Patrick Gügi, CEO Fisch Asset Management

Patrick Gügi, CEO Fisch Asset Management

Patrick Gügi, CEO Fisch Asset Management.

Moneycab: Herr Gügi, 2011 war für viele Investoren ein Jahr der Verluste, nur wenige Anlageklassen vermochten positive Renditen abwerfen. Wie sieht Ihre Bilanz für das 2011 aus und was erwarten Sie für das Jahr 2012?

Patrick Gügi: Das Börsenjahr 2011 brachte heftige Erschütterungen: Arabischer Frühling, Fukushima, Verschuldungskrise in den USA, Europa und vor allem Griechenland sowie die Intervention der SNB. Vor allem auch das schwindende Vertrauen in die Politik führte zu starken Kursverlusten. Mit den verschiedenen Rettungsmassnahmen wurde nun Zeit gekauft. Darum wird auch das 2012 anspruchsvoll werden. Für die Wandelanleihe und deren automatisiertes Timing des Aktienexposures ist dies ein interessantes Umfeld.

«Der Trend zu Sicherheit und das kompromisslose Verfolgen unserer Vision des weltweit führenden Wandelanleihenanbieters haben uns geholfen.» Patrick Gügi, CEO Fisch Asset Management

Sie sprechen Wandelanleihen an. Wo sehen Sie die Rolle von Wandelanleihen für die Anleger in Zukunft?

Die positiven Eigenschaften der Wandelanleihe sprechen sich immer mehr herum. Wer die Risikoprämien Zinsen, Kredit, Aktien und Volatilität kaufen will, bekommt mit Wandelanleihen einen Paketabschlag und das automatisierte Timing des Aktienexposures und den eingebauten Inflationsschutz gratis dazu. Weiterhin gilt die Faustregel, dass der Anleger die Aufwärtsbewegung zu 2/3 und Abwärtsbewegung nur zu 1/3 mitmacht.

Welchen Anteil innerhalb des Gesamtportfolios sollten Investoren denn in Wandelanleihen investieren?

Das hängt sehr stark vom Risikoprofil des Investors sowie Ansatz und Ziel des entsprechenden Portfolios ab. Wir geben grundsätzlich keine pauschalen Empfehlungen ab, da wir individuell beraten. Der Wert sollte irgendwo im Bereich von 5-50% liegen.

Fisch Asset Management konnte im letzten Jahr einen Neugeldzufluss von 900 Millionen Franken auf 5.2 Milliarden Franken verzeichnen, bereits im 2010 wurde 1 Milliarde Franken Neugeld erzielt. Dies mit Wandelanleihen und Obligationenfonds, Anlageprodukte, die lange Zeit als langweilig und uninteressant galten. Ein Zeichen der Verunsicherung und der Abkehr von risikoreichen Produkten?

Es ist klar, dass unsere Produkte auch aufgrund der momentanen Marktlage nachgefragt werden. Der Trend zur Sicherheit war im vergangenen Jahr offensichtlich. Wandelanleihenstrategien bieten diese Sicherheit an, bei gleichzeitiger Partizipation an Aufwärtstrends der Aktienkurse. Das hervorragende Abschliessen im vergangenen Jahr aber nur mit der Marktlage zu erklären, scheint mir etwas zu kurz gegriffen.

Womit kann es denn zusätzlich erklärt werden?

Der Trend zu Sicherheit und das kompromisslose Verfolgen unserer Vision des weltweit führenden Wandelanleihenanbieters haben uns geholfen. Eine zentrale Vorgabe der Firmenvision konnten wir in den defensiven Strategien überzeugend erfüllen, nämlich Schutz und Überperformance in schwierigen Marktphasen. Sicherheit liefern wir unseren Kunden zusätzlich mit unseren ausführlichen Reportings. Auch für unsere zwei Wandelanleihenfonds stellen wir ein monatliches, 30-seitiges Reporting zur Verfügung. Dies hilft dem Kunden zu beurteilen, ob sein Vermögensverwalter das Portfolio jederzeit im Griff hat. Die Konzentration auf das Verwalten von Wandelanleihen und deren Bausteine werden von den Kunden zunehmend geschätzt, was uns für 2012 positiv stimmt.

«Wir begrüssen grundsätzlich jegliche Initiativen, die zu mehr Transparenz führen.»

Durch die Zusammenarbeit mit Schroders plc (Schroders hält auch 10% der Aktien der Fisch Asset Management) wurde der Geschäftsradius auch geografisch ausgeweitet. Welche Strategie haben Sie bezüglich Internationalisierung und Wachstum?

Die Zusammenarbeit im Vertrieb mit Schroders wird uns helfen, auch Kunden ausserhalb unserer Kernmärkte Schweiz, Liechtenstein, Deutschland und Österreich anzusprechen.

Ein ambitioniertes Ziel, ist doch der Bereich „Asset Management“ hart umkämpft. Wie sehen Sie den Markt und wie ist Fisch Asset Management positioniert?

In den vergangenen Jahren sind tatsächlich viele ausländische Asset Management Gesellschaften in den Schweizer Markt gedrungen und haben die Konkurrenzsituation verschärft. Mit unseren speziell für Wandelanleihen entwickelten Tools und dem in Europa grössten Wandelanleihen-Team (15 Portfolio Manager und 10 Analysten) profitieren wir von der zusätzlichen Konkurrenz. Dies weil die grossen Häuser mit ihrem Marketingpower die Vorteile der Wandelanleihe einer breiteren Kundschaft bekannt gemacht haben. Dank Kompetenz, Kultur und Kontinuität sind wir in einer Pole-Position, um davon überproportional profitieren zu können.

Die Kursentwicklung im Bondbereich wird momentan stark von der Schuldenkrise beeinflusst. Welche Strategie empfehlen Sie hier zurzeit?

Eine saubere Diversifikation und ein unabhängiges Kredit-Rating, wie wir es dank unserer Tochter Independent Credit View haben, sind die Basis. Auf der taktischen Ebene sollte man den Fokus verstärkt Richtung Emerging Markets Investment Grade legen. Wir sind überzeugt, dass dort das Verhältnis von eingegangenem Risiko versus Renditemöglichkeiten am attraktivsten ist.

«Bei uns kennt jeder das Salär des anderen. Und auf individuelle Boni verzichten wir aus verschiedenen Gründen.»

Der Finanzsektor wird immer strenger reguliert und mit höheren Auflagen bedacht. Wie wirkt sich das auf Fisch Asset Management bezüglich Reporting gegenüber den Behörden und Kunden aus?

Uns tangiert das nur bedingt, da wir unseren Kunden schon seit längerem ein ausführliches Reporting anbieten und bereits als Effektenhändler der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) unterstehen. Wir begrüssen grundsätzlich jegliche Initiativen, die zu mehr Transparenz führen. Unser monatliches, 30-seitige Reporting soll den Kunden zeigen, dass unsere Fondsmanager ihr Handwerk verstehen und ihre Performance kein Zufallsprodukt ist.

In der Diskussion um exorbitante Managergehälter und Boni in der Finanzbranche wird von den betroffenen Firmen mehrheitlich als Argument aufgeführt, dass sie nur so die besten Mitarbeiter gewinnen und halten könnten. In Mitarbeiterumfragen zur Zufriedenheit am Arbeitsplatz ist die Höhe des Lohns jedoch meist relativ weit hinten platziert. Wo liegt die Wahrheit aus Ihrer Sicht?

Wir sind überzeugt, dass wir dank Teamarbeit gegenüber der Konkurrenz einen entscheidenden Mehrwert erzielen können. Darum verfolgt Fisch in Sachen Transparenz und Lohnkonzept eine andere Strategie. Bei uns kennt jeder das Salär des anderen. Und auf individuelle Boni verzichten wir aus verschiedenen Gründen. Wir bieten unseren Mitarbeitenden stattdessen Flexibilität, Teamspirit und die Möglichkeit, an einer Erfolgsstory mitzugestalten. Dies ist mitunter mehr gefragt als optimierte Verdienstmöglichkeiten.

Zum Schluss des Gespräches haben Sie zwei Wünsche frei. Wie sehen diese aus?

Mein Wunsch an die Investoren ist, dass sie wieder vermehrt zwischen den verschiedenen Aktivmanagern differenzieren. Sie sollen recherchieren, welche Aktivmanager effektiv einen Mehrwert gegenüber dem Index erwirtschaften und in diese Fonds investieren.

Zudem wünsche ich mir, dass Fisch die Balance zwischen Wachstum und dem Erhalt des Boutique-Charakters weiterhin gelingt.

Der Gesprächspartner:
Nach der Uni stieg Patrik Gügi 1990 bei der Schweizerischen Kreditanstalt in eine neue Abteilung ein, welche die Erkenntnisse der Modernen Portfolio Theorie in die Bank implementierte. Seine Dissertation ermöglichte ihm, sein Wissen auf dem Gebiet Finance zu vertiefen. Im Jahr 2000 war er für die Entwicklung und den weltweiten Vertrieb von Risikomanagement- und Performanceattribution-Software, den quantitativen Research und zwei quantitative Aktienfonds zuständig, sowie Mitglied des Anlagekomitees der CSPB. Nach 10 Jahren bei der Credit Suisse gründete er die Dr. P. Gügi Consulting, welche Risikomanagement-Software und Beratung anbot. 2007 erreichte die Fisch Asset Management mit 4 Mrd Assets und über 30 Mitarbeitern eine sehr interessante Grösse und Patrick Gügi entschied sich für die Herausforderung bei der dynamisch wachsenden Fisch Asset Management.

Über Fisch Asset Management
Fisch Asset Management gehört zu den weltweit führenden Anbietern im Bereich Wandelanleihen. Das hierfür benötigte Spezialwissen in Kreditanalyse und Asymmetrie wird auch erfolgreich in den mit verschiedenen Lipper Fund Awards ausgezeichneten Anleihenfonds eingesetzt. Die Unternehmung wurde 1994 von Kurt Fisch und Dr. Pius Fisch gegründet und verwaltete per Dezember 2011 mit 50 Mitarbeitenden ein Kundenvermögen von CHF 5.2 Mrd. Historisch stammen die Kundengelder in erster Linie von institutionellen Kunden aus dem deutschsprachigen Europa – Schweiz, Deutschland, Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein. Dank der strategischen Zusammenarbeit mit Schroders plc bietet Fisch ihre Fonds und Mandate auch weltweit an. Fisch ist als Effektenhändlerin zugelassen und untersteht der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA).

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