Norbert Patt, CEO Titlis Bergbahnen, im Interview

Norbert Patt
Norbert Patt, CEO Titlis Bergbahnen. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Patt, die Titlis Bergbahnen haben das Ende Oktober abgeschlossene Geschäftsjahr 2016/17 mit einem 8,3% höheren Betriebsertrag, einem 24% höheren Gewinn (15,5 Mio Franken) und bei 1,16 Millionen Gästen mit dem zweitbesten Resultat der Firmengeschichte abgeschlossen. Was hat hauptsächlich zum guten Resultat geführt?

Das gute Ergebnis wurde dank der höheren Anzahl von Schneesportlern und Einzelreisenden erzielt. Aber auch die Erholung des Gruppengeschäftes aus dem asiatischen Raum trug dazu bei.

Wie teilen sich die Gäste auf die Sommer- und Wintersaison auf?

Die Sommer- und Wintersaison tragen mit je 50% zum Gesamtergebnis bei.

Der Winter 2016/17 präsentierte sich zwar mit vielen Sonnenstunden, allerdings fehlte zum perfekten Bergwinter der Schnee. Wie würde sich die Bilanz ohne die grossen Investitionen in Beschneiungsanlagen präsentieren?

Ohne die grossen Investitionen in die technische Beschneiung wäre dieses Resultat nicht möglich gewesen. Trotz wenig Schnee im ganzen Alpenraum hatten wir am Titlis oberhalb von 1800 Metern sehr gute Pistenverhältnisse und auch die Talabfahrt war dank technischer Beschneiung von Mitte Dezember bis Mitte April geöffnet.

Sie investieren stark im Bereich Schneesport. Welche Projekte sind derzeit in Planung?

Wir planen den Weiterausbau der technischen Beschneiung auf dem Titlis-Gletscher sowie den Ersatz der Sesselbahn Engstlen – eine moderne 6er-Sesselbahn mit Wetterschutzhauben und Sitzheizung.

„Unsere Beherbergungsbetriebe leisten mit jährlich 128‘000 Logiernächten einen wichtigen Beitrag für die Auslastung der Bergbahnen in Engelberg.“
Norbert Patt, CEO Titlis Bergbahnen

Welche Bilanz lässt sich hinsichtlich der Übernachtungszahlen in Ihren Beherbergungsbetrieben, dem Hotel Terrace, dem Titlis Resort und dem Berghotel Trübsee ziehen?

Unsere Beherbergungsbetriebe leisten mit jährlich 128‘000 Logiernächten einen wichtigen Beitrag für die Auslastung der Bergbahnen in Engelberg. Zudem ermöglichen die verschiedensten Beherbergungsprodukte eine differenzierte Vermarktung des Gesamtproduktes rund um unseren Berg Titlis.

In diesem Winter liegt mehr als genug Schnee. Wie hat sich das Geschäft über Weihnachten und zu Jahresbeginn präsentiert? Wie stark haben die Winterstürme das Geschäft negativ beeinflusst?

Die Ersteintritte von Anfang November bis Ende Januar sind 5% über der Vergleichsperiode des Vorjahres. Die sehr guten Schneeverhältnisse im November und Dezember haben zu diesem sehr guten Start in die Wintersaison beigetragen. Die schwierigen Wetterbedingungen im Januar dämpfen jedoch die Erwartungen für den Gesamtwinter.

Wenn wir über die laufende Schneesportsaison hinaus blicken: Gesamthaft verzeichnen die Schweizer Skigebiete Jahr für Jahr weniger Gäste. Können sich die Titlis Bergbahnen dieser Entwicklung auch in den kommenden Jahren entziehen?

Entgegen dem schweizweiten Trend konnten wir die Skierdays am Titlis in den letzten Jahren halten oder sogar leicht steigern. Wir sind überzeugt, mit konsequenten Investitionen in die Infrastruktur sowie in die Schneesportangebote die Anzahl Skierdays auch in Zukunft steigern zu können. Dennoch es wird schweizweit zu einer Bereinigung der Strukturen kommen müssen oder die öffentliche Hand beteiligt sich zunehmend an der Finanzierung von Bergbahnen.

„Wir beobachten den Markt, machen unsere Erfahrungen und werden zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen treffen.“

Seit dem letzten Winter und dem 222-Franken-Saisonabo in Saas Fee sind die Preise ins Rutschen gekommen. Top4-Skipass im Berner Oberland, der Magic Pass in der Westschweiz usw. In der Skiarena Andermatt-Sedrun waren Tageskarten im Januar sogar für 10 Franken zu haben. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?

Die Rahmenbedingungen für den Schweizer Tourismus und insbesondere für die Schweizer Bergbahnen bleiben vor allem in den traditionellen europäischen Märkten und dem klassischen Geschäftsfeld Schneesport sehr schwierig. Neu hinzu kommt ein unerbittlicher Preiskampf, welcher vor allem für die kleineren und mittleren Bergbahnunternehmungen ruinöse Tendenzen zeigt.

Wie macht sich die neue Preispolitik bei Ihnen bemerkbar? Können Sie sich der Entwicklung überhaupt entziehen?

Wir beobachten den Markt, machen unsere Erfahrungen und werden zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen treffen.

Wie wichtig ist es in diesem Zusammenhang, dass Sie ein Gesamtpaket mit Bergbahnen, Hotellerie und Gastronomie anbieten können?

Gesamtpakete sind seit vielen Jahren ein fester Bestandteil unserer Verkaufsstrategie. Mit unseren Bahnen, Hotels, Ferienwohnungen und Restaurants haben wir somit Einfluss auf die ganze Wertschöpfungskette.

Die ehemalige Skirennfahrerin Dominique Gisin wird der GV als Verwaltungsrätin vorgeschlagen. Was hat neben ihrem hohen Bekanntheitsgrad und ihrem Bezug zur Region den Ausschlag für diese Nomination gegeben?

Die 32-jährige Engelbergerin, Sportlerin des Jahres und Olympiasiegerin war acht Jahre im Nationalmannschaftskader von Swiss-Ski. Dominique Gisin verfügt über strategische Kompetenzen im Schneesport und Wintertourismus und ist mit den lokalen Gegebenheiten der Destination Engelberg bestens vertraut. Für die Weiterentwicklung der Titlis Bergbahnen sind unterschiedliche Kompetenzen und Perspektiven im Verwaltungsrat unabdingbar und relevant.

Herr Patt, vielen Dank für das Interview.

Zur Person:

Norbert Patt ist seit Oktober 2010 CEO der Titlis Bergbahnen, Hotels & Gastronomie.

Titlis Bergbahnen, Hotels & Gastronomie

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