garantiert. myclimate unterstützt unser Projekt und nimmt diese Zertifikate zu einem Fixpreis ab, der gegenwärtig über dem Marktpreis liegt.

Nach der Bilanzsanierung wollen Sie endlich nachhaltig in die grünen Zahlen. Ist Dieter Meier von «Yello» weiter ihr Millionen-Kreditgeber?

Dieter Meier ist von der Mission und der Arbeit von Precious Woods überzeugt und ist deshalb einer der rund zehn privaten Darlehensgebern.

Zur Person:
Markus Brütsch, geboren 1960, ist Vater zweier erwachsener Kinder. Im Juli 2014 wurde er zusätzlich zu seiner Funktion als CFO, die er  seit Beginn des Jahres innehatte, auch  zum CEO der Precious Woods Gruppe gewählt. Markus Brütsch hat eine reichhaltige Erfahrung in der Führung von Klein- und Mittelunternehmen. Er bringt ein ausgewiesenes Wissen im Finanzbereich, in M+A und Kapitalmarkttransaktionen mit und hat eine kaufmännische Berufslehre mit anschliessender Weiterbildung zum Controller und IT-Analytiker abgeschlossen.

Zum Unternehmen:
Precious Woods ist eines der weltweit grösseren Unternehmen in der nachhaltigen Bewirtschaftung von tropischen Regenwäldern und nimmt dabei in vielen Bereichen eine Pionierrolle ein. Im unternehmerischen Fokus stehen die Herstellung und der Verkauf von FSC-zertifizierten Halbfertigprodukten aus Tropenhölzern. Durch eine 40% Beteiligung an einem Biomasse Kraftwerk in Brasilien verkauft Precious Woods zusätzlich Emissionszertifikate aus der Verwertung der Holzabfälle aus der Produktion. Ziel aller Aktivitäten ist ein hoher Kundennutzen, während gleichzeitig die Abholzung der Tropenwälder verhindert wird. Der wirtschaftliche Erfolg ist wiederum die Voraussetzung für die sozialen und ökologisch nachhaltigen Aktivitäten zum langfristigen Erhalt der Tropenwälder. Die Precious Woods Gruppe mit Hauptsitz in der Schweiz beschäftigte im Jahr 2014 in Brasilien, Gabun, den Niederlanden und der Schweiz durchschnittlich 1200 Mitarbeitende. Die Aktien der Precious Woods Holding AG wurden seit dem 18.03.2002 bis 09.08.2013 an der SIX Swiss Exchange in Zürich kotiert. Seit dem 12. August 2013 werden die Aktien über die OTC- ZKB-Plattform gehandelt.

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