Nitin Mehta, Managing Director CFA Institute

Nitin Mehta

Nitin Mehta, Managing Director CFA Institute London.

Von Alexander Saheb

Moneycab: Beeinflusst die aktuelle Wirtschaftskrise die Nachfrage nach der CFA-Ausbildung?

Nitin Mehta: Die Finanzkrise verdeutlicht die Bedeutung von ethisch korrektem Verhalten und ausbildungsbasierten Kompetenzen. Diese Werte sind Bestandteil des CFA-Programmes, weshalb das Interesse daran ungebrochen ist. In der Tat haben wir 2011 mehr Anmeldungen als jemals vorher verzeichnet. Auch die Zahl der Mitglieder der CFA-Gesellschaften ist weltweit auf einen neuen Höchststand geklettert.

Was sind heute die Hauptgründe, den CFA zu erwerben?

Das sind grundlegend die gleichen wie früher. Investment-Fachleute möchten ein umfassendes Fachwissen erwerben, um in globalisierten Märkten tätig sein zu können. Sie möchten das ethische Rahmenwerk professionellen Verhaltens kennen lernen. Sie möchten ihre Überzeugungen mit einem Titel untermauern, der ein weltweit anerkannter Benchmark ist. Und sie möchten Mitglied der weltweit grössten Vereinigung von Investment-Fachleuten sein. Arbeitgeber und Investoren erkennen zunehmend die Vorteile der CFA-Qualifikation. Sie unterstützen ihre Mitarbeitenden beim Erwerb der Auszeichnung und schätzen zertifizierte Mitarbeitende besonders. Der berufsbegleitende und auf Selbststudium aufbauende Charakter des CFA-Programmes erlaubt vielen Kandidaten, weiterhin in Vollzeit tätig zu sein.

Welche Änderungen am Lehrstoff gab es 2011 und was dürfte 2012 angepasst werden?

Der Lehrstoff wird kontinuierlich an die realwirtschaftlichen Bedürfnisse angepasst. 2012 planen wir verschiedene Aspekte zu ändern. Im Level 1 wird ein grösseres Gewicht auf wirtschaftliches Grundverständnis (Economics) gelegt. Für 2013 ist das auch in den Levels 2 und 3 geplant, wobei der Fokus auf der Perspektive des Analysten und Portfoliomanagers liegen wird. Ausserdem wird ab 2012 Behavioural Finance in Level 1 und 3 höher gewichtet. Schliesslich überarbeiten wir auch die Sektionen zum weltweiten Financial Reporting, vor allem unter dem Aspekt der Konvergenz zu IFRS und der Gewinnqualität.

Warum kommen auf jedem der drei Level nur relativ wenige Prüfungsteilnehmer durch?

Das CFA-Programm ist anspruchsvoll und streng, man könnte es mit einem Masterabschluss in Finance und Investment vergleichen. Es gibt aber keine feststehende Durchfallquote, sondern es wird jedes Jahr neu definiert, welches Wissen ein neuer Investment-Fachmann mitbringen muss.

«In der Tat haben wir 2011 mehr Anmeldungen als jemals vorher verzeichnet.»
Nitin Mehta, Managing Director CFA Institute Europe

Glauben Sie dass das Nichtbestehen vor allem an zu wenig Lernzeit liegt oder dass sich Leute mit zu geringen Fähigkeiten einschreiben, der Zugang ist ja offen?

Es gibt viele Gründe, warum Kandidaten nicht bestehen. Auf jeden Fall verbessern ein diszipliniertes Selbststudium und genug Lernzeit die Chancen.

Ethik und Verhaltensregeln gehören zur Ausbildung. Wie bewerten CFA-Charterholder diese angesichts einer guten Geschäftsgelegenheit?

Ethische Werte kommen immer an erster Stelle und was man als Geschäftsgelegenheit wahrnimmt, reflektiert welches Verständnis man von professionellem Verhalten hat. Unser Kodex und unsere Standards haben zum Ziel, CFA-Charterholder entsprechend zu erziehen und zu sensibilisieren. Ganz zentral ist, dass die Interessen den Kunden an erster Stelle stehen. Gute Werte führen auch zu einem guten Geschäftsklima, was heute besonders wichtig ist.

Sind CFA-Charterholder qualifiziert um ethisch unkorrektes Verhalten in analysierten Firmen zu entdecken?

Dank ihrer Ausbildung haben CFA-Charterholder bessere Chancen, Fehlverhalten anderer Personen zu identifizieren. Sie sind auch ausgebildet, um unangemessene Entscheidungen oder Verhaltensweisen und deren Auswirkungen auf Investmententscheidungen zu identifizieren. Wenn jemand alle unsere Prüfungen bestanden hat und ein CFA-Charterholder ist, dann muss er sich auch an den CFA Code of Ethics und an die Standards of Professional Conduct halten, die sicherstellen, dass bestimmte Werte und Standards die Entscheidungsfindung bestimmen. Allerdings sind CFA-Charterholders keine Buchprüfer und haben deshalb keine Einsicht in alle Informationen und Prozesse eines Unternehmens.

«Das CFA-Programm ist anspruchsvoll und streng, man könnte es mit einem Masterabschluss in Finance und Investment vergleichen. Es gibt aber keine feststehende Durchfallquote, sondern es wird jedes Jahr neu definiert, welches Wissen ein neuer Investment-Fachmann mitbringen muss.»

Das CFA-Institute empfiehlt folgend der Mifid 2 Direktive der EU mehr Transparenz bei Börsentransaktionen mit Anleihen. Was ist der Hintergrund?

Transparenz bei Transaktionen mit praktisch allen Finanzinstrumenten ist ein zentrales Ziel der genannten EU-Reform. Die korrekte Preisbestimmung und Risikomessung von Wertpapieren sowie die Marktbeobachtung können sonst schwierig sein. Das gilt besonders für Over the Counter gehandelte Papiere wie Anleihen und Derivate. Bei Unternehmensanleihen, einem sehr grossen Markt, sind deutlich weniger Preisinformationen verfügbar wie bei Staatsanleihen, wo der Markt wesentlich liquider ist. Aus unserer Sicht würden Investoren von mehr Transparenz profitieren. Mit geringem oder keinem Informationszugang zu Transaktionspreisen und –volumen müssen sich Anleger auf von Händlern gelieferte indikative Kurse verlassen, die von tatsächlich realisierbaren Preisen weit entfernt sein können.

Im Frühling 2010 sagten Sie uns, dass Sie sich selbst für das CFA-Programm eingeschrieben hätten. Wie weit sind Sie heute?

Ich habe das Programm 2010 abgeschlossen. Es war harte Arbeit aber ich habe viel gelernt. Die meisten Absolventen weltweit sind Mitglied ihrer lokalen CFA-Gesellschaft, wo sie sich vernetzen können. Dadurch erhalten sie auch Zugang zu Weiterbildungsangeboten, die sich besonders bei den Themen Ethik und Integrität sehr empfehlen.

Was hat Sie im CFA-Programm am meisten beeindruckt?

Viele Dinge haben mich beeindruckt. Vor allem war es die starke Gewichtung der Ethik auf allen Ebenen des Programmes. Dazu kam die starke Praxisorientierung. In bleibender Erinnerung werde ich aber auch den notwendigen Fleiss und die Disziplin für das Selbststudium behalten.

Herr Mehta, vielen Dank für Ihre Antworten.

Der Gesprächspartner
Nitin Mehta ist Managing Director des CFA Institute, London, und ist verantwortlich für die Aktivitäten in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMEA). Bevor er zum CFA Institute kam, war er Head of International Equities beim Asset Manager Henderson Global Investors.

Das CFA Institute und die Swiss CFA Society
Das CFA Institute ist die globale Organisation für Finanzanalysten und Investmentexperten. Es organisiert die Lehrgänge CFA und CIPM sowie die entsprechenden Examensprogramme weltweit, veröffentlicht Studien, führt berufliche Weiterbildungsprogramme durch und setzt freiwillige, auf Ethik basierende Berufs- und Reporting-Standards für die Investmentbranche fest. Im Jahre 1996 gegründet, ist die Swiss CFA Society (SCFAS) eine der weltweit 135 Landesorganisationen des CFA Institute. Die SCFAS ist eine nicht gewinnorientierte Organisation und die erste Ländergesellschaft in der EMEA-Region, die direkt dem CFA Institute angeschlossen wurde. Die SCFAS zählt über 2’000 Mitglieder, was sie zur grössten CFA-Landesorganisation in Kontinentaleuropa macht.

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