Michael Sauter, CEO Zentrum für Innovation und Digitalisierung (ZID), im Interview

Michael Sauter
Michael Sauter, CEO Zentrum für Innovation und Digitalisierung (ZID). (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Sauter, wie definieren Sie Innovation?

Michael Sauter: Ein Innovationsvorhaben wird per Definition erst zur Innovation, wenn sich diese am Markt durchsetzt. Hier liegt das Problem. Die wenigsten Vorhaben sind erfolgreich am Markt. Das ZID setzt sich für mehr erfolgreiche Innovationen ein.

In welchen Branchen/Industrien beobachten Sie besonders viele Innovationen?

As meiner Sicht kann man nicht von einer spezifischen Branche oder Industrie sprechen. Digitale Geschäftsmodelle setzen sich verstärkt durch. Beispiele gibt es in allen Branchen. Corona hat diese Entwicklung nochmals beschleunigt.

„Uns interessieren Projekte, die in Zusammenhang mit aktuellen, gesellschaftlichen Herausforderungen oder mit der digitalen Transformation stehen.“
Michael Sauter, CEO Zentrum für Innovation und Digitalisierung (ZID)

Das Zentrum für Innovation und Digitalisierung ZID unterstützt Unternehmen in ihren Innovationsvorhaben. Auf welchen Ebenen erfolgt diese Unterstützung?

Wir unterstützen Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung von Innovation. Dabei stellen wir Knowhow, Dienstleistungen und temporäre Ressourcen zur Verfügung. Gleichzeitig dazu bieten wir auf 2’500 m2 Räumlichkeiten für Startups und Innovationsteams, betreiben im urbanen Quartier Bernapark das grösste Real Lab der Schweiz, um Innovationsvorhaben zu testen, bauen eine Akademie für KMU auf und investieren in ausgewählte Innovationsprojekte. Zusammengefasst bauen wir das bestmögliche Ökosystem für die Umsetzung von Innovationsvorhaben auf. Man kann, so glaube ich, getrost sagen, dass dies einmalig in der Schweiz ist.

Welche Innovationsfelder stehen im Fokus, welche Projekte sind für das ZID von besonderem Interesse?

Uns interessieren Projekte, die in Zusammenhang mit aktuellen, gesellschaftlichen Herausforderungen oder mit der digitalen Transformation stehen.

Nach welchen Kriterien werden unterstützungswürdige Ideen beurteilt?

Als erstes interessieren uns die Personen hinter der Idee. Was treibt sie an? Welche Fähigkeiten bringen sie mit? Wie gut kennen sie den Markt? Dann interessiert uns, welche Marktnachweise es gibt, dass die Lösung wirklich einem Bedarf entspricht. Gibt es erste Kunden? Was sagen diese? Schlussendlich spielt die Skalierfähigkeit des Projektes eine wichtige Rolle.

Könnten Sie uns ein aktuelles Beispiel geben, wie Sie ein Unternehmen unterstützen konnten?

Beispiele gibt es einige. Mit einem Unternehmen testen wir im Bernpark ein neues Dienstleistungsmodell. Mit einem anderen Unternehmen entwickeln wir ein neues Förderkonzept. Wir unterstützen bei Umbau eines Spin-offs, betreiben Cross-Industry Innovation Workshops mit branchenübergreifenden Unternehmen und bauen im Bernpark eine IOT Plattform auf um Quartiere gezielt zu entwickeln. Ein weiterer, wichtiger Mehrwert sind unsere digitalen/physischen Veranstaltungen, an denen die Unternehmen in unserer Community voneinander lernen.

„Neben der grossen Tragik sind die aktuellen Zeiten aus Innovationssicht äusserst spannend.“

Die Coronakrise hat die Digitalisierung in vielen Bereichen enorm beschleunigt. Konstatieren Sie diese Entwicklung bereits bei den Innovationsvorhaben?

Neben der grossen Tragik sind die aktuellen Zeiten aus Innovationssicht äusserst spannend. Quasi über Nacht sind neue Märkte und Bedürfnisse entstanden. Was sonst Jahre braucht, geschieht nun in Wochen. Dabei hat mich die Anpassungsfähigkeit vieler Startups tief beeindruckt. Zum Beispiel hat Ender Diagnostics einen Schnelltest für COVID entwickelt, der genau und schnell ist. Cleveron hat einen Luftsensor auf den Markt gebracht. MyBuxi bietet neben Personentransport auch Lieferdienste an. Dies sind nur einige Beispiele.

Anfang Dezember hat das ZID den sogenannten ZID Space im Bernapark, der ehemaligen Kartonfabrik in Deisswil bei Bern, bezogen. Was bietet dieser Raum den eingemieteten Unternehmen?

Wir bezeichnen unsere Räumlichkeiten als Community Space. Dieser beinhaltet Büros, Sitzungs- und Innovationsräume, Präsentationsräume, Treffpunkte, Cafeteria, Rückzugsmöglichkeiten, etc. Ziel ist es, eine optimale Umgebung für die Umsetzung von Innovation zu bieten. Gleichzeitig sind wir im Ökosystem des Bernapark eingebettet. Ein neues, urbanes Quartier mit Wohnungen, Fitness Center, Kitas, Kulturangebote, Bauernhof, Gesundheitszentrum und diversen Gastroangeboten entsteht.

Wie viele Startups umfasst die Community?

Vor Ort sind rund 18 Unternehmen, dazu kommen noch weitere 20 Unternehmen in unserer Community. Neben den Startups sind auch ein Innovationsteam der BEKB, die BFH Wirtschaft, die Startup Academy, die Swiss Startup Group, das Digital Innovation Lab, Aare Ventures und Mihm Ventures eingemietet. Unsere Community erweitert sich beinahe wöchentlich.

Auf welche Art können die Jungunternehmen voneinander profitieren?

Coaches und Trainer sind in bestimmten Situationen wichtig. Aber noch wichtiger ist das Lernen untereinander. Dabei lernt ein Startup von einem etablierten Unternehmen und umgekehrt. Etablierte Unternehmen sollten unbedingt auch von den neuen Unternehmen lernen. Diese liefern wichtige Hinweise, wie ihr Business morgen aussehen könnte.

„Es braucht neue Unternehmen und neue Innovationen in den Unternehmen, die wiederum Jobs schaffen. Dies ist unsere Mission und dazu bauen wir unsere Community auf!“

Über Aare Ventures unterstützen Sie ausgewählte Unternehmer finanziell. Wie präsentiert sich das entsprechende Portfolio?

Unser Portfolio ist zurzeit noch sehr divers. Wir investieren nicht in eine Branche, sondern immer in den Unternehmer und in die Unternehmerin. Aktuell haben wir über 23 Investments gemacht.

Wie wollen Sie das ZID in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Unter dem Motto «mehr «Jobs» für Bern und die Schweiz» unterstützen wir Unternehmen bei der Umsetzung von Innovation. Es sind tendenziell nicht die grossen Unternehmen, die Jobs schaffen. Andere Unternehmen werden in den nächsten Jahren verschwinden. Es braucht neue Unternehmen und neue Innovationen in den Unternehmen, die wiederum Jobs schaffen. Dies ist unsere Mission und dazu bauen wir unsere Community auf! Auch eine internationale Ausrichtung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Herr Sauter, besten Dank für das Interview.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.