Markus Schwab, CEO Yuh, im Interview

Markus Schwab
Markus Schwab, CEO Yuh. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Schwab, nach 19 Monaten hat Yuh die Grenze von 100’000 aktiven Nutzern geknackt. Was bedeutet dieser Schritt und von welcher Dauer, diese Grenze zu knacken, gingen Sie ursprünglich aus?

Markus Schwab: Dass wir heute bereits von 100’000 Yuhserinnen – wie wir sie nennen – sprechen können, macht uns stolz und zeigt uns, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Wir sind 2021 mit grossen Plänen gestartet und haben unser gestecktes Ziel nun erreicht. Das konnten wir jedoch nur, indem wir stets mit unseren Yuhserinnen im Austausch geblieben sind, ihre Bedürfnisse erkannt und implementiert haben und uns ganz im Sinne eines agilen Startups laufend den Marktansprüchen angepasst haben. Ohne die grosse Hingabe, enorme Leistungsbereitschaft und die spürbare Begeisterung unserer Mitarbeiterinnen hätten wir all dies jedoch nicht bewerkstelligen können. Dieser Meilenstein gibt uns den Antrieb, um der Yuh-Community künftig noch mehr zu bieten und neue Yuhserinnen für die App zu begeistern. Dies lässt uns erwartungsvoll und voller Tatendrang in die Zukunft – und ins neue Jahr – blicken.

Wissen Sie, wie viele Nutzer von anderen Neo-Banken oder Finanz-Apps zu Yuh gewechselt sind?

Das können wir leider nicht nachvollziehen, weil wir diesbezüglich nicht nachfragen. Wir sehen jedoch, dass es kaum Nutzerinnen gibt, die unmittelbar ihre bestehenden Bankbeziehungen auflösen und zu uns kommen. Vielmehr wird mit einer Kontoeröffnung auch eine Beziehung zu Yuh aufgebaut und die Leistungen genutzt, mit der sie ihre bestehende Bankbeziehung ergänzen wollen. Hier heben wir uns positiv von unseren Mitbewerbern ab, indem wir schon zu Beginn mit Zahlen, Sparen und Investieren ein breites Angebot abgedeckt haben. Das gab unseren Yuhserinnen die Möglichkeit, sich mit Yuh vertraut zu machen. Es freut uns zu sehen, mit welcher Begeisterung Yuh genutzt wird.

Als die Nationalbank das Zeitalter der Negativzinsen beendete, haben Sie schnell reagiert und per 1. September wieder Sparzinsen eingeführt. Gab das nochmals Schub bei der Zahl neuer Nutzer?

Im «Yuhniversum» steht die Community im Zentrum und wir haben uns bewusst als «First Mover» positioniert. Um in einem hartumkämpften und eher trägen Markt erfolgreich zu sein, muss man innovativ und auch etwas disruptiv agieren. Wären wir als siebte Bank mit Sparzinsen gekommen, so hätten wir wohl kaum mehr jemanden hinter dem Ofen hervorgeholt. So aber, konnten wir unsere Bekanntheit und Positionierung als innovatives Finanz-App deutlich untermauern. Seither konnten wir noch mehr Kundinnen gewinnen und dadurch auch das Ziel mit 100’000 Yuhserinnen bereits vor Jahresende erreichen. Somit ziehen wir zu dieser Entscheidung eine sehr positive Bilanz.

«Wären wir als siebte Bank mit Sparzinsen gekommen, so hätten wir wohl kaum mehr jemanden hinter dem Ofen hervorgeholt.»
Markus Schwab, CEO Yuh

Wie viele Ihrer Kundinnen und Kunden nutzen Yuh überhaupt zum Sparen? Und wie viele zum Zahlen und Investieren?

Yuh stellt ein umfassendes Banking-Angebot bereit, welches 100% digital, verständlich und transparent aufgebaut ist. Mit unserer App schaffen wir unseren Yuhserinnen einen Ort, an dem sie einfach und sicher zahlen, sparen und investieren können. Aktuell halten rund 50 Prozent eine oder mehrere Anlagen. Zwei Drittel haben mindestens ein Sparziel eröffnet und nutzen unsere Mastercard Debit. Im Negativzinsumfeld hatte sich das Investieren in der breiten Masse stark etabliert und aus Anlegen wurde das neue Sparen. Im heutigen, sich stark verändernden Zinsumfeld haben wir auch viele Kundinnen, welche Yuh fürs Zahlen sowie Sparen nutzen und so auch von unseren Zinsen und der kostenlosen Debit Mastercard profitieren. Mit unserem etablierten «3-in-1»-Angebot und den zukünftigen Weiterentwicklungen sind wir die Finanz-App, welche auch als Erstbankbeziehung agieren kann.

Welches Profil hat der typische Yuh-Kunde?

Aktuell beträgt das Durchschnittsalter der Yuhserinnen 35 Jahre und es handelt sich um Nutzerinnen aus urbanen Gegenden. Es liegt leider noch in der Natur der Sache, dass wir noch mehr männliche Nutzer als weibliche registrieren. Wir sehen jedoch eine deutliche Zunahme der weibliche Yuhserinnen, was uns wirklich sehr freut. Denn wir möchten gerne allen digitalen Konsumentinnen die einfache Möglichkeit bieten, ihre Finanzen selbständig auf dem Smartphone zu verwalten und das zu fairen Konditionen und einer völlig neuartigen, voll digitalen Experience.

Und wie verteilen sich die Kunden über das Land gesehen?

Grundsätzlich ist die Verteilung unserer Kundschaft sehr analog mit der Schweizer Bevölkerung, wobei wir eine etwas höhere Konzentration in Ballungsgebieten sehen. In der Westschweiz sind das die Regionen wie Genf sowie Lausanne, in der Deutschschweiz die grösseren Städte wie Bern, Basel, Aarau, Luzern, Zürich, Winterthur und St. Gallen sowie Lugano im Tessin.

«Yuh kann von unternehmerischer Freiheit und als Startup zugleich von der Sicherheit und dem Vertrauen in die Schweizer Grossbanken PostFinance und Swissquote profitieren.»

Welche Rolle spielt beim Erfolg von Yuh, dass mit PostFinance und Swissquote zwei etablierte Banken dahinterstehen?

Yuh grenzt sich nicht nur durch die digitale Experience ab, sondern vereint technische Banking-Neuheiten mit smarten Finanzlösungen in kompakter App-Form. Damit sprechen wir gezielt die «Smartphone-Generation» – und insbesondere die Digital First Users – an. Yuh kann somit von unternehmerischer Freiheit und als Startup zugleich von der Sicherheit und dem Vertrauen in die Schweizer Grossbanken PostFinance und Swissquote profitieren.

Was würden Sie als Alleinstellungsmerkmal von Yuh bezeichnen?

Wir demokratisieren das Banking! Dies erreichen wir durch technisch ausgereifte, 100% digitale Produktlösungen und auf der Basis von nutzerorientiertem Denken. Einerseits gibt Yuh der «Smartphone-Generation» zeitgemässe Features an die Hand, um die eigenen Finanzen selbständig verwalten und somit die Zukunft gestalten zu können. Die «3-in-1»-Lösung war bei Markteintritt das Markenzeichen von Yuh. Doch gerade im digitalen Umfeld ist es wichtig, am Puls der Zeit zu bleiben. Deshalb werden wir in Zukunft das Angebot um neue Features erweitern und die bestehenden Finanzbereiche ausbauen. Smarte technische Innovationen stehen dabei stets im Fokus: Die App wurde so konzipiert, dass sie einfach und intuitiv ist, um den Umgang mit Finanzen möglichst bequem und mit einem einzigartigen visuellen Touch zu gestalten. Andererseits werden bei der Produktentwicklung auch die Bedürfnisse der Zielgruppe berücksichtigt. Wer beispielsweise ein Konto bei Yuh eröffnet, profitiert vom Low-to-no-fees-Ansatz und zahlt somit keine Grundgebühren für Konto, Depot und Debit Mastercard. Damit gilt Yuh als günstigste Konto- und Kartenlösung unter allen vergleichbaren Schweizer Anbietern.

«Der Kauf von Aktien-Anteilen kommt bei unseren Yuhserinnen mittlerweile sehr gut an und wird intensiv genutzt, wie unsere Daten zeigen.»

Im Schnitt hat Yuh seit der Lancierung im Mai 2021 rund alle 40 Tage ein neues Feature veröffentlicht, darunter Fractional Trading. Wie beliebt ist diese Investitionsmöglichkeit?

Die heutige «Smartphone-Generation» grenzt sich stark von früheren Banking-Kunden ab und ist digital überaus versiert, wodurch technische Neuheiten und innovative Features stets begrüsst und auch gewünscht werden. Nicht jede Person kann sich immer ganze Aktien leisten. Dies können mehrere tausend Franken oder gar noch höher sein. Fractional Trading heisst hier die Lösung: Alle Yuhserinnen können bei uns in die Aktie investieren, an die sie glauben. Der Kauf, also von Aktien-Anteilen, kommt bei unseren Yuhserinnen mittlerweile sehr gut an und wird intensiv genutzt, wie unsere Daten zeigen.

Wie präsentiert sich im Fractional Trading die Anlagepalette?

Das Fractional Trading befindet sich in der App dort, wo auch ganze Aktien gekauft werden können: Bei Yuh ist eine Beteiligung bereits ab CHF 25.- möglich. Auf diese Weise können Yuhserinnen mit kleinen Summen an den Unternehmen partizipieren, die für sie Erfolgspotential haben. Beispielsweise können die Nutzerinnen mit CHF 100.- in eine Lindt & Sprüngli Aktie investieren, welche andernfalls vielleicht nicht im Budget liegen würde. Sobald der Auftrag abgeschickt ist, lässt sich der Verlauf der jeweiligen Aktie entspannt in Echtzeit nachverfolgen. Das Handeln von Fractions ist mit keinerlei Nachteilen verbunden und die Dividenden werden dem Anteil entsprechend ausbezahlt, z.B. wird bei 0,5 Aktien 50% der Dividende ausbezahlt.

Welche Features sind als nächstes angedacht, zum Beispiel im wichtigen Bereich Vorsorge?

Bei neuen Produkteinführungen richten wir uns zum einen nach den Wünschen aus dem Yuhniversum, zum anderen entwickeln wir auch immer wieder Features mit «Wow-Effekt», die unsere Yuhserinnen auf positive Weise überraschen.

Neben den bereits zur Verfügung gestellten Bereichen Zahlen, Sparen und Investieren gehört auch die Vorsorge zu einer finanziellen Absicherung – und damit auch zu einem umfassenden Finanz-Angebot – dazu. So steht die Lancierung einer 3a-Lösung bereits in den Startlöchern und ist für das erste Quartal 2023 angedacht. Dieser Neuausrichtung sowie weiteren Features, u.a. die Anbindung an Twint, widmen wir uns im neuen Jahr. Für uns ist Stillstand ein Rückschritt. Deshalb werden wir weiterhin dynamisch und agil im digitalen Banking-Umfeld unterwegs sein, um die Demokratisierung der Finanzen mit zeitgemässen Mitteln nutzerorientiert voranzutreiben.

Herr Schwab, besten Dank für das Interview.

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