Nicolaas Hertzsch, Leiter Software IBM Schweiz, im Interview

Nicolaas Hertzsch, Leiter Software IBM Schweiz, im Interview
Nicolaas Hertzsch, Head IBM Software Group, IBM Switzerland (Bild: IBM)

Von Helmuth Fuchs

Im Interview nimmt Nicolaas Hertzsch, Leiter Software IBM Schweiz, Stellung

  • zum Begriff „cognitive computing“ und speziellen Anwendungen.

„IBM vermeidet es generell, Watson als künstliche Intelligenz zu beschreiben, wir verwenden dafür den Begriff „cognitive computing. Watson ist ein System, das den Anwendern dabei helfen soll, bessere Entscheidungen aufgrund einer besseren Datengrundlage zu treffen.“ 

„Im Unterschied zu anderer künstlicher Intelligenz ist Watson in der Lage, unstrukturierte Daten, wie menschliche Sprache und Bilder, mit zu berücksichtigen.“

„Im Pharmabereich haben wir in nur einem Jahr den grössten Pharma-Datenpool aufgebaut und Watson Health zu Verfügung gestellt. Dabei wurden 300 Millionen Patientenakten und 30 Milliarden medizinische Bilder analysiert und Ärzten zu Verfügung gestellt, um Analysen und Diagnosen zu machen und bessere Therapien für ihre Patienten zu haben.“

  • zum Internet der Dinge und seinem Potential für die Schweiz

„Das Internet der Dinge bewirkt radikale Veränderungen, wie Unternehmen operieren und wie einzelne Menschen mit der physischen Welt interagieren können. Wir haben zunehmend Sensoren in allen Lebensbereichen.“

„In der Schweiz sehen wir sehr grosses Interesse bei Industrieunternehmen, aber auch im Distributionssektor, wo das Internet der Dinge verwendet wird, um Logistikketten effizienter zu gestalten.“

  • zur Akzeptanz und Verbreitung von Cloud Lösungen in der Schweiz

„Es ist sicher so, dass in den letzten Jahren die Schweiz bei manchen Aspekten des Cloud Computings sehr konservativ und vorsichtig war, ich denke hier vor allem an den Bankensektor, wo es um die Auslagerung von personenbezogenen Daten geht. Jetzt sehen wir jedoch eine enorm rasante Entwicklung in der Adoption von Cloud Technologien auch in der Schweiz.“

„Die gesamte Anwendungsentwicklung verlagert sich nach und nach von „on premise“ in die Cloud.“

  • zu ersten Erfahrungen und Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain

„Die Blockchain hat das Potential, für Transaktionen das zu werden, was das Internet für den Austausch von Informationen ist.“

„Bei einer Studie mit 50 Schweizer Unternehmen aus verschiedenen Branchen haben 70 Prozent der Befragten gesagt, dass die Blockchain Technologie in den nächsten zwei Jahren ein „game changer“ für sie sein könne.“

„IBM Global Financing benutzt Blockchain seit sechs Monaten für ihr Dispute Management, die Ergebnisse sind signifikant. Wir haben die Dispute Zeit von 44 auf 10 Tage reduziert und gleichzeitig die Kapitalbindung um 40 Prozent verringern können.“

  • zu Entwicklungen mit den grössten Chancen für Kunden, Produktivitätsgewinne zu erzielen

„Durch die rasant fortschreitende Informationstechnologie werden Cloud Lösungen immer sicherer und werden immer mehr „on premise“ Installationen verdrängen. Ich spreche nicht nur über Infrastruktur, sondern auch davon, was auf der Infrastruktur läuft.“

„Entwickler können heute praktisch in Echtzeit Anwendungen entwickeln, in einer Art und Weise wie sie es zuvor nicht konnten.“

Der Gesprächspartner:
Nicolaas C. Hertzsch ist seit November 2013 Mitglied der Geschäftsleitung und leitet die Software Group (SWG) der IBM Schweiz.

Nach dem Studium der Betriebswirtschaft an der Universität des Saarlandes und der University of California at Berkeley (UCB) trat Nicolaas C. Hertzsch 2000 in die IBM ein. Seit seinem Eintritt als Sales Representative im Industrievertrieb hat Nicolaas C. Hertzsch verschiedene nationale und internationale Sales, Sales Management und Operations Funktionen verantwortet. Unter anderem besetzte er globale Vertriebsfunktionen für Grosskunden sowie die Leitung des Mittelstandvertriebs für Süddeutschland. Als Leiter der Operations IBM Schweiz und Österreich und Director der IBM Software Group Operations für gesamt Europa war Nicolaas C. Hertzsch bis Ende 2013 international tätig.

Das Unternehmen:
Vom Digital Business zum Cognitive Business – um Unternehmen aller Größen bei der digitalen Transformation ihrer Geschäftsmodelle zu unterstützen und die Chancen der Digitalisierung für sie nutzbar zu machen, konzentriert sich IBM auf die Wachstumsinitiativen Business Analytics, Cloud Computing, Mobile Enterprise, Social Business und Security. Diese strategischen Felder bilden für IBM sowohl die Basis ihres stetig erweiterten Lösungsportfolios als auch die Grundlage ihrer fortschreitenden Transformation hin zu einem Cognitive-Solutions- und Cloud-Plattform-Anbieter.

Innovation bildet dabei den Kern der IBM Strategie. Mit der im Januar 2014 erfolgten Neugründung der IBM Watson Group unterstreicht IBM die Bedeutung des „Cognitive Computing“ für das Unternehmen – einer neuen Ära von IT-Systemen, die lernen, argumentieren und in natürlicher Sprache mit den Menschen interagieren können. Das kognitive System von IBM – IBM Watson – wurde so konzipiert, dass es auf Basis natürlicher Sprache die Analyse, Bewertung und Interpretation enormer unstrukturierter Datenmengen binnen Sekundenbruchteilen bewältigen kann. Es ist in der Lage, selbstständig Informationen aus Daten zu gewinnen und Schlussfolgerungen zu ziehen. Damit nähert sich das System den kognitiven Fähigkeiten des Menschen an und birgt enormes Potential für zukünftige Anwendungen in Wirtschaft und Gesellschaft.

IBM hat 2015 insgesamt 7.355 US-Patente erteilt bekommen – im Schnitt erhielten die IBM Erfinder mehr als 20 Patente pro Tag. Das Unternehmen belegt damit zum 23. Mal in Folge den Spitzenplatz in der Rangliste des US-Patentamts. Mehr als 2.000 dieser Patente stammen dabei aus den beiden strategischen Wachstumsfeldern des Unternehmens, Cognitive und Cloud Computing.


Das Interview entstand in Zusammenarbeit mit dem Swiss BPM Forum.

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