Oliver Gasser, CEO AgaNola, im Interview

Oliver Gasser, CEO AgaNola, im Interview
Von Oliver Gasser, CEO AgaNola (Bild: AgaNola)

Von Helmuth Fuchs

Moneycab: Herr Gasser, Sie sind jetzt gerade etwa die berühmten ersten 100 Tage im Amt, was waren die wichtigsten Entscheidungen, die Sie in dieser Zeit gefällt haben, welche Prioritäten haben Sie sich für 2018 gesetzt?

Oliver Gasser: Ich habe mit AgaNola ein gut positioniertes und – was in der heutigen Zeit ja in der Finanzindustrie nicht selbstverständlich ist – ein wachsendes Unternehmen vorgefunden. Wir haben ein sehr gutes Momentum. Die zentralen Stärken von AgaNola als spezialisiertem Asset Manager sind die unternehmerische Freiheit und Flexibilität eines Unternehmens im Privatbesitz, die erfolgreich im Markt positionierten Produkte sowie das geballte Know-how der Investmentspezialisten.

„Im Gegensatz zu den oftmals als Casino beschriebenen Aktienmärkten sind Bonds eine viel berechenbarere Anlageklasse.“ Oliver Gasser, CEO AgaNola

Seit meinem Start als CEO habe ich den Fokus auf den Ausbau der verwalteten Vermögen gelegt, was bei bestehenden wie potenziellen Kunden Vertrauen schafft. Dieses Wachstum wollen wir in 2018 fortsetzen und ich freue mich, dabei auf die Unterstützung von AgaNola Chairman und Gründer Stefan Hiestand setzen zu können. In der Erweiterung des AgaNola-Angebots im Bereich meiner Kernkompetenzen wie der Kreditstrategien sehe ich interessante Potenziale für Innovationen.

Die Aktienmärkte sind wieder am boomen, neue Rekord-Meldungen gehören schon fast zur Tagesordnung. Wie attraktiv sind in solchen Zeiten die oft als eher etwas “langweilig” taxierten festverzinslichen Wertpapiere (Bonds).

Seit jeher hat mich das Universum der festverzinslichen Anlagen fasziniert und ich bin davon überzeugt, dass auch heute Obligationen in einem Portfolio als Ergänzung zu Aktien unerlässlich sind. Während meiner Karriere habe ich die Vorzüge von Fixed Income-Anlagen in unterschiedlichsten Marktzyklen schätzen gelernt. Bei Credit Suisse Asset Management baute mein Team ein Kreditportfolio von nahezu 8 Milliarden Franken auf mit  Anlageschwerpunkten auf globalen Kreditstrategien,  Wandelanleihen, strukturierten Krediten sowie flexiblen Multi-Sektor Ansätzen.

„Wir arbeiten an innovativen Lösungen, welche Kunden unsere Kernbereiche Wandelanleihen und Bonds besser erlebbar machen.“

Bei AgaNola haben wir eine Reihe von Spezialisten, die sich im Sinne der Grundlagenforschung intensiv mit der Natur und den Gesetzmässigkeiten von Obligationen auseinandersetzen. Unser Investmentstratege und promovierte Mathematiker Wolfgang Marty beispielsweise befasst sich seit Jahrzehnten mit dem Universum von Obligationen und Wandelanleihen und kommt immer wieder zu neuen Erkenntnissen, welche für unsere tägliche Investmenttätigkeit einen Mehrwert schaffen. In seinem vor wenigen Monaten erschienen Buch „Fixed Income Analytics“ befasst er sich beispielsweise intensiv mit dem Konzept der Konvexität und den teilweise sehr unterschiedlichen Eigenschaften und Verhalten von Bonds und Bond-Portfolios. Im Gegensatz zu den oftmals als Casino beschriebenen Aktienmärkten sind Bonds eine viel berechenbarere Anlageklasse, deren Gesetzmässigkeiten und Vorteile sich einem erst über ein intensives Studium erschliessen. Fazit: Fixed Income-Anlagen sind alles andere als langweilig.

Die Finanzbranche gerät durch die Digitalisierung und neue Mitbewerber aus der Fintech-Szene unter einen erhöhten Innovationsdruck. Welche Innovationen zeichnen sich im Bereich von Bonds und Wandelanleihen ab, wo sehen Sie Möglichkeiten für fundamentale Verbesserungen?

Vor dem Hintergrund, dass sich das gesamte Finanzökosystem – auch stark getrieben von veränderten Kundenbedürfnissen – dynamisch verändert, hat Digitalisierung auch für uns eine strategische Bedeutung. So zum Beispiel im Research-Bereich, wo wir – auch dank unserer strategischen Zusammenarbeit mit Credit Suisse Asset Management – unseren Kunden einen Mehrwert bieten können. Aktuelle Zahlen, Fakten und Analysen schaffen die Basis für Investmententscheidungen unserer Investmentexperten. In den Bereichen Settlement und Compliance lassen sich durch den Einsatz von Technologie Verbesserungen erzielen. Innerhalb der zunehmend digitalisierten Welt setzen wir auf Transparenz beispielsweise bei den Gebühren, auf Datensicherheit und Datenschutz.

Dank dem Einsatz von CRM bieten wir eine gezielte, personalisierte und bedürfnisgerechte Kundenkommunikation über verschiedene Kanäle und bauen sukzessive unsere Social Media-Präsenz auf. Wir arbeiten auch an innovativen Lösungen, welche Kunden unsere Kernbereiche Wandelanleihen und Bonds besser erlebbar machen und die Kompetenz von AgaNola unterstreichen. Zukünftig werden unsere Branche vermehrt Fragen beschäftigen, beispielsweise ob Bonds zukünftig wie gehabt aufgelegt werden oder welche Rolle die klassische Bank im Kontext von  Blockchain spielen wird.

Die wirtschaftliche Erholung hat sich verfestigt, die Prognosen sind vorwiegend positiv. Trotzdem sind die Zentralbanken sehr zögerlich bei der Lockerung der Zinspolitik. Welche Entwicklung erwarten Sie hier und was bedeutet das für Ihre Produktstrategie?

Die Weltwirtschaft hat sich weiter stabilisiert und selbst die Erholung im krisengeschüttelten Euro-Raum wird sich in 2018 allen Prognosen nach weiter fortsetzen. Die historische Finanzkrise vor 10 Jahren in Erinnerung sind die Zentralbanken nachvollziehbarer Weise sehr zögerlich hinsichtlich der Anhebung der Zinsen, wollen sie doch in keinem Fall den Konjunkturmotor abwürgen.

„Die Wandler bieten aktienähnliche Erträge, aber mit viel weniger Risiko als der direkte Besitz konventioneller Aktien.“

Dank der hohen Flexibilität unserer Produkte sind wir auf verschiedene Szenarien vorbereitet. Der Credit Suisse (Lux) AgaNola Global Value Bond Fonds beispielsweise verwendet Derivate zur taktischen oder systematischen Absicherung des Marktrisikos, vorwiegend Zins- und Kreditrisiken. Das Währungsrisiko wird auf einer kontinuierlichen Basis voll abgesichert. Je nach Ansicht des Investment Managements kann der Fonds in verschiedene Kreditsektoren wie zum Beispiel Investment Grade, Unternehmens-, Schwellenländer-, Hochzins-, Wandel- und verbriefte Anleihen investieren und somit auch eine positive Performance in einem Umfeld von steigenden Zinsen erzielen.

Eine Spezialität von AgaNola ist das Wissen und die Erfahrung zum Thema Wandelanleihen. Eine Anlageklasse, die besonders unter der Tiefzinspolitik leiden dürfte, da ihr Nominalzins meistens unter den Marktzinsen liegt. Weshalb sollte man sich dennoch mit Wandelanleihen beschäftigen?

Als lange Zeit unterschätzte Anlageklasse sind Wandelanleihen seit geraumer Zeit im Trend – und wir rechnen auch für 2018 mit einer positiven Entwicklung. Seit Beginn an hat sich AgaNola auf diese Anlageklasse spezialisiert und sich eine Reputation als führender Anbieter erarbeitet. So  hat unser Credit Suisse (Lux) AgaNola Global Convertible Bond Fund in 2017 im Peer-Vergleich eine Top-Platzierung erzielt. Als Unternehmensanleihe mit einer Option, die dem Halter erlaubt, die Obligation jederzeit in eine bestimmte Anzahl Aktien des emittierenden Unternehmens zu wandeln, bietet die Wandelanleihe „das Beste aus beiden Welten“.

Die Wandler bieten aktienähnliche Erträge, aber mit viel weniger Risiko als der direkte Besitz konventioneller Aktien. Sie werfen Zinsen ab und erstatten bei Fälligkeit das Kapital zurück und schützen so den Investor nach unten, wenn sich die unterlegte Aktie ungünstig entwickelt. Zudem ist die Zinssensitivität der Wandelanleihen deutlich geringer als bei konventionellen Obligationen, somit hat die Zinsentwicklung nur eine untergeordnete Bedeutung bei Wandelanleihen-Anlagen. Gerade in Zeiten von Tiefzins-Politik und volatiler Märkte haben sich Wandelanleihen als äusserst attraktiver Portfoliobaustein herauskristallisiert. Neuemissionen haben in den letzten Jahren diesen Trend verstärkt.

Wie sind die Aussichten dieser Anlageklasse für 2018? Die Entwicklung von Wandelanleihen hängt von der weiteren Entwicklung der Aktienmärkte ab, da empirischen Untersuchungen zufolge die Aktie der wichtigste Renditetreiber der Wandelanleihen ist. Gemäss einer Faustregel partizipieren Wandelanleihen zu rund zwei Dritteln an einer Aufwärtsbewegung und zu rund einem Drittel an einer Abwärtsbewegung der Aktien.

Seit ein paar Monaten bieten Sie den “Credit Suisse (Lux) AgaNola Global Value Bond Fund”. Wie hat er sich entwickelt, wie wichtig ist er für den Geschäftserfolg von AgaNola?

Mit diesem Fonds, den ich 2009 in meiner früheren Position als Head of Global Credit & Convertibles bei Credit Suisse Asset Management lanciert hatte, bieten wir den AgaNola-Investoren eine dynamische Alternative zu klassischen Obligationenstrategien insbesondere im aktuellen Tiefzinsumfeld.  Der Fonds wird gemeinsam von AgaNola und Credit Suisse Asset Management verwaltet und investiert ohne Einschränkung in sämtliche wichtige Anlageklassen für festverzinsliche Anlagen mit einem Fokus auf globale Unternehmensanleihen. Das Anlageziel des Fonds besteht darin, unabhängig von der Marktentwicklung eine überdurchschnittliche risikobereinigte Gesamtrendite zu erzielen, die den Anlegern von festverzinslichen Anlagen Diversifikationsvorteile und Renditesteigerungen bietet. Die Entwicklung ist sehr erfreulich hinsichtlich der verwalteten Vermögen und der Performance – sowohl gegenüber der Benchmark als  auch gegenüber Produkten von Mitbewerbern.

Gerade in Zeiten des Aufschwungs sind Investitionen in Indices ohne zusätzliche Abgaben in Verwaltungs- und Managementgebühren eine attraktive Option. Wo sehen Sie den Mehrwert einer Boutique wie Aganola für Anleger?

Passive Indices mögen ihre Berechtigung haben, wir sind jedoch von den Vorteilen aktiv gemanagter Portfolios überzeugt. Mit dem  Wandelanleihen-Angebot beispielsweise hat sich AgaNola auf Strategien spezialisiert, die passiv nicht so einfach replizierbar sind oder passiv nicht erfolgreich sind.

„Passive Indices mögen ihre Berechtigung haben, wir sind jedoch von den Vorteilen aktiv gemanagter Portfolios überzeugt.“

Als spezialisierter Asset Manager bieten wir unseren Kunden – Pensionskassen und privaten Anlegern, wie HNWI und Family Offices – einen Mehrwert durch unsere Spezialisierung, der Erfahrung und der Expertise unserer Portfolio-Manager und durch die Kenntnis der spezifischen Bedürfnisse. Das AgaNola-Leistungsspektrum reicht von der Beratung auf Produktebene über Managed Accounts bis hin zur Beratung von Anlagekomitees. Im Übrigen bezeichnen wir uns eher als „spezialisierter Asset Manager“ und vermeiden den Begriff „Investmentboutique“, mit dem zu hohe Preise assoziiert werden. Dank Skaleneffekten können wir unseren Kunden attraktive und kompetitive Konditionen anbieten.

Nach dem Scheitern der Reform der Altersvorsorge 2020 ist der Druck gestiegen, zum einen die Vorsorge-Werke neu auszurichten, zum anderen auch Möglichkeiten zu finden, die Renditen abzusichern. Welche Instrumente sehen Sie hier als geeignet an?

Das Altersvorsorgesystem muss sich einerseits auf die neue Realität der bescheideneren Renditen einstellen und andererseits neue Wege im Anlagemanagement begehen. Wir sehen noch unausgeschöpfte Potenziale im Anlageteil. Joe Bättig, Vizepräsident des AgaNola Verwaltungsrats und renommierter Vorsorgeexperte, plädiert in einem veröffentlichten Kommentar für mehr Mut zu weniger Regulierung und der Schaffung von vernünftigen Rahmenbedingungen auf der Anlageseite und fordert grössere Professionalisierung auf der Anlageseite.  Noch immer wird seiner Meinung nach in einigen Anlage- und Entscheidungsgremien laienhaft über die Anlagestrategie befunden. Es bedarf vermehrt Profis, die verbunden mit den Risiko Management-Tools passende Anlageinstrumente einsetzen wie zum Beispiel  Alternative Fixed Income, Bond Proxies, Multi Credit-Ansätze, Derivate zur Absicherung, Long/Short- oder marktneutrale Strategien. Hier stehen wir unseren Kunden mit Rat und Tat zur Seite.

Anfangs 2017 hat sich AgaNola das Ziel gesetzt, innerhalb von zwei Jahren die verwalteten Vermögen über 1 Milliarde zu steigern. Wo stehen Sie hier heute, welches Wachstum streben Sie für die kommenden Jahre an?

2017 war für AgaNola ein wichtiges und überaus erfolgreiches Jahr gewesen, in dem die im Dezember 2016 formierte strategische Zusammenarbeit mit Credit Suisse Asset Management im Bereich Wandelanleihen auf den Bereich Unternehmensanleihen ausgedehnt werden konnte. Dank dieser erfolgreichen Entwicklung konnten wir die für uns psychologisch wichtige Milliardengrenze Ende 2017 und damit weit früher als geplant überschreiten.

„Heute verwalten wir Kundenvermögen in Höhe von 1.3 Milliarden CHF. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir diesen Wert in diesem Jahr dynamisch weiterentwickeln können.“

Heute verwalten wir Kundenvermögen in Höhe von 1.3 Milliarden CHF. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir diesen Wert in diesem Jahr dynamisch weiterentwickeln können. Mindestens so wichtig wie das Wachstum und die Gewinnung von Neukundengelder ist, dass wir auch während der jüngsten Veränderungen wie den Fondsfusionen und dem Führungswechsel kaum Kundengelder verloren haben.

Zum Schluss des Interviews haben Sie zwei Wünsche frei, wie sehen die aus?

Mein persönliches Ziel ist zu beweisen, dass man als kleiner und spezialisierter Anbieter dauerhaft ganz oben in der Asset Management-Liga spielen kann. Zudem wünsche ich mir, dass unsere Branche zukünftig wieder ein Magnet für neue Talente sieht. Schliesslich nehmen wir mit dem Beitrag zum Wachstum und Sicherung von Kundenvermögen und Renten eine wichtige gesellschaftliche Verantwortung wahr.

Der Gesprächspartner:
Oliver Gasser (1973), seit Oktober 2017 CEO von AgaNola AG, blickt auf über 27 Jahre Berufserfahrung im Bankwesen zurück, zudem verfügt er über umfassende Investment Management- und Führungskenntnisse im Bereich Fixed Income. Ehe er zur AgaNola stiess, war er von 2008 bis 2017 bei der Credit Suisse Asset Management als Head of Global Credit tätig, wo er ein Kreditportfolio von nahezu CHF 8 Milliarden aufbaute, deren Anlageschwerpunkte globale Kreditstrategien (High Yield und Investment Grade), Wandelanleihen, strukturierte Kredite sowie flexible Multi-Sektor Ansätze in Form von Anlagefonds und institutionellen Mandaten beinhaltete. Davor war er von 2002 bis 2007 als Credit Portfolio Manager für die Optimierung des UBS-Kreditbuchs verantwortlich. Seine Laufbahn begann er 1990 bei der Credit Suisse, wo er während zwölf Jahren verschiedene Positionen im Bereich Fixed Income (Mid-office, Trading & Sales) inne hatte, dies sowohl bei der Credit Suisse als auch bei der Credit Suisse First Boston in Zürich. Er hat einen Bachelorabschluss in Betriebsökonomie der ZHAW in Zürich und ist CFA Charterholder.

Das Unternehmen:
AgaNola AG ist ein spezialisierter Asset Manager im Privatbesitz mit Sitz in Pfäffikon, Schwyz. Neben der Spezialität Wandel- und Unternehmensanleihen zählen diverse Fonds zum Angebot. Das AgaNola-Leistungsspektrum reicht von der Beratung auf Produktebene über Managed Accounts bis hin zur Beratung von Anlagekomitees. Zu AgaNola-Kunden zählen Pensionskassen und private Anleger, wie HNWI und Family Offices.

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