Patrick Camele, CEO SV Group

Patrick Camele

Patrick Camele, CEO SV Group. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab: Herr Camele, 2012 war für Sie ein ereignisreiches Jahr. Im Juli übernahmen Sie ad interim die Funktion des CEO der SV Group, im November erfolgte die definitive Ernennung, dies zusätzlich zu Ihrer Funktion als CEO der Gruppe in der Schweiz. Was stand für Sie in den letzten Monaten im Fokus?

Die weitere Umsetzung unserer Strategie, wonach unsere Kernmärkte Business- und Care Catering auch in Zukunft im Fokus stehen werden und ein zusätzliches Wachstum in den Bereichen Hotel, Restaurant mit Spiga und Seniorenmarkt angestrebt wird. Zudem lag der Fokus auf der Entwicklung eines Nachhaltigkeitsprogramms für unseren Kernmarkt Business. Im letzten Herbst konnten wir das Nachhaltigkeitsprogramm ONE TWO WE lancieren, das bereits erste Früchte trägt und bei unseren Kunden auf eine hohe Akzeptanz stösst.

Der Umsatz der SV Group konnte 2012 um 3,1 % auf 646 Mio Franken gesteigert werden. Verantwortlich dafür war vor allem das erste volle Betriebsjahr der drei im Vorjahr als Franchisenehmerin von Marriott eröffneten Hotels in Zürich und München. Das Renaissance Zürich Tower Hotel hat die Planziele dabei noch nicht erreicht. Wo sehen Sie die Gründe?

Das Renaissance Zürich Tower Hotel musste sich in einem schwierigen Markt behaupten und lag deshalb hinter dem Plan zurück. Wir befinden uns mit diesem Haus noch in der Aufbauphase und das direkte Umfeld des Hotels, der Kreis 5, steckt noch mitten in der Entwicklung.

Wie lief das Geschäft in den beiden Münchener Hotels?

Die beiden Münchner Hotels entwickeln sich sehr erfreulich. Das Residence Inn hat mit einer Auslastung von 90 % im ersten Betriebsjahr unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Der Markt für Langzeit-Geschäftsreisende hat viel Potenzial. Das Courtyard by Marriott entwickelt sich sehr zufriedenstellend und liegt punkto Auslastung nur noch geringfügig hinter den direkten Mitbewerbern zurück.

«Die Expansion im Bereich Hotels soll in einem vernünftigen Tempo vorangetrieben werden.»
Patrick Camele, CEO SV Group

Bestehen Pläne, das Hotel-Portfolio auszubauen?

Ja, die Expansion im Bereich Hotels soll in einem vernünftigen Tempo vorangetrieben werden.

Der weitaus wichtigste Umsatzträger ist die Führung von Personalrestaurants. Das Geschäftsfeld Business generierte 74 % des SV Group-Umsatzes. Gemäss Gastrosuisse hat der Konsum in der Schweizer Betriebs- und Gemeinschaftsgastronomie letztes Jahr um 4 % zugelegt. Trifft das auch bei der SV Group zu? Wie viele Mahlzeiten gingen über die Theke?

Ja, das trifft auch bei der SV Group zu. Wir konnten an dieser Entwicklung teilhaben und verzeichnete eine Steigerung bei der Anzahl Hauptmahlzeiten von 19.3 auf 20 Millionen.

Konnten neue Mandate im Bereich Business gewonnen werden?

Obwohl 2012 kein Jahr der grossen Ausschreibungen im Business Catering war, konnte die SV Group in der Schweiz 15 neue Mandate gewinnen.

Wie viele Betriebe im Bereich Business führt die SV Group?

Wir führen in den drei Ländern 435 Betriebe, davon 287 in der Schweiz.

«Auch Nicht-Vegetarier essen öfters vegetarisch.»

Welche aktuellen Trends sind in der Betriebsverpflegung festzustellen?

Echte und glaubwürdige Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde. Dazu gehört Transparenz bei der Herkunft der Lebensmittel. Die Gäste in den Personalrestaurants wollen vermehrt wissen, von wo die Lebensmittel stammen. Im Zuge der Nachhaltigkeitsdiskussion gewinnt vegetarisches Essen immer mehr Anhänger. Auch Nicht-Vegetarier essen öfters vegetarisch. Nachdem über Jahrzehnte in der Gemeinschaftsverpflegung das sogenannte Menu 1 immer eine Fleisch- oder Fischkomponente enthalten musste, werden vegetarische Gerichte auf dem Menu 1 wieder salonfähig.

Ihre Strategie legt den Fokus neben Business auf den Care-Bereich, also die Verpflegung Pflegeheimen, Altersresidenzen und Krankenhäusern. Hier werden rund 10 % des Umsatzes erwirtschaftet. Entwickelt sich der Bereich nach Ihren Vorstellungen?

Der Bereich Care lief in Österreich sehr gut. Unsere Erwartungen wurden vollumfänglich erfüllt. In Deutschland hingegen zeigte sich der Markt, dem generell ein grosses Potenzial zugesprochen wird, eher träge. Die Anzahl der ausgeschriebenen Mandate war tiefer als in den Vorjahren. Hier haben wir per 1. Januar 2013 die Mehrheit an einem sehr innovativen Anbieter im Care Markt übernommen. Mit der erweiterten Dienstleistungspalette werden wir wieder an das Wachstum der Vergangenheit anknüpfen können. In der Schweiz hingegen ist der Care-Markt noch nicht offen für externe Anbieter. Falls sich die Ausgangslage ändern sollte. sind wir bereit.

Wie stark spüren Sie im Care-Bereich den Kostendruck im Gesundheitswesen?

Der Kostendruck im Care-Bereich in Deutschland ist unbestritten vorhanden. Hier bremste eher die langwierige Diskussion um den Mehrwertsteuersatz für Caterer das Wachstum. In der Schweiz löst der Kostendruck im Gesundheitswesen noch keine Diskussionen bezüglich eines Outsourcings des Verpflegungsbereichs aus. Auch bei uns gibt es Hürden für Caterer in der Mehrwertsteuerfrage.

«Rein aufgrund der demografischen Entwicklung wird der Care-Bereich einer der Zukunftsmärkte sein.»

Von welchen Entwicklungen im Care-Bereich gehen Sie in Anbetracht einer immer älter werdenden Gesellschaft aus?

Bis zum Jahr 2040 wird jeder vierte Deutsche über 60 Jahre alt sein. In der Schweiz sieht es ähnlich aus. Rein aufgrund der demografischen Entwicklung wird der Care-Bereich einer der Zukunftsmärkte sein. An dieser Entwicklung möchten wir partizipieren.

Die Schweiz ist mit einem Anteil von 76 % der mit Abstand wichtigste Markt für die SV Group. Welche Entwicklungen waren im Geschäft in Deutschland und Österreich festzustellen?

Die Schweiz wird auch zukünftig unser geografischer Kernmarkt bleiben. In Österreich sind wir wiederum zweistellig gewachsen und auch in Deutschland sah die Entwicklung im Business Catering sehr positiv aus. Diesen Wachstumskurs wollen wir in nächsten Jahren in den Auslandmärkten fortführen.

Wo setzen Sie im laufenden Jahr die Schwerpunkte?

Wir wollen den erfolgreichen Kurs des Vorjahres fortführen. In der Schweiz steht die Eröffnung von weiteren SPIGA-Outlets an. Weiter liegt ein Fokus auf dem Rollout unseres Nachhaltigkeitsprogramms ONE TWO WE und in Deutschland und Österreich auf dem Care Markt.

Herr Camele, besten Dank für das Interview.

Zur Person:
Patrick Camele, Jahrgang 1965, Patrick Camele wurde per 15. November 2012 zum CEO der SV Group ernannt. Er hatte die Funktion des Konzern-CEO ad interim seit Juli 2012 bekleidet. Diese Verantwortung übernimmt er zusätzlich zu seiner Funktion als CEO der SV Group in der Schweiz, die er seit Januar 2010 inne hat. Er ist Betriebsökonom der Fachhochschule St. Gallen und hat einen Executive MBA der Fachhochschule Luzern. Seine berufliche Laufbahn begann Patrick Camele bei der Schweizerischen Bankgesellschaft. 1993 wurde er Nationaler Key Account Manager Bestfoods Schweiz. Seit 1999 war Patrick Camele als Geschäftsführer des Foodservice-Bereichs bei Unilever in diversen europäischen Ländern tätig. Patrick Camele ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Zum Unternehmen:
Die SV Group AG mit Holdingsitz in Dübendorf ist in der Schweiz, Deutschland und Österreich im Business, Care und Event Catering, im Hotelmanagement, im Senior Market und in der Gastronomie tätig. 2012 erwirtschaftete der Konzern mit rund 8400 Beschäftigten einen Nettoumsatz von CHF 646 Mio. Die SV Group besitzt die Konzept- und Markenrechte von Spiga und für die Hotelmarken Courtyard by Marriott, Renaissance und Residence Inn by Marriott.

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