Michel Dérobert, Geschäftsführer VSPB

Michel Y. Dérobert

Michel Dérobert, Geschäftsführer Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers (VSPB).

Von Alexander Saheb

Moneycab: Wie verlief das Jahr 2010 aus Ihrer Sicht?

Michel Dérobert: Meine Sicht ist diejenige eines Bankenverbandsdirektors. Die hektische Aktivität der internationalen Gremien sowie jene des Gesetzgebers und der Regulatoren geben Anlass zu einer regelrechten Normenflut, die uns viel zu schaffen gab.

Welche Trends werden das Jahr 2011 im Bankgeschäft prägen?

Es herrscht in Amerika und in den umliegenden europäischen Ländern eine grosse Unsicherheit. Diese Unsicherheit prägt die finanziellen Märkte und macht das Leben unserer Mitgliedsbanken nicht einfacher. Das Bankgeschäft wird derzeit von zwei wesentlichen Trends geprägt: instabile Märkte und schnell wandelnde Rahmenbedingungen. Der Finanzplatz ist heute wie eine riesige Baustelle. In einer Baustelle leben zu müssen ist weder einfach noch angenehm.

Wachstum ist sicher auch für ihre Mitgliedsbanken ein Thema. Die grossen börsenkotierten Privatbanken suchen es in Deutschland und Asien. Wie sieht das auf der Ebene des VSPB aus?

Teilweise kann man die gleichen Entwicklungen beobachten. Die Schweizer Privatbankiers sind aber eine sehr diverse Gruppe und verfolgen verschiedene Strategien. Einige wachsen in der Schweiz, andere expandieren im Ausland. Und es gibt auch gewisse Bankhäuser, die mit ihrer Grösse zufrieden sind.

„Wir sind der Meinung, dass der Gesetzgeber und der Regulator darauf achten müssen, dass der Grundsatz ‹one size fits all› für den Finanzplatz extrem gefährlich wäre.“
Michel Dérobert, Geschäftsführer Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers

Auslandsmärkte sind oft aufwendig zu erschliessen. Gibt es nicht Überlegungen zu Kooperationen, bei denen sich mehrere Banken die Kosten einer Auslandsniederlassung teilen? Die Genfer Privatbankiers fahren ja auch mit einer Doppelbrandingstrategie.

Ich weiss nicht, ob eine solche Strategie im Ausland sehr viel Sinn machen würde. Die Imagekampagne der Genfer Privatbankiers ist sehr spezifisch und kann nicht als Modell für eine kommerzielle Entwicklung dienen.

Die zunehmende Regulierung ist auch in der Schweiz ein Thema. Wie gehen die Verbandsmitglieder mit dem zunehmenden Druck bzw. den Kosten um? Zahlt man nicht für Konsequenzen aus Verfehlungen der Grossbanken?

Es ist klar dass die schweizerischen Vermögensverwaltungsbanken – nicht nur die Schweizer Privatbankiers – die Konsequenzen einer Finanzkrise tragen müssen, für die sie nicht verantwortlich waren. Gewisse Verfehlungen der Grossbanken haben auch Folgen, die für unsere Mitgliedsbanken problematisch sind. Wir sind aber der Meinung, dass der Gesetzgeber und der Regulator darauf achten müssen, dass der Grundsatz „one size fits all“ für den Finanzplatz extrem gefährlich wäre. Mit anderen Worten: Gleiches muss gleich behandelt werden, und Ungleiches muss differenzierte Lösungen hervorrufen. Bisher konnte der zunehmende Kostendruck allerdings gemeistert werden. Die Margen sind übrigens auch von der Ertragsseite her gefährdet.

Die Unternehmensberatung PwC stellt in einer Branchenstudie fest, dass zwar alle Privatbanken sparen wollen, aber keine den grössten Fixkostenblock, die Personalkosten, angeht. Warum vertragen die Mitarbeitenden keinen Lohndruck?

Es gibt im Private Banking wie anderswo einen Markt für Talente. Die Bankenmitarbeiter vertragen sicher einen gewissen Druck beim variablen Teil ihrer Entlohnung. Ich glaube nicht, dass die Arbeitgeber zu grosszügig sind. Sie wollen einfach ihre guten Leute behalten und wissen sicher genau so gut wie PwC, was sie zu tun haben.

Immer wieder heisst es, die Branche müsse konsolidieren. Der Kostendruck würde kleinere Banken zum Verkauf oder zur Fusion zwingen. Teilen Sie diese Ansicht?

Das ist eine Vereinfachung. Gewiss fusionieren manchmal gewisse Banken. Oft sind es übrigens nicht die kleinsten, die diesen Weg bestreiten, sondern diejenigen, die weder gross noch klein sind. Ich glaube nicht, dass es fixe Gesetze gibt. Zumindest kann ich sagen, dass ich solche Gesetze in den letzten 20 Jahren nicht beobachtet habe.

Wie klein kann eine finanziell gesunde Privatbank denn sein?

Ziemlich klein. Sie muss aber genau wissen, was sie machen will. Dieser Grundsatz gilt übrigens für alle.

„Ohne Personenfreizügigkeit hätten wir alle erhebliche Probleme.“

Wie wichtig ist Diversity für die Unternehmen des Verbandes? Sind Ihnen geplante oder umgesetzte Massnahmen zum Thema bekannt?

Es ist kein Verbandsthema, und ich kann dazu nicht Stellung nehmen. Wir befassen uns ausschliesslich mit den gesetzlichen und reglementarischen Rahmenbedingungen. Diversity ist offensichtlich noch nicht Bestandteil davon.

Wie schätzen Sie die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Führungsnachwuchses ein?

Wir haben einen guten Führungsnachwuchs. Wir brauchen aber auch gute Ausländer, um die Auslandsmärkte bearbeiten zu können.

Die SVP möchte sich gegen die Personenfreizügigkeit engagieren. Wie stark haben die Mitglieder des VSPB in den vergangenen Jahren von der vereinfachten Personalrekrutierung in Europa profitiert? Werden Sie weiterhin die gewünschten Talente finden?

Der Kampf der SVP gegen die Personenfreizügigkeit ist sehr gefährlich für die Schweizer Wirtschaft. Unsere Mitglieder und die übrigen Banken haben von den vereinfachten Regeln sehr profitiert. Das gilt auch für die Industrie und für öffentliche Dienste, etwa in Spitälern. Das daraus resultierende Wachstum hat aber neue Probleme verursacht, beispielsweise beim Wohnungsmarkt. Diese Wachstumsprobleme sind aber einfacher zu lösen als diejenige, die man hat, wenn die Wirtschaft schrumpft. Ohne Personenfreizügigkeit hätten wir alle erhebliche Probleme.

Herr Dérobert, vielen Dank für das Gespräch.

Der Gesprächspartner
Michel Y. Dérobert hat die Hochschule St. Gallen absolviert mit einem Lizenziat (lic. oec.) in Finanz- und Rechnungswesen. Er hat in seiner Laufbahn verschiedene Ämter im Banken- und Finanzsektor in Genf und London besetzt, bevor er 1981 zum Vorort (Schweizerischer Handels- und Industrie-Verein, heute economiesuisse) in Zürich kam. Seit 1990 ist er Generalsekretär der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers und Mitglied verschiedener Kommissionen der Schweizerischen Bankiervereinigung. Bis 2010 hat er das Groupement des Banquiers Privés Genevois geleitet. Michel Y. Dérobert ist 1950 geboren und spricht fliessend Französisch, Englisch und Deutsch.

Der Verband
Die Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers (VSPB) wurde 1934 gegründet anlässlich des Inkrafttretens des Bankengesetzes, das sofort die Stellung und den besonderen Status der Privatbankiers anerkannte. Heute zählt die VSP 14 Mitglieder und beschäftigt weltweit zirka 5’000 Mitarbeiter. Mit ihrem Sekretariat in Genf spielt die VSPB eine entscheidende Rolle in der Verteidigung der beruflichen Interessen und des Standes der Privatbankiers sowie bei der Erhaltung vorteilhafter Rahmenbedingungen für die Tätigkeiten der Vermögensverwaltungsbranche in der Schweiz.

Symbolbild KF für CEO Interviews

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.