Mathis Hasler, Co-Founder & CEO PopupOffice AG im Interview

Mathis Hasler, Co-Founder & CEO PopupOffice AG im Interview

Mathis Hasler, Co-Founder & CEO PopupOffice AG. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Hasler, Sie haben zusammen mit Philipp Dick die PopUpOffice AG gegründet und  bauen über die ganze Schweiz verteilt ein Netz von mobilen Arbeitsplätzen auf. Wie ist die Idee entstanden?

Mathis Hasler: Die Idee entstand aus einem eigenen Bedürfnis heraus. Ich war in meinen früheren Jobs viel ausserhalb meines Büros unterwegs und vermisste einen effizienten Büroplatz “on the road”. Zusätzlichen haben wir den Trend registriert, dass immer mehr Menschen nach Flexibilität und Mobilität suchen. Das passte gut zusammen.

An wen richtet sich Ihr Angebot?

Es richtet sich vor allem an Personen, die oft unterwegs sind und ortsunabhängig arbeiten. Laut Cisco brauchen drei von fünf Personen kein Büro, um produktiv zu sein und gemäss Economiesuisse gibt es in der Schweiz etwa 2,5 Millionen sogenannte Wissensarbeiter, die theoretisch keinen fixen Arbeitsplatz benötigen, um ihre Arbeit verrichten zu können.

«Alternative Arbeitsformen machen Firmen als Arbeitgeber attraktiver, da Menschen Mobilität und Freiheit schätzen und sich nicht gerne einschränken lassen.» Mathis Hasler, Co-Founder und CEO PopUpOffice AG

Mit der AXA Winterthur haben Sie bereits einen ersten Grosskunden gewonnen. Wie wichtig sind Grossfirmen und deren mobil arbeitende Mitarbeiter für PopUpOffice?

Ein Partner wie die AXA Winterthur war ein Glücksfall, zeigt aber auch klar den Trend auf. Die Veränderung des Arbeitsplatzes wird vor allem von Grossfirmen getrieben. Das flexible Büro ist nicht nur eine Möglichkeit die Kosten zu senken, sondern steigert das Innovationspotenzial einer Firma, da mehr Interaktion mit der Aussenwelt stattfindet.

Ist der Deal auch ein Beispiel dafür, dass alternative Arbeitsformen in Folge der sich rasch verändernden Arbeitswelt auch für Grossfirmen immer interessanter werden?

Alternative Arbeitsformen machen Firmen als Arbeitgeber attraktiver, da Menschen Mobilität und Freiheit schätzen und sich nicht gerne einschränken lassen. Eine Firma wird dadurch offener und lässt die Interaktion mit neuen Ideen einfacher zu. Früher galt das als eine Gefahr, weil man dachte, die guten Leute durch lockere Zügel zu verlieren. Heute ist das flexible Büro eine Chance, überhaupt an die guten Leute heranzukommen und deren Fähigkeiten quasi zu teilen. Die Sharing Economy heisst in dem Sinne auch, die Fähigkeiten von Menschen zu teilen und dort einzusetzen, wo sie gerade am besten gebraucht werden können. Man stellt Leute also nicht direkt ein, sondern darf temporär von deren Fähigkeiten profitieren.

Derzeit stellen Sie in rund 50 Locations Arbeitsplätze zur Verfügung. Was braucht es mehr als Platz, Möbel und WiFi?

Es braucht ein Gefühl des Arbeitens – eine geteilte Arbeitsatmosphäre. Wir Menschen sind soziale Wesen und auch die Arbeit ist eine soziale Sache. Man arbeitet oft besser, wenn jemand vis-à-vis auch arbeitet statt die Zeitung zu lesen. Weiter braucht es einen Standard – von einem PopupOffice muss man erwarten können, dass es ein effizientes Arbeitsumfeld schafft und eine Zone erzeugt, in der bequem gearbeitet werden kann.

Und nach welchen Kriterien suchen Sie die Standorte aus?

Auf PopupOffice.ch soll man eine Vielzahl von Arbeitsorten finden und sich den Arbeitsplatz je nach Stimmung aussuchen können. In dem Sinne sind wir recht offen. Es geht von formellen Business Center bis hin zu Kreativräumen. Wichtig ist aber, dass diese Standorte professionelle Interaktion zwischen Menschen zulassen – dort liegt der Wert von flexiblen Arbeitsorten.

«Wir wollen die Interaktion der User fördern, indem wir sichtbar machen, wer wann und wo anzutreffen ist und welche Arten von Skills in den verschiedenen Räumlichkeiten anzutreffen sind.»

Wer nun einen von Ihnen zur Verfügung gestellten Arbeitsplatz nutzen will, meldet sich auf popupoffice.ch an. Was kostet anschliessend die Nutzung der Arbeitsplätze?

Wir versuchen das Angebot so einfach wie möglich zu halten und haben uns auf einen einheitlichen Stundenpreis von 8.00 Franken festgelegt. Dies  entspricht einem Durchschnitt von verschiedenen Angeboten, die es momentan in der Schweiz gibt. Alternativ kann man sich auch für ein Monatsabo entscheiden, was Sinn macht, wenn man PopupOffice sehr regelmässig nutzen möchte.

Wie sehen Ihre Ausbaupläne aus?

Wir wollen die Interaktion der User fördern, indem wir sichtbar machen, wer wann und wo anzutreffen ist und welche Arten von Skills in den verschiedenen Räumlichkeiten anzutreffen sind. Coworking Spaces spezialisieren sich mehr und mehr auf ein Gebiet. Sie wollen damit Menschen mit gleichen Fähigkeiten an einem Ort konzentrieren und deren Interaktion fördern – zum Beispiel in den Bereichen Technologie, Digitale Interaktion oder Fotografie. Dort entsteht dann die Interaktions-Zone zwischen den innovations-suchenden Grossfirmen und den unabhängig arbeitenden Spezialisten. Dies wollen wir mit PopupOffice abbilden und fördern können.

Heute befinden sich die meisten der zur Verfügung gestellten Arbeitsplätze in bestehenden Business-Center oder Coworking-Locations. Welche Pläne verfolgen Sie hinsichtlich der Um- oder Zusatznutzung anderer Örtlichkeiten?

Wir wollen mit PopupOffice eine Dienstleistung aufbauen, welche es den Örtlichkeiten erlaubt, selber einen Workspace zu betreiben – im Sinne eines Workspace-Baukastens. Im Visier haben wir dabei vor allem die Gastronomie, Showrooms oder Galerien. Viele dieser Orte werden zu gewissen Tageszeiten weniger frequentiert und mit PopupOffice lassen sich die Räume innovativ aufwerten. Wir konzentrieren uns dabei vor allem auf Räumlichkeiten in den Hochfrequenz-Zonen nahe Bahnhöfen, Flughäfen und Geschäftzonen etc.

Der weltgrösse Coworking-Anbieter WeWork mietet in den USA, in Europa und Israel grosse Büroflächen, unterteilt sie und vermietet sie dann an Startups und Freelancer weiter. Ist dieses Vorgehen in der Schweiz – wo sehr viele Büroflächen leer stehen – eine Option für die Zukunft?

Absolut. Das Büro wird auch in der Schweiz zur Dienstleistung. Flexible Firmen wollen Büros nicht mehr besitzen, sondern mieten – mitsamt der Einrichtung. WeWork macht das Büro einfach. Kurze Mietverträge, flexibel in der Grösse und mit Services verbunden. WeWork vermietet nicht nur an Startups und Freelancer, sondern vor allem an Firmen, die das Büro und die damit verbunden Aufgaben und Pflichten outsourcen können. Zusätzlich macht WeWork das Büro zum “coolsten” Arbeitsplatz der Stadt, mit dem sich keine Grossfirma messen kann.

«Das Volumen der Arbeit darf nicht von den Arbeitgebern gesteuert werden, sondern soll vom Bedürfnis der Wirtschaft abhängen.»

WeWork hat eine Community geschaffen, in der sich die Mitglieder verbinden, austauschen und interagieren können. Verfolgen Sie ähnliche Pläne?

Die WeWork-Community trifft sich nicht online, sondern offline. Das heisst, man trifft sich persönlich und nicht in der Premium-Welt von Xing und Linkedin – und dort steckt die Magie. Mit PopupOffice wollen wir vor allem die physische Interaktion zwischen den Grossfirmen und den unabhängig Arbeitenden fördern. In diesem Sinne geht die Logik von PopupOffice in die gleiche Richtung.

Letzte Frage: Wo liegen für Sie generell die grössten Vorteile einer flexiblen Arbeitskultur?

Eine flexible Arbeitskultur hat vor allem gesamtwirtschaftlich ein grosses Potential, denn sie lässt zu, dass wir das traditionelle Verhältnis von Arbeitnehmer-Arbeitgeber überdenken. Das Volumen der Arbeit darf nicht von den Arbeitgebern gesteuert werden, sondern soll vom Bedürfnis der Wirtschaft abhängen. Der Arbeitsplatz der Zukunft ist also der Ort, an dem die Arbeit entsteht und nicht nur der Ort, an dem die Arbeit aktiv verteilt oder gegeben wird. In einer Wirtschaft gibt es immer Arbeit für jeden – man muss aber die «Andockstelle» neu erfinden. Europa hat mit einer Jugendarbeitslosigkeit von über 30 % in Italien, Griechenland, Spanien oder Portugal ein grosses Problem – denn die Jugend will arbeiten, kann aber nicht, weil Firmen keine Jobs anbieten. Die flexible Arbeitskultur hat die Chance, diese vorhandenen Ressourcen integrativer zu Nutzen. Firmen gestalten eine durchlässige Membran, welche die benötigen Menschen und deren Fähigkeiten einfacher rein und wieder rauslassen. Am Ende kann man somit mehr Menschen in den Arbeitskreis mit einbeziehen.

Herr Hasler, besten Dank für das Interview.

Zur Person:
Mathis Hasler, Jahrgang 1982, ist Co-Founder und CEO der Popup Office AG. Er studierte internationale Beziehungen am Graduate Institute Geneva und war in der Geschäftsentwicklung bei Thomson Reuters, beim World Economic Forum und bei Western Union tätig. 

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